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| | [[File:Salzburg Glockenspiel 01.jpg|thumb|Steuertrommel mit Seilzügen. In der Trommel sind 7940 Bohrungen, in die Schrauben eingesetzt werden, die über die Seilzüge (Lederriemen) die Hänmmer ansteuern. Man beachte die eingravierten Notenwerte.]] | | [[File:Salzburg Glockenspiel 01.jpg|thumb|Steuertrommel mit Seilzügen. In der Trommel sind 7940 Bohrungen, in die Schrauben eingesetzt werden, die über die Seilzüge (Lederriemen) die Hänmmer ansteuern. Man beachte die eingravierten Notenwerte.]] |
| | [[File:Salzburg Glockenspiel 02.jpg|thumb| Steuertrommel mit Seilzügen. In der Trommel sind 7940 Bohrungen, in die Schrauben eingesetzt werden, die über die Seilzüge (Lederriemen) die Hänmmer ansteuern.]] | | [[File:Salzburg Glockenspiel 02.jpg|thumb| Steuertrommel mit Seilzügen. In der Trommel sind 7940 Bohrungen, in die Schrauben eingesetzt werden, die über die Seilzüge (Lederriemen) die Hänmmer ansteuern.]] |
| − | Das bekannte Salzburger '''Glockenspiel''' auf dem [[Salzburger Glockenspielturm|Glockenspielturm]] befindet sich im Gebäude der [[Neue Residenz|Neuen Residenz]] am [[Residenzplatz]] in der [[Salzburger Altstadt]]. Es steht gemeinsam mit den anderen Teilen dieses Residenzgebäudes unter [[Denkmalschutz]]. | + | Das bekannte Salzburger '''Glockenspiel''' im [[Salzburger Glockenspielturm|Glockenspielturm]] befindet sich im Gebäude der [[Neue Residenz|Neuen Residenz]] am [[Residenzplatz]] in der [[Salzburger Altstadt]]. Es steht gemeinsam mit den anderen Teilen des Residenzgebäudes unter [[Denkmalschutz]]. |
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| | == Einleitung == | | == Einleitung == |
| − | Das Glockenspiel gehört zur Gruppe der Metallophone<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Metallophon wikipedia.de/Metallophon]</ref>. Einerseits diente es der (feudalen) Repräsentation. Andererseits hatte das Glockenspiel eine Aufgabe für die Bewohner durch die akustische Angabe bestimmter Tageszeiten. Diese Zeitangaben waren aber auch Vanitas-Symbole<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Vanitas wikipedia.de/Vanitas]</ref> und erinnerten an die Vergänglichkeit der Dinge. Sie sollten auch zu geistlichen Übungen anregen: | + | Das Glockenspiel gehört zur Gruppe der Metallophone. Einerseits diente es der (feudalen) Repräsentation. Andererseits hatte das Glockenspiel eine Aufgabe für die Bewohner durch die akustische Angabe bestimmter Tageszeiten. Diese Zeitangaben waren aber auch Vanitas-Symbole und erinnerten an die Vergänglichkeit der Dinge. Sie sollten auch zu geistlichen Übungen anregen: |
| | + | <blockquote>''Geistliches Glockenspiel. Durch welches Die in der Sünd eingeschläfferte Seelen Vermittelst Fünff und Dreyssig Glocken, Als so vielen ... Predigen, zur Buß und Tugend ... auffgemuntert werden; wodurch dann die Sünder aus dem Laster-Schlaff aufferweckt ... werden".<ref>Zitat 1706 gedruckt bei Lorenz Kroninger und Gottlieb Göbels</ref></blockquote> |
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| − | "Geistliches Glockenspiel. Durch welches Die in der Sünd eingeschläfferte Seelen Vermittelst Fünff und Dreyssig Glocken, Als so vielen ... Predigen, zur Buß und Tugend ... auffgemuntert werden; wodurch dann die Sünder aus dem Laster-Schlaff aufferweckt ... werden" (Zitat 1706 gedruckt bei Lorenz Kroninger und Gottlieb Göbels) | + | == Geschichte == |
