Änderungen

K
Textersetzung - „Jeanne de Peyrebère“ durch „Jeanne Peyrebère“
Zeile 1: Zeile 1: −
[[Datei:Jeanne de Peyrebère.jpg|thumb|Jeanne de Peyrebère, Lithografie von Karl Ziegler, [[Universitätsbibliothek Salzburg]] Sign. G 1167 H.]]'''Jeanne de Peyrebère''', genannt 'Marquise de Guilloutet'<ref name="cprd">[https://cprd-landes.org/biographies/jeanne-peyrebere-de-guilloutet/ cprd-landes.org]</ref>  (* [[4. Juni]] [[1875]] im Château de Gajo bei Sainte-Maure-de-Pecyriac; † [[9. Dezember]] [[1961]] in der [[Stadt Salzburg]]), war die erste namentlich bekannte Frau, die an der [[Theologische Fakultät in Salzburg|Theologischen Fakultät]] in Salzburg unterrichtete.
+
[[Datei:Jeanne Peyrebère.jpg|thumb|Jeanne Peyrebère, Lithografie von Karl Ziegler, [[Universitätsbibliothek Salzburg]] Sign. G 1167 H.]]'''Jeanne Peyrebère''', genannt 'Marquise de Guilloutet'<ref name="cprd">[https://cprd-landes.org/biographies/jeanne-peyrebere-de-guilloutet/ cprd-landes.org]</ref>  (* [[4. Juni]] [[1875]] im Château de Gajo bei Sainte-Maure-de-Pecyriac; † [[9. Dezember]] [[1961]] in der [[Stadt Salzburg]]), war die erste namentlich bekannte Frau, die an der [[Theologische Fakultät in Salzburg|Theologischen Fakultät]] in Salzburg unterrichtete.
    
== Leben ==
 
== Leben ==
Jeanne de Peyrebère kam als 'Bonne Marie Julie Beillard' als Tochter eines - nicht adeligen - Rechtsanwalt auf die Welt. Als Mitglied einer einflussreichen Familie genoss Jeanne Belliard eine umfassende Erziehung mit besonderem Schwerpunkt auf Fremdsprachen. Sie erlernte die deutsche Sprache noch vor ihrer Muttersprache Französisch, dazu kamen später Englisch, Italienisch und etwas Russisch. So war sie später für die Tätigkeit einer Übersetzerin prädestiniert.
+
Jeanne Peyrebère kam als 'Bonne Marie Julie Beillard' als Tochter eines - nicht adeligen - Rechtsanwalt auf die Welt. Als Mitglied einer einflussreichen Familie genoss Jeanne Belliard eine umfassende Erziehung mit besonderem Schwerpunkt auf Fremdsprachen. Sie erlernte die deutsche Sprache noch vor ihrer Muttersprache Französisch, dazu kamen später Englisch, Italienisch und etwas Russisch. So war sie später für die Tätigkeit einer Übersetzerin prädestiniert.
    
Zu ihren Familienangehörigen gehörten der tollkühne Baron de Batz, ein von [[Stefan Zweig]] verewigter Abenteurer, der Ludwig XVI. auf dem Weg zum Schafott hatte retten wollen, Gaspard Monge, der als Mathematiker und Physiker an Napoleons Ägypten-Expedition teilgenommen hatte, und Jean Lannes, Herzog von Montebello, der in der Schlacht von Aspern tödlich verwundet worden war.  
 
Zu ihren Familienangehörigen gehörten der tollkühne Baron de Batz, ein von [[Stefan Zweig]] verewigter Abenteurer, der Ludwig XVI. auf dem Weg zum Schafott hatte retten wollen, Gaspard Monge, der als Mathematiker und Physiker an Napoleons Ägypten-Expedition teilgenommen hatte, und Jean Lannes, Herzog von Montebello, der in der Schlacht von Aspern tödlich verwundet worden war.  
Zeile 16: Zeile 16:     
==== Die Jahre im Ausland ====
 
