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Aufgerissener Briefumschlag, Briefmarke gestempelt Salzburg 20.06., rückseitig Wien und Mödling 21.06.; schwarzes Lacksiegel, im Oval "Dr. O. S."; ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; mit zwei Beilagen; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br />
 
Aufgerissener Briefumschlag, Briefmarke gestempelt Salzburg 20.06., rückseitig Wien und Mödling 21.06.; schwarzes Lacksiegel, im Oval "Dr. O. S."; ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; mit zwei Beilagen; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br />
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''Salzburg den 19/6 [18]71. Mein inigst geliebter Franz! Es sind nun schon heute Abends 8 Tage, seit ich deinen lieben Brief, zu meinen Nammenstag erhielt wofür ich dir recht herzlich danke, es ging wie gewohnlich sehr lebhaft zu 2 Tage war es sehr lebhaft, bey mir, bey den Sattler war es sehr angenehm, ich war bis gegen 10 Uhr dort. Otto sagte mir gestern, er habe von dir den Auftrag erhalten mir zum Nammenstag etwas zu kaufen, ich wollte nicht sagen das du von Vorhänge sagtest in das Zimmer wo du schlafst, es hat aber auch noch Zeit ich brauche / ja selbe nicht sogleich. Vieleicht kannst du mit dem geld etwas andres nothwendiger berichtigen, und übrigens wird das Monath auch bald vorüber sein, wo er dan wider zum Monathsgeld für mich 10 fll'' [fl Gulden] ''braucht<ref>Vom Monatsgeld ist in den Briefen häufig die Rede. 1859 ist es die Unterstützung, welche die Mutter für das Studium von Franz in Graz bezahlt (vgl. Brief ohne Datum zwischen dem 8. Mai und dem 22. Mai 1859. 1862 wird das erhöht (vgl. Brief vom 5. Juli 1862). 1870 ist es eine monatliche Zuwendung, welche die Brüder an die Mutter bezahlen (Otto verwaltet die Zahlungen); im Brief vom 5. Mai 1870 werden dafür 10 Gulden genannt.</ref>. Die Zeit geht gar so schnel vorüber. Seid den letzten Brief habe ich die F'' [Fanni Schlegel] ''nun einmal gesehen ohne jedoch zu sprechen. Ich bin sehr begier[i]g zu was sie sich entschließen wird – – es ist sehr gut das niemand etwas davon weis so wird im verneinenden Fall, auch niemmand etwas erfahren und wird es etwas, so brauchen es die Leute auch nicht so schnel zu erfahren.  
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''Salzburg den 19/6 [18]71. Mein inigst geliebter Franz! Es sind nun schon heute Abends 8 Tage, seit ich deinen lieben Brief, zu meinen Nammenstag erhielt wofür ich dir recht herzlich danke, es ging wie gewohnlich sehr lebhaft zu 2 Tage war es sehr lebhaft, bey mir, bey den Sattler war es sehr angenehm, ich war bis gegen 10 Uhr dort. Otto sagte mir gestern, er habe von dir den Auftrag erhalten mir zum Nammenstag etwas zu kaufen, ich wollte nicht sagen das du von Vorhänge sagtest in das Zimmer wo du schlafst, es hat aber auch noch Zeit ich brauche / ja selbe nicht sogleich. Vieleicht kannst du mit dem geld etwas andres nothwendiger berichtigen, und übrigens wird das Monath auch bald vorüber sein, wo er dan wider zum Monathsgeld für mich 10 fll'' [fl Gulden, Anm.] ''braucht<ref>Vom Monatsgeld ist in den Briefen häufig die Rede. 1859 ist es die Unterstützung, welche die Mutter für das Studium von Franz in Graz bezahlt (vgl. Brief ohne Datum zwischen dem 8. Mai und dem 22. Mai 1859. 1862 wird das erhöht (vgl. Brief vom 5. Juli 1862). 1870 ist es eine monatliche Zuwendung, welche die Brüder an die Mutter bezahlen (Otto verwaltet die Zahlungen); im Brief vom 5. Mai 1870 werden dafür 10 Gulden genannt.</ref>. Die Zeit geht gar so schnel vorüber. Seid den letzten Brief habe ich die F'' [Fanni Schlegel, Anm.] ''nun einmal gesehen ohne jedoch zu sprechen. Ich bin sehr begier[i]g zu was sie sich entschließen wird – – es ist sehr gut das niemand etwas davon weis so wird im verneinenden Fall, auch niemmand etwas erfahren und wird es etwas, so brauchen es die Leute auch nicht so schnel zu erfahren.  
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''Otto ist Heute in Ham[m]erauer Gewerkentag, ich bin begierig wie es geht, der Nonner wolte wieder eine Gehaltsverbeßerung aber Otto will sich gewaltig davorn währen. Die Feyerlichkeiten wegen Anlaß des 15 Jährigen Jubileums des Papstes ist sehr schön und erhaben geweßen in Boromeum [-äum] ist im garten alles wunderschön hergerichtet geweßen dan ist der Päpstliche Segen ertheilt worden dann wurden Reden gehalten sehr schöne vom Hern Erzpischof [!] dan der Baronstielfried [?] war sehr schöne lange Rede dan ein graf welche Vorstand vom Michelsverein ist dan noch ein geistlicher hat auch recht hübsch gesprochen. es dauerte von 4 Uhr bis 7 Uhr Abends. Ich war auch draußen / dan auf die Nacht war Bergbeleuchtung mit unzahligen Feuern oft ganze Kronen so schön, dann war das Non[n]berger Kloster der Franzischkaner Thurm dan die Katze [?] das Kapoziner kreutz und auch noch die neue Außsicht auf den Kapozinerberg mit immer abwechselnden Farben beleuchtet wunderschön. Lebe recht wohl mein lieber Franz ich werde den Brief Morgen erst aufgeben vieleicht kann ich noch von den Resultat der Ham[m]erauer etwas schreiben. Es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spángler.''
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''Otto ist Heute in Ham[m]erauer Gewerkentag, ich bin begierig wie es geht, der Nonner wolte wieder eine Gehaltsverbeßerung aber Otto will sich gewaltig davorn währen. Die Feyerlichkeiten wegen Anlaß des 15 Jährigen Jubileums des Papstes ist sehr schön und erhaben geweßen in Boromeum'' [-äum, Anm.] ''ist im garten alles wunderschön hergerichtet geweßen dan ist der Päpstliche Segen ertheilt worden dann wurden Reden gehalten sehr schöne vom Hern Erzpischof [!] dan der Baronstielfried [?] war sehr schöne lange Rede dan ein graf welche Vorstand vom Michelsverein ist dan noch ein geistlicher hat auch recht hübsch gesprochen. es dauerte von 4 Uhr bis 7 Uhr Abends. Ich war auch draußen / dan auf die Nacht war Bergbeleuchtung mit unzahligen Feuern oft ganze Kronen so schön, dann war das Non[n]berger Kloster der Franzischkaner Thurm dan die Katze [?] das Kapoziner kreutz und auch noch die neue Außsicht auf den Kapozinerberg mit immer abwechselnden Farben beleuchtet wunderschön. Lebe recht wohl mein lieber Franz ich werde den Brief Morgen erst aufgeben vieleicht kann ich noch von den Resultat der Ham[m]erauer etwas schreiben. Es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spángler.''
    
