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Franz Löser, 1889 in Neunkirchen in Niederösterreich geboren, ist der Verfasser des Mondseer Jedermanns.  
 
Franz Löser, 1889 in Neunkirchen in Niederösterreich geboren, ist der Verfasser des Mondseer Jedermanns.  
 
Löser, der mit Hermann Bahr bekannt war und dessen Bibliothek nutzte, trat durch diese Bekanntschaft in ersten Kontakt mit Hugo von Hofmannsthal. Inwiefern jene ersten Be-gegnungen der beiden Autoren fruchtbar für Lösers Arbeit waren ist aber nicht weiter bekannt. Der niederösterreichische Autor verkehrte aber nicht nur in den Kreisen Bahrs sondern gab insgesamt elf Jahre lang den Spielansager in Hofmannsthals Jedermann bei den Salzburger Festspielen. Durch dieses Engagement stand er in direktem Kontakt zu Max Reinhardt, der Regie führte und zu Hugo von Hofmannsthal, der sich während seiner langjährigen Arbeit an den Salzburger Festspielen meist am Festspielort aufhielt. Darüber hinaus war ihm bekannt, welches Publikum die Festspiele besuchte und welche Eindrücke das Stück bei diesem hinterließ:
 
Löser, der mit Hermann Bahr bekannt war und dessen Bibliothek nutzte, trat durch diese Bekanntschaft in ersten Kontakt mit Hugo von Hofmannsthal. Inwiefern jene ersten Be-gegnungen der beiden Autoren fruchtbar für Lösers Arbeit waren ist aber nicht weiter bekannt. Der niederösterreichische Autor verkehrte aber nicht nur in den Kreisen Bahrs sondern gab insgesamt elf Jahre lang den Spielansager in Hofmannsthals Jedermann bei den Salzburger Festspielen. Durch dieses Engagement stand er in direktem Kontakt zu Max Reinhardt, der Regie führte und zu Hugo von Hofmannsthal, der sich während seiner langjährigen Arbeit an den Salzburger Festspielen meist am Festspielort aufhielt. Darüber hinaus war ihm bekannt, welches Publikum die Festspiele besuchte und welche Eindrücke das Stück bei diesem hinterließ:
            ''„Als Spielansager bei den Salzburger Jedermann-Aufführungen in den Jahren 1920/21, unter Professor Max Reinhardts Leitung,  
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erlebte ich den ungeheuren Erfolg und die tiefen Eindrücke, die dieses Spiel auslöst.“[1]''
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''„Als Spielansager bei den Salzburger Jedermann-Aufführungen in den Jahren 1920/21, unter Professor Max Reinhardts Leitung, erlebte ich den ungeheuren Erfolg und die tiefen Eindrücke, die dieses Spiel auslöst.“[1]''
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Hofmannsthals Bestrebung, das Stück dem Volk zu geben, hat nach Lösers Ermessen und nach dessen Bild von Österreich nur bedingt gefruchtet: Der sprachliche Stil Hofmannsthals, sein Hochdeutsch, die festlich-edle Aufmachung der Festspiele in Salzburg und die Kosten hielten das einfache Volk, die Bauern und Dorfbewohner der Umgebung fern; Zielgruppe war ein gehobenes Bildungsbürgertum. Jedoch wurde an Löser häufig der Wunsch herangetragen, das Stück außerhalb der Salzburger Festlichkeiten und in neuem, volkstümlichen Gewand sehen zu können:
 
Hofmannsthals Bestrebung, das Stück dem Volk zu geben, hat nach Lösers Ermessen und nach dessen Bild von Österreich nur bedingt gefruchtet: Der sprachliche Stil Hofmannsthals, sein Hochdeutsch, die festlich-edle Aufmachung der Festspiele in Salzburg und die Kosten hielten das einfache Volk, die Bauern und Dorfbewohner der Umgebung fern; Zielgruppe war ein gehobenes Bildungsbürgertum. Jedoch wurde an Löser häufig der Wunsch herangetragen, das Stück außerhalb der Salzburger Festlichkeiten und in neuem, volkstümlichen Gewand sehen zu können:
          '' „Der Wunsch Vieler, besonders aber der ländlichen Bevölkerung, den „Jedermann“ von volkstümlichen Darstellern gespielt zu sehen,  
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oder ihn in der Mundart lesen zu können, veranlaßte [sic!] mich das Werk im Einvernehmen mit dem Dichter einer teilweisen Umarbeitung zu unterziehen.“''[2]
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''„Der Wunsch Vieler, besonders aber der ländlichen Bevölkerung, den „Jedermann“ von volkstümlichen Darstellern gespielt zu sehen, oder ihn in der Mundart lesen zu können, veranlaßte [sic!] mich das Werk im Einvernehmen mit dem Dichter einer teilweisen Umarbeitung zu unterziehen.“[2]''
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Die Entscheidung für eine Mundartfassung scheint jedoch nicht bloß die Antwort auf die an ihn gestellten Bitten zu sein, sondern trägt auch eine deutliche Abgrenzung zum Jedermann bei Hofmannsthal in sich. Letzterer wurzelt in der Sichtweise, die sein Verfasser auf den Begriff „Österreich“ hatte und ist dieser somit verpflichtet. Es wäre für Hofmannsthal nicht möglich gewesen eine Dialektfassung zu schreiben, ohne seinen Wunsch diesem geistig-elitären Begriff Ausdruck zu verleihen, aufgeben zu müssen.  
 
Die Entscheidung für eine Mundartfassung scheint jedoch nicht bloß die Antwort auf die an ihn gestellten Bitten zu sein, sondern trägt auch eine deutliche Abgrenzung zum Jedermann bei Hofmannsthal in sich. Letzterer wurzelt in der Sichtweise, die sein Verfasser auf den Begriff „Österreich“ hatte und ist dieser somit verpflichtet. Es wäre für Hofmannsthal nicht möglich gewesen eine Dialektfassung zu schreiben, ohne seinen Wunsch diesem geistig-elitären Begriff Ausdruck zu verleihen, aufgeben zu müssen.  
  

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