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''Du bist wohl recht schlim liebe Fany in deiner Bemerkung wegen Fräulein Rosalie<ref>In den Briefen ist häufig von "Fräulein Rosalie" die Rede. Ob es sich dabei, hier ebenfalls, um "Rosalie Henf" bzw. "Hempf" handelt, ist [mir, O. H.] unklar.</ref>, ich mußte recht herzlich lachen als ich es gelesen aber ich muß halt auch da, wie immer sagen hätte sie ein Licht genohmen über die Stiege zu ihrer Wohnung so wäre es ihr nicht geschehen. Es hat sich ein Trünckbold welchen schlecht geworden auf die Stiege gelegt, und wie sie die Stiege angehen wollte so stolperte sie sogleich und woll[t]e sich mit der rechten Hand stitzen, und verrenkte sich dieselbe natürlich ist sie au[c]h recht sehr erschrocken, es geht ihr aber nun beynahe ganz gut, wir waren so recht vergnügt beysammen, kanst dir dencken wie unlieb es mir war. Ich bedaure dich sehr wegen deines Unfall[s] mit den 4 fl'' [Gulden] ''man kann in Wien schon gar nicht behutsamm genug sein. Liebe Fany gieb ja recht obacht auf dich bey der Wanderung, die Angermayer wird dir gewiß behülflich sein, aufschauen kannst, du, das die Leute nichts fort schlagen. /'' [Seite 2 oben, auf dem Kopf:] ''Den Namenstag bringt die Großmutter und Therese bey mir zu.'' [Der Brief ist ohne Grußformel und Unterschrift, scheint aber nicht unvollständig zu sein.]
 
''Du bist wohl recht schlim liebe Fany in deiner Bemerkung wegen Fräulein Rosalie<ref>In den Briefen ist häufig von "Fräulein Rosalie" die Rede. Ob es sich dabei, hier ebenfalls, um "Rosalie Henf" bzw. "Hempf" handelt, ist [mir, O. H.] unklar.</ref>, ich mußte recht herzlich lachen als ich es gelesen aber ich muß halt auch da, wie immer sagen hätte sie ein Licht genohmen über die Stiege zu ihrer Wohnung so wäre es ihr nicht geschehen. Es hat sich ein Trünckbold welchen schlecht geworden auf die Stiege gelegt, und wie sie die Stiege angehen wollte so stolperte sie sogleich und woll[t]e sich mit der rechten Hand stitzen, und verrenkte sich dieselbe natürlich ist sie au[c]h recht sehr erschrocken, es geht ihr aber nun beynahe ganz gut, wir waren so recht vergnügt beysammen, kanst dir dencken wie unlieb es mir war. Ich bedaure dich sehr wegen deines Unfall[s] mit den 4 fl'' [Gulden] ''man kann in Wien schon gar nicht behutsamm genug sein. Liebe Fany gieb ja recht obacht auf dich bey der Wanderung, die Angermayer wird dir gewiß behülflich sein, aufschauen kannst, du, das die Leute nichts fort schlagen. /'' [Seite 2 oben, auf dem Kopf:] ''Den Namenstag bringt die Großmutter und Therese bey mir zu.'' [Der Brief ist ohne Grußformel und Unterschrift, scheint aber nicht unvollständig zu sein.]
