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Dr. med. '''Cassio Castelpietra''' (* [[1898]] in [[Lofer]]) war Gemeindearzt in der [[Pongau]]er Gemeinde [[Mitterberghütten]] und Mitbegründer des [[Amselsingen]].
== Leben ==
[[1921]] war Castelpietra im Freikorps Oberland.
Dr. Cassio suchte nach Erlangung des Doktorgrades vorerst als Arzt in [[Saalfelden]] Fuß zu fassen. Dann übersiedelte er nach [[Saalbach]] und schließlich nach [[Kirchberg in Tirol]]. Dort widmete er sich wieder in erster Linie der [[Schuhplatteln|Schuhplattlerei]]. Da er davon aber nicht leben konnte, häufte er Schulden an und wurde gepfändet. Im Juni [[1933]] unternahm er mit mehreren Mitgliedern des Volkstrachtenerhaltungsvereines Kirchberg i. T. eine Propagandafahrt nach [[Deutschland]], die aber ganz im Zeichen des Hakenkreuzes stand. Die Fahrt wurde von der deutschen SA. geleitet.
[[1933]], Zitat Quelle<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tan&datum=19330711&query=%22Cassio+Castelpietra%22&ref=anno-search&seite=4 ANNO], "Allgemeiner Tiroler Anzeiger", Ausgabe 11. Juli 1933, Seite 4</ref>
<blockquote>''[...] Dr. Cassio entfaltete nun eine wüste österreichfeindliche Hetze gegen sein eigenes Vaterland; bei den anläßlich des Auftretens seiner Truppe von ihm gehaltenen Reden kam eine geradezu empörende Haßsucht gegen Oesterreich zum Ausdruck. Er erzählte den begeistert lauschenden SA.-Männern die haarsträubendsten Dinge über Oesterreich und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Grenzpfähle in Bälde fallen und dann auch Oesterreich unter [[Adolf Hitler|Hitlers]] Regierung einer glücklichen Zukunft entgegengehen werde; begreiflicherweise nahm die gleichgeschaltete deutsche Presse diese Hetzreden mit Freuden in ihren Blättern auf und verherrlichte den Sprecher als nationalen Märtyrer.
''Die österreichischen Behörden hatten aber von dem verräterischen Treiben dieses "Nationalhelden", dessen Vater die deutsche Sprache kaum zu stammeln vermochte, Wind bekommen und ließen eine Hausdurchsuchung vornehmen. Und siehe da: Der [[Gendarmerie]] fiel eine tadellos zusammengestellte Sammlung von Ausschnitten aus reichsdeutschen Blättern in die Hände, die Dr. Cassio auf seiner Deutschlandreise zusammengetragen und als Andenken an seine Verrätereien mit nach Hause genommen hatte. In diesen Zeitungsausschnitten waren die von ihm gehaltenen Reden veröffentlicht, so daß der Landesverrat klar und eindeutig erwiesen war. Während der Sichtung des Schriftenmaterials durch die Behörde hatte sich aber dieser Held nach bekannten Mustern auf sein Motorrad gesetzt und war über die Grenze geflüchtet, wobei er Weib und Kind und alle seine Parteigenossen schmählich im Stiche ließ!
''Nun kommt aber das dicke und geradezu unglaubliche Ende dieses Heldenlebens. Bereits gestern abends — also beiläufig drei Tage nach seiner Flucht— sprach dieser deutsche Recke durch den Münchener Sender, dem alle deutschen Sender angeschlossen waren, zum "Deutschen Volk" über die Zustände in Oesterreich! Was dieser zweite Raffl den geduldigen Hörern alles vorlog, das ist an und für sich nebensächlich. Tief bedauerlich und geradezu entsetzlich ist nur die Tatsache, daß eine reichsdeutsche amtliche Propagandastelle— und eine solche ist heute jeder deutsche Sender— einen solchen Menschen, der es trotz seiner akademischen Studien und seines Doktorgrades bisher nur bis zu einem mittelmäßigen Schuhplattler gebracht hat, vor das Mikrophon stellt und ihm Gelegenheit gibt, in der niederträchtigsten und verlogensten Weise gegen seine Heimat und das österreichische Brudervolk zu hetzen und zu schüren. Wenn mit amtlicher Zustimmung reichsdeutscher Stellen solche Dinge möglich sind,
dann wird auch das ehrlichste Bemühen unseres Kanzlers Dr. [[Engelbert Dollfuß|Dollfuß]], Wege zu finden, die zur Versöhnung führen, vollkommen zwecklos fein. Die Welt wird aber nach solchen Vorfällen doch nunmehr ganz im klaren sein, aus welcher Seite das alleinige Verschulden an diesem unglückseligen Bruderzwist liegt.
