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| | Baron '''Friedrich v. Löwenstern''' (* [[15. Juni]] [[1829]] auf Schloss Wandsbek, früher Dänemark, Wandsbek ist heute ein Stadtteil der Freien und Hansestadt | | Baron '''Friedrich v. Löwenstern''' (* [[15. Juni]] [[1829]] auf Schloss Wandsbek, früher Dänemark, Wandsbek ist heute ein Stadtteil der Freien und Hansestadt |
| | Hamburg; † [[20. November]] [[1910]] in der [[Villa Löwenstern]] in Oberalm) war der erste aus der Familie [[Löwenstern]], der sich in der [[Tennengau]]er Gemeinde [[Oberalm]] niederließ. | | Hamburg; † [[20. November]] [[1910]] in der [[Villa Löwenstern]] in Oberalm) war der erste aus der Familie [[Löwenstern]], der sich in der [[Tennengau]]er Gemeinde [[Oberalm]] niederließ. |
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| | + | Die Familie der Barone v. Löwenstern v. Rigemann ist deutsch-baltischen Geschlechts. Es handelt sich um eine Kaufmanns- und Großgrund- sowie Gutsbesitzerfamilie aus Estland. Sie findet ihren Ursprung im Jahr 1387. Zu den Besitztümern der Familie in Estland/Baltikum zählten unter anderem die Güter Walküll, Jendel, Forell, Rasik, Campen, Pikwa, Wechmut und Allafer in einer Größenordnung von ca. 29.000 Hektar. Reichsadel durch Kaiser Maximilian II aus 1537, die Aufnahme in den schwedischen Adelsstand erfolgte durch Königin Christine von Schweden am 14. November 1650, eingetragen unter Nr. 78 im Ritterhaus zu Riga und unter Nr. 741 im Ritterhaus zu Stockholm. Preußische Adelsanerkennung des Titels eines Freiherrn durch Heroldamtsreskript Berlin vom 30. März 1868 und durch die Reskripte des Preußischen Heroldamtes vom 15. August 1900 und 31. Jänner 1906 des Barontitels. Für die Adelsanerkennung in Österreich siehe Eintragung bei Siebmacher für Salzburg, Schleswig-Holstein und Schlesien. In der EDDA (Eisernes Buch Deutschen Adels Deutscher Art) ist die Familie der Barone v. Löwenstern unter der Nr. 144 eingetragen. Im GOTHA findet sich die Familie in dem Buch der „Freiherr`lichen Häuser“ wider. |
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| | == Leben == | | == Leben == |
| | === Kindheit === | | === Kindheit === |
| − | Baron Friedrich v. Löwenstern kam als Sohn von Baron Georg Heinrich v. Löwenstern und seiner Gemahlin Adelaide Laura Tugendreich, geb. Gräfin v. Schimmelmann aus dem Hause Lindenbourg, Tochter des Kaufmannes, Großgrundbesitzers und Dänischen Schatzmeisters Graf Christian v. Schimmelmann, Gutsherr von Schloss Lindenbourg auf Jütland, Schloss Wandsbek, Schloss Ahrensburg usw. zur Welt. Die prominenten Paten waren der dänische König Frederik VI und Herzog von Schleswig Holstein sowie die dänische Königin seine Patentante. | + | |
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| | + | Baron Friedrich v. Löwenstern kam als Sohn von Baron Georg Heinrich v. Löwenstern (geb. am 23.11.1786 in Reval geboren und gest. am 20.09.1856 in Kiel. Er vereinigte zahlreiche Besitzungen, unter anderem das Familiengut Jendel in Estland, die Villa Seelust in Kiel, das Schloss und Gut Hellebek bei Helsingör auf Seeland in Dänemark, die Villa Seelust in Dänemark/Schleswig-Holstein, die Villa Seelust bei Clampenburg nahe Kopenhagen, die Villa Christiansholm bei Kopenhagen. Er war kaiserlicher russischer Gardeoberst und dänischer Generalmajor sowie außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister des Königs von Dänemark und in dieser Funktion von 1827 bis 1829 in Rio de Janeiro - die Zeit von Prinz und später Kaiser Don Pedro I, verheiratet mit der Erzherzogin Leopoldine v. Österreich verheiratet, und von 1835 bis 1847 in Wien. Für besondere