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[[File:BE-MK-5243a.jpg|thumb|Weibchen bei der Eiablage (Studiofoto): Salzburg, [[Tennengau]], [[Puch bei Hallein|Puch]], Autobahnüberführung, 2004.04.16 e.p. 2004.04.19]]
 
[[File:BE-MK-5243a.jpg|thumb|Weibchen bei der Eiablage (Studiofoto): Salzburg, [[Tennengau]], [[Puch bei Hallein|Puch]], Autobahnüberführung, 2004.04.16 e.p. 2004.04.19]]
 
[[File:BE-MK-5918a.jpg|thumb|Sack: [[Osttirol]], Lienzer Dolomiten, Insteinalm Umgebung, 2004.06.11]]
 
[[File:BE-MK-5918a.jpg|thumb|Sack: [[Osttirol]], Lienzer Dolomiten, Insteinalm Umgebung, 2004.06.11]]
   
'''Dahlica triquetrella''' (''Tinea triquetrella'' Hübner, [1813]: Taf. 55, Fig. 273) ist eine [[Glossar Biologie#A|Art]] aus der [[Glossar Biologie#O|Ordnung]] [[Lepidoptera]] (Schmetterlinge), [[Glossar Biologie#F|Familie]] [[Psychidae]] (Sackträger).
 
'''Dahlica triquetrella''' (''Tinea triquetrella'' Hübner, [1813]: Taf. 55, Fig. 273) ist eine [[Glossar Biologie#A|Art]] aus der [[Glossar Biologie#O|Ordnung]] [[Lepidoptera]] (Schmetterlinge), [[Glossar Biologie#F|Familie]] [[Psychidae]] (Sackträger).
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==Verbreitung, Lebensraum und Phänologie<ref>siehe [[Glossar Biologie#P|Phänologie]]</ref>==
 
