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[[Datei:Urlaubstagebuch der Maria Kitzler 1914 21.png|thumb|Eine Seite aus dem [[Urlaubstagebuch der Maria Kitzler 1914]].]]
'''Stenografie''', auch: Kurzschrift, ist eine Einheitskurzschrift, um Gehörtes in der selben Geschwindigkeit wie man es hört, aufschreiben - stenografieren - zu können.

== Kurzer geschichtlicher Exkurs ==
Bereits im ersten Jahrhundert vor Christus wurde die Stenografie von einem freigelassenen Sklaven erfunden. Aber erst in der [[Neuzeit]] entwickelte sie sich in [[Großbritannien]] zur dann bekannt gewordenen Kurzschrift. Das erste deutschsprachige Stenografielehrbuch wurde [[1678]] veröffentlicht. Heute ist die Deutsche Einheitskurzschrift [[1968]] ("Wiener Urkunde") das Standardsystem in [[Deutschland]] und [[Österreich]].

Bis fast Ende des [[20. Jahrhundert]]s waren die Kenntnisse in Stenografie eine der Voraussetzungen für Sekretärinnen. Ihnen wurden Briefe diktiert, die sie stenografisch mitschrieben und anschließend rein in Maschinschrift zu Papier brachten. Erst nach und nach kamen Diktiergeräte in Umlauf und das Mitstenografieren erübrigte sich. Aber noch heute wird im Parlament und bei Gerichtsverhandlungen noch stenografiert.

== Allgemeines über die Kurzschrift ==
Die Grundstufe heißt Verkehrsschrift. Damit erreicht man durchschnittlich eine Schreibgeschwindigkeit von 120 Silben in der Minute. Die Praxis erforderte aber bald eine höhere Geschwindigkeit und es entstand die Eilschrift. Bei der Eilschrift unterscheidet man zwei Hauptgruppen: 1. Die Stammkürzung und 2. die Formkürzung. Damit erreicht man eine Schreibgeschwindigkeit bis zu etwa 200 Silben pro Minute.

Blickt man in historische Schriftverkehrsstücke kann man immer wieder Briefe stenografiert finden. Daneben war bis Anfang des 20. Jahrhunderts natürlich auch die Kurrentschrift Standard.

== Die Stenografie in der Geschichte Salzburgs ==
Die "[[Salzburger Zeitung]]" berichtete in ihrer Ausgabe vom [[25. August]] [[1798]]<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=17980825&seite=3&zoom=33&query=%22Stenographie%22&ref=anno-search ANNO], "Salzburger Zeitung", Ausgabe vom 25. August 1798, Seite 3</ref> ausführliche über "Stenographie ist die Lehre von der Kunst, mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit und Kürze in einfachen von andern Schriftzügen völlig verschiedenen Zeichen zu schreiben." Im weiteren Text wird sie auch "Geschwindigkeitschreiben" genannt. In ihrer Ausgabe vom [[6. März]] [[1819]] weiß die "Salzburger Zeitung" zu berichten, dass "zu der Tachygraphie und Stenographie ist nun auch eine Notographie gekommen ist. Schnellschreiben ist ihr Zweck; ihre Zeichen sind aber noch einfacher, ...".<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18190306&query=%22Stenographie%22&ref=anno-search&seite=3 ANNO], "Salzburger Zeitung", Ausgabe vom 6. März 1819, Seite 3</ref> Überhaupt beschäftigten sich Medien, die im Land Salzburg erschienen oft mit der Stenografie, was rund 12&nbsp;700 Eintragungen in den digitalisierten Zeitungen und Zeitschriften der Österreichischen Nationalbibliothek ([[ANNO]]) unter der Selektion "Erscheinungsort Salzburg" zeigen.

In einem [[Kobler-Spängler-Briefe von 1850 bis 1859|Brief]] vom August [[1858]] von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an seine Frau [[Antonia Spängler|Antonia]] beklagt er sich, dass der Bruder für die stenografische Zeitschrift in Wien nichts geschrieben hat.

Das [[Urlaubstagebuch der Maria Kitzler 1914|Urlaubstagebuch der Maria Kitzler]] aus dem Jahr [[1914]] ist komplett in Kurzschrift geschrieben.

"Tüchtige weibliche Bürokraft, perfekt in Stenographie und Maschinschreiben und jüngere männliche Bürokraft zum sofortigen Eintritt gesucht. Franz Welz, internationale Transporte." - Ein für die [[1950er]]- und [[1960er]]-Jahre typisches Inserat in den "[[Salzburger Nachrichten]]".<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=san&datum=19541231&query=%22Stenographie%22&ref=anno-search&seite=28 ANNO], "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 31. Dezember 1954, Seite 28</ref>

In der [[Höhere Lehranstalt für Fremdenverkehrsberufe Schloß Kleßheim|Höhere Lehranstalt für Fremdenverkehrsberufe Schloss Kleßheim]] wurde noch in den [[1970er]]-Jahren Stenografie unterrichtet. Der [[SALZBURGWIKI]]-Mitarbeiter [[Peter Krackowizer]] erinnert sich in seiner Autobiografie "[[Reiseleiter gehen durchs Fegefeuer]]" an eine Anekdote im Zusammenhang mit dem Unterrichtsfach Stenografie:

<blockquote>''Meine Stenografie-Nachprüfung im Herbst 1973. Zurückkommend auf meine bereits erwähnte Stenografie-Nachprüfung möchte ich erklären, wie es dazu gekommen war. [...] Nun kam ich nach Kleßheim und hatte Fachlehrerin [[Helga Hanke]] in diesem Fach. Ich erzählte ihr, dass ich bereits stenografieren konnte. Woraufhin sie mir erklärte, ich dürfe aber immer nur so viel bei Schularbeiten und Tests anwenden, wie sie es bis dahin auch schon unterrichtet hätte. Sollte ich etwas stenografieren, was sie noch nicht unterrichtet hat, würde sie es mir als Fehler anrechnen. Das war für mich aber gar nicht mehr möglich. Ich stenografierte, wie ich es bereits konnte und so bekam ich bei Tests einen Fünfer nach dem anderen. Nicht, weil ich Fehler gemacht hätte, sondern weil ich eben etwas unerlaubt schon abgekürzt hatte. Irgendwann im dritten Trimester (in der ersten und zweiten Klasse hatten wir noch Trimester) weigerte ich mich bei Arbeiten mitzuschreiben. Die Folge war ein Fünfer im Jahreszeugnis und eine Nachprüfung. Doch wie es im Leben so ist, bei der Nachprüfung sprach die Verordnung, es müsse nur richtig sein – egal mit welchem Wissensstand. Nun ja, ich bestand die Nachprüfung glänzend und im zweiten Schuljahr wurde ich im Fach Stenografie – die Eilschrift wurde Gegenstand des Unterrichts – zum Liebling von Frau Hanke.</blockquote>

== Quellen ==
* "Wir stenografieren. Eilschrift." 1970, Jugend und Volk Verlagsges.m.b.H. Wien
* "Winklers Wörterbuch der Deutschen Einheitskurzschrift", Winklers Verlag, Gebrüder Grimm, Darmbstadt, 1973
* {{Quelle dieses Artikels|[[Peter Krackowizer]], der noch Stenografieren lernte}}
== Einzelnachweise ==
<references/>

[[Kategorie:Kultur und Bildung]]
[[Kategorie:Bildung]]
[[Kategorie:Kultur]]
[[Kategorie:Kulturgeschichte]]

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