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| | [[Datei:Neue Residenz Glockenspielturm Heimatwerk.jpg|thumb|Das [[Salzburger Heimatwerk]] unter dem Glockenspielturm]] | | [[Datei:Neue Residenz Glockenspielturm Heimatwerk.jpg|thumb|Das [[Salzburger Heimatwerk]] unter dem Glockenspielturm]] |
| | [[Datei:Salzburger Glockenspielturm Residenzplatz im Winter um 1938.jpg|thumb|Der [[Residenzplatz]] mit dem Salzburger Glockenspielturm und dem [[Salzburger Glockenspiel]]. Aufnahme vermutlich im Winter 1938.]] | | [[Datei:Salzburger Glockenspielturm Residenzplatz im Winter um 1938.jpg|thumb|Der [[Residenzplatz]] mit dem Salzburger Glockenspielturm und dem [[Salzburger Glockenspiel]]. Aufnahme vermutlich im Winter 1938.]] |
| − | Der [[Salzburger Glockenspielturm]] ist ein Turm in der [[Altstadt]] der [[Stadt Salzburg]]. Er zählt wie das gesamte Gebäude der [[Neue Residenz|Neuen Residenz]], in dem sich der Turm befindet, zu den [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschützten Objekten]] in der Stadt Salzburg. | + | Der '''Salzburger Glockenspielturm''' ist ein Turm in der [[Altstadt]] der [[Stadt Salzburg]]. Er zählt wie das gesamte Gebäude der [[Neue Residenz|Neuen Residenz]], in dem sich der Turm befindet, zu den [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschützten Objekten]] in der Stadt Salzburg. |
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| | == Beschreibung == | | == Beschreibung == |
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| | == Geschichte == | | == Geschichte == |
| − | [[1605]] ließ [[Fürsterzbischof]] [[Wolf Dietrich von Raitenau]] am Rand der Neuen Residenz einen aus der Fassade hervortretenden schlanken Turm errichten, der aus drei Stockwerken bestand und (nur) etwa 25 Meter hoch und etwa halb so breit war. Er diente später als Unterbau für den Turm aus der zweiten Hälfte des [[17. Jahrhundert]]s, errichtet unter Fürsterzbischof [[Max Gandolf von Kuenburg]]?.<ref>[[Historische Ansichten der Stadt Salzburg|Stadtansicht]] von Matthäus Merian, 1644 [http://www.ubs.sbg.ac.at/sosa/graphiken/GII1185.jpg www.ubs.sbg.ac.at/Merian aus ''Topographia Bavariae'', Salzburg, 1644]</ref> | + | [[1605]] ließ [[Fürsterzbischof]] [[Wolf Dietrich von Raitenau]] am Rand der Neuen Residenz einen aus der Fassade hervortretenden schlanken Turm errichten, der aus drei Stockwerken bestand und etwa 25 Meter hoch und etwa halb so breit war. Er diente später als Unterbau für den Turm aus der zweiten Hälfte des [[17. Jahrhundert]]s, errichtet unter Fürsterzbischof [[Max Gandolf von Kuenburg]].<ref>[[Historische Ansichten der Stadt Salzburg|Stadtansicht]] von Matthäus Merian, 1644 [http://www.ubs.sbg.ac.at/sosa/graphiken/GII1185.jpg www.ubs.sbg.ac.at/Merian aus ''Topographia Bavariae'', Salzburg, 1644]</ref> |
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| − | Um [[1695]] kaufte Fürsterzbischof [[Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein]] von dem Glockengießer [[Melchior de Haze]] aus Antwerpen in den [[Niederlande|Niederlanden]] die 35 Glocken und ließ das Glockenspiel über dem letzten Stockwerk des Turmes einrichten. [[1701]]–[[1702]] wurde der viereckige Turm dabei um ein gemauertes Achteck (Oktogon) mit ovalen Fenstern und darüber liegend um einen hölzerne Arkaden aus acht offenen Rundbogenfenstern auf 45 Meter bzw. fünf Stockwerke erhöht. Damit der Turm das gesamte Gewicht von Glocken und Spielwerk tragen kann, wurde er verbreitert und seitlich mit Zugstangen aus Eisen verstärkt. | + | Um [[1695]] kaufte Fürsterzbischof [[Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein]] von dem Glockengießer [[Melchior de Haze]] aus Antwerpen in den [[Niederlande]]n die 35 Glocken um 5.305 [[Gulden]], die dieser bereits [[1688]] gegossen hatte.