==== Die Jahre im Ausland ====
Jeanne de Peyrebère war zunächst mit ihrem Sohn nach Wiesbaden gezogen, das nach dem [[Ersten Weltkrieg]] von den Franzosen besetzt war. Der frühere französische Staatspräsident Raymond Poincaré nahm sie in Wiesbaden [[1923]] in den Dienst des Auswärtigen Amts auf. Nun entfaltete sie eine umfangreiche Tätigkeit als Journalistin, Kritikerin und Übersetzerin. Und sie verfasste historische Romane. Ihr besonderes Interesse galt der Musik und dem Theater. In dieser Zeit knüpfte sie ein Netzwerk mit Künstlern, die sie dann später, nachdem sie nach Salzburg gezogen war, zu den [[Salzburger Festspiele]]n brachte.  
+
Jeanne Peyrebère war zunächst mit ihrem Sohn nach Wiesbaden gezogen, das nach dem [[Ersten Weltkrieg]] von den Franzosen besetzt war. Der frühere französische Staatspräsident Raymond Poincaré nahm sie in Wiesbaden [[1923]] in den Dienst des Auswärtigen Amts auf. Nun entfaltete sie eine umfangreiche Tätigkeit als Journalistin, Kritikerin und Übersetzerin. Und sie verfasste historische Romane. Ihr besonderes Interesse galt der Musik und dem Theater. In dieser Zeit knüpfte sie ein Netzwerk mit Künstlern, die sie dann später, nachdem sie nach Salzburg gezogen war, zu den [[Salzburger Festspiele]]n brachte.  
    
==== Pseudonym "Etienne Garry" und Salzburger Fremdenführer ====
 
==== Pseudonym "Etienne Garry" und Salzburger Fremdenführer ====
Zeile 22: Zeile 22:  
dieses Werks findet sich in der [[Universitätsbibliothek Salzburg]].
 
dieses Werks findet sich in der [[Universitätsbibliothek Salzburg]].
   −
Sprachtalent, Ortskenntnis und Interesse an Geschichte machten Jeanne de Peyrebère zu einer begabten Übersetzerin, vor allem aber auch Autorin von Reiseführern. Ihr erster erschien [[1927]] unter dem Titel '''The Romance of Salzburg. A New Guide to Salzburg and to its Festivals''. Das Büchlein von 80 Seiten war Victoria Powell gewidmet. Die Schauspielerin, eine bekennende Salzburg-Liebhaberin und mit [[Max Reinhardt]] befreundet, warb im Rahmen einer ''Publicity Tour'' in den [[Vereinigte Staaten von Amerika|Vereinigten Staaten von Amerika]] für die noch wenig bekannten Salzburger Festspiele.
+
Sprachtalent, Ortskenntnis und Interesse an Geschichte machten Jeanne Peyrebère zu einer begabten Übersetzerin, vor allem aber auch Autorin von Reiseführern. Ihr erster erschien [[1927]] unter dem Titel '''The Romance of Salzburg. A New Guide to Salzburg and to its Festivals''. Das Büchlein von 80 Seiten war Victoria Powell gewidmet. Die Schauspielerin, eine bekennende Salzburg-Liebhaberin und mit [[Max Reinhardt]] befreundet, warb im Rahmen einer ''Publicity Tour'' in den [[Vereinigte Staaten von Amerika|Vereinigten Staaten von Amerika]] für die noch wenig bekannten Salzburger Festspiele.
    
Das Konzept von Jeanne Peyrebères Salzburgführer war nach heutigen Maßstäben durchaus modern: Allgemeine historische Einführung – Themenwege durch das Salzburg des [[Mittelalter]]s, der [[Barock]]<nowiki>fürsten</nowiki> und [[Mozart]]s – Exkursionen in die Umgebung der Stadt. Dabei flocht sie geschickt Episoden aus ihrer eigenen Familiengeschichte ein. Mit einem Verzeichnis der wichtigsten
 
Das Konzept von Jeanne Peyrebères Salzburgführer war nach heutigen Maßstäben durchaus modern: Allgemeine historische Einführung – Themenwege durch das Salzburg des [[Mittelalter]]s, der [[Barock]]<nowiki>fürsten</nowiki> und [[Mozart]]s – Exkursionen in die Umgebung der Stadt. Dabei flocht sie geschickt Episoden aus ihrer eigenen Familiengeschichte ein. Mit einem Verzeichnis der wichtigsten
Zeile 28: Zeile 28:     
==== Salzburg ====
 