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==== Brief vom 22. März 1877 von Antonia Spängler an Fanni Spängler ====
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Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franziska Spängler]] in Wien; ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsatz eingefügt; [?] = unsichere Lesung:<br />
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''Salzburg den 22/3 [18]77. // Meine lieben Theuren! // Soeben war die Großmutter bey mir und bath mich Euch zu schreiben, das Ihr so gut seid, die Antwort, auf den Brief von Frau v Zillner an mich, und nicht zu Hauße hin, zu atresieren. Sie will allen Unannehmlichkeiten außweichen. Ich sehe es wohl, wie unangenehm es ist, das ich nicht mehr die feste Gesundheit besitze, um dir beystehen zu könen, alles wäre mit'' [unterstrichen:] ''demm abgethan, wen ich wie voriges Jahr, hätte hinunter'' [nach Wien] ''hätte gehen könen. Liebe Fany! die Großmutter hat gewiß nicht unrecht, wen sie wemm verläßlichen zu der Uberwachung des Wochenbettes, und der Kindspflege / bey dir wissen will, es hängt ja zu viel daran, bedencke'' [unterstrichen:] ''dein und des'' [unterstrichen:] ''Kindes Leben, es dauert ja keine ewigkeit, daß du wemm verläßlichen hast, die Hauptsache  ist wenigstens die ersten 4 Wochen bis du selber wider so kräftig bist dich selbst in allen umzusehen, und du gelernt hast ein Kind zu baden und ordentlich einzumachen, und wen dem Kind etwas kleines zustoßt, dir zu helfen weißt, und das recht verwenden kannst. Wie schwer würde es dir die erste Zeit mit einfatschen<ref>Fatschen: Wickeln in der früheren Säuglingspflege</ref> gehen, besonders wen es ein Knab ist welche oft aufwärts wischeln, und die Nabel fatsche naß ist, du mußt sie weg thun, sonst kann dir das Kind offen werden, und wie schwer würde sich jede von Euch thun, den[n] der kleinste verruck der Nabelschnur, kann dir das Kindlein für die ganze Nacht unruhig machen. das trüncken zu heiß – zu kühl geben – kurz die Kinder brauchen eine / geübte Hand besonders für die erste Zeit. Die Großmutter sagte es ja heute wider, sie will gerne den größten Theil der Kosten tragen wen Ihr nur jemand ordentlich erfahrenen nehmet, damit auch du liebe Fany davon lernen kannst, die Großmutter sagt sie wird nicht ruhig, bis sie dich für diese Zeit nicht in gutversorgten Händen weiß. Du weißt schon selbst liebe Fany es brauchte selbst bey dieser so leichten Geburt des Kindlein, doch eine zimliche Zeit, bis du dich erholt hast, und wie leicht erreitzt deine Nerven sind, wen dan gar niemand da ist der etwas rechtes versteht – so wirst du gleich verzagt.''
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''Wegen der Rosi'' [Hausangestellte] ''wird es sich schon machen ich finde es für dich ganz angenehm wen du so ein Wesen um dich hast, welche dich in allen unterstützen kann, und welche dich dort und dahin begleiten kann, aber / für den wüchtigen Zeitpunkt würde ich dir schon rathen jemand zu nehmen. Dan bitte ich dich auch noch recht schön, wen die Zeit der Entbündung ist, für dich'' [unterstrichen:] ''ja alles mit '' [unterstrichen:] ''Butter kochen zu lassen, den für solche Zeitpunkte taugt dir'' [unterstrichen:] ''Schweinfette nicht. Dan möchte ich den lieben Franz noch bitten: die Frau von Sattler geht am Ostersontag nach Salzburg, wen möglich die Sontiernadel [?] mitzugeben und zugleich zu schreiben was die Nadel gekostet hat. Das in unsern Hauß beym Klonen [?] in seinen Schreibzimmer eingebrochen worden ist und auß der eingemauerten Eisernen Kasse, welche 6 Reiben [?] hatte, welche alle in ein Schloß gehen, aufgestemt wurde, und mehrere Hundertgulden entwendet worden sind, die Werthpapiere ließen sie alle liegen, noch ist nichts auf gekommen Lebt recht wohl mit 1000 Küßen Eure treue Mutter Spángler.''
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[erste Seite unten:] ''von Otto und Louise viele Grüße.'' [erste Seite oben, auf dem Kopf:] ''Dei[n]en lieben Brief welchen ich soeben erhalten danke ich, und werde dan selben nachtens beantworten Rosi viele Grüße''
 
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