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Ein Bogen, gefaltet mit gebrochenem Lacksiegel, Siegelbild nicht erkennbar, Adresse, Stempel: "W[ien]" unleserlich und "Salz[burg] 30 / 4", mit kleinem Rest von einer Briefmarke links unten; siehe Foto:
 
Ein Bogen, gefaltet mit gebrochenem Lacksiegel, Siegelbild nicht erkennbar, Adresse, Stempel: "W[ien]" unleserlich und "Salz[burg] 30 / 4", mit kleinem Rest von einer Briefmarke links unten; siehe Foto:
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==== Brief vom 29. April 1859: ====
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==== Brief vom 29. April 1859 von Franz Spängler an die Mutter ====
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Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Antonia Spängler]]
 
''An die wohlgeborne gnädige Frau Antonia Spaengler geb v. Lürzer zu Salzburg / Wien am 29. April 1859 / Liebste Mutter! Verzeihen Sie, d[a]ß ich Sie so lange auf einen Brief warten ließ, doch es war mir, ich darf es sagen, unmöglich. Doch werden Sie schon d[ur]ch Duscher Karl erfahren haben, d[a]ß ich mich ganz wohl befinde u. glüklich hier angekommen u. untergebracht bin. Als ich am Dienstag in der Charwoche Ihren Brief erhielt, war ich schon im sechsten Stadium der Langeweile, ich war daher ganz entzükt, als Ihre Erlaubniß darinnen enthalten war, d[a]ß ich nach Wien gehen durfte; 32 Stunden später war ich in Wien. Nebenbei bemerke ich, d[a]ß die Semmering-Bahn [1854 eröffnet] ein wahres Wunder der Baukunst ist, u d[a]ß ich am selben Tage binnen 12 Stunden nicht weniger als 8 Militär-Extra Züge mit Soldaten, Kanonen, Kugeln, Mörsern Gepäks- u Munitions- u. Kranken-Wägen [sah]. Schon längst werden auch die Gepäks-Wägen als Militär-Transportwägen benüzt. Am Südbahnhof erwartete mich schon Leithe Wilhelm; Dr. Fritz Leithe war bis Mittwoch in dieser Woche in Klosterneuburg, bei seinen Eltern. Nun von den Bekannten hier. Bei Duscher war ich sogleich am Gründonnerstag, u. war seitdem bis auf einen Tag täglich dort; sie befinden sich alle wohl bis auf die gnädige Frau, die etwas an Migräne leidet. Ihr Quartier ist sehr beschränkt, doch die Aussicht nicht übel. Friz ist in Geibing bei Passau [Geibing, Münzkirchen?] u. kommt heute Abends zurük.'' […]  
 
''An die wohlgeborne gnädige Frau Antonia Spaengler geb v. Lürzer zu Salzburg / Wien am 29. April 1859 / Liebste Mutter! Verzeihen Sie, d[a]ß ich Sie so lange auf einen Brief warten ließ, doch es war mir, ich darf es sagen, unmöglich. Doch werden Sie schon d[ur]ch Duscher Karl erfahren haben, d[a]ß ich mich ganz wohl befinde u. glüklich hier angekommen u. untergebracht bin. Als ich am Dienstag in der Charwoche Ihren Brief erhielt, war ich schon im sechsten Stadium der Langeweile, ich war daher ganz entzükt, als Ihre Erlaubniß darinnen enthalten war, d[a]ß ich nach Wien gehen durfte; 32 Stunden später war ich in Wien. Nebenbei bemerke ich, d[a]ß die Semmering-Bahn [1854 eröffnet] ein wahres Wunder der Baukunst ist, u d[a]ß ich am selben Tage binnen 12 Stunden nicht weniger als 8 Militär-Extra Züge mit Soldaten, Kanonen, Kugeln, Mörsern Gepäks- u Munitions- u. Kranken-Wägen [sah]. Schon längst werden auch die Gepäks-Wägen als Militär-Transportwägen benüzt. Am Südbahnhof erwartete mich schon Leithe Wilhelm; Dr. Fritz Leithe war bis Mittwoch in dieser Woche in Klosterneuburg, bei seinen Eltern. Nun von den Bekannten hier. Bei Duscher war ich sogleich am Gründonnerstag, u. war seitdem bis auf einen Tag täglich dort; sie befinden sich alle wohl bis auf die gnädige Frau, die etwas an Migräne leidet. Ihr Quartier ist sehr beschränkt, doch die Aussicht nicht übel. Friz ist in Geibing bei Passau [Geibing, Münzkirchen?] u. kommt heute Abends zurük.'' […]  
    