==== Salzburg ====
Zur Stadt Salzburg hatte Jeanne de Peyrebère schon seit [[1904]] Kontakt durch regelmäßige Besuche. Die Erzieherin ihres Sohnes, "Fräulein Streicher", stammte aus Salzburg.  Als sie [[1927]] Alfred Grünberger, der österreichische Gesandte in Paris, zu dem von ihm initiierten internationalen Kongress der Theater- und Musikkritik in Salzburg einlud, folgte sie gerne seinem Ruf. Bei diesem Kongress konnte sie sich als überaus fähige Übersetzerin bewähren. Zwei Jahre später zu einem Souper des französischen Gesandten Bertrand Comte Clauzel geladen. Nach dem Ende der alliierten Besetzung des Rheinlands im Jahr [[1930]] übersiedelte Jeanne de Peyrebère endgültig von Wiesbaden nach Salzburg. Hier mietete sich im "Turmhaus" der [[Benediktinerinnenabtei Nonnberg]] eine Wohnung.
+
Zur Stadt Salzburg hatte Jeanne Peyrebère schon seit [[1904]] Kontakt durch regelmäßige Besuche. Die Erzieherin ihres Sohnes, "Fräulein Streicher", stammte aus Salzburg.  Als sie [[1927]] Alfred Grünberger, der österreichische Gesandte in Paris, zu dem von ihm initiierten internationalen Kongress der Theater- und Musikkritik in Salzburg einlud, folgte sie gerne seinem Ruf. Bei diesem Kongress konnte sie sich als überaus fähige Übersetzerin bewähren. Zwei Jahre später zu einem Souper des französischen Gesandten Bertrand Comte Clauzel geladen. Nach dem Ende der alliierten Besetzung des Rheinlands im Jahr [[1930]] übersiedelte Jeanne Peyrebère endgültig von Wiesbaden nach Salzburg. Hier mietete sich im "Turmhaus" der [[Benediktinerinnenabtei Nonnberg]] eine Wohnung.
   −
[[Datei:Jeanne de Peyrebère undadiert 02.png|thumb|Jeanne de Peyrebère, undadiert, hier ihr Wohnzimmer in Salzburg, Universitätsarchiv Salzburg, Album Signatur: II 107497 (ePLUS – Digitale Bestände der Universität Salzburg).]]
+
[[Datei:Jeanne Peyrebère undadiert 02.png|thumb|Jeanne Peyrebère, undadiert, hier ihr Wohnzimmer in Salzburg, Universitätsarchiv Salzburg, Album Signatur: II 107497 (ePLUS – Digitale Bestände der Universität Salzburg).]]
    
Für Personen von Stand gehörte es zum guten Ton, sich während eines Salzburg-Aufenthalts bei ihr anzukündigen. Diesen zeigte sie ihre erlesenen Prunkstücke ihrer Sammlung – darunter ein Schultertuch der Kaiserin Josephine und ein Schrank [[Salzburg unter Napoleon|Napoleons]] aus Schloss Fontainebleau bei Paris, [[Frankreich]].   
 
Für Personen von Stand gehörte es zum guten Ton, sich während eines Salzburg-Aufenthalts bei ihr anzukündigen. Diesen zeigte sie ihre erlesenen Prunkstücke ihrer Sammlung – darunter ein Schultertuch der Kaiserin Josephine und ein Schrank [[Salzburg unter Napoleon|Napoleons]] aus Schloss Fontainebleau bei Paris, [[Frankreich]].   
    
==== Theologische Fakultät ====
 
==== Theologische Fakultät ====
Als erste Frau unterrichtete Jeanne de Peyrebère ab [[1930]] an der Theologischen Fakultät in Salzburg. Sie gab Französischkurse für angehende Priester. Ihr beeindruckendes Engagement fand 1933 mediale Würdigung: "Sie ist eine passionierte und eine ganz hervorragende Pädagogin. Aber noch bewunderungswürdiger ist sie als Rednerin, die in höchster Sprechkunst die Schönheit ihrer Sprache zur Geltung bringt. An ihren Vortragsabenden über französische Geschichte und Literatur, jeden Montag im Studiengebäude, hält sie mit ihrem großen Wissen und ihrer reifen Kunst eine Elite-Hörerschaft förmlich in Bann." Das Einbeziehen neuer Medien in den Unterricht hielt sie für wichtig. Sie zeigte Lichtbilder, besaß ein teures Radio und vermittelte dem "[[Haus der Natur]]" eine komplette 16&nbsp;Millimeter-Tonfilm-Projektionsapparatur modernster Bauart.
+
Als erste Frau unterrichtete Jeanne Peyrebère ab [[1930]] an der Theologischen Fakultät in Salzburg. Sie gab Französischkurse für angehende Priester. Ihr beeindruckendes Engagement fand 1933 mediale Würdigung: "Sie ist eine passionierte und eine ganz hervorragende Pädagogin. Aber noch bewunderungswürdiger ist sie als Rednerin, die in höchster Sprechkunst die Schönheit ihrer Sprache zur Geltung bringt. An ihren Vortragsabenden über französische Geschichte und Literatur, jeden Montag im Studiengebäude, hält sie mit ihrem großen Wissen und ihrer reifen Kunst eine Elite-Hörerschaft förmlich in Bann." Das Einbeziehen neuer Medien in den Unterricht hielt sie für wichtig. Sie zeigte Lichtbilder, besaß ein teures Radio und vermittelte dem "[[Haus der Natur]]" eine komplette 16&nbsp;Millimeter-Tonfilm-Projektionsapparatur modernster Bauart.
   −
[[Datei:Jeanne de Peyrebère undadiert 01.png|thumb|Jeanne de Peyrebère, undadiert, Universitätsarchiv Salzburg, Album Signatur: II 107497 (ePLUS – Digitale Bestände der Universität Salzburg).]]
+
[[Datei:Jeanne Peyrebère undadiert 01.png|thumb|Jeanne Peyrebère, undadiert, Universitätsarchiv Salzburg, Album Signatur: II 107497 (ePLUS – Digitale Bestände der Universität Salzburg).]]
    
