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Nach ihrer Abholung vom Dorfplatz erreichten sie - in manchen Fällen erst nach mehrstündigem Fußmarsch - ihren Einsatzort. Die Anfangsphase war für die größtenteils jungen Arbeiter und Arbeiterinnen aus Polen, Russland und der Ukraine aus mehreren Gründen sehr schwierig. Nach der oft gewaltsamen Trennung vom vertrauten Lebensort, von der eigenen Familie und von den Freunden und nach den traumatisierenden Transporterlebnissen fanden sie sich bei fremden Leuten in fremder Umgebung wieder. Die unverständliche Sprache, die fremden Gewohnheiten, eine meist ungewohnte Arbeit und eine unwirtliche Gebirgslandschaft, die bei Leuten aus der Ebene nicht selten Bedrückung bewirkte, tat zum Unwohlsein der eben Angekommenen das Übrige. Einigen wurde auch noch der eigene Name genommen, da dieser den Einheimischen zu fremdartig erschien. So wurde aus einer Helena beispielsweise eine Helga und aus Jan wurde Johann.  
 
Nach ihrer Abholung vom Dorfplatz erreichten sie - in manchen Fällen erst nach mehrstündigem Fußmarsch - ihren Einsatzort. Die Anfangsphase war für die größtenteils jungen Arbeiter und Arbeiterinnen aus Polen, Russland und der Ukraine aus mehreren Gründen sehr schwierig. Nach der oft gewaltsamen Trennung vom vertrauten Lebensort, von der eigenen Familie und von den Freunden und nach den traumatisierenden Transporterlebnissen fanden sie sich bei fremden Leuten in fremder Umgebung wieder. Die unverständliche Sprache, die fremden Gewohnheiten, eine meist ungewohnte Arbeit und eine unwirtliche Gebirgslandschaft, die bei Leuten aus der Ebene nicht selten Bedrückung bewirkte, tat zum Unwohlsein der eben Angekommenen das Übrige. Einigen wurde auch noch der eigene Name genommen, da dieser den Einheimischen zu fremdartig erschien. So wurde aus einer Helena beispielsweise eine Helga und aus Jan wurde Johann.  
 
=====Arbeitseinsatz und Lebensalltag=====
 
=====Arbeitseinsatz und Lebensalltag=====
Der Arbeitseinsatz ließ nach der Ankunft nicht lange auf sich warten. Es wurden Arbeitsgeräte wie eine Sense oder ein Buckelkorb überreicht und die Eingliederung in die techniklose Gebirgslandwirtschaft mit ihren ungewohnt steilen Hängen, die in reiner Handarbeit unter Mithilfe von Zug- und Tragtieren zu bewältigen war, nahm ihren Lauf. Die Tage waren nun von früh bis spät mit der Versorgung des Viehs und mit Haus-, Holz-, Heu- und Feldarbeiten ausgefüllt. Die Sprachlosigkeit überbrückte man mit dem Vorzeigen und Abschauenlassen der erwarteten Arbeitsleistung. Man überließ den ungeübten Arbeitskräften bei der Viehversorgung anfangs nur die [[Hausschaf|Schafe]] und [[Hausziege|Ziegen]] und betraute sie erst später mit der Betreuung der für die Bauern wertvolleren [[Pinzgauer Rind|Rinder]]. Auf kleineren Höfen war die Arbeitsteilung gering und es fiel daher für alle ein größerer Aufgabenbereich an. Als man immer mehr einheimische Männer zum Militär einzog, übernahmen vor allem die Frauen die in der Landwirtschaft typischen Männerarbeiten. Waren ganze Ausländerfamilien auf einem [[Bauernhof]] im Einsatz, verrichteten die Erwachsenen die landwirtschaftliche Arbeit, während man die Kinder mit Hilfsarbeiten wie Viehhüten oder Brennholztragen beauftragte.
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Der Arbeitseinsatz ließ nach der Ankunft nicht lange auf sich warten. Es wurden Arbeitsgeräte wie eine Sense oder ein Buckelkorb überreicht und die Eingliederung in die techniklose Gebirgslandwirtschaft mit ihren ungewohnt steilen Hängen, die in reiner Handarbeit unter Mithilfe von Zug- und Tragtieren zu bewältigen war, nahm ihren Lauf. Die Tage waren nun von früh bis spät mit der Versorgung des Viehs und mit Haus-, Holz-, Heu- und Feldarbeiten ausgefüllt. Die Sprachlosigkeit überbrückte man mit dem Vorzeigen und Abschauenlassen der erwarteten Arbeitsleistung. Man überließ den ungeübten Arbeitskräften bei der Viehversorgung anfangs nur die [[Hausschaf|Schafe]] und [[Hausziege|Ziegen]] und betraute sie erst später mit der Betreuung der für die Bauern wertvolleren [[Pinzgauer Rind|Rinder]]. Auf kleineren Höfen war die Arbeitsteilung gering und es fiel daher für alle ein größerer Aufgabenbereich an. Als man immer mehr einheimische Männer zum Militär einzog, übernahmen vor allem die Frauen die in der Landwirtschaft typischen Männerarbeiten. Waren ganze Ausländerfamilien auf einem [[Bauernhof]] im Einsatz, verrichteten die Erwachsenen die [[Landwirtschaft|landwirtschaftliche]] Arbeit, während man die Kinder mit Hilfsarbeiten wie Viehhüten oder Brennholztragen beauftragte.
    
Bäuerliches Selbstverständnis bei ausländischen Arbeitskräften, die selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen waren, erhöhte deren Arbeitsmotivation. Jüngere männliche Zwangsarbeiter neigten aus Gründen der erwünschten Anerkennung durch den Dienstgeber, die das eigene Selbstwertgefühl, das durch die traumatisierenden Deportationserfahrungen verloren gegangen war, wieder herstellen sollte, manchmal zur Selbstausbeutung. Auch führte die bestmögliche Ausführung von Arbeitsaufgaben zu einem problemloseren Leben in der Fremde.
 
Bäuerliches Selbstverständnis bei ausländischen Arbeitskräften, die selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen waren, erhöhte deren Arbeitsmotivation. Jüngere männliche Zwangsarbeiter neigten aus Gründen der erwünschten Anerkennung durch den Dienstgeber, die das eigene Selbstwertgefühl, das durch die traumatisierenden Deportationserfahrungen verloren gegangen war, wieder herstellen sollte, manchmal zur Selbstausbeutung. Auch führte die bestmögliche Ausführung von Arbeitsaufgaben zu einem problemloseren Leben in der Fremde.
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