Verdienste im Laufe seines Lebens und beruflichen Laufbahn erhielt er zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Dazu zählten der St. Anna Orden, das Goldenes Kreuz für Eylau, der St. Wladimir-Orden mit Schleife, das Ritterkreuz des Schwert-Ordens, die Medaille für die Einnahme von Paris, Commandeur des Dannebrog, das Großkreuz des Dannebrog, das Dannebrog-Mann-Kreuz, das Großkreuz des Ordens der Eisernen Krone 1. Klasse) und seiner Gemahlin Adelaide Laura Tugendreich (geb. am 30.11.1796 in Kopenhagen als Gräfin v. Schimmelmann a.d. Hs. Lindenbourg. Tochter des Kaufmannes, Großgrundbesitzers und Dänischen Schatzmeisters Graf Christian v. Schimmelmann, Gutsherr von Schloss Lindenbourg auf Jütland, Schloss Wandsbek, Schloss Ahrensburg, usw., Teil-Erbin des Gräfl. Schimmelmann`schen Fideikommisses, Erbin diverser Plantagen u.a. auf St. Croix) zur Welt. Georg und Adelaide hatten fünf Kinder: Adelbert, Georgine, Adelaide, Laurette und Friedrich. |
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| | + | Die prominenten Paten von Friedrich waren der dänische König Frederik VI und Herzog von Schleswig Holstein sowie die dänische Königin seine Patentante. |
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| | Friedrich - der Fritz genannt wurde - wuchs mit seinen Geschwistern auf dem Familiengut Jendel in Estland, in der Löwenstern-Villa Christiansholm bei Kopenhagen und Seelust in Kiel auf. Einen längeren Aufenthalt in Rio de Janeiro verbrachte er mit seinen Eltern, von dem sie im April 1829 nach Dänemark zurückkehrten. Um auch mit Österreich einen Handelsvertrag, wie zuvor mit Brasilien, zu verhandeln und zu beschließen, wurde sein Vater 1835 vom dänischen König ersucht, als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister,nach Wien zu reisen, wohin ihm seine Mutter, seine Geschwister und er folgten. Doch für die Beendigung der Schule reiste Friedrich wenige Monate später nach Dresden. 1843 im Herbst ging nach Abschluss der Schule in das Kadettencorps in Dresden, das zur Sächsischen Armee gehörte. Da es ihm dort nicht gefiel, sorgte sein Vater dafür, dass er in Wien zur Österreichischen Armee kam. | | Friedrich - der Fritz genannt wurde - wuchs mit seinen Geschwistern auf dem Familiengut Jendel in Estland, in der Löwenstern-Villa Christiansholm bei Kopenhagen und Seelust in Kiel auf. Einen längeren Aufenthalt in Rio de Janeiro verbrachte er mit seinen Eltern, von dem sie im April 1829 nach Dänemark zurückkehrten. Um auch mit Österreich einen Handelsvertrag, wie zuvor mit Brasilien, zu verhandeln und zu beschließen, wurde sein Vater 1835 vom dänischen König ersucht, als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister,nach Wien zu reisen, wohin ihm seine Mutter, seine Geschwister und er folgten. Doch für die Beendigung der Schule reiste Friedrich wenige Monate später nach Dresden. 1843 im Herbst ging nach Abschluss der Schule in das Kadettencorps in Dresden, das zur Sächsischen Armee gehörte. Da es ihm dort nicht gefiel, sorgte sein Vater dafür, dass er in Wien zur Österreichischen Armee kam. |
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| | Seine militärische Laufbahn ging im Ulanen-Regiment Erzherzog Karl Nr. 3 weiter, wo er zum Seconda-Rittmeister befördert. Das Regiment stand in Bukarest zur Zeit des Krim-Krieges 1854/1856, in dem England und Frankreich gegen Russland kämpften, Österreich den Westmächten beitrat. Friedrich war auch bei diesen Kampfhandlungen dabei. | | Seine militärische Laufbahn ging im Ulanen-Regiment Erzherzog Karl Nr. 3 weiter, wo er zum Seconda-Rittmeister befördert. Das Regiment stand in Bukarest zur Zeit des Krim-Krieges 1854/1856, in dem England und Frankreich gegen Russland kämpften, Österreich den Westmächten beitrat. Friedrich war auch bei diesen Kampfhandlungen dabei. |