==== Vortragstätigkeit ====
 
==== Vortragstätigkeit ====
Neben ihren Verpflichtungen an der Theologischen Fakultät entfaltete Jeanne de Peyrebère eine umfangreiche Lehr- und Vortragstätigkeit in Salzburg. In den lokalen Tageszeitungen warb sie in Inseraten für ihre Französischkurse. Dafür konnte man sich in der [[Buchhandlung Höllrigl]] anmelden. Ihr äußerst beliebter Sprachunterricht begann stets pünktlich um 20 Uhr im Hörsaal 4 im [[Wallistrakt]] der [[Alten Residenz]]. Dieser wurde ihr zu Ehren respektvoll "Saal der Marquise de Guilloutet" genannt. Für Kursneulinge war die erste Einheit gratis. Zusätzlich bot Peyrebère an der [[Volkshochschule]] "Abendkurse für junge Arbeiter und Angestellte und am [[Universität Mozarteum Salzburg|Mozarteum]] für junge Schauspieler" an. Insgesamt hielt sie nicht weniger als elf Vorträge in der Woche, woran sie bis ins hohe Alter eisern festhielt.
+
Neben ihren Verpflichtungen an der Theologischen Fakultät entfaltete Jeanne Peyrebère eine umfangreiche Lehr- und Vortragstätigkeit in Salzburg. In den lokalen Tageszeitungen warb sie in Inseraten für ihre Französischkurse. Dafür konnte man sich in der [[Buchhandlung Höllrigl]] anmelden. Ihr äußerst beliebter Sprachunterricht begann stets pünktlich um 20 Uhr im Hörsaal 4 im [[Wallistrakt]] der [[Alten Residenz]]. Dieser wurde ihr zu Ehren respektvoll "Saal der Marquise de Guilloutet" genannt. Für Kursneulinge war die erste Einheit gratis. Zusätzlich bot Peyrebère an der [[Volkshochschule]] "Abendkurse für junge Arbeiter und Angestellte und am [[Universität Mozarteum Salzburg|Mozarteum]] für junge Schauspieler" an. Insgesamt hielt sie nicht weniger als elf Vorträge in der Woche, woran sie bis ins hohe Alter eisern festhielt.
    
==== Rückkehr in ihre Heimat Frankreich ====
 
==== Rückkehr in ihre Heimat Frankreich ====
Zeile 47: Zeile 47:  
Das Haus von Emmanuel von Peyrebère [[Sinnhubstraße]] 6 erhielt gemäß der "Verordnung über die Behandlung feindlichen Vermögens" [[1940]] einen Verwalter.
 
Das Haus von Emmanuel von Peyrebère [[Sinnhubstraße]] 6 erhielt gemäß der "Verordnung über die Behandlung feindlichen Vermögens" [[1940]] einen Verwalter.
   −
Jeanne de Peyrebère ging Anfang 1940 nach Frankreich zurück und ließ sich in ''Mont-de-Marsan'' in Südwestfrankreich nieder. Dort unterstützte sie zahlreiche Elsässer, die entweder aus dem Grenzgebiet in den Südwesten Frankreichs zwangsumgesiedelt wurden oder auf der Flucht vor der Germanisierungs- und Nazifizierungspolitik waren: "Von diesen heimatvertriebenen Menschen wurde sie ‚Mutter vom Elsaß' genannt, eine Ehrung, die ihr vor allen die liebste war." Als die Deutschen in ''Mont-de-Marsan'' einmarschierten, blieb der Marquise die Flucht erspart: "Das erste Regiment, das in die Stadt einmarschierte, war das Regiment von Königsberg, von dem sie fast alle Offiziere kannte." Sie durfte auch weiterhin als Übersetzerin arbeiten. Unermüdlich setzte sich Peyrebère bei den Behörden für eine Verbesserung der Lage von Flüchtlingen und Gefängnisinsassenein. Außerdem war sie Präsidentin des Roten Kreuzes, gründete ein Institut für Kriegswaisen und kam Hunderten von Bitten um Hilfe oder Intervention nach.
+
Jeanne Peyrebère ging Anfang 1940 nach Frankreich zurück und ließ sich in ''Mont-de-Marsan'' in Südwestfrankreich nieder. Dort unterstützte sie zahlreiche Elsässer, die entweder aus dem Grenzgebiet in den Südwesten Frankreichs zwangsumgesiedelt wurden oder auf der Flucht vor der Germanisierungs- und Nazifizierungspolitik waren: "Von diesen heimatvertriebenen Menschen wurde sie ‚Mutter vom Elsaß' genannt, eine Ehrung, die ihr vor allen die liebste war." Als die Deutschen in ''Mont-de-Marsan'' einmarschierten, blieb der Marquise die Flucht erspart: "Das erste Regiment, das in die Stadt einmarschierte, war das Regiment von Königsberg, von dem sie fast alle Offiziere kannte." Sie durfte auch weiterhin als Übersetzerin arbeiten. Unermüdlich setzte sich Peyrebère bei den Behörden für eine Verbesserung der Lage von Flüchtlingen und Gefängnisinsassenein. Außerdem war sie Präsidentin des Roten Kreuzes, gründete ein Institut für Kriegswaisen und kam Hunderten von Bitten um Hilfe oder Intervention nach.
    
