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''Wie du dazu kommst, dir über Manches aus deinem Leben "Vorwürfe" zu machen, kann ich nicht einsehen. Dank deines XXX mir bewiesenen Vertrauens glaube ich die Hauptpunkte deines bisherigen Lebens ziemlich zu kennen doch wüßte ich nicht, was hiervon dir zum Vorwurf werden könnte. Mir scheint, da kommen Grillen zum Vorschein, gegen welche ich werde zu Felde ziehen müßen. Auch daß du mit allzu strenger Auffassung deiner Pflichten dich quälst, kann ich nicht gut heißen, denn wenn du an dich solche ernste Anforderungen stellst, muß ich ja fürchten, du werdest auch erst mein Schreiben mit gar zu kritischen Augen betrachten und dieser Gedanke könnte eine ganze Kette von Fieberanfällen bei mir zur Folge haben, und das willst du doch sicher nicht. Ich achte gewiß getreue Pflichterfüllung als eine Tugend, die Jedes sich aneignen sollte, aber ich meine, wir dürfen aus der Pflicht, die uns obliegt, nicht eine Last machen die uns drückt. Doch nun zu etwas Anderen. Es scheint die Mödlinger Luft für Verlobungen ja ganz besonders ersprießlich zu sein, und daß die Mödlinger Mädchen mit euch Allen unzufrieden sind, ist ihnen wahrlich nicht zu verdenken. Die werden, wenn so jeder sein Bräutchen heimführt, wo[h]l ein wenig die Nase rümpfen und denken: nun, Engel sind anderswo auch gerade nicht, daß es dafür stände die Frau und den Herrn zu holen. Für kommenden Sanmstag wünsche ich dir recht gute Unterhaltung, und wenn du mit einer recht guten Tänzerin tanzest, so mache für mich extra eine Tour im Saale! Ob wir den Unterhaltungsabend besuchen, steht noch gar nicht fest. Fester aber der Entschluß nicht zu tanzen bei dieser Gelegenheit. Es ist nämlich am 6. Febr: Casinoball und da will Lida nicht am Abend vorher auch tanzen und ich habe gar keine Lust dazu. Ich danke dir herzlich für das Wort: "ich weiß, daß ich keine Ursache zur Eifersüchtelei habe" u.s.f. Nein gewiß, die hast nicht! Und ich habe dir so schon gesagt, ich habe kein Talent zur Eifersucht. Ich bin schon so neugierig, wann wir nach Wien kommen. Großmutter spricht von einem Aufenthalte von 8 bis 10 Tagen. Ich freue mich schon, wenn wir uns wiedersehen werden! Für Minna habe ich nicht weiters zu entrichten. Wenn wir nach Wien kommen werden wir jedenfalls dort Besuch machen und Minna in aller Form zur Hochzeit laden.''
 
