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| | === Stiegl in Maxglan === | | === Stiegl in Maxglan === |
| − | [[1863]] übersiedelte Josef Schreiner die Stiegelbrauerei aus der Gstättengasse in die Gemeinde Maxglan in den von ihm neu errichteten Brauereikomplex, der schon zwölf Jahre später, am [[29. Dezember]] [[1875]], einem dreitägigen Brand zum Opfer fiel.<ref>Quelle [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18751230&query=%22Kreuzbr%c3%bcckl%22&ref=anno-search&seite=2 ANNO], [[Salzburger Zeitung]], Ausgabe vom 30. Dezember 1875, Seite 2</ref> | + | [[1863]] übersiedelte Josef Schreiner die Stiegelbrauerei aus der Gstättengasse in die Gemeinde Maxglan in den von ihm neu errichteten Brauereikomplex, der schon zwölf Jahre später, am [[29. Dezember]] [[1875]], einem dreitägigen Brand zum Opfer fiel. Auszug aus dem Bericht der "[[Salzburger Zeitung]]" vom [[30. Dezember]] 1875:<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18751230&query=%22Kreuzbr%c3%bcckl%22&ref=anno-search&seite=2 ANNO], "[[Salzburger Zeitung]]", Ausgabe vom 30. Dezember 1875, Seite 2</ref> |
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| | + | <blockquote>''[...] Doch nun zum Brande und dessen Entstehen. Den von uns an Ort und Stelle eingezogenen Erkundigungen nach ist der Brand in dem ältesten Trakte des Brauhauses, der gegen das Rochuswäldchen hin liegt, zum Ausbruche gekommen und zwar in der alten Dörre, welche gestern allein geheizt wurde indeß die neue Dörre, welche in dem Trakte gegen, das [[Kuranstalt Kreuzbrückl|Kreuzbrückl]] zu liegt, ungeheizt blieb. Ein Kamin der ersteren soll etwas schadhaft gewesen sein und da vermuthet man, daß sich durch einen Riß desselben Feuer dem Sparrenwerk des Daches mitgetheilt und so reichliche Nahrung gefunden habe. |
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| | + | ''Der sich zwischen drei und vier Uhr Nachmittags rasch entwickelnde Rauch machte auf die Gefahr aufmerksam und veranlaßte die Bräuburschen nach dem Sitze des Brandes zu forschen; allein der immer stärker werdende Rauch verhinderte dieß und so verstrich kostbare Zeit bei ganz erfolglosen Löschversuchen. Da um 4 Uhr drang die erste Flamme nächst der alten Dörre aus dem Dache und nun erst eilte man nach Hilfe. Herr Schreiner selbst fuhr in die Stadt herein und zeigte den Brand an, um ¼5 Uhr gab der Feuerwächter von der [[Festung Hohensalzburg|Festung]] herab das Signal, da er vermuthete, daß es in [[Sinnhub]] brenne; denn das Kreuzbrückl gehört nicht mehr zum Stadtrayon. Wenige Minuten später traf unsere brave [[Feuerwehr]], deren tüchtige und vortreffliche Organisation sich da wieder aufs Neue zeigte, am Brandorte ein. |
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| | + | ''Allein an ein Retten des brennenden Gebäudes war schon nicht mehr zu denken. Das ganze große Dach des Gebäudes glich einem wogenden Feuermeere. Das riesig angehäufte Malz– an 3000 Schaffel –, die ganzen großen Hopfenquantitäten gaben dem entfesselten Elemente nur zu reichliche Nahrung. Bald war der Brand in die unteren Stockwerke gedrungen, alles der Vernichtung weihend. |
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| | + | ''[...] Indessen hatte der Brand im Hauptgebäude immer größere Fortschritte gemacht und war unaufhaltsam bis ins Erdgeschoß gedrungen, nur das Sudhaus, sowie die neue Malzdörre, beide feuerfest eingewölbt, ragten noch in Mitte des Feuermeeres von den Flammen machtlos beleckt unversehrt empor. Dank den aufopfernden Anstrengungen der Feuerwehr blieben sie auch gerettet und so ist Hrn. Schreiner wenigstens die Möglichkeit geboten, in seiner Biererzeugung keine Unterbrechung eintreten lassen zu müssen; ein Vortheil wenigstens in so großem Unglücke, der für ihn unschätzbar ist. Erst um 1 Uhr Morgens war man |
