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Am 5. April - dem allerletzten Wahltag - musste man zu einer Entscheidung kommen. Es war die 13. Wahlversammlung. Man kam im Dom um 9 Uhr vormittags zusammen und wählte nahezu bis halb 5 Uhr nachmittags. Man hatte sich zuvor schon Gedanken gemacht, ob man nicht einen Kanonisten zu Rate ziehen sollte, doch war man davon wieder abgekommen. Endlich erreichte man eine kanonische Wahl - nämlich im 50. ''Scrutinium''. Wäre dieses 50. Scrutinium ergebnislos verlaufen, hätte der Papst den Erzbischof nominieren müssen. Von den 20 Stimmen erhielt der Domdechant elf und hatte somit die kanonische Mehrheit. Der Benediktiner [[Otto Gutrath]] von [[St. Peter]] berichtet in seinem Tagebuch, dass an diesem Tag allein 23 ''Scrutinia'' gehalten wurden - das ist somit beinahe die Hälfte aller Wahlgänge. Für die andere Hälfte hatte man zwölf Tage gebraucht. Man kann sich also vorstellen, mit welchem Ingrimm man an diesem letzten Tag gewählt haben mag.
 
Am 5. April - dem allerletzten Wahltag - musste man zu einer Entscheidung kommen. Es war die 13. Wahlversammlung. Man kam im Dom um 9 Uhr vormittags zusammen und wählte nahezu bis halb 5 Uhr nachmittags. Man hatte sich zuvor schon Gedanken gemacht, ob man nicht einen Kanonisten zu Rate ziehen sollte, doch war man davon wieder abgekommen. Endlich erreichte man eine kanonische Wahl - nämlich im 50. ''Scrutinium''. Wäre dieses 50. Scrutinium ergebnislos verlaufen, hätte der Papst den Erzbischof nominieren müssen. Von den 20 Stimmen erhielt der Domdechant elf und hatte somit die kanonische Mehrheit. Der Benediktiner [[Otto Gutrath]] von [[St. Peter]] berichtet in seinem Tagebuch, dass an diesem Tag allein 23 ''Scrutinia'' gehalten wurden - das ist somit beinahe die Hälfte aller Wahlgänge. Für die andere Hälfte hatte man zwölf Tage gebraucht. Man kann sich also vorstellen, mit welchem Ingrimm man an diesem letzten Tag gewählt haben mag.
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Am [[7. Mai]] 1753 hielt Fürsterzbischof Schrattenbach seinen feierlichen Einzug in die Stadt vom [[Schloss Mirabell]] aus durchs [[Inneres Linzertor|Linzer Tor]] und nahm von der Residenz Besitz In seiner Freude, Erzbischof und Landesfürst geworden zu sein, wird er vermutlich seinen Bruder Franz Anton eingeladen haben. Dieser kam jedenfalls am [[31. Mai]] mit seiner Frau und seiner älteren Tochter Maria Theresia nach Salzburg zu Besuch.
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Aus der Eröffnungssitzung des Herbstperemptoriums, der Hauptversammlung des Domkapitels, am [[22. September]] 1753 geht hervor, das Schrattenbach für sein [[Pallium]] - wohl wegen seiner guten Beziehungen zu Rom - nur 14.000 Scudi (= 29.400 fl.) zu zahlen hatte. Papst Benedikt XIV. hatte von Schrattenbachs Vorgänger, Erzbischof Dietrichstein, sogar 30.000 Scudi verlangt, sich nach heftigem Streit aber doch mit 20.000 Scudi begnügt.
    
Am [[14. April]] [[1762]] weihte er den späteren Fürsterzbischof [[Hieronymus Graf Colloredo]] in Salzburg zum [[Bischof von Gurk]].
 
