| | [oben klein, auf dem Kopf, unterstrichen:] ''Gerade halten!!! //'' [Kleinbuchstaben:] ''a'' [bis] ''z.'' // ''Salzburg, 19. September 1871. // 11 Uhr. // Mein lieber Franz! // Soeben erhielt ich deinen lieben Brief, dessen Ankunft ich ja auch sicher erwartet hatte, und beeile mich, sogleich zu antworten, obwo[h]l ich eigentlich noch recht notwendig andere Briefe schreiben sollte. // Eben war deine gute Mutter für einen Augenblick bei uns; ich theilte ihr und der Großmutter deinen Wunsch, betreffend unsere Vermählung mit, wobei die Mutter ausrief: Nein, das wäre ja aus, da könnte ich nicht einmal genug stricken, viel weniger das Übrige herstellen! / Im Ernste, mit dem November 1871 ist es nichts, sollte dir aber besonders an diesem Monat gelegen sein, so müßten wir eben bis November'' [unterstrichen:] ''1872 warten. Weder die gute Mutter'' [Spängler, Anm.] ''noch die Großmutter'' [Kobler, Anm.] '', eben so wenig ich selbst wäre mit solcher Eile, wie du, Ungeduldiger, sie hättest, einverstanden. Es gibt ganz gehörig viel Arbeit, bis Alles für unsern neuen Haushalt gemacht ist, und ich möchte Alles hübsch ordentlich haben und Einiges selbst arbeiten. Wie viel es aber herzurichten gibt, davon macht Ihr Herrn der Schöpfung Euch keine Idee. // Darum wollte ich den hochgeehrten Herrn Doktor allerunterthänigst gebeten haben, sich die beiden Sprüche "Geduld bringt Rosen." und / Gut Ding braucht lang Weil gebührend zu Gemüte führen zu wollen!! //'' | | [oben klein, auf dem Kopf, unterstrichen:] ''Gerade halten!!! //'' [Kleinbuchstaben:] ''a'' [bis] ''z.'' // ''Salzburg, 19. September 1871. // 11 Uhr. // Mein lieber Franz! // Soeben erhielt ich deinen lieben Brief, dessen Ankunft ich ja auch sicher erwartet hatte, und beeile mich, sogleich zu antworten, obwo[h]l ich eigentlich noch recht notwendig andere Briefe schreiben sollte. // Eben war deine gute Mutter für einen Augenblick bei uns; ich theilte ihr und der Großmutter deinen Wunsch, betreffend unsere Vermählung mit, wobei die Mutter ausrief: Nein, das wäre ja aus, da könnte ich nicht einmal genug stricken, viel weniger das Übrige herstellen! / Im Ernste, mit dem November 1871 ist es nichts, sollte dir aber besonders an diesem Monat gelegen sein, so müßten wir eben bis November'' [unterstrichen:] ''1872 warten. Weder die gute Mutter'' [Spängler, Anm.] ''noch die Großmutter'' [Kobler, Anm.] '', eben so wenig ich selbst wäre mit solcher Eile, wie du, Ungeduldiger, sie hättest, einverstanden. Es gibt ganz gehörig viel Arbeit, bis Alles für unsern neuen Haushalt gemacht ist, und ich möchte Alles hübsch ordentlich haben und Einiges selbst arbeiten. Wie viel es aber herzurichten gibt, davon macht Ihr Herrn der Schöpfung Euch keine Idee. // Darum wollte ich den hochgeehrten Herrn Doktor allerunterthänigst gebeten haben, sich die beiden Sprüche "Geduld bringt Rosen." und / Gut Ding braucht lang Weil gebührend zu Gemüte führen zu wollen!! //'' |
| − | ''Großmutter sagt, bis wir uns wiedersehen, wollen wir den Hochzeitstag festsetzen. Bis dahin werden wir sehen, wie es sich thun läßt. // Großmutter ist Gott sei Dank ziemlich wo[h]l, sie sowo[h]l wie die gute Mutter laßen dich bestens grüßen, und zur Geduld mahnen! Gestern kam die Therese Holzinger zu Besuch zu uns. // Ich benütze jede freie Minute um zu schreiben oder zu arbeiten, und meine Gedanken fliegen wo[h]l tausendmal zu dir, mein Lieber. Ich denke auch oft und gern an die so schönen aber kurzen 10 Tage deines Hierseins. Wie wird es schön sein, wenn