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Über den Atlantik kam das Extremwetter nach Europa. In der zweiten Juliwoche 1923 stieg in [[London]] das Thermometer zu Mittag auf mehr als 30 Grad im Schatten. Der [[11. Juli]] brachte einen sechsstündigen wolkenbruchartigen Regen. Die Abgeordneten des Parlaments, die an einer Nachtsitzung des Unterhauses teilgenommen hatten, konnten das Gebäude nicht verlassen. Am nächsten Tag betrug die Temperatur zu Mitternacht 32 Grad - eine in London bis dahin noch nie registrierte Temperatur.
 
Über den Atlantik kam das Extremwetter nach Europa. In der zweiten Juliwoche 1923 stieg in [[London]] das Thermometer zu Mittag auf mehr als 30 Grad im Schatten. Der [[11. Juli]] brachte einen sechsstündigen wolkenbruchartigen Regen. Die Abgeordneten des Parlaments, die an einer Nachtsitzung des Unterhauses teilgenommen hatten, konnten das Gebäude nicht verlassen. Am nächsten Tag betrug die Temperatur zu Mitternacht 32 Grad - eine in London bis dahin noch nie registrierte Temperatur.
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Die nächsten besorgniserregenden Meldungen kamen aus [[Frankreich]]. Durch die außergewöhnliche Hitze wurden dort Eisenbahnschienen derart deformiert, dass Störungen im Zugverkehr entstanden. Aus der Gemeinde Vesoul an der Bahnstrecke Paris-Mülhausen wurde berichtet, dass ein Zug entgleiste. Es gab einen Toten und einen Schwerverletzten. In der Nähe von Nancy konnte eine ähnliche Zugkatastrophe im letzten Moment verhindert werden. Die Mengen an Eis, die in den Boulevardcafés gegessen wurden, waren laut Berichten enorm. Das Eisessen war die Hauptbeschäftigung der Pariser, die die Stadt nicht verlassen konnten. Es waren nur jene zu beneiden, die "unbeweglich auf den Terrassen der Boulevardcafés" saßen und deren einzige körperliche und geistige Leistung während des ganzen Tages in dem halbstündig wiederholten Ruf bestand: "Kellner, bitte, ein Gefrornes, aber schnell!" Wer hoffte, der lähmenden Hitze in der Stadt entrinnen zu können, wurde enttäuscht. An den Seine-Ufern war es noch heißer als in der Innenstadt und in den Wäldern um Paris war die Luft so dick und schwer, dass man kaum atmen konnte. Die Temperatur stieg auf bis zu 38 Grad Celsius.
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Die nächsten besorgniserregenden Meldungen kamen aus [[Frankreich]]. Durch die außergewöhnliche Hitze wurden dort Eisenbahnschienen derart deformiert, dass Störungen im Zugverkehr entstanden. Aus der Gemeinde Vesoul an der Bahnstrecke Paris-Mülhausen wurde berichtet, dass ein Zug entgleiste. Es gab einen Toten und einen Schwerverletzten. In der Nähe von Nancy konnte eine ähnliche Zugkatastrophe im letzten Moment verhindert werden. Die Mengen an Eis, die in den Boulevardcafés gegessen wurden, waren laut Berichten enorm. Das Eisessen war die Hauptbeschäftigung der Pariser, die die Stadt nicht verlassen konnten. Es waren nur jene zu beneiden, die "unbeweglich auf den Terrassen der Boulevardcafés" saßen und deren einzige körperliche und geistige Leistung während des ganzen Tages in dem halbstündig wiederholten Ruf bestand: "Kellner, bitte, ein Gefrornes, aber schnell!" Wer hoffte, der lähmenden Hitze in der Stadt entrinnen zu können, wurde enttäuscht. An den Seine-Ufern war es noch heißer als in der [[Innenstadt]] und in den Wäldern um Paris war die Luft so dick und schwer, dass man kaum atmen konnte. Die Temperatur stieg auf bis zu 38 Grad Celsius.
    
In [[Deutschland]] litten die Menschen im Sommer 1923 nicht nur an der Hitze, sondern auch an der Hyperinflation, die zu einem teilweisen Zusammenbruch der Wirtschaft und des Bankensystems führte. In Berlin waren die öffentlichen Rettungsstellen rund um die Uhr im Einsatz und mussten viele Fälle von Hitzschlag behandeln.
 
In [[Deutschland]] litten die Menschen im Sommer 1923 nicht nur an der Hitze, sondern auch an der Hyperinflation, die zu einem teilweisen Zusammenbruch der Wirtschaft und des Bankensystems führte. In Berlin waren die öffentlichen Rettungsstellen rund um die Uhr im Einsatz und mussten viele Fälle von Hitzschlag behandeln.