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[[Datei:2025_02_02_Haus_der_Natur_02.jpg|thumb|Aus der Geschichte des Museums]]
 
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Ungewöhnlich eng verlief die Beziehung mit dem Namen Eduard Paul Tratz, wie Köstering feststellt. Sie wird aber noch genau seine Rolle im [[Nationalsozialismus]] an Hand der Unterlagen in den Salzburger Archiven untersuchen. Ihr ist es wichtig zu klären, wie stark er eingebunden war und welche Inhalte des Nationalsozialismus er für seine Ausstellungen übernommen hatte. Als entscheidende Zäsur sieht Köstering den Umzug des Museums 1956 vom Salzburger Festspielhaus an den heutigen Standort. Denn auch hier sieht die Expertin Erklärungsbedarf, ob die Annahme, dass aufgrund der personellen Kontinuität keine richtig kritische und aktive Auseinandersetzung stattgefunden hatte, ob und wie viel "aufgearbeitet und mitgeschleppt" wurde, zutreffend ist<ref>{{Quelle SW-SN|18. Jänner 2013}}</ref>.
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Ungewöhnlich eng verlief die Beziehung mit dem Namen Eduard Paul Tratz, wie Köstering feststellt. Sie wird aber noch genau seine Rolle im [[Nationalsozialismus]] an Hand der Unterlagen in den Salzburger Archiven untersuchen. Ihr ist es wichtig zu klären, wie stark er eingebunden war und welche Inhalte des Nationalsozialismus er für seine Ausstellungen übernommen hatte. Als entscheidende Zäsur sieht Köstering den Umzug des Museums 1956 vom Salzburger Festspielhaus an den heutigen Standort. Denn auch hier sieht die Expertin Erklärungsbedarf, ob die Annahme, dass aufgrund der personellen Kontinuität keine richtig kritische und aktive Auseinandersetzung stattgefunden hatte, ob und wie viel "aufgearbeitet und mitgeschleppt" wurde, zutreffend ist.<ref>{{Quelle SW-SN|18. Jänner 2013}}</ref>  
    
[[2014]] wurden die letzten noch im Haus verbliebenen Raubgut-Objekte an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben, soweit die Eigentümer ein Interesse daran besaßen. Von den rund 900&nbsp;000 Objekten in der Sammlung des Museums war nur ein sehr kleiner und wenig wertvoller Teil betroffen. Viele Dinge wurden schon in der Zeit nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] restituiert. Rund 1&nbsp;000 Bücher, 200 Jagdtrophäen, rund 150 Tierpräparate und einige eiszeitliche Funde wie Mammutknochen, die in der Zeit des Nationalsozialismus unrechtmäßig angeeignet wurden, müssen noch zurückgegeben werden, soweit der Eigentümer ein Interesse daran besitzt.  
 
[[2014]] wurden die letzten noch im Haus verbliebenen Raubgut-Objekte an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben, soweit die Eigentümer ein Interesse daran besaßen. Von den rund 900&nbsp;000 Objekten in der Sammlung des Museums war nur ein sehr kleiner und wenig wertvoller Teil betroffen. Viele Dinge wurden schon in der Zeit nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] restituiert. Rund 1&nbsp;000 Bücher, 200 Jagdtrophäen, rund 150 Tierpräparate und einige eiszeitliche Funde wie Mammutknochen, die in der Zeit des Nationalsozialismus unrechtmäßig angeeignet wurden, müssen noch zurückgegeben werden, soweit der Eigentümer ein Interesse daran besitzt.  
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Seit 2010 wurde erstmals akribisch die Provenienz der Sammlungen mit dem Schwerpunkt in der Zeit von [[1939]] bis [[1945]] untersucht. Zuvor hatte man die problematische Vergangenheit des Museums unter der Leitung ihres Gründers und langjährigen Direktors Eduard Paul Tratz weitgehend ausgeblendet. Im Jahr 1939 sei das Haus der Natur in das "Ahnenerbe" integriert worden, berichtete der Leiter des Forschungsprojektes, der Zeithistoriker [[Robert Hoffmann]], in den [[Salzburger Nachrichten]]<ref>{{Quelle SN|21. Jänner 2014, online}} Tratz besaß daher den Titel eines Abteilungsleiters der NS-Wissenschaftsorganisation "Ahnenerbe" und hatte sich folgerichtig mit deren Forschungszielen und -vorhaben zu identifizieren.</ref>.
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Seit 2010 wurde erstmals akribisch die Provenienz der Sammlungen mit dem Schwerpunkt in der Zeit von [[1939]] bis [[1945]] untersucht. Zuvor hatte man die problematische Vergangenheit des Museums unter der Leitung ihres Gründers und langjährigen Direktors Eduard Paul Tratz weitgehend ausgeblendet. Im Jahr 1939 sei das Haus der Natur in das "Ahnenerbe" integriert worden, berichtete der Leiter des Forschungsprojektes, der Zeithistoriker [[Robert Hoffmann]], in den "[[Salzburger Nachrichten]]"<ref>{{Quelle SN|21. Jänner 2014, online}}</ref> Tratz besaß daher den Titel eines Abteilungsleiters der NS-Wissenschaftsorganisation "Ahnenerbe" und hatte sich folgerichtig mit deren Forschungszielen und -vorhaben zu identifizieren.  
    
