| | ''Wien 11. Febr 1872 // Meine liebe Fanny! // Du wirst Dir schon bei Beachtung des Datums denken, der Franz ist doch ein wenig liederlich, dß er schon wieder in Wien ist u erst in Wien sich zum Schreiben Zeit nimmt. Das kommt nun so; gestern Abends war bei Angermay[e]r eine Soirée dansante, zu welcher auch ich geladen war, u. zu der ich daher schon gestern Abends von Mödling hineinfuhr Wir unterhielten uns sehr gut, u tanzten noch ziemlich viel, – mich nicht ausgenommen, – obwo[h]l wir nur 5 Paare waren Ich arrangi[e]rte sogar einen Cotillon<ref>vgl. Brief vom 28. Jänner 1872</ref>, u sende Dir einen der Orden<ref>liegt bei: weißes Papier-Spitzenhäubchen mit rosa Schleifen und kleiner Papierrose</ref>, die ich erhielt – u. glaube, dß er für Dich, – wenigstens in dieser Form – angemessen Deiner / freundlichen Würde – besser paßt als für mich. // Daß die Sendung wieder um einen Tag später in Deine Hände kam, thut mir wirklich leid, ich habe dieselbe doch am 7. vor 9 Uhr früh aufgegeben, u. rechnete daher sicher darauf, u. es wurde mir auch am Postamte gesagt, dß die Sendung noch am selben Abende von Wien nach Salzburg abgehe. An mir liegt also die Schuld nicht. //'' | | ''Wien 11. Febr 1872 // Meine liebe Fanny! // Du wirst Dir schon bei Beachtung des Datums denken, der Franz ist doch ein wenig liederlich, dß er schon wieder in Wien ist u erst in Wien sich zum Schreiben Zeit nimmt. Das kommt nun so; gestern Abends war bei Angermay[e]r eine Soirée dansante, zu welcher auch ich geladen war, u. zu der ich daher schon gestern Abends von Mödling hineinfuhr Wir unterhielten uns sehr gut, u tanzten noch ziemlich viel, – mich nicht ausgenommen, – obwo[h]l wir nur 5 Paare waren Ich arrangi[e]rte sogar einen Cotillon<ref>vgl. Brief vom 28. Jänner 1872</ref>, u sende Dir einen der Orden<ref>liegt bei: weißes Papier-Spitzenhäubchen mit rosa Schleifen und kleiner Papierrose</ref>, die ich erhielt – u. glaube, dß er für Dich, – wenigstens in dieser Form – angemessen Deiner / freundlichen Würde – besser paßt als für mich. // Daß die Sendung wieder um einen Tag später in Deine Hände kam, thut mir wirklich leid, ich habe dieselbe doch am 7. vor 9 Uhr früh aufgegeben, u. rechnete daher sicher darauf, u. es wurde mir auch am Postamte gesagt, dß die Sendung noch am selben Abende von Wien nach Salzburg abgehe. An mir liegt also die Schuld nicht. //'' |
| − | ''Den nächsten Erinnerungstag unserer Verlobung, zugleich den le[t]zten, vor der Hochzeit, feiern wir hoffentlich zusammen hier. // Mir ist es angene[h]m nun einmal [?] den Tag Eurer Hieherreise zu wißen. Ihr fa[h]rt<ref>Dehnungs-h geschrieben, dann gestrichen</ref> wo[h]l über Tag? mit dem Postzuge od[er] Tagesschnellzuge? Bezüglich des Hôtel Kreuz werde ich wo[h]l Erkundigungen einzuziehen suchen, u werde jedenfalls wenn Ihr Euch für diesen Gasthof / entscheidet, ein Zimmer in der gewünschten Weise bestellen. Vielleicht könnten aber Lorinser über die Beschaffenheit dieses ihnen so nahe gelegenen Gasthofes bessere u verläßlichere Erkundigg[un]en einziehen. Ich bitte Dich, wolle hierin ja nicht eine Able[h]nung dieses Ersuchens erbli[c]ken, aber mir liegt für Euch se[h]r daran, dß Ihr gut versorgt seid. Ich hoff[t]e mir den 2. März ganz frei machen zu können, am 3. XX Son[n]tag da bin ich ebenfalls frei, doch am 2ten muß ich Vormittags in Mödling sein, weil ich mir für diesen Tag eine XXverhandlungen anberaumen mußte Nun noch etwas über Emmas Hochzeit. So gerne ich hinauskäme, so habe ich es mir doch überlegt, dß es ohne eingeladen zu sein, nicht wo[h]l angeht, dß ich zur Hochzeit komme. Würde ich aber – vielleicht kannst Du Emma gegenüber in diesem Sinn eine Andeutung / machen – eingeladen, so käme ich hinauf. Freilich wäre es mir in diesem Fall lieber, wenn wir [a]ber dann etwas früher als am 1. März hieherreisen würden. Otto frägt mich auch in einem mir gestern zugekommenen Briefe, ob ich zu Emma Hochzeit kommen werde. //'' | + | ''Den nächsten Erinnerungstag unserer Verlobung, zugleich den le[t]zten, vor der Hochzeit, feiern wir hoffentlich zusammen hier. // Mir ist es angene[h]m nun einmal [?] den Tag Eurer Hieherreise zu wißen. Ihr fa[h]rt<ref>Dehnungs-h geschrieben, dann gestrichen</ref> wo[h]l über Tag? mit dem Postzuge od[er] Tagesschnellzuge? Bezüglich des Hôtel Kreuz werde ich wo[h]l Erkundigungen einzuziehen suchen, u werde jedenfalls wenn Ihr Euch für diesen Gasthof / entscheidet, ein Zimmer in der gewünschten Weise bestellen. Vielleicht könnten aber Lorinser