<ref name="Martin1952">[[Franz Martin|Martin, Franz]]: "[[Salzburg, ein Führer durch seine Geschichte und Kunst]]", Ausgabe 1952, Seite 45</ref> Johann Ernst hatte sich, wie viele andere Fürsten seiner Zeit, bei der Niederländischen Ostindien-Kompanie mit Glück an deren Schifffahrt-Erträgen beteiligt. Ein Teil seines Gewinnes brachte er in die Stiftung für das Glockenspiel ein.<ref>[[Adolph Bühler|Bühler, Adolph]]: "[[Salzburg und seine Fürsten]]", Seite 207</ref> |
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| | + | Nun ließ Johann Ernst das Glockenspiel über dem letzten Stockwerk des Turmes einrichten. [[1696]] wurden die Glocken dann nach Salzburg transportiert.<ref name="Martin1952" /> [[1701]]–[[1702]] wurde der viereckige Turm dabei um ein gemauertes Achteck (Oktogon) mit ovalen Fenstern und darüber liegend um einen hölzerne Arkaden aus acht offenen Rundbogenfenstern auf 45 Meter bzw. fünf Stockwerke erhöht. Damit der Turm das gesamte Gewicht von Glocken und Spielwerk tragen kann, wurde er verbreitert und seitlich mit Zugstangen aus Eisen verstärkt. |
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| | + | Die Einrichtung des Glockenspiels brachte dann aber erst 1702 der Hofgroßuhrenmacher [[Jeremias Sauter]] zustande.<ref name="Martin1952"> |
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| | [[1706]] wurde das Stiegenhaus zum Aufgang auf den Glockenspielturm vom Stuckateur [[Giacomo Bertoletto]] in besonders kunstvoll gestaltetem [[Stuck]] mit Obst- und Blumenornamenten, Figuren, Masken und Wappen des Fürsterzbischofs Wolf Dietrichs ausgestattet und in den Farben gelb und weiß bemalt. Im Erdgeschoß ist dem Turm ein zweiseitige Arkade vorgestellt. Die vorgesetzte nördliche Arkade wurde [[1701]] erbaut, in und vor der sich in fürsterzbischöflicher Zeit die Hauptwache befand. Die südliche Arkade wurde [[1860]] ergänzt. Heute befindet sich in diesem Raum der Eingang zum [[Salzburger Heimatwerk]]. | | [[1706]] wurde das Stiegenhaus zum Aufgang auf den Glockenspielturm vom Stuckateur [[Giacomo Bertoletto]] in besonders kunstvoll gestaltetem [[Stuck]] mit Obst- und Blumenornamenten, Figuren, Masken und Wappen des Fürsterzbischofs Wolf Dietrichs ausgestattet und in den Farben gelb und weiß bemalt. Im Erdgeschoß ist dem Turm ein zweiseitige Arkade vorgestellt. Die vorgesetzte nördliche Arkade wurde [[1701]] erbaut, in und vor der sich in fürsterzbischöflicher Zeit die Hauptwache befand. Die südliche Arkade wurde [[1860]] ergänzt. Heute befindet sich in diesem Raum der Eingang zum [[Salzburger Heimatwerk]]. |
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| | ==Das Turmbauwerk== | | ==Das Turmbauwerk== |
