| | ''Bei Franz Spängler haben sie auch noch ein altes Costüm von blauer u. brauner gestreifter Seide, mit kurzer Taille und in Zwickel geschnitten, das hatte Frau Gabriele. Für Marie Spängler war das schöne weiße Kleid und denke dir für Frau von Mertens, die sehr zierlich / und kaum größer als meine selige Mutter ist, richteten wir, aus dem Brautkleid meiner Mama ein zweites weißes Costüm her, notabene, ohne etwas zu verschneiden. Bitte, das war kein kleines Kunststück, mit Hilfe eines Halstuches, kunstgerecht gesteckt, stand der Leib ganz gut; wir haben von dem Rest des Seidenkleides ein Paar Ärmel herabgeschnitten, aber so groß, daß ich jederzeit Ärmel für ein Kleid daraus bekomme, die haben wir so geheftet, daß sie die Form der alten Kleiderärmel bekamen. Dazu trug Fr. v. Mertens deine Goldhaube u. eine der beiden Schürzen. Die kleine junge Frau sah allerliebst aus mit ihrem rosigen, freundlichen Gesichtchen, und war so vergnügt. Für Marie trieb mein Mann mit großer Mühe eine zweite Goldhaube auf und Gabriele machte mit wirklichem Genie aus einem Muff eine Pelzhaube, so wie die deiner Mutter. /'' | | ''Bei Franz Spängler haben sie auch noch ein altes Costüm von blauer u. brauner gestreifter Seide, mit kurzer Taille und in Zwickel geschnitten, das hatte Frau Gabriele. Für Marie Spängler war das schöne weiße Kleid und denke dir für Frau von Mertens, die sehr zierlich / und kaum größer als meine selige Mutter ist, richteten wir, aus dem Brautkleid meiner Mama ein zweites weißes Costüm her, notabene, ohne etwas zu verschneiden. Bitte, das war kein kleines Kunststück, mit Hilfe eines Halstuches, kunstgerecht gesteckt, stand der Leib ganz gut; wir haben von dem Rest des Seidenkleides ein Paar Ärmel herabgeschnitten, aber so groß, daß ich jederzeit Ärmel für ein Kleid daraus bekomme, die haben wir so geheftet, daß sie die Form der alten Kleiderärmel bekamen. Dazu trug Fr. v. Mertens deine Goldhaube u. eine der beiden Schürzen. Die kleine junge Frau sah allerliebst aus mit ihrem rosigen, freundlichen Gesichtchen, und war so vergnügt. Für Marie trieb mein Mann mit großer Mühe eine zweite Goldhaube auf und Gabriele machte mit wirklichem Genie aus einem Muff eine Pelzhaube, so wie die deiner Mutter. /'' |
| − | [zweiter Bogen] ''II. Das Goldböderl<ref>sonst: Böndl, der Knauf der [[Goldhaube]]</ref> machte ich aus den Spitzen, die an dem grünseidenen alten Hauberl sind, ebenfalls, ohne etwas zu zerschneiden. Damit die Sachen so wenig wenig als möglich aus meiner Hand kamen, ersuchte ich die drei andern Frauen, sich bei mir anzukleiden, was auch geschah. Die Kleine schlief in unserm Speisezimmer und wir waren im Schlafzimmer. Um 9 1/2 Uhr kam der Wagen, welcher uns zur "Goldenen Ente"<ref>Hotel "Goldenen Ente", Wien, Riemergasse 4, nahe dem Stefansdom, allerdings Neubau von 1886; vorher an gleicher Stelle als Eckhaus Schulerstraße 24 [früher 22].</ref> brachte Zu Hause war noch Frau v Däscher [?] u Fr. v. Angermayer gekom[m]en um uns anzuschauen; wir waren aber auch wirklich hübsch. Beiliegend folgt der Spruch, den wir bei unserm Erscheinen in der Salzb: Ges: sagten, verfaßt hat ihn Vetter Franz Spängler. Dank der Schnelligkeit, mit der die ganze Sache ging, war unse[r] Geheimniß auch nicht verrathen worden, die Männer brachten uns unbemerkt in ein Nebenzimmer, von wo wir wie vom Himmel geschneit mitten unter die Salzburger traten. / | + | [zweiter Bogen] ''II. Das Goldböderl<ref>sonst: Böndl, der Knauf der [[Goldhaube]]</ref> machte ich aus den Spitzen, die an dem grünseidenen alten Hauberl sind, ebenfalls, ohne etwas zu zerschneiden. Damit die Sachen so wenig als möglich aus meiner Hand kamen, ersuchte ich die drei andern Frauen, sich bei mir anzukleiden, was auch geschah. Die Kleine schlief in unserm Speisezimmer und wir waren im Schlafzimmer. Um 9 1/2 Uhr kam der Wagen, welcher uns zur "Goldenen Ente"<ref>Hotel "Goldenen Ente", Wien, Riemergasse 4, nahe dem Stefansdom, allerdings Neubau von 1886; vorher an gleicher Stelle als Eckhaus Schulerstraße 24 [früher 22].</ref> brachte Zu Hause war noch Frau v Däscher [?] u Fr. v. Angermayer gekom[m]en um uns anzuschauen; wir waren aber auch wirklich hübsch. Beiliegend folgt der Spruch, den wir bei unserm Erscheinen in der Salzb: Ges: sagten, verfaßt hat ihn Vetter Franz Spängler. Dank der Schnelligkeit, mit der die ganze Sache ging, war unse[r] Geheimniß auch nicht verrathen worden, die Männer brachten uns unbemerkt in ein Nebenzimmer, von wo wir wie vom Himmel geschneit mitten unter die Salzburger traten. / |
| | ''Wir sagten unsern Spruch; nachdem ein ganzes Halloh vorbei war, setzten wir uns in die Gesellschaft und waren sehr heiter. Denke dir, so verblüfft waren die Herren, daß sie im ersten Augenblick meinten, junge Studenten haben sich verkleidet. Als wir erkannt wurden brach der Beifall auf's Neue los. Wir wurden von allen Seiten bewundert, und sogleich auf's Ernstlichste gebeten, uns fotografiren zu laßen. Am Sonntag Vormittag wurden wir wirklich fotografiert, und zwar einmal alle Vier zusammen, dann Frau v Mertens und ich und zuletzt noch Frau Gabriele allein. Wir sind nun schon sehr neugierig auf die Bilder. Auch der Fotograf versicherte selten so interessante Kostüme gesehen zu haben. Er gab sich alle Mühe, daß die Bilder hübsch ausfallen, und sagte, daß wir uns sehr ruhig gehalten haben. / | | ''Wir sagten unsern Spruch; nachdem ein ganzes Halloh vorbei war, setzten wir uns in die Gesellschaft und waren sehr heiter. Denke dir, so verblüfft waren die Herren, daß sie im ersten Augenblick meinten, junge Studenten haben sich verkleidet. Als wir erkannt wurden brach der Beifall auf's Neue los. Wir wurden von allen Seiten bewundert, und sogleich auf's Ernstlichste gebeten, uns fotografiren zu laßen. Am Sonntag Vormittag wurden wir wirklich fotografiert, und zwar einmal alle Vier zusammen, dann Frau v Mertens und ich und zuletzt noch Frau Gabriele allein. Wir sind nun schon sehr neugierig auf die Bilder. Auch der Fotograf versicherte selten so interessante Kostüme gesehen zu haben. Er gab sich alle Mühe, daß die Bilder hübsch ausfallen, und sagte, daß wir uns sehr ruhig gehalten haben. / |