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==== Brief vom 28. Dezember 1844 ====
 
==== Brief vom 28. Dezember 1844 ====
''Scheerding'' [Schärding, Oberösterreich, Anm.] ''28ten Dez[ember] [1]844.'' [bunter Prägestempel; siehe auch Foto der ersten Seite] ''Meine liebe theure Maly! Obwohl ich Dir<ref>Groß- und Kleinschreibung des "d" ist kaum zu unterscheiden. Bettis Rechtschreibung ist beibehalten worden.</ref> schon einen Brief schrieb, und darauf keine Antwort erhielt, so kann ich unmöglich den Drange meines Herzens wiederstehen, Dir zum neuen Jahre meine herzlichsten Wünsche darzubringen. Viellen Worte enthalte ich mich, den Wortemacherey paßt nicht zu wahren Gefühl; kurz und einfach wünsch ich Dir recht viel Glück, dauerhafte Gesundheit und Erfüllung aller deiner Wünsche; zuletzt noch, daß Du in all‘ Deinem Glück und Wohlseyn, welches ich über Dich herabrufe, mich – immer ein wenig lieb haben möchtest. Jetzt von etwas andern, ich hätte wohl Ursache auf mein liebes Malchen recht böse zu seyn, weil ich von fremder Hand erfahren muß – daß Du Braut bist'' [sie heiratet am 21. April 1846 in Salzburg, Verlobungsdatum unbekannt, Anm.] ''– ist das auch recht mir'' [unterstrichen] ''so etwas zu verschweigen?? – Dafür werde ich mich rächen, Du mußt mich zur Hochzeit einladen, und bin ich nur einmahl bey Dir, dann magst Du sehen wie Du mich wieder los wirst. Frau Mahm Plö[c]kl schrieb uns diese Neuigkeit das Du Herrn Dr. Schlegel'' [Name in latein. Schrift, Anm.] ''heyrathest; ich hoffe näheres von Dir zu erfahren, unendlich würde ich mich freuen, wenn es so ist. O, wie sehne ich mich Dich und Deine gute Mutter wieder zu sehen, mein Geist weilt oft bey euch, wie glücklich war ich dort. Jetzt ist es schon bald ein Jahr das ich bey euch war; welche Wonne für mich, wenn ich den Gedanken Raum geben dürfte Dich bald zu umarmen. Deiner lieben Mutter lasse ich auch Alles herzliche Gute zum neuen Jahr wünschen, und Sie bitten, daß Sie Sich auch meiner manchmahl mit Liebe erinnern möchte. Hr. Hauptman Dr. Schlegel <ref>Worauf sich diese Anrede bezieht, ist unklar; Dr. med. wird Schlegel erst 1851, ca. 1843/45 ist er "Magister der Chirurgie…" an der Klinik in Salzburg.</ref>[,] Theres[,] Madame Pauernfeind'' [&nbsp;[[Paurnfeind]]] ''und Mad''[ame] ''Schlögelhofer bitte ich mir vielmahls zu grüßen. Hr. Hauptmann darf wirklich von Glück sagen – wenn ich nicht nach Salzburg kom, den ich würde Ihm'' [doppelt unterstrichen:] ''kurios den Text lesen – das er mir gar nie ein paar Zeilen schrieb, ich muß gestehen, daß hätte ich von Ihm nicht erwartet. – Ich hoffe das ihr euch Alle wohl befindet, und schon brav Schlittenfahrt, dazu muß es aber mehr Schnee geben wie hier da sieht man noch fast keinen; ich wünsche das Du Dich immer recht gut unterhältst, besser als ich den[n] in Scheerding wird es immer langweiliger. Ich habe einen neuen Mantel von'' [ein Wort gestrichen, Anm.] ''olivengrünen Terno und einen schwarzen Hut bekommen. Jetzt will ich Dich nicht mehr länger mit meinen Schreiben belästigen, lebe recht wohl liebe Maly und nimm nochmahls meine heißesten Wünsche für Dein Wohl, o könnte ich mich mit Worten ausdrücken wie theuer Du mir bist, aber ich hoffe Dir davon noch Beweise geben zu können. Es küßt Dich im Geiste herzlich Dein Dich innigliebende Freundin Betty Kobler. Meine Mutter läßt Dich und Deine liebe Mutter und Theres vielmahls grüßen und auch Alles herzliche Gute zum neuen Jahr wünschen. N''[B]''. Ich bitte Dich theure Maly schreibe mir ja recht bald sonst muß ich glauben das Du mich schon ganz vergeßen hast. –''