| | + | des Feuers gänzlich Herr geworden. |
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| | + | ''Auf dem Brandplatze hatte sich auch Se. Excellenz der Herr Statthalter Graf [[Sigmund Graf von Thun-Hohenstein|Sigmund Thun]] sowie der Herr [[Bezirkshauptmann]] Haubl und Hr. [[Vizebürgermeister|Vicebürgermeister]] [[Eligius Scheibl (Bürgermeister)|Scheibl]] eingefunden. Außerdem war zahlreiches Publikum hinausgeströmt, das bis tief in die Nacht dort verweilte. |
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| | + | ''Trotzdem an 200 Feuerwehrmänner am Brandorte in voller Thätigkeit waren, machte sich doch der Mangel an Spritzenmannschaft sehr fühlbar, so daß auch zum Löschdienste Militär, das zur Bildung des Feuerpiquets ohnedieß sofort nach avisirtem Brande dort erschienen war, zugezogen werden mußte. Um 5 Uhr Morgens verließ die letzte Feuerwehrabtheilung die Brandstätte. [...] Nicht vergessen dürfen wir der wackeren Nachbar-Feuerwehren von [[Hallein]], [[Reichenhall]] und [[Freilassing]], welche gleichfalls am Brandorte erschienen waren. |
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| | + | ''Der verursachte Schade übersteigt den Betrag von 100.000 [[Gulden|fl.]] bei Weitem, doch ist der größte Theil desselben, wie wir erfahren, durch Assekuranz gedeckt. Der [[Bergerbräu]]er, Herr Sigmund Hofmann erleidet gleichfalls einen Schaden von 3000 fl., weil er erst vorgestern eine Waggonladung Malz hatte in das nun abgebrannte Brauhaus schaffen lassen, damit es dort gedörrt werde.</blockquote> |
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| | Nach Schreiners Tod kam [[Franz Huemer]] an die Spitze des damaligen Besitzerkonsortiums. Er und sein Neffe [[Heinrich Kiener I.|Heinrich Kiener]] (* 1870 † 1950) schufen die Voraussetzungen, dass die Brauerei schon 20 Jahre später ihren Ausstoß verfünffachen konnte. Das Talent von Heinrich Kiener I. in organisatorischen und geschäftlichen Dingen ließen aus der Brauerei einen Musterbetrieb entstehen, der auch schwierige Zeiten überstand. Kiener erlebte praktisch jeden Zustand des Unternehmens mit: von der "Wiedererweckung" durch seinen Onkel Franz Huemer und den Aufschwung zur Jahrhundertwende über die Notjahre während und nach dem [[Ersten Weltkrieg]], den Höhenflug der [[1920er]]-Jahre bis zur darauffolgenden Wirtschaftskrise, schließlich wieder Kriegsjahre verbunden mit Beschlagnahme und Ausverkauf. Nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] durfte Heinrich Kiener noch die ersten Erfolge des neuerlichen Aufbaus des Brauunternehmens miterleben. | | Nach Schreiners Tod kam [[Franz Huemer]] an die Spitze des damaligen Besitzerkonsortiums. Er und sein Neffe [[Heinrich Kiener I.|Heinrich Kiener]] (* 1870 † 1950) schufen die Voraussetzungen, dass die Brauerei schon 20 Jahre später ihren Ausstoß verfünffachen konnte. Das Talent von Heinrich Kiener I. in organisatorischen und geschäftlichen Dingen ließen aus der Brauerei einen Musterbetrieb entstehen, der auch schwierige Zeiten überstand. Kiener erlebte praktisch jeden Zustand des Unternehmens mit: von der "Wiedererweckung" durch seinen Onkel Franz Huemer und den Aufschwung zur Jahrhundertwende über die Notjahre während und nach dem [[Ersten Weltkrieg]], den Höhenflug der [[1920er]]-Jahre bis zur darauffolgenden Wirtschaftskrise, schließlich wieder Kriegsjahre verbunden mit Beschlagnahme und Ausverkauf. Nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] durfte Heinrich Kiener noch die ersten Erfolge des neuerlichen Aufbaus des Brauunternehmens miterleben. |