| | + | Die [[Niederlande]], vor allem der Raum um Amsterdam wird vielfach auch "Heimat der Glockenspiele" genannt. Das Glockenspiel des Westerturmes der Stadt Amsterdam geht auf [[1636]] zurück, jenes auf dem Palast auf dem Dam in dieser Stadt auf etwa [[1650]]. Das Glockenspiel in Brielle unweit von Amsterdam wurde [[1660]] errichtet, jenes am Dom zu Utrecht [[1664]]. Die Brüder François und Pieter Hemony schufen im [[17. Jahrhundert]] dort 51 Glockenspiele. Das älteste bekannte Groß-Glockenspiel im Straßburger Münster stammt schon aus dem Jahr [[1382]]. Kunstvolle alte Glockenspiele sind auch vom Kreml in Moskau (1625) oder aus Dresden (1728) bekannt. |
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| − | == Geschichte ==
| + | [[1695]] kaufte Fürsterzbischof [[Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein|Johann Ernst Graf Thun]] vom Glockengießer [[Melchior de Haze]] aus Antwerpen in der Grafschaft Flandern (Niederlande) die 35 Glocken um 5.305 [[Gulden]].<ref name="Martin1952">[[Franz Martin|Martin, Franz]]: "[[Salzburg, ein Führer durch seine Geschichte und Kunst]]", Ausgabe 1952, Seite 45</ref> Johann Ernst hatte sich, wie viele andere Fürsten seiner Zeit, bei der Niederländischen Ostindien-Kompanie mit Glück an deren Schifffahrt-Erträgen beteiligt. Ein Teil seines Gewinnes brachte er in die Stiftung für das Glockenspiel ein.<ref>[[Adolph Bühler|Bühler, Adolph]]: "[[Salzburg und seine Fürsten]]", Seite 207</ref> |
| − | Die [[Niederlande]], vor allem der Raum um Amsterdam wird vielfach auch "Heimat der Glockenspiele" genannt. Das Glockenspiel des Westerturmes der Stadt Amsterdam geht auf 1636 zurück, jenes auf dem Palast auf dem Dam in dieser Stadt auf etwa 1650. Das Glockenspiel in Brielle unweit von Amsterdam wurde 1660 errichtet, jenes am Dom zu Utrecht 1664. Die Brüder François und Pieter Hemony schufen im 17. Jahrhundert dort 51 Glockenspiele. Das älteste bekannte Groß-Glockenspiel im Straßburger Münster stammt schon aus dem Jahr 1382. Kunstvolle alte Glockenspiele sind auch vom Kreml in Moskau (1625) oder aus Dresden (1728) bekannt.
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| − | [[1695]] kaufte Fürsterzbischof [[Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein|Johann Ernst Graf Thun]] vom Glockengießer [[Melchior de Haze]] aus Antwerpen in der Grafschaft Flandern (Niederlande) die 35 Glocken. Diese waren zwischen [[1688]] und [[1689]] gegossen worden, das besagen deren Inschriften: "''Melchior de Haze Antverpiae me fecit''", "''1688''" oder "''1689''". Die Annahme (derzeit ohne jeden Quellenbeleg) die Glocken wären eigentlich für die Stadt und Festung Breda in Nordbrabant bestimmt gewesen und ein Brand hätte den dortigen Glockenturm vernichtet, weshalb die Glocken von Salzberg erworben werden konnten, wird von den Autoren "Das Salzburger Glockenspiel" (2013) nicht geteilt. Vielmehr waren Glocken damals bereits auf Vorrat gegossen worden, die damals sinkende Nachfrage nach weiteren Glockenspielen in den Niederlanden führte dazu, dass seitens der Glockengießer neue Käufer gesucht wurden. Die Glocken kamen [[1696]] auf dem Landweg nach Salzburg, ein schwerer, langer und teurer Transport. Die schwerste Glocke wiegt etwa 300 Kilogramm, die kleinste etwa fünf Kilogramm. Die 35 Glocken wiegen insgesamt über eineinhalb Tonnen (3.500 niederländische "lives" bzw. Pfund). Das gesamte Werk wiegt über sechs Tonnen. Der Stuck- und Büchsenmacher Franz Sulzer schätzte 1702 das mechanische Werk auf 52 Centner Eisen, 25 Centner Messing und 6 Centner Zinn. (1 Centner =55,6 kg)