Tratz als Museumsleiter hatte in der Zeit des Nationalsozialismus unter anderem auch drei Quellen genutzt, um zu neuen Objekten für Salzburg zu kommen: Er nutzte beschlagnahmte Bestände kirchlicher Einrichtungen, beteiligte sich an Raubzügen in besetzten Gebieten und profitierte von Arisierungen naturwissenschaftlicher Sammlungen. So wurde [[1938]] die Schulbibliothek des kirchlichen Salzburger [[Erzbischöfliches Privatgymnasium Borromäum|Borromäums]] enteignet, 1939 die [[Missionsschwestern vom heiligen Petrus Claver]] ([[Missionshaus Maria Sorg der St. Petrus Claver Sodalität|Missionshaus Maria Sorg]]), die in Salzburg eine kleine Afrikasammlung besaßen. Im Jahr 1939 nahm Tratz am "Kommando Paulsen" des Ahnenerbes in Krakau und Warschau teil. Einige Objekte des Anatomischen Instituts und des Naturhistorischen Museums in Warschau gingen nach Salzburg.
 
Tratz als Museumsleiter hatte in der Zeit des Nationalsozialismus unter anderem auch drei Quellen genutzt, um zu neuen Objekten für Salzburg zu kommen: Er nutzte beschlagnahmte Bestände kirchlicher Einrichtungen, beteiligte sich an Raubzügen in besetzten Gebieten und profitierte von Arisierungen naturwissenschaftlicher Sammlungen. So wurde [[1938]] die Schulbibliothek des kirchlichen Salzburger [[Erzbischöfliches Privatgymnasium Borromäum|Borromäums]] enteignet, 1939 die [[Missionsschwestern vom heiligen Petrus Claver]] ([[Missionshaus Maria Sorg der St. Petrus Claver Sodalität|Missionshaus Maria Sorg]]), die in Salzburg eine kleine Afrikasammlung besaßen. Im Jahr 1939 nahm Tratz am "Kommando Paulsen" des Ahnenerbes in Krakau und Warschau teil. Einige Objekte des Anatomischen Instituts und des Naturhistorischen Museums in Warschau gingen nach Salzburg.
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Ähnliche Raubzüge gab es auch in der Akademie der Wissenschaften in Krakau, in Askania Nova in der [[Ukraine]], in Straßburg, im Zoologischen Museum Smolensk oder im Museum Lemberg, wo möglicherweise Reste eines eiszeitlichen Mammuts beschlagnahmt worden sein dürften. Durch Arisierungen gelangten Jagdtrophäen aus dem Besitz des Kunstsammlers Rudolf Gutmann, eine Trophäensammlung von Alphonse und Clarisse Rothschild sowie eine Sammlung südamerikanischer Vögel der Familie Bomstein-Bomi nach Salzburg. Zum Teil wurden diese Bestände schon nach dem Zweiten Weltkrieg schon zurückgegeben, letzte kleine Teile von geringem Wert befinden sich allerdings nach wie vor im Besitz des Museums.
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Ähnliche Raubzüge gab es auch in der Akademie der Wissenschaften in Krakau, in Askania Nova in der [[Ukraine]], in Straßburg, im Zoologischen Museum Smolensk oder im Museum Lemberg ([[Galizien]]), wo möglicherweise Reste eines eiszeitlichen Mammuts beschlagnahmt worden sein dürften. Durch Arisierungen gelangten Jagdtrophäen aus dem Besitz des Kunstsammlers Rudolf Gutmann, eine Trophäensammlung von Alphonse und Clarisse Rothschild sowie eine Sammlung südamerikanischer Vögel der Familie Bomstein-Bomi nach Salzburg. Zum Teil wurden diese Bestände schon nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] schon zurückgegeben, letzte kleine Teile von geringem Wert befinden sich allerdings nach wie vor im Besitz des Museums.
    
=== Im 21. Jahrhundert ===
 
=== Im 21. Jahrhundert ===
Das Museum für Natur und Technik feiert [[2024]] sein 100-Jahr-Jubiläum mit neuen Attraktionen. Ein "Onlineticket"-System soll Warteschlagen an der Kassa vermeiden. Um 2,3 Millionen Euro errichtet das Museum im zweiten Stock auf 600 Quadratmetern den neuen Reptilien- und Amphibienzoo. Seit [[6. November]] 2022 wird umgebaut. 80 Tierarten waren dort untergebracht, nach der Fertigstellung im Juni 2024 sollen es deutlich weniger werden. Neu im Bestand sind dann auch einheimische Arten wie die in Mitteleuropa vorkommende Sumpfschildkröte, [[Ringelnatter]]n oder [[Kreuzotter]]n.
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Das Museum für Natur und Technik feiert [[2024]] sein 100-Jahr-Jubiläum mit neuen Attraktionen. Ein "Onlineticket"-System soll Warteschlagen an der Kassa vermeiden. Um 2,3 Millionen Euro errichtet das Museum im zweiten Stock auf 600 Quadratmetern den neuen Reptilien- und Amphibienzoo. Seit [[6. November]] 2022 wird umgebaut. 80 Tierarten waren dort untergebracht, nach der Fertigstellung im Juni 2025 sollen es deutlich weniger werden. Neu im Bestand sind dann auch einheimische Arten wie die in Mitteleuropa vorkommende Sumpfschildkröte, [[Ringelnatter]]n oder [[Kreuzotter]]n.
    
[[2023]] besuchten 384&nbsp;136 Menschen das Haus der Natur. Zum Vergleich: Die Landeshauptstadt hatte 156&nbsp;619 Einwohner.
 
[[2023]] besuchten 384&nbsp;136 Menschen das Haus der Natur. Zum Vergleich: Die Landeshauptstadt hatte 156&nbsp;619 Einwohner.

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