Am [[14. April]] [[1762]] weihte er den späteren Fürsterzbischof [[Hieronymus Graf Colloredo]] in Salzburg zum [[Bischof von Gurk]].
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Der Fürsterzbischof schenkte den ''[[Atlas Salisburgensis]]'' von [[Joseph Jakob Fürstaller]] seinem Weg- und Baukommissär [[Johann Elias von Geyer]] und den [[Der Fürstaller|Globus]] von Fürstaller der [[Benediktineruniversität]]. Dieser wurde bald mit Staub und Moder bedeckt, der Atlas nach dem Tode Geyers am [[28. April]] [[1791]] öffentlich versteigert, [[Joachim Ferdinand von Schidenhofen|Hofrath von Schidenhofen]] erstand ihn um 7 [[Florin|fl]] 80 kr.
 
Der Fürsterzbischof schenkte den ''[[Atlas Salisburgensis]]'' von [[Joseph Jakob Fürstaller]] seinem Weg- und Baukommissär [[Johann Elias von Geyer]] und den [[Der Fürstaller|Globus]] von Fürstaller der [[Benediktineruniversität]]. Dieser wurde bald mit Staub und Moder bedeckt, der Atlas nach dem Tode Geyers am [[28. April]] [[1791]] öffentlich versteigert, [[Joachim Ferdinand von Schidenhofen|Hofrath von Schidenhofen]] erstand ihn um 7 [[Florin|fl]] 80 kr.
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Fürsterzbischof Sigismund starb nach langem Gallen- und Nierenleiden am 16. Dezember 1771.
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Sisigmund hatte auch manche Schrullen: So lud er mehrmals am Namenstag des hl. Josef Adelige bei Hofe ein, die diesen Vornamen trugen. Auch verbot er im Jahre [[1756]],  "daß Brautleute im [[Dom]] und in der
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[[Dreifaltigkeitskirche]] ohne Musik einziehen, widrigenfalls die Trauung nicht erfolgen dürfe".
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Fürsterzbischof Schrattenbach war kein Förderer des Nepotismus. Außer der Ausstattung seiner Nichte Maria Theresia Gräfin von Schrattenbach, die am [[25. Juli]] 1756 in Salzburg einen Grafen von Haugwitz heiratete, und des Kaufes eines Kanonikalhofes für seinen Neffen Vinzenz Graf von Schrattenbach im Jahre [[1763]], wofür der Fürsterzbischof 5.000 fl. ausgab, ist nur noch ein Legat von 8.000 fl. zu nennen, das er diesem vermachte.
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Am [[9. Dezember]] 1771 tauchten beim Fürsterzbischof, der unter Blasensteinen litt, größere Beschwerden auf. Unter diesen Schmerzen beklagte er am meisten, "daß er die bischöflichen Funktionen nicht mehr ausüben könne". Am [[15. Dezember]] ließ er sich die Sterbesakramente reichen, und am 16. desselben Monats starb er. Proschko stellt auf Grund des Sektionsprotokolls fest, dass Fürsterzbischof Schrattenbach an Nierenblutungen und einer Prostatahypertrophie starb. Der Leichnam des Fürsterzbischofs war in Gegenwart der Hofärzte und Chirurgen seziert worden, wobei in der Blase vier haselnußgroße und 16 kleine Steine gefunden wurden.  
    
=== Bautätigkeit ===
 
=== Bautätigkeit ===
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Die Freigiebigkeit, die Graf Schrattenbach nicht nur den Mozarts gegenüber an den Tag legte, führte dazu, dass das Land am Ende seiner Herrschaftszeit hoch verschuldet war. Dafür fand man in den fürsterzbischöflichen Gemächern, an allen möglichen Orten verstreut, mehr als 200.000 [[Gulden]], die sich der Fürsterzbischof zur Seite gelegt hatte. Wie [[Franz Martin]] über ihn schrieb, ''war er kein großer Fürst, aber ein echter Vertreter der [[Rokoko]]zeit, kleinlich, spielerisch und mit lockerer Hand in der Wirtschaft, aber liebenswürdig, ein Förderer der Künste, ein Menschenfreund''<ref>Quelle [[Salzburger Nachrichten]] 7. Juli 2010</ref>. Von ihm wird erzählt, dass er die Kinder liebte, sich an lustigen Gebärden und Ausdrücken erfreuen konnte und Leute gerne beschenkte.
 
