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In der '''Affäre Aiderbichl''' wurde seit Sommer 2015 von der Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen schwerem Betrugsverdacht gegen den Gründer des [[Wirtschaftsunternehmen Aiderbichl|Wirtschaftsunternehmens Aiderbichl]], [[Michael Aufhauser]] und seinen Geschäftsführer [[Dieter Ehrengruber]] ermittelt.
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In der '''Affäre Aiderbichl''' wurde seit Sommer 2015 von der Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen schwerem Betrugsverdacht gegen den Gründer des [[Wirtschaftsunternehmen Aiderbichl|Wirtschaftsunternehmens Aiderbichl]], [[Michael Aufhauser]] und seinen Geschäftsführer Dieter Ehrengruber ermittelt.
    
== Der Ermittlungsgrund ==  
 
== Der Ermittlungsgrund ==  
Die beiden wurden verdächtigt "''im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit anderen Mittätern''" im Jahr 2010 den damals 87-jährgen Gerd V. durch eine Täuschung zur Schenkung von vier Millionen Euro veranlasst zu haben. Laut dem Ermittlungsakt sei dem alten Mann vorgemacht worden, dass "''die Verantwortlichen der Gut Aiderbichl Stiftung Österreich''" im Gegenzug für diese Schenkung seinen heruntergekommenen Hof in [[Maria Schmolln]] im [[Innviertel]] renovieren und als "Gnadenhof" erhalten würden. Und ob dieser Punkt nun auch so wie zugesagt umgesetzt wurde, war ebenfalls Gegenstand von Untersuchungen, da es hier verschiedenen Ansichten gab.
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Die beiden wurden verdächtigt "im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit anderen Mittätern" im Jahr 2010 den damals 87-jährgen Gerd V. durch eine Täuschung zur Schenkung von vier Millionen Euro veranlasst zu haben. Laut dem Ermittlungsakt sei dem alten Mann vorgemacht worden, dass "die Verantwortlichen der Gut Aiderbichl Stiftung Österreich" im Gegenzug für diese Schenkung seinen heruntergekommenen Hof in [[Maria Schmolln]] im [[Innviertel]] renovieren und als "Gnadenhof" erhalten würden. Und ob dieser Punkt nun auch so wie zugesagt umgesetzt wurde, war ebenfalls Gegenstand von Untersuchungen, da es hier verschiedenen Ansichten gab.
    
Auch hätten Aufhauser und Ehrengruber dazu beigetragen, dass nach dem Tod des Mannes im November 2011 bei Gericht "ein ungültiges Testament" vorgelegt worden sein soll. Der gesamte Nachlass von rund 1,3 Millionen Euro ging daher möglicherweise zu Unrecht an die Aiderbichl-Stiftung. Das Testament sei dem damals schon bettlägrigen Erblasser fertig formuliert vorgelegt und von diesem unterschrieben worden. Wie es zunächst hieß, im Beisein von drei Zeugen - Arbeiter, die im Auftrag von Gut Aiderbichl am Hof des Erblassers arbeiteten. Wie dann aber im Frühsommer 2015 einer drei Arbeiter eingestand, schlief der Erblasser zum Zeitpunkt seiner Unterschrift als Zeuge im Nebenzimmer. Dadurch wäre das Testament ungültig.
 
Auch hätten Aufhauser und Ehrengruber dazu beigetragen, dass nach dem Tod des Mannes im November 2011 bei Gericht "ein ungültiges Testament" vorgelegt worden sein soll. Der gesamte Nachlass von rund 1,3 Millionen Euro ging daher möglicherweise zu Unrecht an die Aiderbichl-Stiftung. Das Testament sei dem damals schon bettlägrigen Erblasser fertig formuliert vorgelegt und von diesem unterschrieben worden. Wie es zunächst hieß, im Beisein von drei Zeugen - Arbeiter, die im Auftrag von Gut Aiderbichl am Hof des Erblassers arbeiteten. Wie dann aber im Frühsommer 2015 einer drei Arbeiter eingestand, schlief der Erblasser zum Zeitpunkt seiner Unterschrift als Zeuge im Nebenzimmer. Dadurch wäre das Testament ungültig.
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Aiderbichl-Geschäftsleiter Dieter Ehrengruber wies diese Vorwürfe zurück und erklärte, dass von Seiten Aiderbichls alles so erfüllt worden wäre, ''was damals besprochen wurde''.  
 
Aiderbichl-Geschäftsleiter Dieter Ehrengruber wies diese Vorwürfe zurück und erklärte, dass von Seiten Aiderbichls alles so erfüllt worden wäre, ''was damals besprochen wurde''.  
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Neben diesen Vorwürfen sollen die beiden Verdächtigten "''eine [weitere] Mitbeschudigte dazu bestimmt''" haben, dem Erblasser noch zu Lebzeiten "''wiederholt vorgespiegelt''" zu haben, dass für Bauprojekte von [[Gut Aiderbichl]] dringend größere Geldbeträge benötigt würden. Es sollen dann Spenden in der Höhe von insgesamt mindestens 800.000 Euro von dieser Person "''herausgelockt''" und das Geld "''zweckwidrig verwendet''" worden sein.
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Neben diesen Vorwürfen sollen die beiden Verdächtigten "eine [weitere] Mitbeschudigte dazu bestimmt" haben, dem Erblasser noch zu Lebzeiten "wiederholt vorgespiegelt" zu haben, dass für Bauprojekte von [[Gut Aiderbichl]] dringend größere Geldbeträge benötigt würden. Es sollen dann Spenden in der Höhe von insgesamt mindestens 800.000 Euro von dieser Person "herausgelockt" und das Geld "zweckwidrig verwendet" worden sein.
    
