| | Betti Katzinger [geb. Kobler<ref>Vgl. Briefe 1844 und 1845 ff.</ref>] an Fanni Spängler (* 1848; † 1905; Nr. 19): 20. Mai 1877, Brief aus Grein:<br />''Liebe theure Fanny! Dein letztes herziges Schreiben mit der freudigen Mittheilung deines nahenden Mutterglückes hat mich sehr ja recht sehr erfreut; aber am größten wird meine Freude sein, wenn ich einmahl erfahre, Fanny hat einen frischen gesunden schlimmen Buben oder ein Mäderl bekommen, und hat den Schmerzenskampf glücklich überstanden, Mutter und Kindchen befinden sich wohl, der liebende Gatte ist überglücklich in seiner Vaterfreude'' ... "wenn du und das liebe Kindchen am Leben bleibt, gewiß wird der gütige Gott unser Aller Gebet erhören." ...Wohnungswechsel, deine Schwester; "Das unsere gute Großmutter sich jetzt immer außer den schlechten Augen so wohl befindet, bin ich ebenso erfreut"...; Bräutigam der Ida, die "volle Befriedigung des Herzens"... [eigene] Gesundheit nicht so gut, fühlt sich stets müde, traurig gestimmt, der Mann rät zu einem Arzt, aber kein Vertrauen zu dem hiesigen Doktor, wartet... "welche Freude ich und die gute Großmutter an dir hatten" "...deine alte treue Freundin Betti." Viele Grüße an Schwester Rosa. | | Betti Katzinger [geb. Kobler<ref>Vgl. Briefe 1844 und 1845 ff.</ref>] an Fanni Spängler (* 1848; † 1905; Nr. 19): 20. Mai 1877, Brief aus Grein:<br />''Liebe theure Fanny! Dein letztes herziges Schreiben mit der freudigen Mittheilung deines nahenden Mutterglückes hat mich sehr ja recht sehr erfreut; aber am größten wird meine Freude sein, wenn ich einmahl erfahre, Fanny hat einen frischen gesunden schlimmen Buben oder ein Mäderl bekommen, und hat den Schmerzenskampf glücklich überstanden, Mutter und Kindchen befinden sich wohl, der liebende Gatte ist überglücklich in seiner Vaterfreude'' ... "wenn du und das liebe Kindchen am Leben bleibt, gewiß wird der gütige Gott unser Aller Gebet erhören." ...Wohnungswechsel, deine Schwester; "Das unsere gute Großmutter sich jetzt immer außer den schlechten Augen so wohl befindet, bin ich ebenso erfreut"...; Bräutigam der Ida, die "volle Befriedigung des Herzens"... [eigene] Gesundheit nicht so gut, fühlt sich stets müde, traurig gestimmt, der Mann rät zu einem Arzt, aber kein Vertrauen zu dem hiesigen Doktor, wartet... "welche Freude ich und die gute Großmutter an dir hatten" "...deine alte treue Freundin Betti." Viele Grüße an Schwester Rosa. |
| | + | ''Wien 23/5 1877. Meine liebe Großmutter! Für dein großmüthiges Geschenk, welches der Vater<ref>[[Richard Franz Schlegel]], † 1881</ref> mir überbrachte, sage ich dir meinen und Franzl's innigsten Dank. Es ist nun mein inniges Gebet zu Gott, daß ich dießmal dein Pathengeschenk auch wirklich meinem Kind übergeben könne. Möge es mir vergönnt sein, dich, liebe Großmutter mit einem gesunden Kinderl auf den Armen, hier begrüßen zu dürfen. Ich hoffe zu Gott, daß uns Allen diese Freude werde. Der Vater dessen Besuch mich sehr freut, ist mit meinem Aussehen / recht zufrieden. Ich hätte mich schon gestern für deine große Güte bedankt, alleine gestern war ich eine ganz leichtsinnige Frau. Ich fuhr nämlich schon nach 10 Uhr Vormittags zu Dr: Lorinser<ref>Minna Lorinser, eine Tochter von Dr. Friedrich Lorinser, ist eine Freundin aus Fannis Schulzeit in Salzburg. Die Familie wird in den Briefen seit 1850 mehrfach erwähnt. Dr. Lorinser, Arzt in Wien, betreute die Spänglerkinder.</ref>, und holte den Vater dort ab, ging mit ihm in den Dominikaner Keller, und dann speiste der Vater bei uns. Sogleich nach Tisch fuhren der Vater und ich in den Prater, von wo wir erst gegen 8 Uhr Abends zurückkehrten. Es war gestern nach langer Zeit wieder einmal schön und zugleich warm. |
| | + | ''Abends war ich ordentlich berauscht von der Luft, die ich genoßen hatte. Sei also nicht böse, daß ich erst heute meinen Dank abstatte, er ist deßhalb nicht minder aufrichtig. / Über einen Punkt muß ich mir eine Bemerkung erlauben. Es betrifft das Bett für die Wärterin. Den Zeilen der guten Mutter'' [Spängler] ''glaube ich zu entnehmen, daß du mir Bettzeug schicken willst. Für einige Leintücher und 2 Polster sammt Überzug würde ich sehr dankbar sein, mehr aber brauche ich nicht. Ich kann für die Wärterin, welche doch nur für einige Zeit da sein wird, dann auf der Chaise-longue ein ganz gutes Lager bereiten, das tagsüber wieder fortgeräumt werden kann. Eine Decke habe ich und ein Tuchet ist bei der jezigen Jahreszeit doch überflüßig. Auch weiß ich nicht, wo ich mehr Bettzeug aufheben soll. |
| | + | ''Mit unserer Wohnung sind wir recht zufrieden, auch dem Vater gefällt sie recht gut. Es ist jezt recht hübsch bei uns. Auch meine Toilette konnte ich wieder aufrichten, ich habe einen Überzug von weißem Batist, rosa unterlegt, dazu gemacht, welcher recht hübsch ausfiel. Warst du bei Ida's Hochzeit? ich bin schon neugierig näheres zu hören. Wird das junge Ehepaar nach Wien kommen? Meine Schuld für das Hochzeitsgeschenk, bitte ich dich, dir gelegentlich vom Schwager Otto'' [Spängler] ''zahlen zu lassen, der verrechnet es dann mit Franzl. Indem ich dir nochmals<ref>ergänze: auch im Namen? </ref> meines Mannes'' [?] ''meinen besten Dank sage und Franzl's beste Grüße entrichte, umarme ich dich als deine dankbare und dicke Enkelin Fanni Spangler // An Theres unsere Grüße'' |