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16. März [1882] ohne Umschlag, Pottenstein, Fanni Spängler an Franz Spängler, Salzburg:<br /> ''Mein lieber Franz! Ich danke dir herzlich für deine lieben Zeilen und den Mittheilungen über die lezten Augenblicke unserer guten, unvergeßlichen Mutter. Wie lieb ich sie gehabt habe, brauche ich dir nicht erst zu sagen; es wird mir selbst zur Beruhigung und Befriedigung dienen, daß, so lange ich die liebe Hingeschiedene "Mutter" nennen durfte, kein noch so leiser Mißton sich zwischen uns bemerkbar machte, was aber ganz gewiß nicht mein Verdienst, sondern nur ein Beweis war, wie gütig und liebenswürdig die Verewigte war. Daß die Auflösung so schmerzlos und ruhig war, ist gewiß auch ein Trost in dem Leide um unsere liebe Mutter. Man kann bei ihr wirklich sagen, sie starb wie sie lebte, die verkörperte Ruhe und Friedensliebe. Gestern Abends war ich im Pfarrhof, der Herr Dechant spricht dir sein aufrichtiges Beileid aus ebenso Frl: Fanni. Morgen um 7 Uhr früh wird der Herr Dechant seine erste hl: Messe lesen, und zwar seinen eigenen Worten nach, mit der guten Manung für deine verstorbene Mutter "der Frau, welche uns einen so braven Bezirksrichter erzogen hat". Die schlichten Worte des würdigen Mannes sind auch ein ehernes Denkmal für die liebe Mutter. Ich werde selbstverständlich der hl: Messe beiwohnen. – Auf Herrn Hoffinger, der mir gestern Abends deinen Sessionsschlüßel wieder einhändigte, bat mich, dir sein Beileid auszusprechen.''
 
16. März [1882] ohne Umschlag, Pottenstein, Fanni Spängler an Franz Spängler, Salzburg:<br /> ''Mein lieber Franz! Ich danke dir herzlich für deine lieben Zeilen und den Mittheilungen über die lezten Augenblicke unserer guten, unvergeßlichen Mutter. Wie lieb ich sie gehabt habe, brauche ich dir nicht erst zu sagen; es wird mir selbst zur Beruhigung und Befriedigung dienen, daß, so lange ich die liebe Hingeschiedene "Mutter" nennen durfte, kein noch so leiser Mißton sich zwischen uns bemerkbar machte, was aber ganz gewiß nicht mein Verdienst, sondern nur ein Beweis war, wie gütig und liebenswürdig die Verewigte war. Daß die Auflösung so schmerzlos und ruhig war, ist gewiß auch ein Trost in dem Leide um unsere liebe Mutter. Man kann bei ihr wirklich sagen, sie starb wie sie lebte, die verkörperte Ruhe und Friedensliebe. Gestern Abends war ich im Pfarrhof, der Herr Dechant spricht dir sein aufrichtiges Beileid aus ebenso Frl: Fanni. Morgen um 7 Uhr früh wird der Herr Dechant seine erste hl: Messe lesen, und zwar seinen eigenen Worten nach, mit der guten Manung für deine verstorbene Mutter "der Frau, welche uns einen so braven Bezirksrichter erzogen hat". Die schlichten Worte des würdigen Mannes sind auch ein ehernes Denkmal für die liebe Mutter. Ich werde selbstverständlich der hl: Messe beiwohnen. – Auf Herrn Hoffinger, der mir gestern Abends deinen Sessionsschlüßel wieder einhändigte, bat mich, dir sein Beileid auszusprechen.''
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'' – Daß ich mich sehr freue dich wieder hier begrüßen zu können, brauche ich dich wol nicht zu versichern. Auch die Kinder freuen sich schon auf dich und schiken dir viele Bußerl. Grüße alle unsere Lieben von mir und sage allen, dir mir ihre Teilname senden, besten Dank. – Sei nicht böse, wenn ich dich zum Schluße noch mit einigen Commißionen behellige, ich denke Rosa'' [Fannis jüngere Halbschwester] ''wird mir gerne Alles besorgen ich laße sie bitten. I. Vom Hackenbuchner 1 Centimetermaß, II. ein Paar schwarze Glacé-Handschuhe mit 2 Knöpfen N: 6 ¾, ferner 8 Meter Baumwollstoff von der Qualität des beiliegenden Musters, aber mit möglichst viel Schwarz, so wie mein jeziger Hausrok ist, das Meter kostet bei Grömling zwischen 30 u 4o K. Dann möchte ich noch 2 ½ Meter hübschen schwarzen Lüster 70 bis 80 K. für Franzi zu einem schwarzen Kleidchen und schließlich 3 Meter schwarzen Creton mit möglichst wenig auffallender weißer Zeichnung zu einer Hausjacke für mich. Sei nur nicht böse, aber ich finde es einfacher, von Salzburg diese Gegenstände von dir bringen zu laßen als erst wieder nach Wien zu schreiben. – Indem ich dich tausendmal grüße bleibe ich deine treue Alte. – Für Franzi ein ähnliches Umhängetuch wie Toni hat. Handkuß von Anna u Kathi.''
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'' – Daß ich mich sehr freue dich wieder hier begrüßen zu können, brauche ich dich wol nicht zu versichern. Auch die Kinder freuen sich schon auf dich und schiken dir viele Bußerl. Grüße alle unsere Lieben von mir und sage allen, dir mir ihre Teilname senden, besten Dank. – Sei nicht böse, wenn ich dich zum Schluße noch mit einigen Commißionen behellige, ich denke Rosa'' [Fannis jüngere Halbschwester, Anm.] ''wird mir gerne Alles besorgen ich laße sie bitten. I. Vom Hackenbuchner 1 Centimetermaß, II. ein Paar schwarze Glacé-Handschuhe mit 2 Knöpfen N: 6 ¾, ferner 8 Meter Baumwollstoff von der Qualität des beiliegenden Musters, aber mit möglichst viel Schwarz, so wie mein jeziger Hausrok ist, das Meter kostet bei Grömling zwischen 30 u 4o K. Dann möchte ich noch 2 ½ Meter hübschen schwarzen Lüster 70 bis 80 K. für Franzi zu einem schwarzen Kleidchen und schließlich 3 Meter schwarzen Creton mit möglichst wenig auffallender weißer Zeichnung zu einer Hausjacke für mich. Sei nur nicht böse, aber ich finde es einfacher, von Salzburg diese Gegenstände von dir bringen zu laßen als erst wieder nach Wien zu schreiben. – Indem ich dich tausendmal grüße bleibe ich deine treue Alte. – Für Franzi ein ähnliches Umhängetuch wie Toni hat. Handkuß von Anna u Kathi.''
    
Bunter Gebetszettel "Heiligtes Herz/ Süßes Herz...", "Von Herrn Dechant Philipp Mahler in Pottenstein 6 Sept. 1881".
 
Bunter Gebetszettel "Heiligtes Herz/ Süßes Herz...", "Von Herrn Dechant Philipp Mahler in Pottenstein 6 Sept. 1881".