==Verbreitung, Lebensraum und Phänologie<ref>siehe [[Glossar Biologie#P|Phänologie]]</ref>==
''D. triquetrella'' kommt in [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] vermutlich in zwei verschiedenen Formen vor. Die [[Glossar_Biologie#P|parthenogene]]tische Form, bei der nur Weibchen auftreten, die sich durch Jungfernzeugung fortpflanzen, ist nach Ende der letzten Eiszeit mit dem Rückzug der Gletscher wieder nach Salzburg eingewandert und hat sich mittlerweile in allen Zonen des Landes wieder etabliert (Embacher et al. 2024, Kurz & Puchmayr 2011). Sie kommt heute zumindest von 400 bis 1500 (1700) m Höhe im Land vor ([[Michael Kurz (Wissenschafter)|Kurz]] & [[Marion Kurz|Kurz]] 2024). Die bisexuelle Form ("''Solenobia thurneri''" Sieder, 1953) dagegen dürfte die Eiszeit im Grenzraum Salzburg, [[Steiermark]] und [[Kärnten]] auf unver[[gletscher]]t gebliebenen Gipfeln (sogenannten Nunataks) überdauert haben. Von ihr liegen fragliche Sackfunde aus dem hinteren [[Gasteinertal]] (Zone IV, [[Sportgastein]], 1630 m Höhe) vor. Während die bisexuelle Form an Blöcken und Abbrüchen von Silikatfelsen lebt und auch in der alpinen Zwergstrauchheide anzutreffen sein soll, besiedelt die parthenogenetische Form ein breites Spektrum verschiedener Lebensräume. Sie wurde sowohl an Felsblöcken und Felsabbrüchen von Karbonat- und [[Schieferzone|Schiefer]]gestein als auch im Randbereich verschiedener [[Wald (Pflanzenformation)|Wald]]<nowiki></nowiki>typen, besonders [[Buche]]n-[[Fichte]]n-[[Tanne]]n-Mischwäldern, gefunden. Trotzdem tritt sie oft nur sehr lokal auf. Sie kann gelegentlich aber auch in Gärten verschleppt werden, wo sie sich dann an Mauern viele Jahre lang halten kann. Die parthenogenetische Form hat in Salzburg eine einjährige Entwicklung, die überwiegend im Raupenstadium verbracht wird. Je nach Höhenlage erfolgt die Verpuppung zwischen März und Mai, rund zwei Wochen später schlüpfen die [[Glossar_Biologie#I|Imagines]].
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''D. triquetrella'' kommt in [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] vermutlich in zwei verschiedenen Formen vor. Die [[Glossar_Biologie#P|parthenogene]]tische Form, bei der nur Weibchen auftreten, die sich durch Jungfernzeugung fortpflanzen, ist nach Ende der letzten [[Eiszeit]] mit dem Rückzug der [[Gletscher]] wieder nach Salzburg eingewandert und hat sich mittlerweile in allen Zonen des Landes wieder etabliert (Embacher et al. 2024, Kurz &amp; Puchmayr 2011). Sie kommt heute zumindest von 400 bis 1&nbsp;500 (1&nbsp;700) [[M ü. A.|m Höhe]] im Land vor ([[Michael Kurz (Wissenschafter)|Kurz]] &amp; [[Marion Kurz|Kurz]] 2024). Die bisexuelle Form (''Solenobia thurneri'' Sieder, [[1953]]) dagegen dürfte die Eiszeit im Grenzraum Salzburg, [[Steiermark]] und [[Kärnten]] auf unvergletschert gebliebenen Gipfeln (sogenannten Nunataks) überdauert haben. Von ihr liegen fragliche Sackfunde aus dem hinteren [[Gasteinertal]] (Zone IV, [[Sportgastein]], 1&nbsp;630 m Höhe) vor. Während die bisexuelle Form an Blöcken und Abbrüchen von Silikatfelsen lebt und auch in der alpinen Zwergstrauchheide anzutreffen sein soll, besiedelt die parthenogenetische Form ein breites Spektrum verschiedener Lebensräume. Sie wurde sowohl an Felsblöcken und Felsabbrüchen von Karbonat- und [[Schieferzone|Schiefer]]gestein als auch im Randbereich verschiedener [[Wald (Pflanzenformation)|Wald]]<nowiki></nowiki>typen, besonders [[Buche]]n-[[Fichte]]n-[[Tanne]]n-Mischwäldern, gefunden. Trotzdem tritt sie oft nur sehr lokal auf. Sie kann gelegentlich aber auch in Gärten verschleppt werden, wo sie sich dann an Mauern viele Jahre lang halten kann. Die parthenogenetische Form hat in Salzburg eine einjährige Entwicklung, die überwiegend im Raupenstadium verbracht wird. Je nach Höhenlage erfolgt die Verpuppung zwischen März und Mai, rund zwei Wochen später schlüpfen die [[Glossar_Biologie#I|Imagines]].
    
==Nachbarfaunen==
 
==Nachbarfaunen==
Nach Huemer (2013) fehlt die Art in [[Niederösterreich]] und dem [[Burgenland]], kommt aber in allen anderen österreichischen Bundesländern vor. Allerdings sind eigene Funde auch aus [[Niederösterreich]] bekannt (Kurz & Kurz 2024). In [[Oberösterreich]] ist ''D. triquetrella'' in allen drei Landesteilen verbreitet, die bisexuelle Form allerdings nur im Donautal (Klimesch 1990). Auch in [[Bayern]] ist die Art rezent aus allen vier Naturräumen vertreten (Haslberger & Segerer 2016).
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Nach Huemer ([[2013]]) fehlt die Art in [[Niederösterreich]] und dem [[Burgenland]], kommt aber in allen anderen österreichischen Bundesländern vor. Allerdings sind eigene Funde auch aus [[Niederösterreich]] bekannt (Kurz &amp; Kurz [[2024]]). In [[Oberösterreich]] ist ''D. triquetrella'' in allen drei Landesteilen verbreitet, die bisexuelle Form allerdings nur im Donautal (Klimesch [[1990]]). Auch in [[Bayern]] ist die Art rezent aus allen vier Naturräumen vertreten (Haslberger &amp; Segerer [[2016]]).
    