Die Freigiebigkeit, die Graf Schrattenbach nicht nur den Mozarts gegenüber an den Tag legte, führte dazu, dass das Land am Ende seiner Herrschaftszeit hoch verschuldet war. Dafür fand man in den fürsterzbischöflichen Gemächern, an allen möglichen Orten verstreut, mehr als 200.000 [[Gulden]], die sich der Fürsterzbischof zur Seite gelegt hatte. Wie [[Franz Martin]] über ihn schrieb, ''war er kein großer Fürst, aber ein echter Vertreter der [[Rokoko]]zeit, kleinlich, spielerisch und mit lockerer Hand in der Wirtschaft, aber liebenswürdig, ein Förderer der Künste, ein Menschenfreund''<ref>Quelle [[Salzburger Nachrichten]] 7. Juli 2010</ref>. Von ihm wird erzählt, dass er die Kinder liebte, sich an lustigen Gebärden und Ausdrücken erfreuen konnte und Leute gerne beschenkte.
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== Wie Zeitgenossen den Fürsterzbischof sahen ==
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Der [[Abt von St. Peter|Abt]] von [[St. Peter]], [[Beda Seeauer]], bezeichnet Schrattenbach als Choleriker, weshalb er wegen dieser Eigenschaft nicht selten in der Mäßigung sündige. Weiters stellt er fest, dass der Fürsterzbischof am eigenen Urteil festhält. Von seinem ein für allemal gefassten Ausspruch auf Grund gefasster Vorurteile will er nicht ablassen, ja er leidet vielmehr an einem gewissen Fehler der Milde und Härte. Der Fürsterzbischof ist wahrhaft fromm und ergeben und ein Vorbild. Er kann nichts Arglistiges ersinnen, und er hat für das Wohl des Volkes und Vaterlandes sehr gute Absichten. Tritt aus irgendeinem Zwischenfall Unruhe auf, so arbeitet er sogar Tag und Nacht mit erstaunlichem und unermüdlichem Fleiß. Alle Berichterstattungen liest er Wort für Wort, was kaum irgendeiner der Fürsten gemacht hat. Seine eigene Tafel ist ordentlich und nüchtern. Von keiner Leidenschaft, etwa des Spielens, ist er erfasst, und durch keine Sache wird er mehr ergötzt als durch Arbeit.
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[[Joseph Ernst Ritter von Koch-Sternfeld|Koch-Sternfeld]] stellt Fürsterzbischof Schrattenbach ebenfalls das Zeugnis eines fleißigen Regenten aus: "Sigmund, der im Gespräche launig, in Repliken oft witzig war, durchlas viele Akten, und erprobte in seinen Entschliessungen, die er allzeit eigenhändig schrieb, natürlichen Verstand."
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Ein vernichtendes Bild hingegen entwirft [[Karl Graf von Zinzendorf]], der im Jahre [[1764]] eine Woche in Salzburg weilte und den Fürsterzbischof in einem Bericht folgendermaßen charakterisierte: "Der jezige Souverain ist Sigmund Christoph Graf von Schrattenbach. Da sonst an diese Gestal des Leibes kein Schluß auf die Gemüths-Eigenschafften noch auf die Kräffte der Seele eines Menschen zu machen ist, so trifft hier beides gar wol zusammen. So unansehnlich die äußere Gestalt dieses Fürsten ist, so schwach sind auch die Kräffte seines Geistes, so wenig erhaben seine Gemüths-Eigenschafften. Er ist klein an Person, hager, ältlich und besonders wegen der wunderbaren Verenderung seiner Augen sehr unangenehm. Nichts edles blickt aus seiner Gesichtsbildung hervor, und so herrschen auch in seiner Seele die kleinsten Vorurtheile des Pöbels. Seine Religion ist nicht vernünftige und geziemende Verehrung des Stiffters der christlichen Kirche, sondern vielmehr eine unverständige Bigoterie, welche wie es gemeiniglich zu geschehen pflegt, mit keinem exemplarischen Wandel verbunden ist. Den Trunk, dem er ergeben, rechnet er für kein Laster, wol aber die Unzucht."