über die Beschaffenheit dieses ihnen so nahe gelegenen Gasthofes bessere u verläßlichere Erkundig[un]gen einziehen. Ich bitte Dich, wolle hierin ja nicht eine Able[h]nung dieses Ersuchens erbli[c]ken, aber mir liegt für Euch se[h]r daran, dß Ihr gut versorgt seid. Ich hoff[t]e mir den 2. März ganz frei machen zu können, am 3. XX Son[n]tag da bin ich ebenfalls frei, doch am 2ten muß ich Vormittags in Mödling sein, weil ich mir für diesen Tag eine XXverhandlungen anberaumen mußte Nun noch etwas über Emmas Hochzeit. So gerne ich hinauskäme, so habe ich es mir doch überlegt, dß es ohne eingeladen zu sein, nicht wo[h]l angeht, dß ich zur Hochzeit komme. Würde ich aber – vielleicht kannst Du Emma gegenüber in diesem Sinn eine Andeutung / machen – eingeladen, so käme ich hinauf. Freilich wäre es mir in diesem Fall lieber, wenn wir [a]ber dann etwas früher als am 1. März hieherreisen würden. Otto frägt mich auch in einem mir gestern zugekommenen Briefe, ob ich zu Emma Hochzeit kommen werde. //'' |
| − | ''Ob ich aber nun komme, od[er] nicht komme so würde ich {es}<ref>Er korrigiert durch Streichung den Satz: … so ''fände'' ich es jedenfalls ''passend'' …, lässt aber "es" stehen.</ref> jedenfalls gerne der Emma ein, wenn auch nicht großartiges Geschenk machen, u bitte Dich, dß Du Dich ein wenig erkundigst, was ihr Freude machen würde, u. sie nicht schon hat. Eventuell würdest Du auch so gut sein, das betreffende zu kaufen, u ihr dann mit einem Briefe von mir zu übergeben? // Ich habe nun soeben, die Anfänge der nächstfolgenden Gedichte aus dem "Liebesfrühling" herausgeschrieben, u schließe sie bei'' [liegt nicht bei] ''; ich hätte es / '' [beiliegender halber Bogen:] ''übrigens auch ohne Erinnerung von Deiner Seite getan. // Wie ich aber so schrieb, u. sich Tag an Tag reihte, fand ich dß bis zum 1. März doch noch eine lange Reihe von Tagen bis so rasch es sich auch ausspricht "in 3 Wochen". Daß ich nicht am Salzburgerkränzchen war, wurde von manchen so gedeutet, als ob ich von Dir nicht die Erlaubniß erhalten hätte; ich war aber allseits in der angene[h]men Lage zu versichern dß dieß nicht die Ursache meines Wegbleibens gewesen sei. Da ich übrigens seither hörte, dß Lorsiner XX that es mir aus dem schon neulich angedeuteten Grund fast XX nicht dort gewesen zu sein. // Ich schließe für heute u freue mich darauf, von Dir morgen früh in Mödling wieder einen Brief vorzufinden da Du ja schreibst / dß Du Freitag Ab[en]ds einen Brief beginnen werdest. // Ich werde dann zwischen Montag u Dienstag auf denselben antworten, ohne Unterschied, ob ich auf diese Zeilen bis dorthin Antwort erhalte od[er] nicht. // Nun lebe recht wo[h]l, grüße die Großmutter u. sei herzlichst gegrüßt u geküßt von Deinem // treuen Franz'' | + | ''Ob ich aber nun komme, od[er] nicht komme so würde ich {es}<ref>Er korrigiert durch Streichung den Satz: … so ''fände'' ich es jedenfalls ''passend'' …, lässt aber "es" stehen.</ref> jedenfalls gerne der Emma ein, wenn auch nicht großartiges Geschenk machen, u bitte Dich, dß Du Dich ein wenig erkundigst, was ihr Freude machen würde, u. sie nicht schon hat. Eventuell würdest Du auch so gut sein, das betreffende zu kaufen, u ihr dann mit einem Briefe von mir zu übergeben? // Ich habe nun soeben, die Anfänge der nächstfolgenden Gedichte aus dem "Liebesfrühling" herausgeschrieben, u schließe sie bei'' [liegt nicht bei, Anm.] ''; ich hätte es / '' [beiliegender halber Bogen:] ''übrigens auch ohne Erinnerung von Deiner Seite getan. // Wie ich aber so schrieb, u. sich Tag an Tag reihte, fand ich dß bis zum 1. März doch noch eine lange Reihe von Tagen bis so rasch es sich auch ausspricht "in 3 Wochen". Daß ich nicht am Salzburgerkränzchen war, wurde von manchen so gedeutet, als ob ich von Dir nicht die Erlaubniß erhalten hätte; ich war aber allseits in der angene[h]men Lage zu versichern dß dieß nicht die Ursache meines Wegbleibens gewesen sei. Da ich übrigens seither hörte, dß Lorsiner XX that es mir aus dem schon neulich angedeuteten Grund fast XX nicht dort gewesen zu sein. // Ich schließe für heute u freue mich darauf, von Dir morgen früh in Mödling wieder einen Brief vorzufinden da Du ja schreibst / dß Du Freitag Ab[en]ds einen Brief beginnen werdest. // Ich werde dann zwischen Montag u Dienstag auf denselben antworten, ohne Unterschied, ob ich auf diese Zeilen bis dorthin Antwort erhalte od[er] nicht. // Nun lebe recht wo[h]l, grüße die Großmutter u. sei herzlichst gegrüßt u geküßt von Deinem // treuen Franz'' |