| + | Diese Glocken waren zwischen [[1688]] und [[1689]] gegossen worden, das besagen deren Inschriften: ''Melchior de Haze Antverpiae me fecit'', [[1688]] oder [[1689]]. Die Annahme (derzeit ohne jeden Quellenbeleg), die Glocken wären eigentlich für die Stadt und Festung Breda in Nordbrabant bestimmt gewesen und ein Brand hätte den dortigen Glockenturm vernichtet, weshalb die Glocken für Salzburg erworben werden konnten, wird von den Autoren des Buches "Das Salzburger Glockenspiel" (2013) nicht geteilt. Vielmehr waren Glocken damals bereits auf Vorrat gegossen worden. Die damals sinkende Nachfrage nach weiteren Glockenspielen in den Niederlanden führte dazu, dass seitens der Glockengießer neue Käufer gesucht wurden. Die Glocken kamen [[1696]] auf dem Landweg nach Salzburg, ein schwerer, langer und teurer Transport. Die schwerste Glocke wiegt etwa 300 Kilogramm, die kleinste etwa fünf Kilogramm. Die 35 Glocken wiegen insgesamt über eineinhalb Tonnen (3.500 niederländische "lives" bzw. Pfund). Das gesamte Werk wiegt über sechs Tonnen. Der Stuck- und Büchsenmacher Franz Sulzer schätzte [[1702]] das mechanische Werk auf "52 Centner Eisen, 25 Centner Messing und 6 Centner Zinn" (ein Centner =55,6 kg). |
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| − | Nachdem die Glocken in Salzburg angekommen waren, fehlten noch die Uhr und der gesamte Mechanismus zum Antrieb des Glockenspiels. Die Herstellung und Aufstellung weiterer wichtiger Bestandteile, so des Wellbaumes, des Hammerwerkes samt den Federn, Drahtwerk, Zungen, Stacheln, die die Hämmer treiben, und allem Zubehör verzögerten sich aber noch viele Jahre. [[1698]] unternahm der Salzburger Großuhrmachermeister [[Jeremias Sauter]] eine Informationsreise über die Technik von Glockenspielen in die Niederlande. Die folgende Erstellung des Spielwerkes durch Sauter ist ungeachtet dessen eine eigenständige barocke salzburger Arbeit. | + | Nachdem die Glocken in Salzburg angekommen waren, fehlten noch die Uhr und der gesamte Mechanismus zum Antrieb des Glockenspiels. Die Herstellung und Aufstellung weiterer wichtiger Bestandteile, so des Wellbaumes, des Hammerwerkes samt den Federn, Drahtwerk, Zungen, Stacheln, die die Hämmer treiben, und allem Zubehör verzögerten sich aber noch viele Jahre. [[1698]] unternahm der Salzburger Großuhrmachermeister [[Jeremias Sauter]] eine Informationsreise über die Technik von Glockenspielen in die Niederlande. Die folgende Erstellung des Spielwerkes durch Sauter ist ungeachtet dessen eine eigenständige [[barock]]e Salzburger Arbeit. |
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| | [[1701]]–[[1702]] wurde der viereckige Turm um ein gemauertes Achteck (Oktogon) mit ovalen Fenstern und darüber liegend um ein hölzernes Arkadengeschoß mit acht offenen Rundbogenfenstern auf 45 Meter bzw. fünf Stockwerke erhöht. Damit der Turm das gesamte Gewicht von Glocken und Spielwerk tragen kann, wurde er seitlich mit Zugstangen aus Eisen verstärkt. | | [[1701]]–[[1702]] wurde der viereckige Turm um ein gemauertes Achteck (Oktogon) mit ovalen Fenstern und darüber liegend um ein hölzernes Arkadengeschoß mit acht offenen Rundbogenfenstern auf 45 Meter bzw. fünf Stockwerke erhöht. Damit der Turm das gesamte Gewicht von Glocken und Spielwerk tragen kann, wurde er seitlich mit Zugstangen aus Eisen verstärkt. |