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Daß Fürsterzbischof Schrattenbach in der Tat von der Natur nicht durch ein schönes Gesicht bevorzugt war, zeigt ein Messingrelief des Salzburger Büchsenmachers Martin Gizl, das Sisigmund im Profil darstellt. Mit hartem Realismus ist Siegmund in verblüffender Häßlichkeit darauf abgebildet. Auffallend ist vor allem seine eingefallene Sattelnase - wie sie bei Syphilitikern manchmal vorkommt. Ein ebenso häßliches Profil Schrattenbachs ist auf einem Elfenbeinrelief im [[Salzburg Museum]] zu finden. Die meisten Schrattenbach-Porträts sind allerdings sehr idealisiert dargestellt.
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Noch schärfer in seiner Kritik Schrattenbach gegenüber ist Graf Zin%endorf in seinem Tagebuch, in dem er eine Reihe von Beobachtungen über den Fürsterzbischof anführt. Er vermerkt, daß man sich über ihn lustig
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machte, daß er "in seinen Manieren wenig Adel zeigt, aber höflich ist". Weiters ist er "völlig unbelesen". Er berichtet über ein Diner bei Hofe: "Dort wird man sehr schlecht bedient, das Silbergeschirr ist im höchsten Grade liederlich." Im darauffolgenden Jahr ließ der Fürsterzbischof neue Silbergedecke anfertigen. Graf Zinzendorf notiert in sein Tagebuch, daß der Fürsterzbischof Spaß an Narrenpossen finde, daß er
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"eine häßliche Physiognomie" habe und er "ein Dummkopf" sei, "wie es sonst keinen mehr geben dürfte". Zur Dummheit komme außerdem noch hinzu, daß er "eifersüchtig auf seine Autorität wie alle schwachen Leute, eitel auf seine Vorrechte" sei. „Er ist von einer solchen Einfalt, daß er Unanständigkeiten sagt, ohne es zu wissen, ohne es zu ahnen." Das einzig Positive, das er berichtet: "Gestern abends um sieben Uhr, als man den Angelus läutete, warf sich der Erzbischof mitten in seinem Kometenspiel begriffen auf die Knie und die ganze Gesellschaft mit ihm. Das habe ich recht würdig gefunden."
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Graf Zinzendorfs Urteil ist in der Tat sehr hart, ja vernichtend. Die Häßlichkeit des Fürsterzbischof s und Graf Zinzendorfs Verkehr mit den meisten Domherren, die gewiß nicht günstig über ihren Fürsten urteilten, und schließlich Schrattenbachs konservative Denkweise wird sicher Graf Zinzendorfs Urteil noch zugespitzt haben. Zinzendorf, ein mit seltener Beobachtungsgabe und Urteilsschärfe ausgestatteter Mann - ganz von aufklärerischen Idealen durchdrungen - , war zum Zeitpunkt seines Salzburg-Aufenthaltes erst 25 Jahre alt. Trotzdem ist es ein verheerendes Bild über diesen Fürsten, das manche völlig positiven Urteile anderer Zeitgenossen über Schrattenbach mit Vorsicht betrachten läßt.
    
== Quellen ==
 
== Quellen ==
 
* [[Karl Heinz Ritschel|Ritschel, Karl Heinz]]: ''[[Salzburger Miniaturen]]'', Band 1, Salzburg 1998, S 84 "Das Loch im Felsen"
 
* [[Karl Heinz Ritschel|Ritschel, Karl Heinz]]: ''[[Salzburger Miniaturen]]'', Band 1, Salzburg 1998, S 84 "Das Loch im Felsen"
* [http://www.salzburg-rundgang.at/de_schrattenbach.html www.salzburg-rundgang.at]
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* [https://www.zobodat.at/pdf/MGSL_124_0009-0240.pdf www.zobodat.at], pdf, [[Ulrich Salzmann]]: "Der Salzburger Erzbischof Siegmund Christoph Graf von Schrattenbach  (1753—1771) und sein Domkapitel."
    
== Einzelnachweise ==
 
== Einzelnachweise ==