| − | Der Turm des Glockenspieles wurde 1701/1702 aufgestockt, die Kosten teilten sich die Hofkammer und die Hohe Landschaft. Die Fundamente und die Pfeiler mussten dabei verstärkt werden und der Turm verbreitert. Der Turm verjüngt sich schlüssig nach oben hin. Der untere Teil ist im Gundriss etwa quadratisch, das oberste quadratische Geschoß (viertes Stockwerk, ) besitzt die zum Glockenspiel zugehörigen Uhren und verweist so auf die oberen Stockwerke. Der oberste gemauerte Turmteil mit der Mechanik des Glockenspieles wird deutlich zierlicher und löst die strenge Form mit seinen großen ovalen Fenstern weiter auf, das oberste Stockwerk ist aus statischen Gründen aus Holz und im Grundriss ebenfalls achteckig. Dieses Stockwerk löst sich in der strengen Formgebung nach oben durch die großen Rundbogenöffnungen noch weiter auf. Diese Öffnungen waren für die allseitige Hörbarkeit der einzelnen Glocken sehr wichtig. Die Pilaster des gemauerten Achteckgeschoßes finden sich architektonisch in den Säulen des darüber stehenden Arkadengeschoßes wieder. Das Glockenspiel benötigte einen hölzernen Aufbau um Schwingungen der vielen Glocken gut abfedern zu können und Beschädigungen am Mauerwerk darunter zu verhindern. | + | Der Turm des Glockenspieles wurde 1701/1702 aufgestockt, die Kosten teilten sich die Hofkammer und die Hohe Landschaft. Die Fundamente und die Pfeiler mussten dabei verstärkt werden und der Turm verbreitert. Der Turm verjüngt sich schlüssig nach oben hin. Der untere Teil ist im Grundriss etwa quadratisch, das oberste quadratische Geschoß (viertes Stockwerk, ) besitzt die zum Glockenspiel zugehörigen Uhren und verweist so auf die oberen Stockwerke. Der oberste gemauerte Turmteil mit der Mechanik des Glockenspieles wird deutlich zierlicher und löst die strenge Form mit seinen großen ovalen Fenstern weiter auf, das oberste Stockwerk ist aus statischen Gründen aus Holz und im Grundriss ebenfalls achteckig. Dieses Stockwerk löst sich in der strengen Formgebung nach oben durch die großen Rundbogenöffnungen noch weiter auf. Diese Öffnungen waren für die allseitige Hörbarkeit der einzelnen Glocken sehr wichtig. Die Pilaster des gemauerten Achteckgeschoßes finden sich architektonisch in den Säulen des darüber stehenden Arkadengeschoßes wieder. Das Glockenspiel benötigte einen hölzernen Aufbau um Schwingungen der vielen Glocken gut abfedern zu können und Beschädigungen am Mauerwerk darunter zu verhindern. |
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| | ==Die Armillarsphaere== | | ==Die Armillarsphaere== |
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| | * Beitrag [[Altstadt]] von Salzburg | | * Beitrag [[Altstadt]] von Salzburg |
| | * [[Judas Thaddäus Zauner]]: [[Corbinian Gärtner]]: ''Chronik von Salzburg'', Bd. IX = ''Neue Chronik von Salzburg'', Bd. III (Salzburg 1818), S. [http://books.google.at/books?id=h5EAAAAAcAAJ&pg=PA424&lpg=PA424#v=onepage&q&f=false 424 424 f] und [http://books.google.at/books?id=h5EAAAAAcAAJ&pg=PA522&lpg=PA522#v=onepage&q&f=false S. 522 f.] | | * [[Judas Thaddäus Zauner]]: [[Corbinian Gärtner]]: ''Chronik von Salzburg'', Bd. IX = ''Neue Chronik von Salzburg'', Bd. III (Salzburg 1818), S. [http://books.google.at/books?id=h5EAAAAAcAAJ&pg=PA424&lpg=PA424#v=onepage&q&f=false 424 424 f] und [http://books.google.at/books?id=h5EAAAAAcAAJ&pg=PA522&lpg=PA522#v=onepage&q&f=false S. 522 f.] |
| − | * [[Gerhard Plasser]]: ''Das Salzburger Glockenspiel'', Manuskript im ''[[Salzburg Museum]]'', 2007 | + | * Gerhard Plasser: ''Das Salzburger Glockenspiel'', Manuskript im ''[[Salzburg Museum]]'', 2007 |
| | {{Quelle Kulturlexikon}} | | {{Quelle Kulturlexikon}} |
| | * [http://www.salzburg.info/sehenswertes_35.htm Salzburg Stadtinfo] | | * [http://www.salzburg.info/sehenswertes_35.htm Salzburg Stadtinfo] |
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| | * Informationstafeln vor Ort | | * Informationstafeln vor Ort |
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