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| − | [[1703]] wurde der Hofuhrmacher Jeremias Sauter mit dem Zusammen- und Aufbau von Uhr und Glockenspiel beauftragt. Kein einfacher Auftrag, denn die Mechanik musste großteils erst angefertigt werden, geliefert wurden aus Holland im Wesentlichen nur die Glocken. Der Glockengießer [[Benedikt Eisenberger]] und der Büchsenmacher [[Franz Sulzer]] fertigten die Walze mit rund 2,5 Meter Durchmesser aus 38 Messingplatten, in die Jeremias Sauter die insgesamt 7 964 quadratische Löcher bohrte, schnitt und feilte. Die Walze wurde über ein Zuggewicht angetrieben, das früher täglich mehrfach von Hand aufgezogen werden musste. | + | [[1703]] ([[1702]]?<ref name="Martin1952" />) wurde der Hofuhrmacher Jeremias Sauter mit dem Zusammen- und Aufbau von Uhr und Glockenspiel beauftragt. Kein einfacher Auftrag, denn die Mechanik musste großteils erst angefertigt werden, geliefert wurden aus Holland im Wesentlichen nur die Glocken. Der Glockengießer [[Benedikt Eisenberger]] und der Büchsenmacher [[Franz Sulzer]] fertigten die Walze mit rund 2,5 Meter Durchmesser aus 38 Messingplatten, in die Jeremias Sauter die insgesamt 7 964 quadratische Löcher bohrte, schnitt und feilte. Die Walze wurde über ein Zuggewicht angetrieben, das früher täglich mehrfach von Hand aufgezogen werden musste. |
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| | Die vier Zifferblätter der Uhr wurden aus technischen Gründen paarweise über zwei Stockwerke seitlich versetzt. Ein Paar befindet sich im viereckigen Turm in Richtung Nord-Süd, ein Paar befindet sich mit dem Uhrwerk und der Zugseilmechanik der Glocken im darüber liegenden Achteck in Richtung Ost-West. | | Die vier Zifferblätter der Uhr wurden aus technischen Gründen paarweise über zwei Stockwerke seitlich versetzt. Ein Paar befindet sich im viereckigen Turm in Richtung Nord-Süd, ein Paar befindet sich mit dem Uhrwerk und der Zugseilmechanik der Glocken im darüber liegenden Achteck in Richtung Ost-West. |
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| | === Der Stiftungsbrief von 1702 === | | === Der Stiftungsbrief von 1702 === |
| − | Die Kosten für die Glocken betrugen etwa 1000 Dukaten Dazu kamen die Ausgaben für das mechanische Werk und für die Traktur. Damit der Betrieb des Glockenspiels gewährleistet werden könnte, errichtete Fürsterzbischof Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein eine gut dotierte Stiftung. | + | Die Kosten für die Glocken betrugen etwa 1.000 Dukaten Dazu kamen die Ausgaben für das mechanische Werk und für die Traktur. Damit der Betrieb des Glockenspiels gewährleistet werden könnte, errichtete Fürsterzbischof Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein eine gut dotierte Stiftung. |
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| | <center>"'''''Wür Johann Ernst </center> | | <center>"'''''Wür Johann Ernst </center> |
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| | <center>'''''von Gottes Gnaden Erzbischof</center> | | <center>'''''von Gottes Gnaden Erzbischof</center> |
