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| | ==== Brief vom 13. November 1871<ref name="B12A1870"></ref> von der Mutter Antonia an den Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | | ==== Brief vom 13. November 1871<ref name="B12A1870"></ref> von der Mutter Antonia an den Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== |
| | ein Bogen, beiliegend ein Blatt von [[Otto Spängler]], ohne Datum; Briefumschlag "Herr Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien.", Briefmarke mit Stempel herausgeschnitten, rückseitig gestempelt "Mödling 14/12/71", rotes Lacksiegel; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br /> | | ein Bogen, beiliegend ein Blatt von [[Otto Spängler]], ohne Datum; Briefumschlag "Herr Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien.", Briefmarke mit Stempel herausgeschnitten, rückseitig gestempelt "Mödling 14/12/71", rotes Lacksiegel; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br /> |
| − | ''Salzburg den 13/11 [18]71. Mein inigst geliebter Franz! Ich hoffe du wirst nun im Besitz des Hemt sein, wenigstens bey den Angermeyer liegt es, und ich bin begirig zu hören, wie es dir taugt. Gottlob das bey der Louise alles gut vorüber gegangen, und beyde gesund sind, bis du kömmst ist Louise schon ganz wieder in Ordnung. Dieser Tage habe ich einmal kein geld außgegeben, wird aber nicht lange dauern so brauchen wir die Vorschüße zu denen Küßen'' [Kissen]. ''In diesen 8 Tagen habe ich außer ein wenig strücken gar nichts gethan, weil ich so viel oben war, auch ist dermalen nichts zu geschnitten, weil die Fany auch eben die Schneiderin hat, so hat sie zu andern Sachen nicht zeit. Die Khati merkt neben bey die Sakl was / fertig ist, es braucht dieß auch seine zeit. Nun ist das nächste was wir machen, Bettzeug. Die Hosen kann ich erst dan machen wen du ein Mußter gebracht hast. Du Hast der Fany neulich wider ein Buch geschükt es hat sie sehr gefreut, aber lieber Franz du kannst doch nicht jeden 8 t des Monnath mit einen Geschenk segnen? Wohin kämme dieß? Es kommen ja ohnedieß Weihnachten wo du ihr auch ein geschenk machen wirst – dan vieleicht auch einen Brautschmuck, bis zur Hochzeit – also noch Außgaben genug. Wie froh bin ich daß du Einrichtung und Bedienung von deiner jetzigen Zimmerfrau bekömmst, so weiß ich doch das du versorgt bist den mir machte es schon ganz bange dich so allein, und vieleicht nicht ein mal mit den nöthigen versehen, und vieleicht noch bestollen werden, dieß war mir ein recht peinlicher gedanke.'' / | + | ''Salzburg den 13/11 [18]71. Mein inigst geliebter Franz! Ich hoffe du wirst nun im Besitz des Hemt sein, wenigstens bey den Angermeyer liegt es, und ich bin begirig zu hören, wie es dir taugt. Gottlob das bey der Louise alles gut vorüber gegangen, und beyde gesund sind, bis du kömmst ist Louise schon ganz wieder in Ordnung. Dieser Tage habe ich einmal kein geld außgegeben, wird aber nicht lange dauern so brauchen wir die Vorschüße zu denen Küßen'' [Kissen, Anm.]. ''In diesen 8 Tagen habe ich außer ein wenig strücken gar nichts gethan, weil ich so viel oben war, auch ist dermalen nichts zu geschnitten, weil die Fany auch eben die Schneiderin hat, so hat sie zu andern Sachen nicht zeit. Die Khati merkt neben bey die Sakl was / fertig ist, es braucht dieß auch seine zeit. Nun ist das nächste was wir machen, Bettzeug. Die Hosen kann ich erst dan machen wen du ein Mußter gebracht hast. Du Hast der Fany neulich wider ein Buch geschükt es hat sie sehr gefreut, aber lieber Franz du kannst doch nicht jeden 8 t des Monnath mit einen Geschenk segnen? Wohin kämme dieß? Es kommen ja ohnedieß Weihnachten wo du ihr auch ein geschenk machen wirst – dan vieleicht auch einen Brautschmuck, bis zur Hochzeit – also noch Außgaben genug. Wie froh bin ich daß du Einrichtung und Bedienung von deiner jetzigen Zimmerfrau bekömmst, so weiß ich doch das du versorgt bist den mir machte es schon ganz bange dich so allein, und vieleicht nicht ein mal mit den nöthigen versehen, und vieleicht noch bestollen werden, dieß war mir ein recht peinlicher gedanke.'' / |