So gelang ihr mit der Verteilung einer täglich zweiten Suppe im Gefängnis eine deutliche Verbesserung der Ernährung der Inhaftierten. Für Peyrebère waren ihre Bitten und Intervention eine Gradwanderung, wie weit ihr die Besatzer freie Hand ließen. In einem Fall musste sie jedoch erkennen, dass ihr Einfluss nicht zur Rettung von Menschenleben half. Es handelte sich um die jüdische Familie Grünberg. Beim Überschreiten der nahegelegenen Demarkationslinie des besetzten Frankreichs zum "freien" Frankreich wurde Frau Grünberg mit ihren beiden Töchtern von Soldaten erwischt. Ihrem Mann und ihrem Sohn (oder Söhne?) war die Überschreitung einige Tage vorher gelungen. Peyrebère setzte sich für die Freilassung der Grünbergs ein. Für die zweijährige Tochter Nicole konnte sie dies erreichen. Ihre Mutter und ihre ältere Schwester wurden [[1942]] in das [[KZ Auschwitz]], wo sie umkamen.  
 
So gelang ihr mit der Verteilung einer täglich zweiten Suppe im Gefängnis eine deutliche Verbesserung der Ernährung der Inhaftierten. Für Peyrebère waren ihre Bitten und Intervention eine Gradwanderung, wie weit ihr die Besatzer freie Hand ließen. In einem Fall musste sie jedoch erkennen, dass ihr Einfluss nicht zur Rettung von Menschenleben half. Es handelte sich um die jüdische Familie Grünberg. Beim Überschreiten der nahegelegenen Demarkationslinie des besetzten Frankreichs zum "freien" Frankreich wurde Frau Grünberg mit ihren beiden Töchtern von Soldaten erwischt. Ihrem Mann und ihrem Sohn (oder Söhne?) war die Überschreitung einige Tage vorher gelungen. Peyrebère setzte sich für die Freilassung der Grünbergs ein. Für die zweijährige Tochter Nicole konnte sie dies erreichen. Ihre Mutter und ihre ältere Schwester wurden [[1942]] in das [[KZ Auschwitz]], wo sie umkamen.  
Zeile 55: Zeile 55:  
Nach [[Zweiter Weltkrieg|Kriegsende]] kehrte ''Madame'' Peyrebère nach Salzburg zurück und nahm ihre Lehrtätigkeit an der Theologischen Fakultät wieder auf. Ihre finanziellen Verhältnisse verschleierte sie erfolgreich vor der Salzburger Öffentlichkeit. Groß war daher die Überraschung, als nach ihrem Tod am 9. Dezember 1961 ein Vermögen von 1,5 Millionen [[Schilling]] vorgefunden wurde. Aus diesen Mitteln vergibt die [[Stadtgemeinde Salzburg]] noch heute ein "Interkulturstipendium" für Kunst- und Kulturprojekte. [[1937]] vermachte sie der [[Salzburger Studienbibliothek|Studienbibliothek]] (heute [[Universitätsbibliothek Salzburg|Universitätsbibliothek]]) 663 Bänden mit bedeutender französischer Literatur. Viele Bücher sind aufgrund handschriftlicher Widmungen besonders wertvoll.
 