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| − | ''zu Salzburg Legat des heiligen apostolischen Stuhls zu Rom ec. ec. Urkunden und Bekennen hiemit, daß Wür zur Bezaigung und Unserer guten ''Affection'' Unserer Ehrsam und getreuen Landschaft ein von Uns in Niderland erkauft und mit zimlichen Unkosten allher verbrachtes Gloggenspiel oder ''Carillon'' sambt ''Vier Tausend [[Gulden]]'' ''dergestalten geschenkht und Ueberlassen haben, das iezermeltes Capital an sichern Orthen Unsers Erz-Stifts angelegt, und von den hievon jährlich fallenden ''jnteresse'' berühmtes Gloggenspiel in all- und jedem gebührend unterhalten werden solle; thuen solche ''Donation'' und Ueberlassung auch Kraft diess auf mass und weis, wie es von Rechts und gewohnheit wegen am Kräftigst, und beständigsten geschehen solln khan oder mag: jedoch mit der ausdrükhlichen ''Condition'' und Bedingnuß, dass im fall obersagt; Unsren [[Hohe Salzburger Landschaft|Landschaft]] solches Gloggenspiel mit angeregten ''Interesse'' nicht mehr Unterhalten wollte, selbiges sodann mit denen Vier tausend Gulden dem von Uns neu gestifteten St. Johanns Spital zu Mülln zuefallen, auch außer Lands versilbert, und das daraus erlösende Geld zu dem ende mehrangezogenen ''Capital'' der vier Tausend Gulden addirt werden solle, damit von den jährlichen Ertragnuss im gedachten Spital mehr Krankenwärther und Warterinen aufgestellt und gehalten oder andere Nothdurften alldort besser bestritten werden mögen.'' | + | ''zu Salzburg Legat des heiligen apostolischen Stuhls zu Rom ec. ec. Urkunden und Bekennen hiemit, daß Wür zur Bezaigung und Unserer guten Affection Unserer Ehrsam und getreuen Landschaft ein von Uns in Niderland erkauft und mit zimlichen Unkosten allher verbrachtes Gloggenspiel oder Carillon sambt Vier Tausend ''<small>[[Gulden]]</small>'' dergestalten geschenkht und Ueberlassen haben, das iezermeltes Capital an sichern Orthen Unsers Erz-Stifts angelegt, und von den hievon jährlich fallenden jnteresse berühmtes Gloggenspiel in all- und jedem gebührend unterhalten werden solle; thuen solche Donation und Ueberlassung auch Kraft diess auf mass und weis, wie es von Rechts und gewohnheit wegen am Kräftigst, und beständigsten geschehen solln khan oder mag: jedoch mit der ausdrükhlichen Condition und Bedingnuß, dass im fall obersagt; Unsren [[Hohe Salzburger Landschaft|Landschaft]] solches Gloggenspiel mit angeregten Interesse nicht mehr Unterhalten wollte, selbiges sodann mit denen Vier tausend Gulden dem von Uns neu gestifteten [[St. Johanns-Spital|St. Johanns Spital]] zu [[Mülln]] zuefallen, auch außer Lands versilbert, und das daraus erlösende Geld zu dem ende mehrangezogenen Capital der vier Tausend Gulden addirt werden solle, damit von den jährlichen Ertragnuss im gedachten Spital mehr Krankenwärther und Warterinen aufgestellt und gehalten oder andere Nothdurften alldort besser bestritten werden mögen.'' |
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| − | '''''Zu Urkundt''''' ''haben Wür diesen ''Donation''-Brief eigenhändig Unterschrieben und mit Unseren angehängt fürstl. ''Secret'' Insigl bekräftigen lassen.''
| + | ''Zu Urkundt haben Wür diesen Donation-Brief eigenhändig Unterschrieben und mit Unseren angehängt fürstl. Secret Insigl bekräftigen lassen.'' |
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| − | Actum ''in Unserer Stadt Salzburg den zwanzigsten Monatstag ''Februarii'' 1702.''