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| − | ''Ich bedaure es dennoch das nicht im Fasching die Vermählung gefeyert wird, weil ich [es] viel berech[t]igte[r] für deine Person wäre. Am 17 te ist um 9 Uhr eine Heil Meße für den Sel Vater<ref>[[Franz Xaver Gregor Spängler]], * 17. November 1793; † 1852</ref>, gedenke seiner. Bey Stipitz'' [Stiebitz] ''geht es gar nichts beßer eher schlechter weil er nun auch die Nächte keine Ruhe hat. Denke dir der Egghofer und seine Frau sind hier er ist so gefährlich leidend das der Proffeßor Grüter [?] gar keine Hoffnung hat ihm [!] heilen zu können, er hatte einen Außschlag ich glaube die Flecken er konnte sich nicht recht halten weil er immer wieder zu Kranke geruffen wurde, er fühlte sich nie wohl dabey. Einmal kamm ein Wagen um ihm [!] weiter weg zu Hollen er sagte er kann nicht fahren es sey ihm zu wenig wohl der Gutscher sagte die Herschaft habe ihm auf getragen, er dürfe ohne doktor nicht kommen er fuhr / bekamm darauf ein so heftiges reissen im Gesicht fast nicht zum außhalten nach langen brauchen von vielen Heilmitteln, räth ihm ein Arzt er solle sich zur Ader lassen was er durchauß nicht wollte, endlich nach langen gab er nach, und seitdem ist das Ubel viel ärger geworden, und zwar so das er nicht einmal ein geweichtes [?] Fleisch essen kann gar nicht als solche Supen welche fast von selbst hinab fließen Kaffe oder Koch, er hat einen Polipp hinter der Speiseröhren wo der Druck so starken Einfluß auf das gehirn hat und auch die Augen und das Kinnbein, und auf das gehör. Kanst dir denken wie der armmen gabriela zu muthe ist, sie haben so gut und Zufrieden gelebt. Habe so fleißig nach möglichkeit abgezahlt, ich sage Ihrer Frau Tante wir wären zu viel geld gekommen wen mein Mann gesund geblieben wäre. /'' | + | ''Ich bedaure es dennoch das nicht im Fasching die Vermählung gefeyert wird, weil ich [es] viel berech[t]igte[r] für deine Person wäre. Am 17 te ist um 9 Uhr eine Heil Meße für den Sel Vater<ref>[[Franz Xaver Gregor Spängler]], * 17. November 1793; † 1852</ref>, gedenke seiner. Bey Stipitz'' [Stiebitz, Anm.] ''geht es gar nichts beßer eher schlechter weil er nun auch die Nächte keine Ruhe hat. Denke dir der Egghofer und seine Frau sind hier er ist so gefährlich leidend das der Proffeßor Grüter [?] gar keine Hoffnung hat ihm [!] heilen zu können, er hatte einen Außschlag ich glaube die Flecken er konnte sich nicht recht halten weil er immer wieder zu Kranke geruffen wurde, er fühlte sich nie wohl dabey. Einmal kamm ein Wagen um ihm [!] weiter weg zu Hollen er sagte er kann nicht fahren es sey ihm zu wenig wohl der Gutscher sagte die Herschaft habe ihm auf getragen, er dürfe ohne doktor nicht kommen er fuhr / bekamm darauf ein so heftiges reissen im Gesicht fast nicht zum außhalten nach langen brauchen von vielen Heilmitteln, räth ihm ein Arzt er solle sich zur Ader lassen was er durchauß nicht wollte, endlich nach langen gab er nach, und seitdem ist das Ubel viel ärger geworden, und zwar so das er nicht einmal ein geweichtes [?] Fleisch essen kann gar nicht als solche Supen welche fast von selbst hinab fließen Kaffe oder Koch, er hat einen Polipp hinter der Speiseröhren wo der Druck so starken Einfluß auf das gehirn hat und auch die Augen und das Kinnbein, und auf das gehör. Kanst dir denken wie der armmen gabriela zu muthe ist, sie haben so gut und Zufrieden gelebt. Habe so fleißig nach möglichkeit abgezahlt, ich sage Ihrer Frau Tante wir wären zu viel geld gekommen wen mein Mann gesund geblieben wäre. /'' |
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| | [erste Seite oben verkehrt herum:] ''Lebe recht wohl Es küßt dich mit aller Liebe deine treue Mutter Spángler. Viele Bekannte grüßen dich recht herzlich.'' | | [erste Seite oben verkehrt herum:] ''Lebe recht wohl Es küßt dich mit aller Liebe deine treue Mutter Spángler. Viele Bekannte grüßen dich recht herzlich.'' |