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| − | 1856 starb sein Vater Georg Heinrich in Kiel und zwei Jahre später quittierte Friedrich seinen militärischen Dienst mit dem Beibehalt eines Majors der Reserve. Er zog nach Kiel, studierte Landwirtschaft und suchte sich eine Frau. Daneben war er viel Reisen, bei denen er u. a. Hamburg, Belgrad, Pest, Dresden, Teplitz, Norderney und München besuchte. 1863 kehrte er zu einem Weihnachtsurlaub im Familienhaus Seelust bei Kiel zurück. Kurz darauf begann der Krieg der preußische und österreichische Truppen gegen die Dänen, die sich Schleswig-Holstein einverleiben wollten. Friedrich rückte sofort zum Militär als gebürtiger Däne (dänisch war seine Muttersprache) als Ordonnanzoffizier bei Feldmarschall-Leutnant v. Gablenz ein. Friedrich erhielt im Verlauf dieses Krieges das Militär-Verdienstkreuz. Nach Ende der Kampfhandlungen zog es Friedrich nach München, von wo er aber schon bald nach [[Salzburg]] zog, da hier mehr gesellschaftliches Leben und kulturelle Veranstaltungen stattfanden. Friedrich handelt mit den edlen Tiger-Schimmel | + | 1856 starb sein Vater Georg Heinrich in Kiel und zwei Jahre später quittierte Friedrich seinen militärischen Dienst mit dem Beibehalt eines Majors der Reserve. Er zog nach Kiel, studierte Landwirtschaft und suchte sich eine Frau. Daneben war er viel Reisen, bei denen er u. a. Hamburg, Belgrad, Pest, Dresden, Teplitz, Norderney und München besuchte. 1863 kehrte er zu einem Weihnachtsurlaub im Familienhaus Seelust bei Kiel zurück. Kurz darauf begann der Krieg der preußische und österreichische Truppen gegen die Dänen, die sich Schleswig-Holstein einverleiben wollten. Friedrich rückte sofort zum Militär als gebürtiger Däne (dänisch war seine Muttersprache) als Ordonnanzoffizier bei Feldmarschall-Leutnant v. Gablenz ein. Friedrich erhielt im Verlauf dieses Krieges das Militär-Verdienstkreuz. Nach Ende der Kampfhandlungen zog es Friedrich nach München, von wo er aber schon bald nach [[Salzburg]] zog, da hier mehr gesellschaftliches Leben und kulturelle Veranstaltungen stattfanden. Friedrich handelt mit den edlen Tiger-Schimmel Pferden, die sogenannten Noriker. |
| − | Pferden, die sogenannten Noriker. | |
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| | === Friedrich kommt nach Salzburg === | | === Friedrich kommt nach Salzburg === |
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| | Nachdem sein Schwiegervater 1868 einen Schlaganfall erlitten hatte, in dessen Folge er physisch immer schwächer wurde, übernahm Friedrich die Leitung des Betriebes, die [[k. k. privilegierten chemischen Produktenfabrik Robert & Companie]] in Oberalm noch im selben Jahr. Sein Schwiegervater Justin Robert starb im Jahr 1870. Mit großer Energie kümmerte sich nun Friedrich um dem weiteren Ausbau des Unternehmens in Oberalm. Kaufangebote des Robertschen Unternehmens scheiterten zunächst an den horrenden Preisvorstellungen, die Florent Robert, der Bruder seines Schwiegervaters Justin Robert, dafür verlangte. Doch schließlich erhielt Friedrich ein äußerst günstiges Kaufangebot. Dass es dazu noch gekommen war, dürfte der Umstand gewesen sein, dass der älteste Bruder Louis bereits schon seit 1860 tot und Florent Justin, selbst über 80 Jahre, inzwischen sehr krank war. Friedrich hatte das Unternehmen in Oberalm [[1870]] mit sämtlichem Eigentum in Salzburg vom Großhandelshauses Robert & Companie in Wien für 46.528 [[Gulden]] erworben, für