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== Geschichte ==
 
== Geschichte ==
Die ersten Vorläufer der in unseren Gegenden wieder zahlreich restaurierten und als Schaumühlen zeitweise in Betrieb befindlichen [[Gmachlmühle|Gmachl-Mühlen]] sind die griechischen und [[Römer|römischen]] Wassermühlen aus den drei letzten vorchristlichen Jahrhunderten, von denen der griechische Dichter Antipatros von Thessaloniki (104 − 43 v. Chr.), der griechische Geograph Strabo (63 − 20 v. Chr.) und insbesondere der römische Ingenieur, Architekt und Schriftsteller Vitruv (Marcus Vitruvius Pollio, 55 v. Chr. − 14 n. Chr.) berichteten. Die Verbreitung der Wassermühlen in Mitteleuropa erfolgte erst um ca. 400 n. Chr. Es ist erstaunlich, dass sich im Wesentlichen die von Vitruv beschriebene Konstruktion der römischen Wassermühlen bei den Bauernmühlen bis ins [[20. Jahrhundert]] gehalten hat. Im [[19. Jahrhundert|19.]] und 20. Jahrhundert wurden für die großen Lohnmühlen ([[Mautmühle]]n) die Walzenmühlwerke eingeführt, wodurch die hauseigenen Mühlen zunehmend unrentabel wurden. Ein weiterer Grund hiefür ist der Rückgang der Getreideanbauflächen durch das Abgehen von der Selbstversorgung, vor allem im gebirgigen Land. In jüngster Zeit hat Alois Brandstetter mit seinem Roman "Die Mühle" u.a. den Kampf der Müller mit dem Wasser im Verlauf der Geschichte eindrucksvoll geschildert.
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Die ersten Vorläufer der in unseren Gegenden wieder zahlreich restaurierten und als Schaumühlen zeitweise in Betrieb befindlichen [[Gmachlmühle|Gmachl-Mühlen]] sind die griechischen und [[Römer|römischen]] Wassermühlen aus den drei letzten vorchristlichen Jahrhunderten, von denen der griechische Dichter Antipatros von Thessaloniki (104 − 43 v. Chr.), der griechische Geograph Strabo (63 − 20 v. Chr.) und insbesondere der römische Ingenieur, Architekt und Schriftsteller Vitruv (Marcus Vitruvius Pollio, 55 v. Chr. − 14 n. Chr.) berichteten. Die Verbreitung der Wassermühlen in Mitteleuropa erfolgte erst um ca. 400 n. Chr. Es ist erstaunlich, dass sich im Wesentlichen die von Vitruv beschriebene Konstruktion der römischen Wassermühlen bei den Bauernmühlen bis ins [[20. Jahrhundert]] gehalten hat. Im [[19. Jahrhundert|19.]] und 20. Jahrhundert wurden für die großen Lohnmühlen ([[Mautmühle]]n) die Walzenmühlwerke eingeführt, wodurch die hauseigenen Mühlen zunehmend unrentabel wurden. Ein weiterer Grund hiefür ist der Rückgang der Getreideanbauflächen durch das Abgehen von der Selbstversorgung, vor allem im gebirgigen Land. In jüngster Zeit hat Alois Brandstetter mit seinem Roman "Die Mühle" u. a. den Kampf der Müller mit dem Wasser im Verlauf der Geschichte eindrucksvoll geschildert.
    
Die Getreide-Mühle am [[Baderbach]] in Hof bei Salzburg − in der Nähe des [[Kreisverkehr Baderluck|Kreisverkehrs Baderluck]] über dem Wasserfall gelegen − stammt aus dem Jahre [[1823]] und befindet sich im Eigentum (je zur Hälfte) von zwei Bauern (Strumegg und Höfner). Zur Zeit der Errichtung der Mühle war sie zusammen mit einem Bauerngut (Strumegg), das über ein Mühlengemächtnis verfügte, im Eigentum des [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Benediktinerstifts St. Peter]] in der [[Stadt Salzburg]]. St. Peter verwaltete als Grundherrschaft das Bauerngut samt Mühle durch sein grundherrschaftliches Amt in [[Seekirchen]].
 
Die Getreide-Mühle am [[Baderbach]] in Hof bei Salzburg − in der Nähe des [[Kreisverkehr Baderluck|Kreisverkehrs Baderluck]] über dem Wasserfall gelegen − stammt aus dem Jahre [[1823]] und befindet sich im Eigentum (je zur Hälfte) von zwei Bauern (Strumegg und Höfner). Zur Zeit der Errichtung der Mühle war sie zusammen mit einem Bauerngut (Strumegg), das über ein Mühlengemächtnis verfügte, im Eigentum des [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Benediktinerstifts St. Peter]] in der [[Stadt Salzburg]]. St. Peter verwaltete als Grundherrschaft das Bauerngut samt Mühle durch sein grundherrschaftliches Amt in [[Seekirchen]].
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Bei dieser Mühle handelt es sich um eine so genannte Gmachlmühle, auch ''Gmachmühle'' oder ''Gemachmühle'' genannt. Die weit verbreitete Meinung, wonach die Bezeichnung "Gmachlmühle"  eine kleine Mühle betrifft, bei der die gesamte Mühleneinrichtung in einem  einzigen Raum (Gemach) untergebracht wurde (wie es z. B. noch immer irrtümlich in der Beschreibung der so mustergültig renovierten Mühlen in [[Pfarrwerfen]] heißt) ist falsch.
 