[Blatt beigelegt; Otto Spänglers flüchtige Schrift:] ''Lieber Franz! Verzeihe den Zettel und überhaupt meine Eile. Gestern war Gewerkentag zu Hohenaschau, die Gewerken haben das Recht nach Maßstab ihrer bisherigen Beteiligung die Hanches [?] ausbeute zu erwerben und zwar den Gulden [?] einfache Ausbeute zu 80 fl. Da Hast [?] 9 fl 23 da; XX trifft XX ein Gulden von der neuen Ausbeute; die Gesammtausbeute ist nämlich bis dato 4000 fl; die nun zu verwertende 407 fl; also circa 1/10; Guldentheile werden Hiebei [?] als ganz / gerechnet. Currede zur definitiven XaXärz [?] pro Ausübung d[e]s bezugsfrechtes folgt demnächst an die Aktionäre. Ich werde also für dich zeichnen. Lebe wohl, es grüßt dich herzlich Otto.''
 
[Blatt beigelegt; Otto Spänglers flüchtige Schrift:] ''Lieber Franz! Verzeihe den Zettel und überhaupt meine Eile. Gestern war Gewerkentag zu Hohenaschau, die Gewerken haben das Recht nach Maßstab ihrer bisherigen Beteiligung die Hanches [?] ausbeute zu erwerben und zwar den Gulden [?] einfache Ausbeute zu 80 fl. Da Hast [?] 9 fl 23 da; XX trifft XX ein Gulden von der neuen Ausbeute; die Gesammtausbeute ist nämlich bis dato 4000 fl; die nun zu verwertende 407 fl; also circa 1/10; Guldentheile werden Hiebei [?] als ganz / gerechnet. Currede zur definitiven XaXärz [?] pro Ausübung d[e]s bezugsfrechtes folgt demnächst an die Aktionäre. Ich werde also für dich zeichnen. Lebe wohl, es grüßt dich herzlich Otto.''