wir nach erfüllter Tagespflicht / einst so unsere Gedanken werden austauschen dürfen! // Gestern erhielt ich einen sehr lieben Brief von der Betti Katzinger, sie freute sich sehr, daß die Festung endlich kapituliert hat. – – // Als wir Abends von der Kotz<ref>So heißt in der Umgangssprache die Mittelstation der [[Festungsbahn]], die allerdings erst 1892 eröffnet wurde; vgl. zu [[Claudia Tolloch]]. Möglich sind entweder andere Wortbedeutungen von Kotz bzw. Kotze, wozu ich [O. H.] allerdings nichts Passendes finde, möglich wäre vielleicht auch, dass die Stelle so hieß, angeblich ein "Buckel", bevor die Bahn dort gebaut wurde.</ref> heimkamen, wo wir mit der alten Frau Laschensky der [?] Schneeberg[er] m.[it] ihrer Schwester Klausnitz<ref>Antonia Cäcilia [[Laschensky]] (* 1817; † 1897), verheiratet Clausnitz, und ihre jüngere [!] Schwester Mathilde Cäcilia (* 1833; † 1922), verheiratet Schneeberger</ref> gewesen waren, fand ich zu meiner innigen Freude einen Brief aus Ellwangen vor, und zwar v. Fr. v. Dauner selbst mit Bleistift geschrieben<ref>nicht erhalten geblieben, vgl. aber dazu den Brief vom 23. September 1871</ref>. Freilich ist der Brief nicht ganz leicht zu entziffern, doch konnte ich den Inhalt ganz gut verstehen. Ich schließe, damit der Brief früher als du erwarte[n] kannst, in deinen Händen ist. Behüte dich Gott, es küßt dich herzlich // deine // verwahrloste, aber treue Braut Fanni. // Fr: v. Lürzer läßt dich auch grüßen.'' | + | ''Großmutter sagt, bis wir uns wiedersehen, wollen wir den Hochzeitstag festsetzen. Bis dahin werden wir sehen, wie es sich thun läßt. // Großmutter ist Gott sei Dank ziemlich wo[h]l, sie sowo[h]l wie die gute Mutter laßen dich bestens grüßen, und zur Geduld mahnen! Gestern kam die Therese Holzinger zu Besuch zu uns. // Ich benütze jede freie Minute um zu schreiben oder zu arbeiten, und meine Gedanken fliegen wo[h]l tausendmal zu dir, mein Lieber. Ich denke auch oft und gern an die so schönen aber kurzen 10 Tage deines Hierseins. Wie wird es schön sein, wenn wir nach erfüllter Tagespflicht / einst so unsere Gedanken werden austauschen dürfen! // Gestern erhielt ich einen sehr lieben Brief von der Betti Katzinger, sie freute sich sehr, daß die Festung endlich kapituliert hat. – – // Als wir Abends von der Kotz<ref>So heißt in der Umgangssprache die Mittelstation der [[Festungsbahn]], die allerdings erst 1892 eröffnet wurde; vgl. zu [[Claudia Tolloch]]. Möglich sind entweder andere Wortbedeutungen von Kotz bzw. Kotze, wozu ich, [[Otto Holzapfel]], allerdings nichts Passendes finde, möglich wäre vielleicht auch, dass die Stelle so hieß, angeblich ein "Buckel", bevor die Bahn dort gebaut wurde.</ref> heimkamen, wo wir mit der alten Frau Laschensky der [?] Schneeberg[er] m.[it] ihrer Schwester Klausnitz<ref>Antonia Cäcilia [[Laschensky]] (* 1817; † 1897), verheiratet Clausnitz, und ihre jüngere [!] Schwester Mathilde Cäcilia (* 1833; † 1922), verheiratet Schneeberger</ref> gewesen waren, fand ich zu meiner innigen Freude einen Brief aus Ellwangen vor, und zwar v. Fr. v. Dauner selbst mit Bleistift geschrieben<ref>nicht erhalten geblieben, vgl. aber dazu den Brief vom 23. September 1871</ref>. Freilich ist der Brief nicht ganz leicht zu entziffern, doch konnte ich den Inhalt ganz gut verstehen. Ich schließe, damit der Brief früher als du erwarte[n] kannst, in deinen Händen ist. Behüte dich Gott, es küßt dich herzlich // deine // verwahrloste, aber treue Braut Fanni. // Fr: v. Lürzer läßt dich auch grüßen.'' |