| + | ''Actum in Unserer Stadt Salzburg den zwanzigsten Monatstag Februarii 1702.'' |
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| | <center>'''''Ernst.'''''"</center> | | <center>'''''Ernst.'''''"</center> |
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| | === Ein Anekdote des Jahres 1854 === | | === Ein Anekdote des Jahres 1854 === |
| − | Als im April [[1854]] der junge Kaiser [[Franz Joseph I.|Franz Joseph]] seiner Braut, der bayrischen Prinzessin [[Elisabeth von Österreich|Elisabeth]], nach Salzburg entgegengereist war, weilte sie hier mit ihren Eltern in der Neuen Residenz, während er gegenüber im Regierungsgebäude, d. h. der [[Alte Residenz|Alten Residenz]] abstieg. Von dort begab der Kaiser in großer Uniform mittags zu seiner Braut. Das Glockenspiel aber spielte scherzhaft "Wie ich jüngst verwichen / bin zum Dirndl g'schlichen...". Die Bevölkerung, jubelte dem jugendlichen Bräutigam und Kaiser umso mehr zu; der Jubel und das Glockenspiel begleiteten den Kaiser.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19091120&query=%22Glockenspiel%22&seite=18 ANNO], [[Salzburger Volksblatt]], 20. November 1909, Seite 18</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19420425&query=%22Glockenspiel%22&seite=6 ANNO], Salzburger Volksblatt, 25. April 1942, Seite 6</ref> | + | Als im April [[1854]] der junge Kaiser [[Franz Joseph I.|Franz Joseph]] seiner Braut, der bayrischen Prinzessin [[Elisabeth von Österreich|Elisabeth]], nach Salzburg entgegengereist war, weilte sie hier mit ihren Eltern in der Neuen Residenz, während er gegenüber im Regierungsgebäude, d. h. der [[Alte Residenz|Alten Residenz]], abstieg. Von dort begab der Kaiser in großer Uniform mittags zu seiner Braut. Das Glockenspiel aber spielte scherzhaft "Wie ich jüngst verwichen / bin zum Dirndl g'schlichen...". Die Bevölkerung, jubelte dem jugendlichen Bräutigam und Kaiser umso mehr zu; der Jubel und das Glockenspiel begleiteten den Kaiser.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19091120&query=%22Glockenspiel%22&seite=18 ANNO], "[[Salzburger Volksblatt]]", 20. November 1909, Seite 18</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19420425&query=%22Glockenspiel%22&seite=6 ANNO], "Salzburger Volksblatt", 25. April 1942, Seite 6</ref> |
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| | == Restaurierungen == | | == Restaurierungen == |
| − | [[1862]] wurde das Salzburger Glockenspiel, das bereits Stimmung und Präzision eingebüßt hatte, auf Kosten der Monarchie einer gründlichen Reparatur unterzogen.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18620403&query=%22Glockenspiel%22&seite=3 ANNO], [[Salzburger Zeitung]], 3. April 1862, Seite 3</ref> [[1929]] war das Salzburger Glockenspiel reparaturbedürftig.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19290906&query=%22Glockenspiel%22&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, 6. September 1929, Seite 4</ref> | + | [[1862]] wurde das Salzburger Glockenspiel, das bereits Stimmung und Präzision eingebüßt hatte, auf Kosten der [[Habsburgermonarchie|Monarchie]] einer gründlichen Reparatur unterzogen.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18620403&query=%22Glockenspiel%22&seite=3 ANNO], "[[Salzburger Zeitung]]", 3. April 1862, Seite 3</ref> [[1929]] war das Salzburger Glockenspiel wieder reparaturbedürftig.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19290906&query=%22Glockenspiel%22&seite=4 ANNO], "Salzburger Chronik", 6. September 1929, Seite 4</ref> |
