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''Roll Karl [ [[Karl Roll]], Anm.] ist verlobt, mit Marie Rauscher. Es war gegenseitig große Einladung, um Weihnachten bei Rauscher bis 12 Nachts war auch die Roll dort, ich glaube am Sonntag darauf, war sie bey Roll. Von beyden, Seiten fühlen sie sich ganz Glücklich. Die Schartl zieht um Nach Wien zu ihren Bruder. Helfte dieses Monnath geht sie fort, sie will sich dort Arbeit suchen. Die Schistl'' [Schiestl, Anm.] ''will sich in Wien 3 Zähne reissen lassen, und auch wegen ihrer sonstigen Gesundheit sich mit einen Arzt besprechen – weil Otto eben in Geschäften hinunter geht, will sie die Gelegenheit benützen, und sich berathen. Louise geht wegen der Ida, um sie bey ihren Gängen zu begleiten. / Ich hoffe Euch ein paar gute Würste senden zu könen, wozu ich Euch einen guten Apedit wünsche. Lebt alle recht wohl von vielen soll ich Euch Glückwünsche zum Neujahr entrichten Lebt Alle recht wohl mit herzlicher Liebe Eure Euch von herzen liebende Mutter Spángler der kleinen Fanerl viele pußerln An Papa und allen Bekanten viele herzlich Grüße.''
 
''Roll Karl [ [[Karl Roll]], Anm.] ist verlobt, mit Marie Rauscher. Es war gegenseitig große Einladung, um Weihnachten bei Rauscher bis 12 Nachts war auch die Roll dort, ich glaube am Sonntag darauf, war sie bey Roll. Von beyden, Seiten fühlen sie sich ganz Glücklich. Die Schartl zieht um Nach Wien zu ihren Bruder. Helfte dieses Monnath geht sie fort, sie will sich dort Arbeit suchen. Die Schistl'' [Schiestl, Anm.] ''will sich in Wien 3 Zähne reissen lassen, und auch wegen ihrer sonstigen Gesundheit sich mit einen Arzt besprechen – weil Otto eben in Geschäften hinunter geht, will sie die Gelegenheit benützen, und sich berathen. Louise geht wegen der Ida, um sie bey ihren Gängen zu begleiten. / Ich hoffe Euch ein paar gute Würste senden zu könen, wozu ich Euch einen guten Apedit wünsche. Lebt alle recht wohl von vielen soll ich Euch Glückwünsche zum Neujahr entrichten Lebt Alle recht wohl mit herzlicher Liebe Eure Euch von herzen liebende Mutter Spángler der kleinen Fanerl viele pußerln An Papa und allen Bekanten viele herzlich Grüße.''
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==== Brief vom 24. Februar 1878 von Fanni Spängler an Fanny Kobler ====
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Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franziska Kobler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel; [Ergänzung]; // = Absatz:<br />
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''Wien 24. Feb: 1878. Liebe Großmutter! Der Zweck meines heutigen Briefes kannst du mal kaum rathen! Denke dir, deine alte Enkelin, die schon so solid ist, möchte sich gerne einen Maskenscherz machen, und wagt es dich zu diesem Behufe recht inständig zu bitten, um die beiden so schönen Seidenkleider, welche noch von deiner seligen Mutter<ref>Franziska Anna Kobler, geb. Hofmann, verwitwet Elixhauser, * 1762; † 1837, verh. mit [[Seraphin Kobler]]. Teile der dargestellten Trachten auf den beiden Fotos stammen demnach von vor 1837. Damit bekommt die [[Salzburger Tracht]] wenigstens ansatzweise einen zusätzlichen, historisch wertvollen Beleg. Gleiches gilt für das Thema [[Fasching]]: Auch die Abbildungen zu den Ansteck-Kokarden und zum Merkheft für Tänze dort stammen aus dem gleichen Familienmilieu der Schlegel und Spängler ([[Franziska Spängler]]), nämlich vom Salzburger Fasching 1871.</ref> da sind, sammt den beiden Hauben, der [[Goldhaube]] u. der hohen Pelzhaube. Die Sache ist nämlich so: Kommenden Samstag ist Fasching abends der Salzburger Gesellschaft, wo aber nur die Herren zusammen kommen.<ref>Vgl. eingeordnet unter 1862 nach dem Brief vom 25. Juni 1862, "weitere Briefe" am Ende von "1862", mit Abbildungen u.a.: ''Faschingszeitung'' […] ''Ansprache der vier Salzburgerinnen bei ihrem unverhofften Erscheinen am 2. März 1878 bei dem Faschingsabend der Salzburger Gesellschaft im Hotel zur Goldenen Ente in Wien'' […genannt werden…] "Frau Kamilla v. Mertens'', das ist Fannis Freundin Camilla von Mertens, ''Frau Gabriele Egghofer, Fanni Spängler'' […] ''und Frau Maria Spängler''. Auf dem einen Foto falsch bezeichnet als ''Marie Eckhofer''. Vgl. auch folgenden, ausführlichen Brief vom 6. März.</ref> Da möchte nun mein Mann, daß ich als Salzburger Bürgersfrau nur auf kurze Zeit erscheinen soll. Die junge Frau von Mertens soll auch mit- / machen, und da könntest du uns halt eine große Freude machen, wenn du uns schicken wolltest was noch von deiner seligen Mutter an alten Sachen vorhanden ist. Wenn du etwas alte Spitzen hast, so bitte ich auch darum, ferners um die lange Haarnadel, die du hast, mit der man die Goldhaube feststeckt. Ich bemerke dir dabei, daß du bis in einer Woche Alles wieder zurück bekommst, und daß ich nicht wagen würde, um alles dieß zu bitten, wenn ich nicht wüßte, daß keinesfalls getanzt wird, daß also die Sachen gewiß nicht verdorben werden.
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''Es war schon als Mädchen immer eine L[i]eblingsidee von mir, einmal in der schönen reichen Tracht alter Salzburgerinnen / zu erscheinen, und du selbst hast manchmal gesagt, daß es eine ganz interessante Maske wäre. // Noch kann ich dir sagen, daß Fr. v. Mertens sich bei mir anziehen würde. Selbstverständlich wird nichts zerschnitten und überhaupt werden wir sorglichst auf Alles Acht geben. O, liebe Großmutter, wenn du uns eine schreckliche Freude machen willst so leihe mir die Sachen. Ich weiß, daß ich dir damit Mühe mache, aber ich weiß auch aus der Zeit, wo ich bei dir war, daß du mich lieb genug hast, mir eine Freude zu verschaffen. Ich bitte dich, schicke mir so bald als möglich die Sachen, denn wir haben doch Einiges zu richten, und meine liebe Tochter läßt uns nicht viel freie Zeit. Sonst geht es uns sehr gut, Franzi ist schon ganz abgestillt, hat / drei Zähne und ist schon sehr lieb. Das Abstillen ist sehr gut hinüber gegangen, und mir geht es sehr gut, sonst würde ich nicht solche Ideen haben. Wenn noch mein Bauernmieder da ist, welches ich als Kellnerin hatte, so lege es bei, da Maria Spängler als Bauernmädchen geht. Auch bitte ich um'' [deinen] ''feinen gelben Beutel, aus einem seidenen Strumpf gemacht, der immer in deinem großen Kasten hängt. // Verzeihe die Bitte und gewähre sie, es thäte uns gar so sehr freuen, und ich ruinire gewiß nichts. // Es ku[ü]ßt dich deine maskennarrische Enkelin.''
 
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