==Biologie und Gefährdung==
 
==Biologie und Gefährdung==
Die parthenogenetischen Weibchen schlüpfen zumeist im Morgengrauen, seltener auch tagsüber oder am Abend. Kurz nach dem Schlüpfen beginnen sie bereits mit der Eiablage und wenige Stunden später sterben sie. Die Eier werden in den Sack der Raupe abgelegt. Sie entwickeln sich in etwa 3-4 Wochen. Die Raupen ernähren sich hauptsächlich von [[Flechte]]n- und Algenüberzügen an Baumstämmen und Felsen und wachsen über den Sommer nur sehr langsam. Sie leben hierbei meist nahe am Boden, wo sie auch überwintern. Bei Gelegenheit fressen die Tiere gerne auch an toten [[Insekten]] und spinnen Teile der Chitinpanzer in charakteristischer Weise im Halsbereich des Sackes an. Nach der Überwinterung (manchmal auch schon vorher) klettern sie an Baumstämmen und Felsen hoch (in bis zu 2 m Höhe) und spinnen den Sack fest, bevor sie sich darin verpuppen.
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Die parthenogenetischen Weibchen schlüpfen zumeist im Morgengrauen, seltener auch tagsüber oder am Abend. Kurz nach dem Schlüpfen beginnen sie bereits mit der Eiablage und wenige Stunden später sterben sie. Die Eier werden in den Sack der Raupe abgelegt. Sie entwickeln sich in etwa 3–4 Wochen. Die Raupen ernähren sich hauptsächlich von [[Flechte]]n- und Algenüberzügen an Baumstämmen und Felsen und wachsen über den Sommer nur sehr langsam. Sie leben hierbei meist nahe am Boden, wo sie auch überwintern. Bei Gelegenheit fressen die Tiere gerne auch an toten [[Insekten]] und spinnen Teile der Chitinpanzer in charakteristischer Weise im Halsbereich des Sackes an. Nach der Überwinterung (manchmal auch schon vorher) klettern sie an Baumstämmen und Felsen hoch (in bis zu zwei Meter Höhe) und spinnen den Sack fest, bevor sie sich darin verpuppen.
    
''D. triquetrella'' kann in Salzburg wegen ihrer weiten Verbreitung und der geringen Bindung an einen bestimmten Lebensraumtyp als ungefährdet angesehen werden (Einstufung LC nach Embacher et al. 2024).
 
''D. triquetrella'' kann in Salzburg wegen ihrer weiten Verbreitung und der geringen Bindung an einen bestimmten Lebensraumtyp als ungefährdet angesehen werden (Einstufung LC nach Embacher et al. 2024).
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*Klimesch, J. 1990. Die Schmetterlinge Oberösterreichs, Teil 6. Microlepidoptera I. Ent. Arbeitsgemeinschaft am O.Ö. Landesmuseum Linz: 1–332.
 
*Klimesch, J. 1990. Die Schmetterlinge Oberösterreichs, Teil 6. Microlepidoptera I. Ent. Arbeitsgemeinschaft am O.Ö. Landesmuseum Linz: 1–332.
 
*[[Michael Kurz (Wissenschafter)|Kurz, M. A.]] &amp; [[Marion Kurz|M. E. Kurz]] 2000–2024. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 2024.12.11].
 
*[[Michael Kurz (Wissenschafter)|Kurz, M. A.]] &amp; [[Marion Kurz|M. E. Kurz]] 2000–2024. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 2024.12.11].
*Kurz, M. A. & [[Gertraud Puchmayr|G. Puchmayr]] 2011. Interessante Schmetterlingsfunde aus den Salzburger Schieferalpen (Insecta: Lepidoptera). Mitteilungen der Naturkundlichen Gesellschaft. URL: http://www.nkis.info/MitnatGes/ [online 2011.05.03].
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*Kurz, M. A. &amp; [[Gertraud Puchmayr|G. Puchmayr]] 2011. Interessante Schmetterlingsfunde aus den Salzburger Schieferalpen (Insecta: Lepidoptera). Mitteilungen der Naturkundlichen Gesellschaft. URL: http://www.nkis.info/MitnatGes/ [online 2011.05.03].
 
== Einzelnachweis ==
 
== Einzelnachweis ==
 
<references />
 
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