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| | [[1954]] konnte Dank einer großzügigen Spende von Lady Mabel Dunn, einer langjährigen Freundin der Mozartstadt Salzburg, das historische Glockenspiel wieder Instand gesetzt werden.<ref>Gedenktafel im Glockenspielturm</ref> | | [[1954]] konnte Dank einer großzügigen Spende von Lady Mabel Dunn, einer langjährigen Freundin der Mozartstadt Salzburg, das historische Glockenspiel wieder Instand gesetzt werden.<ref>Gedenktafel im Glockenspielturm</ref> |
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| | * 1903 und 1909 wurde eine Broschüre über das Glockenspiel in Salzburg und dessen Geschichte in Druck gelegt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=slk&datum=19100031&query=((text:Glockenspiel))&seite=22 Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde], </ref> | | * 1903 und 1909 wurde eine Broschüre über das Glockenspiel in Salzburg und dessen Geschichte in Druck gelegt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=slk&datum=19100031&query=((text:Glockenspiel))&seite=22 Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde], </ref> |
| | * [[Hermann Spies]]: ''Geschichtliches über das Salzburger Glockenspiel'', in [https://www.zobodat.at/pdf/MGSL_86_87_0049-0056.pdf MGSLK 86/87, 1946/47, S. 49-56] | | * [[Hermann Spies]]: ''Geschichtliches über das Salzburger Glockenspiel'', in [https://www.zobodat.at/pdf/MGSL_86_87_0049-0056.pdf MGSLK 86/87, 1946/47, S. 49-56] |
| − | * [[Hans Nüchtern]]: ''Hornwerk und Glockenspiel: ein Salzburger Buch'', illustriert von Willi Bahner, Donau-Verlag, 1947, 107 Seiten | + | * Hans Nüchtern: ''Hornwerk und Glockenspiel: ein Salzburger Buch'', illustriert von Willi Bahner, Donau-Verlag, 1947, 107 Seiten |
| − | * Peter Laub, Erich Marx, Gerd Pichler und Mitarbeiter: Das Salzburger Glockenspiel in der Neuen Residenz - Bericht zur Restaurierung, Band 55 der Jahresschriften des Salzburg-Museums, herausgegeben vom Bundesdenkmalamt und vom Salzburg Museum, Verlag Salzburg Museum, 2013, 239 Seiten | + | * Peter Laub, [[Erich Marx]], Gerd Pichler und Mitarbeiter: ''Das Salzburger Glockenspiel in der Neuen Residenz - Bericht zur Restaurierung'', Band 55 der Jahresschriften des Salzburg-Museums, herausgegeben vom Bundesdenkmalamt und vom Salzburg Museum, Verlag Salzburg Museum, 2013, 239 Seiten |
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| | == Weblink == | | == Weblink == |
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| | * Beitrag [[Altstadt]] Salzburgs | | * Beitrag [[Altstadt]] Salzburgs |
| | * [[Judas Thaddäus Zauner]]: [[Corbinian Gärtner]]: ''Chronik von Salzburg'', Bd. IX = ''Neue Chronik von Salzburg'', Bd. III (Salzburg 1818), S. [http://books.google.at/books?id=h5EAAAAAcAAJ&pg=PA424&lpg=PA424#v=onepage&q&f=false 424 424 f] und [http://books.google.at/books?id=h5EAAAAAcAAJ&pg=PA522&lpg=PA522#v=onepage&q&f=false S. 522 f.] | | * [[Judas Thaddäus Zauner]]: [[Corbinian Gärtner]]: ''Chronik von Salzburg'', Bd. IX = ''Neue Chronik von Salzburg'', Bd. III (Salzburg 1818), S. [http://books.google.at/books?id=h5EAAAAAcAAJ&pg=PA424&lpg=PA424#v=onepage&q&f=false 424 424 f] und [http://books.google.at/books?id=h5EAAAAAcAAJ&pg=PA522&lpg=PA522#v=onepage&q&f=false S. 522 f.] |
| − | * [[Gerhard Plasser]]: ''Das Salzburger Glockenspiel'', Manuskript im ''[[Salzburg Museum]]'', 2007 | + | * Gerhard Plasser: ''Das Salzburger Glockenspiel'', Manuskript im ''[[Salzburg Museum]]'', 2007 |
| | {{Quelle Kulturlexikon}} | | {{Quelle Kulturlexikon}} |
| | * [http://www.salzburg.info/sehenswertes_35.htm Salzburg Stadtinfo] | | * [http://www.salzburg.info/sehenswertes_35.htm Salzburg Stadtinfo] |