Nach [[Zweiter Weltkrieg|Kriegsende]] kehrte ''Madame'' Peyrebère nach Salzburg zurück und nahm ihre Lehrtätigkeit an der Theologischen Fakultät wieder auf. Ihre finanziellen Verhältnisse verschleierte sie erfolgreich vor der Salzburger Öffentlichkeit. Groß war daher die Überraschung, als nach ihrem Tod am 9. Dezember 1961 ein Vermögen von 1,5 Millionen [[Schilling]] vorgefunden wurde. Aus diesen Mitteln vergibt die [[Stadtgemeinde Salzburg]] noch heute ein "Interkulturstipendium" für Kunst- und Kulturprojekte. [[1937]] vermachte sie der [[Salzburger Studienbibliothek|Studienbibliothek]] (heute [[Universitätsbibliothek Salzburg|Universitätsbibliothek]]) 663 Bänden mit bedeutender französischer Literatur. Viele Bücher sind aufgrund handschriftlicher Widmungen besonders wertvoll.
   −
[[Datei:2025_06_04_Grab_Jeanne_de_Peyrebère_Petersfriedhof.jpg|thumb|Das Grab von Jeanne de Peyrebère, Marquise de Guilloutet, auf dem [[Friedhof von St. Peter]].]]
+
[[Datei:2025_06_04_Grab_Jeanne_de_Peyrebère_Petersfriedhof.jpg|thumb|Das Grab von Jeanne Peyrebère, Marquise de Guilloutet, auf dem [[Friedhof von St. Peter]].]]
   −
Begraben wurde Jeanne de Peyrebère auf dem [[Petersfriedhof]]. Auf dem stark verwitterten Grabstein mit schlichtem Kreuz kann man die Worte entziffern: ''Credo in vitam aeternam'' – "Ich glaube an das ewige Leben." (Erdgrab Nr. 56a zwischen [[Margarethenkapelle]] und Gruften an der [[Mönchsberg]]wand).
+
Begraben wurde Jeanne Peyrebère auf dem [[Petersfriedhof]]. Auf dem stark verwitterten Grabstein mit schlichtem Kreuz kann man die Worte entziffern: ''Credo in vitam aeternam'' – "Ich glaube an das ewige Leben." (Erdgrab Nr. 56a zwischen [[Margarethenkapelle]] und Gruften an der [[Mönchsberg]]wand).
    
== Ehrungen ==
 
== Ehrungen ==
Verdientermaßen wurde sowohl von österreichischer als auch von französischer Seite das außergewöhnliche Engagement von Jeanne de Peyrebère um den österreichisch-französischen Kulturaustausch angemessen gewürdigt. Bereits 1930 erhielt sie das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Anlässlich einer ausgedehnten Vortragstour in Paris wurde [[1933]] zu ihren Ehren ein glanzvoller Festabend im ''Palais du Trocadéro'' gegeben, bei dem ein Chor von Jagdhörnern die Familienfanfare "„Die Königin von der Gascogner Heide" intonierte. Überdies verlieh ihr die französische Regierung [[1935]] den Orden der Ehrenlegion.  
+
Verdientermaßen wurde sowohl von österreichischer als auch von französischer Seite das außergewöhnliche Engagement von Jeanne Peyrebère um den österreichisch-französischen Kulturaustausch angemessen gewürdigt. Bereits 1930 erhielt sie das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Anlässlich einer ausgedehnten Vortragstour in Paris wurde [[1933]] zu ihren Ehren ein glanzvoller Festabend im ''Palais du Trocadéro'' gegeben, bei dem ein Chor von Jagdhörnern die Familienfanfare "„Die Königin von der Gascogner Heide" intonierte. Überdies verlieh ihr die französische Regierung [[1935]] den Orden der Ehrenlegion.  
    
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt sie [[1949]] das "Ehrenzeichen der Französischen Dankbarkeit".
 
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt sie [[1949]] das "Ehrenzeichen der Französischen Dankbarkeit".
    
== Vortragsabend am 4. Juni 2025  in der Bibliotheksaula ===
 
== Vortragsabend am 4. Juni 2025  in der Bibliotheksaula ===
Am 4. Juni [[2025]], anlässlich des 150. Geburtstages von Jeanne de Peyrebère, Marquise de Guilloutet, fand ein Vortragsabend in der [[Bibliotheksaula]] der [[Alte Universität|Alten Universität]] statt.
+
Am 4. Juni [[2025]], anlässlich des 150. Geburtstages von Jeanne Peyrebère, Marquise de Guilloutet, fand ein Vortragsabend in der [[Bibliotheksaula]] der [[Alte Universität|Alten Universität]] statt.
    
Mag. [[Andreas Rotheneder]], Leiter der [[Universitätsbibliothek]], nahm die Begrüßung vor und sprach einleitende Worte.
 
Mag. [[Andreas Rotheneder]], Leiter der [[Universitätsbibliothek]], nahm die Begrüßung vor und sprach einleitende Worte.
Zeile 73: Zeile 73:  
Mag.a Dr. [[Michaela Esser]], Provinenzforschung im [[Universitätsarchiv Salzburg]], konnte von interessanten Details aus der Büchersammlung von Madame Peyrebère berichtet.  
 