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| − | [beiliegendes Blatt, Aufdruck: "Dr. Otto Spängler // Salzburg"] ''Lieber Franz! Für deine freundlichen Glückwünsche zur glücklichen Entbindung meiner lieben Louise danke ich dir herzlichst; Ich freue mich, dir das getreue Conterfei d[e]s Otto um Weihnachten zeigen zu können, XX gesagt, dß<ref>[[Otto Spängler]] schreibt durchgehend "dß" für "daß"; ich [O. H.] belasse das Kürzel. Seine Schrift ist flüssig, aber manche Wörter sind (für mich) schwer lesbar.</ref> bis dorthin die Ähnlichkeit noch besteht. Gott sei dank, dß alles gut vorüber ist. Zu den Rumäniern, einer schweren und meiste [?] glücklichen Geburt übergehend, theile ich dir mit, dß neulich einmal Schwager Karl mich ersuchte, meine Rumänier'' [wohl Wertpapiere] ''der Vereinsbank in München zur Verfügung zu stellen, welche im Verein mit Bleichröder, Discontobank in Berlin u Creditanstalt in Wien die Sache in die Hand nehmen will aber nur unter der Bedingung dß diese genannten Institute zum mindesten die Hälfte aller Obligationen zur Disposition erhalten. Da es sehr schnellgehen / musste, so konnte ich dich nicht mehr vorerst benachrichtigen, und sandte schon meine 1600 u 100 Thlr'' [Taler? Teile?] ''der Mutter; kömmt ein Ausgleich zu Stande, so participiren alle, ob angemeldet oder nicht. Am 27 dM'' [des Monats] ''ist außerordentlicher Gewerkentag zu Hammerau'' [ [[Stahlwerk Annahütte]], Anm.]. ''Der Ausschuß will die Zurückname [?] des ihm ausdrücklich erteilten Verkaufsauftrages von Hohenaschau erwirken, weil nach Angaben des Ausschußes wir das Holz zur Verkolung selbst brauchen. Schließlich noch die Verrechnung:'' [Positionen jeweils untereinander:] ''Verbleibender Kassarest: 31.50; 6 Stück Coupons 1860. // XX Loose à 2 fl – 12. –; 1 Grundentlastungscoupon – 2.36; Zinsen von Reisigl // Pepi – 12.50; Summe: 58.36'' [Doppelstrich] ''// Ausgaben: Zeug zweier Bettenbe[züge]: – 33; Verschiedene Stoffe laut Brief der Mutter: 38.39; Monatgeld der Mutter 10.; Prolongation // auf der Sparkasse – 1.20. 58.36'' [Strich] ''49.92 // Kassarest 8.44 // Nach dem Gewerkentag folgt ein ausführlicher Brief. Dein treuer Bruder Otto.'' | + | [beiliegendes Blatt, Aufdruck: "Dr. Otto Spängler // Salzburg"] ''Lieber Franz! Für deine freundlichen Glückwünsche zur glücklichen Entbindung meiner lieben Louise danke ich dir herzlichst; Ich freue mich, dir das getreue Conterfei d[e]s Otto um Weihnachten zeigen zu können, XX gesagt, dß<ref>[[Otto Spängler]] schreibt durchgehend "dß" für "daß"; ich [O. H.] belasse das Kürzel. Seine Schrift ist flüssig, aber manche Wörter sind (für mich) schwer lesbar.</ref> bis dorthin die Ähnlichkeit noch besteht. Gott sei dank, dß alles gut vorüber ist. Zu den Rumäniern, einer schweren und meiste [?] glücklichen Geburt übergehend, theile ich dir mit, dß neulich einmal Schwager Karl mich ersuchte, meine Rumänier'' [wohl Wertpapiere, Anm.] ''der Vereinsbank in München zur Verfügung zu stellen, welche im Verein mit Bleichröder, Discontobank in Berlin u Creditanstalt in Wien die Sache in die Hand nehmen will aber nur unter der Bedingung dß diese genannten Institute zum mindesten die Hälfte aller Obligationen zur Disposition erhalten. Da es sehr schnellgehen / musste, so konnte ich dich nicht mehr vorerst benachrichtigen, und sandte schon meine 1600 u 100 Thlr'' [Taler? Teile? Anm.] ''der Mutter; kömmt ein Ausgleich zu Stande, so participiren alle, ob angemeldet oder nicht. Am 27 dM'' [des Monats, Anm.] ''ist außerordentlicher Gewerkentag zu Hammerau'' [ [[Stahlwerk Annahütte]], Anm.]. ''Der Ausschuß will die Zurückname [?] des ihm ausdrücklich erteilten Verkaufsauftrages von Hohenaschau erwirken, weil nach Angaben des Ausschußes wir das Holz zur Verkolung selbst brauchen. Schließlich noch die Verrechnung:'' [Positionen jeweils untereinander:] ''Verbleibender Kassarest: 31.50; 6 Stück Coupons 1860. // XX Loose à 2 fl – 12. –; 1 Grundentlastungscoupon – 2.36; Zinsen von Reisigl // Pepi – 12.50; Summe: 58.36'' [Doppelstrich] ''// Ausgaben: Zeug zweier Bettenbe[züge]: – 33; Verschiedene Stoffe laut Brief der Mutter: 38.39; Monatgeld der Mutter 10.; Prolongation // auf der Sparkasse – 1.20. 58.36'' [Strich] ''49.92 // Kassarest 8.44 // Nach dem Gewerkentag folgt ein ausführlicher Brief. Dein treuer Bruder Otto.'' |
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