Er fühlt sich freundlich aufgenommen und "heimisch", wie "einst in Salzburg"; er hat mehrmals die Familie Gutenberg besucht, von ihren Söhnen sind drei beim Militär: Karl in Mailand, Franz "(od[er]. Anton, wie er eigentl. heißt)" in Brescia, und Ludwig in Ankona. Wiktor, in Salzburg geboren, ist ins Theresianum gekommen. Emil kommt "in wenigen Tagen zum Regimente nach Krakow [!]"; Maria ist "ein sehr sauberes Mädchen geworden." … Er hat Sauter zweimal besucht, war einmal mit ihnen bei Gutenberg zusammen; gleichfalls war er bei Alberti, hat Anton Alberti getroffen; er war bei Prof. Genzl [?] … "die Österreicher sind in Piemont eingerükt.<ref>Vgl. die Vorgeschichte zur Schlacht von Solferino am [[24. Juni]] [[1859]]: Einmarsch der Österreicher am [[29. April]] 1859 in das Piemont gegen die Interessen von Napoleon III. Dadurch kommt es zum Krieg gegen Frankreich.</ref> Aller Orten ist hier ein kaiserl. Plakat angeschlagen, worin dieß bekannt gemacht u. die Völker zur Treue u. Ausdauer aufgefordert werden. Wird in Salzburg auch geschehen. Nun wieder zu meinem Wiener Aufenthalt." … Er war mit "Leithe Friz" in Klosterneuburg, wo sich alle Angehörigen getroffen haben; sie lassen sich "vielmals empfehlen". "Alle Bekannten von A bis Z lassen sich Ihnen empfehlen, Sie grüßen, Ihnen die Hand küssen etc. Salzburger habe ich in Unzahl getroffen: Fr. v [[Schider]] v. Fraing [?], Kaufm[ann]. Gschnizer, [[Steinhauser]], Suppland [?] … ''Ich lasse Otto u. alle Bekannten herzlich grüßen. Um ihm zu schreiben, fehlt mir Zeit Raum u Ruhe. Leben Sie wohl! und vergeßen Sie auch jetzt über dem Waffengeklirr u. Kriegslärm nicht Ihren dankbaren Sohn Franz X. Spaengler / Die Duscherischen lassen sich Ihnen namentl. empfehlen u. Otto grüßen. Hr v Schmelzing v. Linz ist hier mit einer Deputation''
 
Er fühlt sich freundlich aufgenommen und "heimisch", wie "einst in Salzburg"; er hat mehrmals die Familie Gutenberg besucht, von ihren Söhnen sind drei beim Militär: Karl in Mailand, Franz "(od[er]. Anton, wie er eigentl. heißt)" in Brescia, und Ludwig in Ankona. Wiktor, in Salzburg geboren, ist ins Theresianum gekommen. Emil kommt "in wenigen Tagen zum Regimente nach Krakow [!]"; Maria ist "ein sehr sauberes Mädchen geworden." … Er hat Sauter zweimal besucht, war einmal mit ihnen bei Gutenberg zusammen; gleichfalls war er bei Alberti, hat Anton Alberti getroffen; er war bei Prof. Genzl [?] … "die Österreicher sind in Piemont eingerükt.<ref>Vgl. die Vorgeschichte zur Schlacht von Solferino am [[24. Juni]] [[1859]]: Einmarsch der Österreicher am [[29. April]] 1859 in das Piemont gegen die Interessen von Napoleon III. Dadurch kommt es zum Krieg gegen Frankreich.</ref> Aller Orten ist hier ein kaiserl. Plakat angeschlagen, worin dieß bekannt gemacht u. die Völker zur Treue u. Ausdauer aufgefordert werden. Wird in Salzburg auch geschehen. Nun wieder zu meinem Wiener Aufenthalt." … Er war mit "Leithe Friz" in Klosterneuburg, wo sich alle Angehörigen getroffen haben; sie lassen sich "vielmals empfehlen". "Alle Bekannten von A bis Z lassen sich Ihnen empfehlen, Sie grüßen, Ihnen die Hand küssen etc. Salzburger habe ich in Unzahl getroffen: Fr. v [[Schider]] v. Fraing [?], Kaufm[ann]. Gschnizer, [[Steinhauser]], Suppland [?] … ''Ich lasse Otto u. alle Bekannten herzlich grüßen. Um ihm zu schreiben, fehlt mir Zeit Raum u Ruhe. Leben Sie wohl! und vergeßen Sie auch jetzt über dem Waffengeklirr u. Kriegslärm nicht Ihren dankbaren Sohn Franz X. Spaengler / Die Duscherischen lassen sich Ihnen namentl. empfehlen u. Otto grüßen. Hr v Schmelzing v. Linz ist hier mit einer Deputation''
 
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==== Brief vom 8. Mai 1859: ====
 
==== Brief vom 8. Mai 1859: ====
 
Ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br />
 
Ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br />