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| | "Emma": In einem Brief von 1871 heißt es, dass die Freundin Emma [Seehofer] "im Laufe des nächsten Sommers heirathen" werde, das ist der Sommer 1872 während der geplanten Hochzeitsreise von Fanni und Franz. – "Würzburg": u. a. im September 1871 schreibt Fanni Freundin Lonchen Ziegler aus Würzburg. | | "Emma": In einem Brief von 1871 heißt es, dass die Freundin Emma [Seehofer] "im Laufe des nächsten Sommers heirathen" werde, das ist der Sommer 1872 während der geplanten Hochzeitsreise von Fanni und Franz. – "Würzburg": u. a. im September 1871 schreibt Fanni Freundin Lonchen Ziegler aus Würzburg. |
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| | + | ==== Brief vom 7. und 8. Jänner 1872 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== |
| | + | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] ohne Umschlag. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsatz eingefügt; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich:<br /> |
| | + | ''Wien 7. Jänner 1872 // Ab[en]ds 11 Uhr // Meine liebe Fanny // Ich hatte heute [Dir] die versprochenen XX Rü[c]kerts "Liebesfrühling"<ref>Liederzyklus von über 300, zumeist kurzen Gedichten, 1821 von Friedrich Rückert (* 1788 in Schweinfurt; † 1866 in Neuses bei Coburg), gewidmet Luise Wiethaus-Fischer, die er im Dezember 1821 in Coburg heiratet. Die Gedichtsammlung ist über Jahrzehnte ein Erfolg. Vgl. die Briefe vom 21. bis 23. Jänner 1872 und vom 11. Februar 1872. Vgl. die folgende detaillierte Liste von ausgewählten Gedichten, die Franz zur Lektüre empfiehlt, Fanni zu lesen "ersucht". Im folgenden Brief vom 15. Jänner 1872 spricht er vom "gleichmäßigen", d. h. möglichst zeitgleichen Lesen der Texte. Im Internet ist eine 16. Auflage von 1896 einsehbar.</ref> senden wollen, damit dieß wirklich tief gefü[h]lte u. hochpoetische Büchlein morgen am 8. Jänner, als dem Tage, wo nun 4 Monate seit unserer Verlobung verfloßen sind, in Deine Ha[ä]nde kommen. Doch da ich heute Mittags bei Fenzl speiste, u. etwas länger, als ich erwartet hatte dort blieb, so wurde es mir nicht me[h]r möglich vor Schluß der Hauptpost das Paketchen sammt einem Briefe für Dich fertig zu machen, u. ich sandte daher nur eine Correspondenzkarte, damit Du an diesem Tage doch einige Zeilen von mir erhaltest u schreibe nun erst jetzt Ab[en]ds diesen Brief an Dich um ihn morgen früh an Dich, meine Liebe zu senden. / '' |
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| | + | ''Zugleich ersuche ich Dich von Mittwoch, 10. Jänner an, täglich 3 Gedichte zu lesen, so werden wir mit dem größeren Teile bis Anfangs April fertig; der Rest, der uns dann noch bleibt, lesen wir dann zusammen in den le[t]zten Tagen von "zweier verliebten Verlobten vermä[h]lender Feier" (Seite 313). Uebrigens kom ich nicht umhin, Dich auf einzelne Gedichte besonders die mir im durchblättern wieder auffielen aufmerksam zu machen'' [folgende Hinweise jeweils in neuer Zeile:] ''I. Strauß 3 u 4 u 6, 17, ferner 33; auf die sonderweise [?] ich Dich zugleich mit Bezug auf eine von Dir zu Weihnachten gemachte Bemerkung, an die Du Dich wo[h]l noch erinnern wirst. // 2. Strauß 32. // 3 Strauß 27, 94 // 4 Strauß 7, + 9, (gerade so wie wir es ein paar Mal im September getan) 27;'' [doppelt unterstrichen:] ''31 34 (auch eine Antwort auf eine gleiche Frage, die Du öfters an mich gestellt), 65 – Seitenstü[c]k zu Geibels Kornblumen flecht ich Dir zum Kranz (Intermezzo'' [römisch:] ''XX) '' [unterstrichen:] ''66, welches ich auch Lida zur Beherzigung empfe[h]le // 5. Strauß 21, 23, 37. (Hat nicht Großmutter / uns zu unserer Freude gleiches Vertrauen geschenkt?) 45 (das ich ich Dir auf der Rü[c]kfa[h]rt von Hallein damals mitteilte, 44, 48, 53, 70, 75 (das XX auf Dein Verhältniß zur Großmutter se[h]r gut paßt. // ''<ref>4. Strauß Nr. 9 = abends im Zimmer, nachts am Fenster die Sterne sehen. Nr. 31 = Bitte um ungestörtes Seelenglück. Nr. 34 = Frage, warum man jemanden liebt. 5. Strauß Nr. 37 = Vertrauen des alten Vaters, dass sein Kind bei ihm in guten Händen ist. Nr. 45 = Farbe der Augen</ref> |
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| | + | ''8 Jänner 1872 // Morgens // Von gestern u vorgestern habe ich noch zu berichten, dß ich vorgestern bei der Salzburger Zusammenkunft war, wo einige ganz interessante Vorträge gehalten wurden, dß ich gestern Vormittags bei dem Landesgerichte einige Aufwartungen machte, wegen der Verse[t]zung nach Wien, dß aber nach den Äußerungen der betreffenden Herren kaum zu erwarten ist, dß unsere für Mödling bereits getroffenen Dispositionen schon nächstens eine Änderung erleiden; ich glaube, dß wir schon noch ganz ruhig den Sommer in Mödling zubringen werden. Mittags speiste ich bei Fenzl, u. Ab[en]ds war ich mit Dr Kaserer bei Streinsberg [?]. An beiden Orten war natürlich noch vor Dir öfters die Rede / Doch ich schließe für heute u. freue mich auf Deinen Brief, den ich morgen früh zu erhalten hoffe. Ich bitte Dich noch der Großmutter u deinen Eltern meine Grüße zu entrichten, u verbleibe mit herzlichem Gruße u Kuße // Dein // treuer Franz'' |
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