Mag.a Dr. [[Michaela Esser]], Provinenzforschung im [[Universitätsarchiv Salzburg]], konnte von interessanten Details aus der Büchersammlung von Madame Peyrebère berichtet.  
   −
Dr. [[Peter Lechenauer (Rechtsanwalt Altstadt)|Peter Lechenauer]], [[Konsularische_Vertretungen_in_Salzburg#Frankreich|Honorarkonsul]] von [[Frankreich]] in Salzburg, beschäftigte sich mit dem verschlungenen Thema, wie Jeanne de Peyrebère zu ihren Adelstitel(n) gelangte.
+
Dr. [[Peter Lechenauer (Rechtsanwalt Altstadt)|Peter Lechenauer]], [[Konsularische_Vertretungen_in_Salzburg#Frankreich|Honorarkonsul]] von [[Frankreich]] in Salzburg, beschäftigte sich mit dem verschlungenen Thema, wie Jeanne Peyrebère zu ihren Adelstitel(n) gelangte.
    
Univ.-Prof. Dr. [[Dietmar Werner Winkler]], [[Rektoren und Dekane der Universität Salzburg|Dekan]] der [[Katholisch-Theologische Fakultät an der Universität Salzburg|Katholisch-Theologischen Fakultät]] nahm in seinem Schlusswort Bezug auf die geschichtliche Entwicklung der Frau in der Universität. [[1878]] durften Frauen erstmals und bestimmten Voraussetzung an Vorlesungen an österreichischen Universitäten teilnehmen. [[1900]] hatten Frauen erstmals Zugang zur Medizinischen Universität, [[1920]] dann auch zur Technischen Universität. Erst nach [[1960]] öffneten sich die Universitäten allgemein für Frauen. Die erste weibliche Professorin an der heutigen Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg kam erst im Jahr [[2000]].
 
Univ.-Prof. Dr. [[Dietmar Werner Winkler]], [[Rektoren und Dekane der Universität Salzburg|Dekan]] der [[Katholisch-Theologische Fakultät an der Universität Salzburg|Katholisch-Theologischen Fakultät]] nahm in seinem Schlusswort Bezug auf die geschichtliche Entwicklung der Frau in der Universität. [[1878]] durften Frauen erstmals und bestimmten Voraussetzung an Vorlesungen an österreichischen Universitäten teilnehmen. [[1900]] hatten Frauen erstmals Zugang zur Medizinischen Universität, [[1920]] dann auch zur Technischen Universität. Erst nach [[1960]] öffneten sich die Universitäten allgemein für Frauen. Die erste weibliche Professorin an der heutigen Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg kam erst im Jahr [[2000]].
    
==== Bilder vom Vortragsabend ====
 
==== Bilder vom Vortragsabend ====
'''Bild 1 und 2:''' Vortragsabend am 4. Juni 2025 mit Ausstellung anlässlich des 150. Geburtstages von [[Jeanne de Peyrebère]], Marquise de Guilloutet, in der [[Bibliotheksaula]]. Die Marquise von Salzburg vor dem Globus "[[Der Fürstaller]]" von [[Joseph Jakob Fürstaller]] (* 1730; † 1775), Mesner, Lehrer und Geograf.<br />
+
'''Bild 1 und 2:''' Vortragsabend am 4. Juni 2025 mit Ausstellung anlässlich des 150. Geburtstages von [[Jeanne Peyrebère]], Marquise de Guilloutet, in der [[Bibliotheksaula]]. Die Marquise von Salzburg vor dem Globus "[[Der Fürstaller]]" von [[Joseph Jakob Fürstaller]] (* 1730; † 1775), Mesner, Lehrer und Geograf.<br />
 
'''Bild 3:''' Die Vortragenden von links: Mag. [[Andreas Rotheneder]], Leiter der [[Universitätsbibliothek]], Univ.-Prof. Dr. [[Dietmar Werner Winkler]], [[Rektoren und Dekane der Universität Salzburg|Dekan]] der [[Katholisch-Theologische Fakultät an der Universität Salzburg|Katholisch-Theologischen Fakultät]], Mag.a Dr. [[Michaela Esser]], Provinenzforschung [[Universitätsarchiv Salzburg]] und Dr. [[Peter Lechenauer (Rechtsanwalt Altstadt)|Peter Lechenauer]], [[Konsularische_Vertretungen_in_Salzburg#Frankreich|Honorarkonsul]] von [[Frankreich]] in Salzburg. Nicht im Bild Dr. [[Christoph Brandhuber]], Leiter Universitätsarchiv und Bibliothekensammlungen.<br />
 