Bei dieser Mühle handelt es sich um eine so genannte Gmachlmühle, auch ''Gmachmühle'' oder ''Gemachmühle'' genannt. Die weit verbreitete Meinung, wonach die Bezeichnung "Gmachlmühle"  eine kleine Mühle betrifft, bei der die gesamte Mühleneinrichtung in einem  einzigen Raum (Gemach) untergebracht wurde (wie es z. B. noch immer irrtümlich in der Beschreibung der so mustergültig renovierten Mühlen in [[Pfarrwerfen]] heißt) ist falsch.
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Der Name "[[Gmachlmühle]]" bezeichnet einen Rechtsstatus, weil in den Zeiten der Grundherrschaft (bis 1848) manche der untertänigen Bauern das Recht erhielten (Gemächtnis = Abmachung, Vereinbarung; Gemach = Ordnung, Gesetz), eine Mühle für sich allein oder gemeinsam mit mehreren anderen Bauern zu errichten und zur Deckung des eigenen Bedarfs zu betreiben. Der Gegensatz: Mautmühle, eine von der Grundherrschaft betriebene Mühle, bei der Bauern gegen Abgabe einer Maut (meist ein Teil des Mahlgutes) ihr Getreide mahlen lassen konnten. Es gab u.a. auch Gemachwege und Gemachzäune, die ebenso auf einer Abmachung mit der jeweiligen Grundherrschaft beruhten.
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Der Name "[[Gmachlmühle]]" bezeichnet einen Rechtsstatus, weil in den Zeiten der Grundherrschaft (bis 1848) manche der untertänigen Bauern das Recht erhielten (Gemächtnis = Abmachung, Vereinbarung; Gemach = Ordnung, Gesetz), eine Mühle für sich allein oder gemeinsam mit mehreren anderen Bauern zu errichten und zur Deckung des eigenen Bedarfs zu betreiben. Der Gegensatz: Mautmühle, eine von der Grundherrschaft betriebene Mühle, bei der Bauern gegen Abgabe einer Maut (meist ein Teil des Mahlgutes) ihr Getreide mahlen lassen konnten. Es gab u. a. auch Gemachwege und Gemachzäune, die ebenso auf einer Abmachung mit der jeweiligen Grundherrschaft beruhten.
    
Die Mühle ist "zweigängig", weil sie mit zwei Mahlgängen (Mahlwerken, auch Gossen genannt) ausgestattet ist. Der Antrieb erfolgt über ein oberschlächtiges Wasserrad, dem über eine Holzrinne ein Teil des Wassers des Baderbaches zugeleitet wird. Zum Betrieb eines Mahlwerkes sind ungefähr 150 Liter Wasser je Sekunde notwendig. Manche Mühlen dieser Bauart wurden auch als "Wolkenbruchmühlen" bezeichnet, weil nur nach einem starken Regen genügend Wasser zum Antrieb vorhanden war. Die Leistung eines oberschlächtigen Mühlrades ist größer als die eines unterschlächtigen, weil nicht nur die Strömungsenergie, sondern vor allem die Schwerkraftwirkung des auf die Oberseite des Rades zugeführten Wassers auf die Schaufeln ausgenützt wird. Sie beträgt bei der Baderbachmühle etwa zwei bis vier Kilowatt. Die Bezeichnungen "ober-, mittel- oder unterschlächtig" leiten sich vom Aufschlagen des Wassers auf die Schaufeln des Mühlrades ab. In der Mühle wurde bis in die [[1960er]]-Jahre Getreide verschiedener Art gemahlen (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer). Die Kapazität der Mühle betrug etwa 150 kg Mehl in 24 Stunden.
 
Die Mühle ist "zweigängig", weil sie mit zwei Mahlgängen (Mahlwerken, auch Gossen genannt) ausgestattet ist. Der Antrieb erfolgt über ein oberschlächtiges Wasserrad, dem über eine Holzrinne ein Teil des Wassers des Baderbaches zugeleitet wird. Zum Betrieb eines Mahlwerkes sind ungefähr 150 Liter Wasser je Sekunde notwendig. Manche Mühlen dieser Bauart wurden auch als "Wolkenbruchmühlen" bezeichnet, weil nur nach einem starken Regen genügend Wasser zum Antrieb vorhanden war. Die Leistung eines oberschlächtigen Mühlrades ist größer als die eines unterschlächtigen, weil nicht nur die Strömungsenergie, sondern vor allem die Schwerkraftwirkung des auf die Oberseite des Rades zugeführten Wassers auf die Schaufeln ausgenützt wird. Sie beträgt bei der Baderbachmühle etwa zwei bis vier Kilowatt. Die Bezeichnungen "ober-, mittel- oder unterschlächtig" leiten sich vom Aufschlagen des Wassers auf die Schaufeln des Mühlrades ab. In der Mühle wurde bis in die [[1960er]]-Jahre Getreide verschiedener Art gemahlen (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer). Die Kapazität der Mühle betrug etwa 150 kg Mehl in 24 Stunden.