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''Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXVI. erh. 10/2 beantw 11/2]: Salzburg, 9. Februar 1872. 1 Uhr Nachm: Mein lieber Franz! Du hast meinen Bücherschatz wieder mit einer schönen Gabe bereichert, tausend Dank dafür mein Lieber, so wie auch für deinen lieben Brief! Deine Güte hat mich schon so verwöhnt, daß ich gestern den ganzen Tag mit ziemlicher Sicherheit auf das Erscheinen des Postboten wartete und es mir leid that, als ich umsonst warten mußte. Erst heute früh empfing ich dein Geschenk, noch einmal meinen herzlichsten Dank. Das Buch ist mir nur dem Namen nach bekannt, doch seit ich "Ekkehard["] gelesen, ist mir der Name Scheffel von gutem Klang. Soeben hat Großmutter unsere Abreise auf den ersten März festgesetzt. Also heute über drei Wochen! Wie lange wir in Wien bleiben werden, hängt von den zu besorgenden Geschäften ab.''
 
''Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXVI. erh. 10/2 beantw 11/2]: Salzburg, 9. Februar 1872. 1 Uhr Nachm: Mein lieber Franz! Du hast meinen Bücherschatz wieder mit einer schönen Gabe bereichert, tausend Dank dafür mein Lieber, so wie auch für deinen lieben Brief! Deine Güte hat mich schon so verwöhnt, daß ich gestern den ganzen Tag mit ziemlicher Sicherheit auf das Erscheinen des Postboten wartete und es mir leid that, als ich umsonst warten mußte. Erst heute früh empfing ich dein Geschenk, noch einmal meinen herzlichsten Dank. Das Buch ist mir nur dem Namen nach bekannt, doch seit ich "Ekkehard["] gelesen, ist mir der Name Scheffel von gutem Klang. Soeben hat Großmutter unsere Abreise auf den ersten März festgesetzt. Also heute über drei Wochen! Wie lange wir in Wien bleiben werden, hängt von den zu besorgenden Geschäften ab.''
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''Großmutter meint bezüglich deiner Besorgniß wegen unseren Sachen, es wird nicht so gefährlich sein, da man ja Alles verpackt laßen kann, bis Großmutter nach unserer Hochzeit hinterherkommt. Die Kisten mit den Betten und der Wäsche braucht man ja auch noch nicht zu schicken, und wenn die Wohnung gehörig versperrt ist, ist es doch schwer, die Möbel unbemerkt fortzubringen. – Um bei der Prosa zu bleiben, füge ich hinzu, daß man wenigstens hier Anricht u. Schlüßelkorb als zur Wohnung gehörig betrachtet, und du könntest schon die Hausfrau'' [Vermieterin, Anm.] ''ersuchen, die fehlenden Gegenstücke zu besorgen. Das bleibt uns immer, dieselben selbst zu kaufen. Wenn du ohnehin wieder nach Wien fährst, wärst du ja wo[h]l so gut, dich zu erkundigen, ob das Hotel "Zum goldenen Kranz" auf der Weide noch so ordentlich wie früher ist, und in diesem Falle ein heizbares Zimmer mit zwei guten Betten zu bestellen. Im Jahr 1867 bewohnten wir ein Zimmer im 1. Stock gegen die Gaße, und wenn ich nicht irre zahlten wir pro Tag 1 fl [Gulden] 60 X [Kreuzer] ÖW'' [? Österreich. Währung, Anm.] ''. Meine Großmutter braucht mich je[t]zt und ich schließe und schicke den Brief ab. Abends werde ich dir ausführlicher schreiben. Nun noch so viel: du wirst dich erinnern daß du mir die für jeden Tag treffenden Gedichte aus dem Liebesfrühling'' [Lyriksammlung, Anm.] '', welche ich gewißenhaft lese, bis zu[m] 12. Februar bezeichnet hast, ich bitte, gib mir die bis zu[m] 1. März treffenden bis dahin in deinem nächsten Brief an. – XXX lebe je[t]zt recht wo[h]l. Abends komme ich erst zur Fortse[t]zung. Großmutter u. deine Mutter grüßen dich. Behüt dich Gott. Deine treue Fanni. ''
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''Großmutter meint bezüglich deiner Besorgniß wegen unseren Sachen, es wird nicht so gefährlich sein, da man ja Alles verpackt laßen kann, bis Großmutter nach unserer Hochzeit hinterherkommt. Die Kisten mit den Betten und der Wäsche braucht man ja auch noch nicht zu schicken, und wenn die Wohnung gehörig versperrt ist, ist es doch schwer, die Möbel unbemerkt fortzubringen. – Um bei der Prosa zu bleiben, füge ich hinzu, daß man wenigstens hier Anricht u. Schlüßelkorb als zur Wohnung gehörig betrachtet, und du könntest schon die Hausfrau'' [Vermieterin, Anm.] ''ersuchen, die fehlenden Gegenstücke zu besorgen. Das bleibt uns immer, dieselben selbst zu kaufen. Wenn du ohnehin wieder nach Wien fährst, wärst du ja wo[h]l so gut, dich zu erkundigen, ob das Hotel "Zum goldenen Kranz" auf der Weide noch so ordentlich wie früher ist, und in diesem Falle ein heizbares Zimmer mit zwei guten Betten zu bestellen. Im Jahr 1867 bewohnten wir ein Zimmer im 1. Stock gegen die Gaße, und wenn ich nicht irre zahlten wir pro Tag 1 fl'' [Gulden] ''60 X [Kreuzer] ''ÖW'' [? Österreich. Währung, Anm.] ''. Meine Großmutter braucht mich je[t]zt und ich schließe und schicke den Brief ab. Abends werde ich dir ausführlicher schreiben. Nun noch so viel: du wirst dich erinnern daß du mir die für jeden Tag treffenden Gedichte aus dem Liebesfrühling'' [Lyriksammlung, Anm.] '', welche ich gewißenhaft lese, bis zu[m] 12. Februar bezeichnet hast, ich bitte, gib mir die bis zu[m] 1. März treffenden bis dahin in deinem nächsten Brief an. – XXX lebe je[t]zt recht wo[h]l. Abends komme ich erst zur Fortse[t]zung. Großmutter u. deine Mutter grüßen dich. Behüt dich Gott. Deine treue Fanni. ''
    
"Scheffel": [[Joseph Victor von Scheffel|Victor von Scheffel]], "Ekkehard", Roman 1855.
 
"Scheffel": [[Joseph Victor von Scheffel|Victor von Scheffel]], "Ekkehard", Roman 1855.
 
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==== Brief vom 9. Februar 1872 von Fanni Schlegel an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
 
==== Brief vom 9. Februar 1872 von Fanni Schlegel an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
 
Brief von Fanni Schlegel [Nr. 19] an Franz Spängler [Nr. 18]:<br />
 
Brief von Fanni Schlegel [Nr. 19] an Franz Spängler [Nr. 18]:<br />