'''Bild 3:''' Die Vortragenden von links: Mag. [[Andreas Rotheneder]], Leiter der [[Universitätsbibliothek]], Univ.-Prof. Dr. [[Dietmar Werner Winkler]], [[Rektoren und Dekane der Universität Salzburg|Dekan]] der [[Katholisch-Theologische Fakultät an der Universität Salzburg|Katholisch-Theologischen Fakultät]], Mag.a Dr. [[Michaela Esser]], Provinenzforschung [[Universitätsarchiv Salzburg]] und Dr. [[Peter Lechenauer (Rechtsanwalt Altstadt)|Peter Lechenauer]], [[Konsularische_Vertretungen_in_Salzburg#Frankreich|Honorarkonsul]] von [[Frankreich]] in Salzburg. Nicht im Bild Dr. [[Christoph Brandhuber]], Leiter Universitätsarchiv und Bibliothekensammlungen.<br />
    
<gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200">   
 
<gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200">   
2025_06_04_Marquise_de_Guilloutet_06_.jpg|Vortragsabend am 4. Juni 2025 mit Ausstellung anlässlich des 150. Geburtstages von Jeanne de Peyrebère in der [[Bibliotheksaula]]. Die Marquise von Salzburg vor dem Globus "[[Der Fürstaller]]" von [[Joseph Jakob Fürstaller]] (* 1730; † 1775), Mesner, Lehrer und Geograf.
+
2025_06_04_Marquise_de_Guilloutet_06_.jpg|Vortragsabend am 4. Juni 2025 mit Ausstellung anlässlich des 150. Geburtstages von Jeanne Peyrebère in der [[Bibliotheksaula]]. Die Marquise von Salzburg vor dem Globus "[[Der Fürstaller]]" von [[Joseph Jakob Fürstaller]] (* 1730; † 1775), Mesner, Lehrer und Geograf.
 
2025_06_04_Marquise_de_Guilloutet_07_.jpg|
 
2025_06_04_Marquise_de_Guilloutet_07_.jpg|
 
2025_06_04_Marquise_de_Guilloutet_die_Vortragenden.jpg|Die Vortragenden von links: Mag. [[Andreas Rotheneder]], Leiter der [[Universitätsbibliothek]], Univ.-Prof. Dr. [[Dietmar Werner Winkler]], [[Rektoren und Dekane der Universität Salzburg|Dekan]] der [[Katholisch-Theologische Fakultät an der Universität Salzburg|Katholisch-Theologischen Fakultät]], Mag.a Dr. [[Michaela Esser]], Provinenzforschung [[Universitätsarchiv Salzburg]] und Dr. [[Peter Lechenauer (Rechtsanwalt Altstadt)|Peter Lechenauer]], [[Konsularische_Vertretungen_in_Salzburg#Frankreich|Honorarkonsul]] von [[Frankreich]] in Salzburg. Nicht im Bild Dr. [[Christoph Brandhuber]], Leiter Universitätsarchiv und Bibliothekensammlungen.
 
2025_06_04_Marquise_de_Guilloutet_die_Vortragenden.jpg|Die Vortragenden von links: Mag. [[Andreas Rotheneder]], Leiter der [[Universitätsbibliothek]], Univ.-Prof. Dr. [[Dietmar Werner Winkler]], [[Rektoren und Dekane der Universität Salzburg|Dekan]] der [[Katholisch-Theologische Fakultät an der Universität Salzburg|Katholisch-Theologischen Fakultät]], Mag.a Dr. [[Michaela Esser]], Provinenzforschung [[Universitätsarchiv Salzburg]] und Dr. [[Peter Lechenauer (Rechtsanwalt Altstadt)|Peter Lechenauer]], [[Konsularische_Vertretungen_in_Salzburg#Frankreich|Honorarkonsul]] von [[Frankreich]] in Salzburg. Nicht im Bild Dr. [[Christoph Brandhuber]], Leiter Universitätsarchiv und Bibliothekensammlungen.
Zeile 104: Zeile 104:  
== Weblinks ==
 
== Weblinks ==
 
* [https://eplus.uni-salzburg.at/download/pdf/11948979.pdf eplus.uni-salzburg.at/download/pdf], weitere Bilder
 
* [https://eplus.uni-salzburg.at/download/pdf/11948979.pdf eplus.uni-salzburg.at/download/pdf], weitere Bilder
* [https://eplus.uni-salzburg.at/search/quick?query=Jeanne+Peyrebere&offset=1 eplus.uni-salzburg.at/search], weitere Schriftstücke von Jeanne de Peyrebère
+
* [https://eplus.uni-salzburg.at/search/quick?query=Jeanne+Peyrebere&offset=1 eplus.uni-salzburg.at/search], weitere Schriftstücke von Jeanne Peyrebère
    
== Quellen ==
 
== Quellen ==