''Wie du dazu kommst, dir über Manches aus deinem Leben "Vorwürfe" zu machen, kann ich nicht einsehen. Dank deines XXX mir bewiesenen Vertrauens glaube ich die Hauptpunkte deines bisherigen Lebens ziemlich zu kennen doch wüßte ich nicht, was hiervon dir zum Vorwurf werden könnte. Mir scheint, da kommen Grillen zum Vorschein, gegen welche ich werde zu Felde ziehen müßen. Auch daß du mit allzu strenger Auffassung deiner Pflichten dich quälst, kann ich nicht gut heißen, denn wenn du an dich solche ernste Anforderungen stellst, muß ich ja fürchten, du werdest auch erst mein Schreiben mit gar zu kritischen Augen betrachten und dieser Gedanke könnte eine ganze Kette von Fieberanfällen bei mir zur Folge haben, und das willst du doch sicher nicht. Ich achte gewiß getreue Pflichterfüllung als eine Tugend, die Jedes sich aneignen sollte, aber ich meine, wir dürfen aus der Pflicht, die uns obliegt, nicht eine Last machen die uns drückt. Doch nun zu etwas Anderen. Es scheint die Mödlinger Luft für Verlobungen ja ganz besonders ersprießlich zu sein, und daß die Mödlinger Mädchen mit euch Allen unzufrieden sind, ist ihnen wahrlich nicht zu verdenken. Die werden, wenn so jeder sein Bräutchen heimführt, wo[h]l ein wenig die Nase rümpfen und denken: nun, Engel sind anderswo auch gerade nicht, daß es dafür stände die Frau und den Herrn zu holen. Für kommenden Sanmstag wünsche ich dir recht gute Unterhaltung, und wenn du mit einer recht guten Tänzerin tanzest, so mache für mich extra eine Tour im Saale! Ob wir den Unterhaltungsabend besuchen, steht noch gar nicht fest. Fester aber der Entschluß nicht zu tanzen bei dieser Gelegenheit. Es ist nämlich am 6. Febr: Casinoball und da will Lida nicht am Abend vorher auch tanzen und ich habe gar keine Lust dazu. Ich danke dir herzlich für das Wort: "ich weiß, daß ich keine Ursache zur Eifersüchtelei habe" u.s.f. Nein gewiß, die hast nicht! Und ich habe dir so schon gesagt, ich habe kein Talent zur Eifersucht. Ich bin schon so neugierig, wann wir nach Wien kommen. Großmutter spricht von einem Aufenthalte von 8 bis 10 Tagen. Ich freue mich schon, wenn wir uns wiedersehen werden! Für Minna habe ich nicht weiters zu entrichten. Wenn wir nach Wien kommen werden wir jedenfalls dort Besuch machen und Minna in aller Form zur Hochzeit laden.''
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''Denke dir, Lidas Eltern werden Minna für die Zeit unserer Hochzeit einladen. Mich würde es schon recht freuen, wenn Minna dabei wäre. Neulich habe ich Lida schon gebeten, daß sie mir am Tage der Trauung beim Ankleiden hilft, was sie mir auch versprach. Dermalen kann ich mit vollem Rechte sagen: Petit à petit l’oiseau fait son nid /:diesmal nicht nied:/ denn bei uns werden gerade die mir gehörigen Betten gefüllt. Den Schatz der von dir empfangenen Briefe habe ich lange nicht mehr nachgezählt, willst du vielleicht warten, bis das Hundert voll ist?- - Ich habe Heideprinzeßchen schon ausgelesen, ich war nicht überrascht daß Leonore endlich doch den "uralten["] Mann heirathet, das müßte nicht die Marlitt geschrieben haben, wenn die zwei am schroffsten gegenüberstehenden Charaktere nicht ein Paar würden. Aber zu alt ist Erich jedenfalls. Ich bin neugierig auf die neue Erzählung, von welcher ich heute die 2.Nummer erhielt. – Gestern war Leseabend, wo "Tasso"'' [Goethe, Anm.] ''gelesen wurde. Lida las die Prinzeßin, Emma die Leonore, Ludwig'' [ [[Zellner]], Anm.] ''den Tasso, Mama den Alphons und ich den Antonio. Wir kamen bis zum IV.Acte, nachdem wir anfangs schrecklich kindisch gewesen waren. – Nun aber gute Nacht, behalte lieb deine Fanni. – Großmutter grüßt.''
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''Denke dir, Lidas Eltern werden Minna für die Zeit unserer Hochzeit einladen. Mich würde es schon recht freuen, wenn Minna dabei wäre. Neulich habe ich Lida schon gebeten, daß sie mir am Tage der Trauung beim Ankleiden hilft, was sie mir auch versprach. Dermalen kann ich mit vollem Rechte sagen: Petit à petit l’oiseau fait son nid /:diesmal nicht nied:/ denn bei uns werden gerade die mir gehörigen Betten gefüllt. Den Schatz der von dir empfangenen Briefe habe ich lange nicht mehr nachgezählt, willst du vielleicht warten, bis das Hundert voll ist?- - Ich habe Heideprinzeßchen schon ausgelesen, ich war nicht überrascht daß Leonore endlich doch den "uralten["] Mann heirathet, das müßte nicht die Marlitt geschrieben haben, wenn die zwei am schroffsten gegenüberstehenden Charaktere nicht ein Paar würden. Aber zu alt ist Erich jedenfalls. Ich bin neugierig auf die neue Erzählung, von welcher ich heute die 2.Nummer erhielt. – Gestern war Leseabend, wo "Tasso"'' [Goethe, Anm.] ''gelesen wurde. Lida las die Prinzeßin, Emma die Leonore, Ludwig'' [Zeller, Anm.] ''den Tasso, Mama den Alphons und ich den Antonio. Wir kamen bis zum IV.Acte, nachdem wir anfangs schrecklich kindisch gewesen waren. – Nun aber gute Nacht, behalte lieb deine Fanni. – Großmutter grüßt.''
    
"Marlitt": Eugenie Marlitt (* [[1825]]; † [[1887]]), Verfasserin von Romanen und Novellen im (trivialen) Stil; Roman "Das Haideprinzeßchen", 1872 [vorher in der Zeitschrift "Gartenlaube" in Fortsetzungen erschienen].
 
"Marlitt": Eugenie Marlitt (* [[1825]]; † [[1887]]), Verfasserin von Romanen und Novellen im (trivialen) Stil; Roman "Das Haideprinzeßchen", 1872 [vorher in der Zeitschrift "Gartenlaube" in Fortsetzungen erschienen].

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