einen Pappenstiel, wie Friedrich begeistert meinte. | | Nachdem sein Schwiegervater 1868 einen Schlaganfall erlitten hatte, in dessen Folge er physisch immer schwächer wurde, übernahm Friedrich die Leitung des Betriebes, die [[k. k. privilegierten chemischen Produktenfabrik Robert & Companie]] in Oberalm noch im selben Jahr. Sein Schwiegervater Justin Robert starb im Jahr 1870. Mit großer Energie kümmerte sich nun Friedrich um dem weiteren Ausbau des Unternehmens in Oberalm. Kaufangebote des Robertschen Unternehmens scheiterten zunächst an den horrenden Preisvorstellungen, die Florent Robert, der Bruder seines Schwiegervaters Justin Robert, dafür verlangte. Doch schließlich erhielt Friedrich ein äußerst günstiges Kaufangebot. Dass es dazu noch gekommen war, dürfte der Umstand gewesen sein, dass der älteste Bruder Louis bereits schon seit 1860 tot und Florent Justin, selbst über 80 Jahre, inzwischen sehr krank war. Friedrich hatte das Unternehmen in Oberalm [[1870]] mit sämtlichem Eigentum in Salzburg vom Großhandelshauses Robert & Companie in Wien für 46.528 [[Gulden]] erworben, für einen Pappenstiel, wie Friedrich begeistert meinte. |
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| − | Zum Besitz gehörten die Fabrik, die [[Villa Löwenstern|Villa]] samt Garten und Nebengebäuden, sowie verschiedene [[Marmor]]<nowiki>brüche</nowiki> in [[Adnet]] und Waldparzellen. Fritz wollte das Marmor-Mosaik herstellen. Deshalb kaufe er die Adneter-Steinbrüche und von Prinz Leopold v. Bayern den Untersberg mit den drei Marmorbrüchen. Er gründete die Freiherr`lichen v. Löwenstern`schen Marmor-Waaren-Fabrik zu Oberalm. Durch die 1871 erfolgte Eröffnung der Salzburg-Halleiner-Bahn]] verbesserte sich die verkehrsmäßige Anbindung Oberalm entscheidend. Schon während der Planung dieser Eisenbahnstrecke hatte Friedrich das Projekt tatkräftig unterstützt und schließlich den Baugrund für den [[Bahnhof Hallein|Bahnhof]] zu einem günstigen Preis in [[Hallein]] verkauft. An diese Mäzenatentum erinnernd wurde die Straße beim Bahnhof | + | Zum Besitz gehörten die Fabrik, die [[Villa Löwenstern|Villa]] samt Garten und Nebengebäuden, sowie verschiedene [[Marmor]]<nowiki>brüche</nowiki> in [[Adnet]] und Waldparzellen. Fritz wollte das Marmor-Mosaik herstellen. Deshalb kaufe er die Adneter-Steinbrüche und von Prinz Leopold v. Bayern den Untersberg mit den drei Marmorbrüchen. Er gründete die Freiherr`lichen v. Löwenstern`schen Marmor-Waaren-Fabrik zu Oberalm. Durch die 1871 erfolgte Eröffnung der Salzburg-Halleiner-Bahn]] verbesserte sich die verkehrsmäßige Anbindung Oberalm entscheidend. Schon während der Planung dieser Eisenbahnstrecke hatte Friedrich das Projekt tatkräftig unterstützt und schließlich den Baugrund für den [[Bahnhof Hallein|Bahnhof]] zu einem günstigen Preis in [[Hallein]] verkauft. An diese Mäzenatentum erinnernd wurde eine Straße beim Bahnhof in Hallein und in Oberalm „Baron v. Löwenstern Straße“ genannt. Der Gemeinderat von Hallein ernannte ihn zum [[Ehrenbürger der Stadt Hallein|Ehrenbürger]] von Hallein. |
| − | „Baron v. Löwenstern Straße“ genannt. Der Gemeinderat von Hallein ernannte ihn zum [[Ehrenbürger der Stadt Hallein|Ehrenbürger]] von Hallein. | |
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| | 1887 verkaufte Baron Friedrich v. Löwenstern das gesamte Unternehmen samt den zugehörigen Steinbrüchen an die Marmorindustrie Kiefer AG im deutschen Kiefersfelden um 540.000 Mark. | | 1887 verkaufte Baron Friedrich v. Löwenstern das gesamte Unternehmen samt den zugehörigen Steinbrüchen an die Marmorindustrie Kiefer AG im deutschen Kiefersfelden um 540.000 Mark. |