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''Scheerding'' [Schärding, Oberösterreich, Anm.] ''28ten Dez[ember] [1]844.'' [bunter Prägedruck; siehe auch Foto der ersten Seite] ''Meine liebe theure Maly! Obwohl ich Dir<ref>Groß- und Kleinschreibung des "d" ist kaum zu unterscheiden. Bettis Rechtschreibung ist beibehalten worden.</ref> schon einen Brief schrieb, und darauf keine Antwort erhielt, so kann ich unmöglich den Drange meines Herzens wiederstehen, Dir zum neuen Jahre meine herzlichsten Wünsche darzubringen. Viellen Worte enthalte ich mich, den Wortemacherey paßt nicht zu wahren Gefühl; kurz und einfach wünsch ich Dir recht viel Glück, dauerhafte Gesundheit und Erfüllung aller deiner Wünsche; zuletzt noch, daß Du in all‘ Deinem Glück und Wohlseyn, welches ich über Dich herabrufe, mich – immer ein wenig lieb haben möchtest. Jetzt von etwas andern, ich hätte wohl Ursache auf mein liebes Malchen recht böse zu seyn, weil ich von fremder Hand erfahren muß – daß Du Braut bist'' [sie heiratet am 21. April 1846 in Salzburg, Verlobungsdatum unbekannt, Anm.] ''– ist das auch recht mir'' [unterstrichen] ''so etwas zu verschweigen?? – Dafür werde ich mich rächen, Du mußt mich zur Hochzeit einladen, und bin ich nur einmahl bey Dir, dann magst Du sehen wie Du mich wieder los wirst. Frau Mahm Plö[c]kl schrieb uns diese Neuigkeit das Du Herrn Dr. Schlegel'' [Name in latein. Schrift, Anm.] ''heyrathest; ich hoffe näheres von Dir zu erfahren, unendlich würde ich mich freuen, wenn es so ist. O, wie sehne ich mich Dich und Deine gute Mutter wieder zu sehen, mein Geist weilt oft bey euch, wie glücklich war ich dort. Jetzt ist es schon bald ein Jahr das ich bey euch war; welche Wonne für mich, wenn ich den Gedanken Raum geben dürfte Dich bald zu umarmen. Deiner lieben Mutter lasse ich auch Alles herzliche Gute zum neuen Jahr wünschen, und Sie bitten, daß Sie Sich auch meiner manchmahl mit Liebe erinnern möchte. Hr. Hauptman Dr. Schlegel <ref>Worauf sich diese Anrede bezieht, ist unklar; Dr. med. wird Schlegel erst 1851, ca. 1843/45 ist er "Magister der Chirurgie…" an der Klinik in Salzburg.</ref>[,] Theres[,] Madame Pauernfeind'' [&nbsp;[[Paurnfeind]]] ''und Mad''[ame] ''Schlögelhofer bitte ich mir vielmahls zu grüßen. Hr. Hauptmann darf wirklich von Glück sagen – wenn ich nicht nach Salzburg kom, den ich würde Ihm'' [doppelt unterstrichen:] ''kurios den Text lesen – das er mir gar nie ein paar Zeilen schrieb, ich muß gestehen, daß hätte ich von Ihm nicht erwartet. – Ich hoffe das ihr euch Alle wohl befindet, und schon brav Schlittenfahrt, dazu muß es aber mehr Schnee geben wie hier da sieht man noch fast keinen; ich wünsche das Du Dich immer recht gut unterhältst, besser als ich den[n] in Scheerding wird es immer langweiliger. Ich habe einen neuen Mantel von'' [ein Wort gestrichen, Anm.] ''olivengrünen Terno und einen schwarzen Hut bekommen. Jetzt will ich Dich nicht mehr länger mit meinen Schreiben belästigen, lebe recht wohl liebe Maly und nimm nochmahls meine heißesten Wünsche für Dein Wohl, o könnte ich mich mit Worten ausdrücken wie theuer Du mir bist, aber ich hoffe Dir davon noch Beweise geben zu können. Es küßt Dich im Geiste herzlich Dein Dich innigliebende Freundin Betty Kobler. Meine Mutter läßt Dich und Deine liebe Mutter und Theres vielmahls grüßen und auch Alles herzliche Gute zum neuen Jahr wünschen. N''[B]''. Ich bitte Dich theure Maly schreibe mir ja recht bald sonst muß ich glauben das Du mich schon ganz vergeßen hast. –''
 
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[Rückseite: "An mein liebes Mahlchen!"] ''Scheerding am 11ten Merz [1]845. Meine liebe meine theuerste Mali! Hier überschicke ich die'' [in latein. Schrift:] ''Zahn-Latwerge für Dich[,] Frau von Klingensprung und Frau Laschenski; sey so gut und übergebe es ihnen. Das Recept habe ich nicht bekommen in der Apotheke geben sie es durchaus nicht her, ich habe mich darüber fürchterlich geärgert indem es doch von uns ist und sie es nicht einmahl abschreiben lassen. Wenn Du der Frau Laschenski sagen möchtest sie solle Hr. Kyrle schreiben der ohnehin zu ihr verwandt ist sie möchte das Recept haben. Dan müßte er es doch schicken und Du könntest Deins dan von ihm abschreiben lassen. Gute Mali wie geht es dir und deiner lieben Mutter? Habt ihr den Namenstag recht angenehm gefeiert? bist Du mit der Tasche fertig geworden? Mein Geldbeutel und Tasche haben sehr viel Beyfall gefunden; o Mali wie viel wie unendlich viel habe ich Dir und Deiner guten Mutter zu