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Dr. med. '''Paul Grießmayr''' auch Griesmayr oder Grießmayer (* [[20. Jänner]] [[1788]] in Tulfes in Tirol<ref>MF 0645-08_Tulfes, Rinn - Taufbuch 2 + Index_1784-_1868_0005</ref>; † [[1850]] Attnang) war Gemeindearzt bzw. Patrimoinalgerichtsarzt in Kitzbühl<ref>Schematismus der Provinz Tyrol und Vorarlberg, für das Jahr 1926, 327.</ref> und [[Bezirksärzte in Mittersill|Bezirksarzt]] in [[Mittersill]].  
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Dr. med. '''Paul Grießmayr''' auch Griesmayr oder Grießmayer (* [[20. Jänner]] [[1788]] in Tulfes in Tirol<ref>MF 0645-08_Tulfes, Rinn - Taufbuch 2 + Index_1784-_1868_0005</ref>; † [[1850]] Attnang) war Gemeindearzt bzw. Patrimoinalgerichtsarzt in Kitzbühel <ref>Schematismus der Provinz Tyrol und Vorarlberg, für das Jahr 1926, 327.</ref> und [[Bezirksärzte in Mittersill|Bezirksarzt]] in [[Mittersill]].  
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[[Datei:Kitzbichl.jpg|mini|Der Strangel-Kaffe kann nicht zu oft empfohlen werden]]
    
== Schulzeit ==
 
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Am 10. November 1812 immatrikuliert er sich - wahrscheinlich nach dem zweijährigen philosophischen Grundstudium - für das Medizinstudium in Landshut in Bayern.
 