Und noch ein Vorwurf wurde geprüfte: Der Staatsanwalt untersuchte den Verdacht, dass Aufhauser und Ehrengruber eine Frau angestiftet hätten, die Schwester des Erblassers, die in Stuttgart lebte, anzustiften, ein Bankdepot aufzulösen und rund 500.000 Euro an die [[Gut Aiderbichl Stiftung Österreich]] zu überweisen.  
 
Und noch ein Vorwurf wurde geprüfte: Der Staatsanwalt untersuchte den Verdacht, dass Aufhauser und Ehrengruber eine Frau angestiftet hätten, die Schwester des Erblassers, die in Stuttgart lebte, anzustiften, ein Bankdepot aufzulösen und rund 500.000 Euro an die [[Gut Aiderbichl Stiftung Österreich]] zu überweisen.  
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Zu diesem Vorwurf meinte Ehrengruber, es sei kein Depot zugunsten der Aiderbichl-Stiftung aufgelöst worden. Auch sei die Frau nicht im Auftrag von Aiderbichl in Stuttgart gewesen, sondern "''nur mit unserem Namen''". Aus dem Nachlass der Schwester des Erblassers habe man nur knapp 270.000 Euro erhalten.
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Zu diesem Vorwurf meinte Ehrengruber, es sei kein Depot zugunsten der Aiderbichl-Stiftung aufgelöst worden. Auch sei die Frau nicht im Auftrag von Aiderbichl in Stuttgart gewesen, sondern "nur mit unserem Namen". Aus dem Nachlass der Schwester des Erblassers habe man nur knapp 270.000 Euro erhalten.
    
== Mitarbeiter in Haft ==  
 
== Mitarbeiter in Haft ==  
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Im Zivilprozess um die Millionen-Erbschaft gab es am [[1. April]] [[2019]}] eine Einigung: Gut Aiderbichl erklärte sich bereit, insgesamt 400.000 Euro an die Bundesländer Salzburg und Oberösterreich zu zahlen. Die Länder hatten wegen Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Testaments zugunsten Aiderbichls geklagt. Obwohl im Jänner 2019 das Strafverfahren der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft endgültig eingestellt wurde, das sich auch gegen Aiderbichl-Geschäftsführer Dieter Ehrengruber und -Gründer Michael Aufhauser richtete, hielten die Länder an der Klage fest. Die Länder verpflichten sich dafür, das Geld entsprechend des letzten Willens des Verstorbenen in Tierschutzprojekte zu investieren und Aiderbichl über den genauen Verwendungszweck zu informieren.   
 
Im Zivilprozess um die Millionen-Erbschaft gab es am [[1. April]] [[2019]}] eine Einigung: Gut Aiderbichl erklärte sich bereit, insgesamt 400.000 Euro an die Bundesländer Salzburg und Oberösterreich zu zahlen. Die Länder hatten wegen Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Testaments zugunsten Aiderbichls geklagt. Obwohl im Jänner 2019 das Strafverfahren der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft endgültig eingestellt wurde, das sich auch gegen Aiderbichl-Geschäftsführer Dieter Ehrengruber und -Gründer Michael Aufhauser richtete, hielten die Länder an der Klage fest. Die Länder verpflichten sich dafür, das Geld entsprechend des letzten Willens des Verstorbenen in Tierschutzprojekte zu investieren und Aiderbichl über den genauen Verwendungszweck zu informieren.   
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Ehrengruber hatte zuvor 400.000 Euro als Schmerzgrenze genannt. Eine höhere Summe wäre ein "großer Schlag", zumal in das Anwesen des verstorbenen Tierfreunds in Maria Schmolln bereits mehr als 4,5 Millionen Euro seitens Aiderbichl geflossen seien. Der Tiergnadenhof-Betreiber hätte andernfalls "''nachdenken müssen, ob wir den Hof in Maria Schmolln halten können oder Mitarbeiter abbauen müssen''", meinte der Geschäftsführer. Beide Parteien haben binnen sechs Wochen noch die Möglichkeit, zu widerrufen.
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Ehrengruber hatte zuvor 400.000 Euro als Schmerzgrenze genannt. Eine höhere Summe wäre ein "großer Schlag", zumal in das Anwesen des verstorbenen Tierfreunds in Maria Schmolln bereits mehr als 4,5 Millionen Euro seitens Aiderbichl geflossen seien. Der Tiergnadenhof-Betreiber hätte andernfalls "nachdenken müssen, ob wir den Hof in Maria Schmolln halten können oder Mitarbeiter abbauen müssen", meinte der Geschäftsführer. Beide Parteien haben binnen sechs Wochen noch die Möglichkeit, zu widerrufen.
    
== Quellen ==
 
== Quellen ==