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| | ==Zusammenfassung== | | ==Zusammenfassung== |
| − | In der Regel wurden ausländische Zivilarbeiter und Zivilarbeiterinnen, die in der NS-Zeit auf Bauernhöfen im Pinzgau beschäftigt waren, entgegen den behördlichen Vorgaben mit allen positiven Konsequenzen voll in die bäuerliche Hofgemeinschaft integriert. Ausnahmefälle, in denen rassistische Vorbehalte oder charakterliche Schwächen der Dienstgeber und Dienstgeberinnen zu dauernder schlechter Behandlung oder zu punktuellen Willkürakten führten, bestätigen die Regel. Gegenüber jenen Zwangsarbeitern, die auf den Kraftwerksbaustellen in [[Kaprun]] und in [[Utttendorf]] eingesetzt und dort in Lagern untergebracht wurden, waren die „Fremdarbeiter“ und „Fremdarbeiterinnen“ in der Landwirtschaft in der Regel besser verpflegt und untergebracht. Sie fügten sich meist von sich aus den gegebenen Bedingungen und beuteten sich teilweise förmlich selbst aus, um Anerkennung zu erlangen und so ihren Selbstwert, der durch die Art der Rekrutierung und die Auswüchse der Deportation schwer beeinträchtigt worden war, wieder zu erlangen. | + | In der Regel wurden ausländische Zivilarbeiter und Zivilarbeiterinnen, die in der NS-Zeit auf Bauernhöfen im [[Pinzgau]] beschäftigt waren, entgegen den behördlichen Vorgaben mit allen positiven Konsequenzen voll in die bäuerliche Hofgemeinschaft integriert. Ausnahmefälle, in denen rassistische Vorbehalte oder charakterliche Schwächen der Dienstgeber und Dienstgeberinnen zu dauernder schlechter Behandlung oder zu punktuellen Willkürakten führten, bestätigen die Regel. Gegenüber jenen Zwangsarbeitern, die auf den Kraftwerksbaustellen in [[Kaprun]] und in [[Uttendorf]] eingesetzt und dort in Lagern untergebracht wurden, waren die „Fremdarbeiter“ und „Fremdarbeiterinnen“ in der Landwirtschaft in der Regel besser verpflegt und untergebracht. Sie fügten sich meist von sich aus den gegebenen Bedingungen und beuteten sich teilweise förmlich selbst aus, um Anerkennung zu erlangen und so ihren Selbstwert, der durch die Art der Rekrutierung und die Auswüchse der Deportation schwer beeinträchtigt worden war, wieder zu erlangen. |
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| | Obwohl manche von ihnen bereits vorher Einiges zu erleiden hatten und auch nach ihrem Zwangsarbeitereinsatz aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Bedingungen in ihrem Herkunftsland kein gutes Leben führen konnten, stellte die erzwungene Arbeitsleistung in der Fremde in jedem Fall eine dauerhafte Bruchlinie im Leben aller Betroffener dar. Obwohl einige Pinzgauer Bauernfamilien nach [[1945]] bis heute Kontakt mit ihren ehemaligen „Fremdarbeitern“ und Fremdarbeiterinnen“ halten und diesen auch materielle Zuwendungen leisteten, ist im Gedächtnis der Pinzgauer Bevölkerung betreffend dieses geschichtlichen Kapitels wenig Unrechtsbewusstsein vorhanden. Man ist offenbar der Meinung, dass solche zwanghaften Umstände kriegsimmanent sind, ohne zu realisieren, dass die Deportation eines Menschen zum Zwecke der Zwangsarbeit per se ein Verbrechen darstellt. | | Obwohl manche von ihnen bereits vorher Einiges zu erleiden hatten und auch nach ihrem Zwangsarbeitereinsatz aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Bedingungen in ihrem Herkunftsland kein gutes Leben führen konnten, stellte die erzwungene Arbeitsleistung in der Fremde in jedem Fall eine dauerhafte Bruchlinie im Leben aller Betroffener dar. Obwohl einige Pinzgauer Bauernfamilien nach [[1945]] bis heute Kontakt mit ihren ehemaligen „Fremdarbeitern“ und Fremdarbeiterinnen“ halten und diesen auch materielle Zuwendungen leisteten, ist im Gedächtnis der Pinzgauer Bevölkerung betreffend dieses geschichtlichen Kapitels wenig Unrechtsbewusstsein vorhanden. Man ist offenbar der Meinung, dass solche zwanghaften Umstände kriegsimmanent sind, ohne zu realisieren, dass die Deportation eines Menschen zum Zwecke der Zwangsarbeit per se ein Verbrechen darstellt. |
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| | Einige „Fremdarbeiter“ und „Fremdarbeiterinnen“ blieben auch nach 1945 im Pinzgau oder kehrten hierher zurück. Sie gründeten eine Familie, bauten ein Haus und stellten am Arbeitsplatz ihren „Mann“ oder ihre „Frau“. Dennoch scheint ihr Leben von den damaligen Ereignissen überschattet zu sein, ihr Verhalten einem höheren Anpassungsdruck und ihre Herkunft und Geschichte im eigenen und dem Bewusstsein ihrer Kinder einer gewissen Tabuisierung zu unterliegen. | | Einige „Fremdarbeiter“ und „Fremdarbeiterinnen“ blieben auch nach 1945 im Pinzgau oder kehrten hierher zurück. Sie gründeten eine Familie, bauten ein Haus und stellten am Arbeitsplatz ihren „Mann“ oder ihre „Frau“. Dennoch scheint ihr Leben von den damaligen Ereignissen überschattet zu sein, ihr Verhalten einem höheren Anpassungsdruck und ihre Herkunft und Geschichte im eigenen und dem Bewusstsein ihrer Kinder einer gewissen Tabuisierung zu unterliegen. |
| | * Siehe auch: | | * Siehe auch: |
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| | * [[KZ-Nebenlager im Pinzgau]] | | * [[KZ-Nebenlager im Pinzgau]] |
| | * [[KZ-Nebenlager Uttendorf-Weißsee]] | | * [[KZ-Nebenlager Uttendorf-Weißsee]] |
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| | ==Quellen== | | ==Quellen== |
| | * Alois Nußbaumer, „Fremdarbeiter“ im Pinzgau, Zwangsarbeit/Lebensgeschichten, Edition Tandem, Salzburg 2011 | | * Alois Nußbaumer, „Fremdarbeiter“ im Pinzgau, Zwangsarbeit/Lebensgeschichten, Edition Tandem, Salzburg 2011 |