Am 10. November 1812 immatrikuliert er sich - wahrscheinlich nach dem zweijährigen philosophischen Grundstudium - für das Medizinstudium in Landshut in Bayern.
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Als am 26. Juni 1814 Tirol wieder mit Österreich vereinigt wird, ändert sich Grießmayrs Staatszugehörigkeit erneut und es ergibt sich für ihn die Notwendigkeit in Wien weiter zu studieren.<ref>Allgemeiner Tiroler Anzeiger 26. Juni 1914, 1.</ref>
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Als am 26. Juni 1814 Tirol wieder mit Österreich vereinigt wird,<ref>Allgemeiner Tiroler Anzeiger 26. Juni 1914, 1.</ref> ändert sich Grießmayrs Staatszugehörigkeit erneut und es ergibt sich für ihn die Notwendigkeit in Wien weiter zu studieren.
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"Paul Griesmayer (tw. Grießmayer) wurde 1816 in die Hauptmatrikel der Universität Wien eingetragen (M 11, p. 554), als Medizinstudent im 6. Jahr immatrikuliert.
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Parallel wurde er in die Matrikel der Medizinischen Fakultät eingetragen (MED 2.1, fol. 36r). Dort findet sich ergänzend, dass er als Armer (pauper) immatrikuliert wurde, d.h. mit deutlich reduzierter Taxzahlung. Möglicherweise hat er aber bereits vor 1816 in Wien studiert. Bei den Akten des Medizinischen Vizedirektorats findet sich ein Schreiben der Niederösterreichischen Regierung vom 16.10.1815, dass Grießmayer erst dann sein Stipendium der Stiftungsdistriktsadministration in Innsbruck erhält, wenn er den guten Studienerfolg in Wien nachweisen kann (Med. Vizedirektorat, Nr. 3 aus 1815).
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Auf jeden Fall hat er in Wien die Rigorosen abgelegt und wurde zum Dr. med. promoviert. Eintrag im Rigorosenprotokoll MED 11.1, p. 5: Hier wird er zwar als „Tyrolensis Tulfensis“ bezeichnet, aber mit dem Zusatz „natus zu Schwatz“! 1. Rigorosum am 28.4.1817, 2. Rigorosum am 12.8.1817, beide mit „sat bene“ beurteilt. Die Disputation fand am 28.8.1817 statt, Thema: De catameniorum excessu eiusque cura.(Vom Überschuss der Monatsblutung und dessen Kur) Promotion am 30.8.1817, Promotor [Georg] Prohaska."<ref>Universitätsarchiv Wien, Auskunft durch Dr. Ulrike Denk MAS, Stellvertretende Leiterin Universitätsarchiv</ref>
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== Kitzbühel ==
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Unmittelbar auf die Anstellung erfolgt zumeist die Heirat. Im Oktober 1818 heiratet Grießmayr als „Medicina Doctor et Physicus“ Josepha Wörz, die eine eheliche Tochter des Bauern Joann Georg Wörz und der Maria Euphrosine Angerer war. Als Herkunftsort ist Biechenwang „Reutensis“ angegeben, was wie aus der Heiratseintragung des Bruders von Josepha hervorgeht ein Schreibfehler ist und Breitenwang bei bedeutet. Zeugen waren Anton Hensinger „Administrator hospitalis in Schwatz“ und der Bruder der Braut Georg Wörz, der zu dieser Zeit noch Candidat war. Vier Jahre später ist er bereits „der Rechte Doctor u. Gerichts Actuar beym Fürst von Lambergischen Landgerichte“.<ref>Kitzbühel Traubuch 1801–1835, 102.</ref>
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Im September 1819 wurden die Zwillinge Elisabeth Maria Josepha und Florian Paul Thomas geboren, 1821 eine früh verstorbene Tochter und 1823 der Sohn Paul.<ref>Kitzbühel Taufbuch 1808–1828.</ref>
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Der Sohn Paul besucht von 1835 bis 1840 das Gymnasium in Kremsmünster, studiert die Rechtswissenschaft, bekleidet Stellen an verschiedensten Orten und wird 1860 als k.k. Notar in Frankenmarkt ernannt, wo er am 29. Mai 1872 49-jährig an Tuberkulose stirbt.<ref>Frankenmarkt Sterbefälle-Duplikate 1872; 1872</ref>
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== Mittersill ==
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Beim Umzug von Kitzbühel nach Mittersill mit der gesamten Familie konnte Dr. Grießmayr auf keine finanzielle Unterstützung hoffen, da er zu den "Minderen, mit nicht mehr als jährlichen 800 fl. besoldeten Beamten", zählte. Bei "erprobter Mittellosigkeit und Verdienstlichkeit" hätte er bei der Länderstelle einen Gehaltsvorschuss im Umfang von ein bis drei Monatsgehältern beantragen können.<ref>Joseph Müller, Systematische Darstellung des Medizinal-Wesens, Wien 1844, 41–48.</ref> Weil das Paar am 25. Nov. 1829 in Mittersill noch die früh verstorbene Tochter Maria Josepha bekam,<ref>Mittersill, 1816–1833 Taufen, 145; Mittersill Sterbebuch | STBIII, 166.</ref> ist die Adresse der Familie Grießmayr bekannt . Die Familie lebte am Marktplatz 30 im sogenannten „Hoferhaus“, das das große Handelshaus im Markt war und zu dieser Zeit dem Krämer und späteren Bürgermeister Chrisant Grießenauer (1791–1842) gehörte.<ref>Auskunft von [[Hannes Wartbichler]] Stadtarchivar und Initiator des Projekts: Alte Mittersiller Markthäuser im Fokus: „Schüler erforschen Geschichte” online in: https://www.osttirol-heute.at/menschen/alte-mittersiller-markthaeuser-im-fokus-schueler (27.1.2024); Mittersill, 1794–1846 Sterben, 272.</ref>
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== Vöcklabruck ==
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1833 wechselt Grießmayr nach Vöcklabruck als k.k. Bezirksarzt. Möglicherweise verließ er Mittersill um bessere Möglichkeiten für die Ausbildung seines Sohnes zu haben. 1848 - mit 60 - war er noch tätig.
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1852 erlebt er in Geboltskirchen die Trauung seiner 32-jährigen Tochter Elisabeth mit Mathias Friedwagner. Elisabeth war Vorsteherin der Privatlehranstalt für Mädchen in Linz. Matthias wurde als lediger Sohn der der Maria Friedwagner (Bauernmagd zu Enzberg Nr 2 Pfarre Pattighofen im Innkreis) geboren. Bei seiner Heirat war er Bezirksgerichts-Adjunkt in Ottensheim.<ref>Geboltskirchen Trauungen-Duplikate 1852;</ref>
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1865 ist Elisabeth bereits "Staatsanwaltsubstituten-Witwe" und wird in Vöcklabruck Patin ihres (eventuell Groß-)Neffen Paul Florian Joseph. Die Eltern des Kindes sind Peter Grießmayr (k.k. Adjunkt) und Katharina geb. Siekenroik (Tochter des Wundarztes).<ref>Voecklabruck Taufen-Duplikate 1865; 1865</ref> Ebenso 1868 für den Sohn Paul.<ref>Voecklabruck Taufen-Duplikate 1868; 1868</ref>
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== Schriften ==
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1826 veröffentlicht er einen Artikel  - eine Lobeshymne - in der Gartenzeitung mit dem Titel „Der Strangel-Kaffe kann nicht zu oft empfohlen werden“.
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„Möchte der Anbau dieser Frucht noch weit allgemeiner werden! Gesundheit und Börse würden dieses wohlthätigen Unternehmens süßen reichlich spenden. Aufblühen nach und nach würde dann wieder zum Theil unserer Ahnen nervigter Bau des Körpers, und verschwinden ein großes Heer von Krankheiten, die dem Mißbrauche des indischen Kaffees zugeschrieben werden müssen. Denn Gummi und Zukerstoff sind des Kaffee-Stragels wesentlichste Bestandtheile. Wie wohl mus also ein solches Getränk magern, zur Hektik und Ausszehrung aller Art geneigten Individuen bekommen! Nur bei bedeutend schwacher Verdauung, und nach reichlichen Mahlzeiten würde ich ihm den indischen Kaffee vorziehen. Paul Grießmayr, der Medizin Doktor, und Fürst von Lambergerischer Landgericht-Physikus allda.“<ref>Allgemeine deutsche Garten-Zeitung, Band 4, 1826, 183.</ref>
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Eine kleine Skizze von Mittersill (nicht erhalten)
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Jahresbericht 1829 von Mittersill
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Dr. Griessmayr schrieb über diese Quelle [Bad Schwarzenbach] eine kurze Abhandlung, welche im Badehause aufbewahrt wird. (nicht erhalten) <ref>Heinrich Wallmann, Die Heilquellen und Torfbäder des Herzogthumes Salzburg, Wien 1862, 199.</ref>
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== Fußnoten ==
 
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