verdanken, ich spreche immer von euch, ich kann mich zu Hause noch gar nicht recht angewöhnen, es ist wirklich nicht gut wenn man so lange in einem Ort lebt, wo es einen so gXahl'' [Kleks] ''geht, den mir komt es jetzt ganz spanisch vor – ich erschwert ordentlich über unser kleines von Rauch angeschwärtztes Zimmer. Meine liebe Mutter hatte eine wahre herzliche Freude wie sie mich wieder sah – es ist doch etwas ungemein entzückendes und schönes um die Mutterliebe – und jetzt ist sie krank die Arme. ich mache mir manchmahl Vorwürfe, das ich Schuld bin daran, weil ich so lange ausgeblieben bin, und die Mutter in der Zeit wo viel Kälte hat hat ausstehen müßen; sie hat 3 Tage immer Blut ausgespuckt und ich war schon recht in Angst.'' … besser geworden, hoffentlich bald gesund … "Was macht Hr. [in latein. Schrift:] Docktor [Schlegel, Anm.] ich denke recht oft an Ihn besonders wenn ich mich in Spiegel sehe … bitte grüßen, die Flecken sind noch immer sehr rot … sie hat eingesetzte Zähne, das soll aber niemand wissen, auch die Mutter nicht … ist Mad. Schlegelhofer wieder gesund? … bitte grüßen … "Wie geht es den armen Hr. Hauptmann [Glaeser, Anm.] schreibe mir doch darüber? Nun lebe wohl ich hoffe recht bald etwas von Dir zu hören und küße Dich in Gedanken tausendmahl als Deine Dich innigst liebende Betti." … Grüße an die Mutter, Theres, Mad. Pauernfeind  ([[Paurnfeind]]), Fräulein Julie und Betti Kudorfer … "und überhaupt allen die sich meiner erinnern" … für Theres eine Leinwand [Stoff] … "Schreibe mir ja gewiß recht bald."
 
[Rückseite: "An mein liebes Mahlchen!"] ''Scheerding am 11ten Merz [1]845. Meine liebe meine theuerste Mali! Hier überschicke ich die'' [in latein. Schrift:] ''Zahn-Latwerge für Dich[,] Frau von Klingensprung und Frau Laschenski; sey so gut und übergebe es ihnen. Das Recept habe ich nicht bekommen in der Apotheke geben sie es durchaus nicht her, ich habe mich darüber fürchterlich geärgert indem es doch von uns ist und sie es nicht einmahl abschreiben lassen. Wenn Du der Frau Laschenski sagen möchtest sie solle Hr. Kyrle schreiben der ohnehin zu ihr verwandt ist sie möchte das Recept haben. Dan müßte er es doch schicken und Du könntest Deins dan von ihm abschreiben lassen. Gute Mali wie geht es dir und deiner lieben Mutter? Habt ihr den Namenstag recht angenehm gefeiert? bist Du mit der Tasche fertig geworden? Mein Geldbeutel und Tasche haben sehr viel Beyfall gefunden; o Mali wie viel wie unendlich viel habe ich Dir und Deiner guten Mutter zu verdanken, ich spreche immer von euch, ich kann mich zu Hause noch gar nicht recht angewöhnen, es ist wirklich nicht gut wenn man so lange in einem Ort lebt, wo es einen so gXahl'' [Kleks] ''geht, den mir komt es jetzt ganz spanisch vor – ich erschwert ordentlich über unser kleines von Rauch angeschwärtztes Zimmer. Meine liebe Mutter hatte eine wahre herzliche Freude wie sie mich wieder sah – es ist doch etwas ungemein entzückendes und schönes um die Mutterliebe – und jetzt ist sie krank die Arme. ich mache mir manchmahl Vorwürfe, das ich Schuld bin daran, weil ich so lange ausgeblieben bin, und die Mutter in der Zeit wo viel Kälte hat hat ausstehen müßen; sie hat 3 Tage immer Blut ausgespuckt und ich war schon recht in Angst.'' … besser geworden, hoffentlich bald gesund … "Was macht Hr. [in latein. Schrift:] Docktor [Schlegel, Anm.] ich denke recht oft an Ihn besonders wenn ich mich in Spiegel sehe … bitte grüßen, die Flecken sind noch immer sehr rot … sie hat eingesetzte Zähne, das soll aber niemand wissen, auch die Mutter nicht … ist Mad. Schlegelhofer wieder gesund? … bitte grüßen … "Wie geht es den armen Hr. Hauptmann [Glaeser, Anm.] schreibe mir doch darüber? Nun lebe wohl ich hoffe recht bald etwas von Dir zu hören und küße Dich in Gedanken tausendmahl als Deine Dich innigst liebende Betti." … Grüße an die Mutter, Theres, Mad. Pauernfeind  ([[Paurnfeind]]), Fräulein Julie und Betti Kudorfer … "und überhaupt allen die sich meiner erinnern" … für Theres eine Leinwand [Stoff] … "Schreibe mir ja gewiß recht bald."