</blockquote>
Die "Oedenburger Zeitung" berichtet in ihrer Ausgabe vom [[28. Juli]] 1933:<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=oed&datum=19330728&query=%22Cassio+Castelpietra%22&ref=anno-search&seite=4 ANNO], "Oedenburger Zeitung", Ausgabe vom 28. Juli 1933, Seite 4</ref>
<blockquote>''Wie die "Innsbrucker Zeitung" aus zuverlässiger Quelle erfährt, sei Doktor Cassio Castelpietra, bekannt durch seine Hetzrede im Münchner Rundfunk gegen Oesterreich, von den reichsdeutschen Behörden wegen verschiedener Schulden und Betrügereien verhaftet und nach dem Konzentrationslager in Dachau gebracht worden. Es soll sich um eine Summe von rund 24.000 S handeln.</blockquote>
Am [[3. Februar]] [[1940]] trat er der Waffen-SS bei und seit [[1. März]] [[1941]] war er bei der SS-Standortkommandantur [[München]]-[[Dachau]], [[20. Februar]] [[1944]] im SS-Lazarett Prag und dann bis [[29. April]] [[1945]] im Straflager der Waffen-SS und bei der Polizei Dachau. Zuletzt war er Sturmbannführer.<ref>[https://www.the-saleroom.com/en-gb/auction-catalogues/hermann-historica-ohg/catalogue-id-srher10032/lot-b55cb590-a9d0-45db-9473-a81600ebfeaa www.the-saleroom.com], von seiner Frau zusammengestelltes, prächtig in Pergament gebundenes Fotoalbum mit Goldprägung eines Adlers über "Deutschland Erwacht", beginnend mit einem Dankesschreiben "Adolf Hitler - Kanzlei - 4.III.35, [[media:Screenshot_2024-10-13_at_10-42-14_Sturmbannführer_Dr._med._Cassio_Castelpietra_(1898_-_)_-_Fotoalbum_Von_seiner_Frau_zusammengest.png|screen print Beleg]]</ref>
In den "[[Salzburger Nachrichten]]" vom [[24. November]] [[1951]] findet sich dann ein Eintrag unter "Ärztlicher Notdienst" von Dr. Castelpietra in Bischofshofen.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=san&datum=19511124&query=%22Cassio+Castelpietra%22&ref=anno-search&seite=8 ANNO], "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 24. November 1951, Seite 8</ref>
=== Familie ===
Dr. Cassio Castelpietra heiratete bei einer Trachtenhochzeit am [[5. Mai]] [[1929]] seine Braut Nora Fröch.<ref>[https://wolfgang-dreier.at/wp-content/papercite-data/pdf/dreier2022zsvk1-negertaenze.pdf wolfgang-dreier.at], pdf, mit Hochzeitsbild</ref><ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vgt&datum=19290601&query=%22Cassio+Castelpietra%22&ref=anno-search&seite=6 ANNO], "Österreichische Alpine, Volks- und Gebirgs-Trachten-Zeitung", Ausgabe 1. Juni 1929, Seite 6: "Die Trachtenhochzeit in Salzburg"</ref>
Der heiratete ein zweites Mal, wie den "Salzburger Nachrichten" vom [[5. Jänner]] [[1953]] zu entnehmen ist:<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=san&datum=19530105&query=%22Cassio+Castelpietra%22&ref=anno-search&seite=6 ANNO], "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 5. Jänner 1953, Seite 6</ref>
<blockquote>''Familiennachrichten. Der um das heimische Brauchtum hochverdiente Gemeindearzt von Mitterberghütten, Dr. Cassio Castelpietra, wird heute, Montag, in Salzburg mit Frau Farida, verw. Scheibenbogen, geb. Steineck, getraut.</blockquote>
== Weblink ==
* [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vgt&datum=19251215&seite=3&zoom=33&query=%22Cassio%2BCastelpietra%22&ref=anno-search ANNO], "Österreichische Alpine, Volks- und Gebirgs-Trachten-Zeitung", Ausgabe vom 15. Dezember 1925, Seite 3, ein Beitrag von Dr. Castelpietra, Ehrenmitglied des 1. öst. Reichsverbandes: "Da muß ich noch Kritik an dem Gauverband üben, dem ich selbst die Ehre habe, als Mitglied anzugehören..."
== Quellen ==
<references/>
{{SORTIERUNG: Castelpietra, Cassio}}
[[Kategorie:Person]]
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