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| | Löser verfasste seine Dialektfassung im Jahr 1921, das Stück wurde im Jahre 1922 uraufgeführt. Seine Fassung des "Jedermann" ist an die in Salzburg aufgeführte Version Hofmannsthals angelehnt und wurde von Hofmannsthal selbst abgesegnet und mit einem Vorwort versehen. Franz Löser veränderte die ursprüngliche Fassung dahingehend, dass er die Hochsprache, die Hofmannsthal in seinem Werk verwendet, nur zum Teil übernimmt. Es handelt sich zudem um einen "bereinigten" Dialekt, aus dem Löser bestimmte Spezifika entfernt hat, die ihn zu sehr an eine bestimmte Region oder ein bestimmtes Dorf binden würden. Durch diesen Kompromiss ist es möglich, dass Stück zwar in Mundart zu übertragen, es aber dennoch überregional zu halten. So wird beispielsweise durch die Verwendung des Wortes „Enk“ für „Euch“ erkennbar, dass es sich um eine Dialektform Oberösterreichs oder Salzburgs in der Nähe des Salzkammer-gutes handeln muss. Eine genaue Bestimmung um welches Dorf oder welche Stadt es sich hierbei handeln könnte ist jedoch nicht möglich. | | Löser verfasste seine Dialektfassung im Jahr 1921, das Stück wurde im Jahre 1922 uraufgeführt. Seine Fassung des "Jedermann" ist an die in Salzburg aufgeführte Version Hofmannsthals angelehnt und wurde von Hofmannsthal selbst abgesegnet und mit einem Vorwort versehen. Franz Löser veränderte die ursprüngliche Fassung dahingehend, dass er die Hochsprache, die Hofmannsthal in seinem Werk verwendet, nur zum Teil übernimmt. Es handelt sich zudem um einen "bereinigten" Dialekt, aus dem Löser bestimmte Spezifika entfernt hat, die ihn zu sehr an eine bestimmte Region oder ein bestimmtes Dorf binden würden. Durch diesen Kompromiss ist es möglich, dass Stück zwar in Mundart zu übertragen, es aber dennoch überregional zu halten. So wird beispielsweise durch die Verwendung des Wortes „Enk“ für „Euch“ erkennbar, dass es sich um eine Dialektform Oberösterreichs oder Salzburgs in der Nähe des Salzkammer-gutes handeln muss. Eine genaue Bestimmung um welches Dorf oder welche Stadt es sich hierbei handeln könnte ist jedoch nicht möglich. |
| | Desweiteren hat Löser nicht allen Figuren des Dramas dialektale Rede zu Teil werden lassen. Die allegorischen Figuren – Gott, Glaube, Teufel und Tod – sowie der Kumpan Jedermanns sprechen hochdeutsch. Die Begründung hierfür ist unterschiedlich. Die Übertragung des Dramas durch Löser hat nicht ausschließlich den Wortlaut, sondern auch den Schauplatz des Geschehens geändert. Sein Jedermann ist ein reicher Bauer, dessen Leben in ländlicher – und daher dialektgeprägter – Umgebung stattfindet. Dessen Kumpan hingegen stammt aus der Stadt, weswegen er keinen Dialekt benutzt. Der Autor wollte sich zudem an den Charakter des guten Gesellen bei Hofmannsthal anlehnen: | | Desweiteren hat Löser nicht allen Figuren des Dramas dialektale Rede zu Teil werden lassen. Die allegorischen Figuren – Gott, Glaube, Teufel und Tod – sowie der Kumpan Jedermanns sprechen hochdeutsch. Die Begründung hierfür ist unterschiedlich. Die Übertragung des Dramas durch Löser hat nicht ausschließlich den Wortlaut, sondern auch den Schauplatz des Geschehens geändert. Sein Jedermann ist ein reicher Bauer, dessen Leben in ländlicher – und daher dialektgeprägter – Umgebung stattfindet. Dessen Kumpan hingegen stammt aus der Stadt, weswegen er keinen Dialekt benutzt. Der Autor wollte sich zudem an den Charakter des guten Gesellen bei Hofmannsthal anlehnen: |
| − | '' „Nicht in den Dialekt übertragen wurden ,Jedermanns Kumpan' (der gute Geselle) und zwar lediglich aus charakterlichen Gründen. | + | '' „Nicht in den Dialekt übertragen wurden ,Jedermanns Kumpan' (der gute Geselle) und zwar lediglich aus charakterlichen Gründen. Ich habe diese Figur nur teilweise modernisiert“[1]'' |
| − | Ich habe diese Figur nur teilweise modernisiert“[1]'' | |
| | Die Dialektlosigkeit der allegorischen Figuren hingegen ist anders zu erklären. Sowohl Glaube, als auch Gott, Teufel und Tod sind keine irdischen Wesen. Der Dialekt hingegen ist, durch seine regionale Gebundenheit, eine sehr irdische Sprachform, die menschlichen, nicht aber allegorischen Figuren zusteht. Zudem spielt hier die Dialektsoziologie erneut eine große Rolle: Würden die allegorischen Figuren, wie etwa in Fitzgerald Kusz „fränkischem Jeder-mann“ oder Franz von Kobells „G'schicht' von' Brandner-Kasper“, im Dialekt reden, müsste man sie im unteren Bereich der soziologischen Schichtung einordnen. Entweder in einem familiären oder freundschlaftlichen Verhältnis zum restlichen Dramenpersonal und auch zum Leser oder in einer sozialen Riege mit Bauern, Arbeitern und Dorfbevölkerung. Sie würden ihre Un(be)greifbarkeit einbüßen und zwangsläufig zu lächerlichen Figuren werden. Löser betrachtet die Übernahme der hochdeutschen Texte hier als selbstverständlich: | | Die Dialektlosigkeit der allegorischen Figuren hingegen ist anders zu erklären. Sowohl Glaube, als auch Gott, Teufel und Tod sind keine irdischen Wesen. Der Dialekt hingegen ist, durch seine regionale Gebundenheit, eine sehr irdische Sprachform, die menschlichen, nicht aber allegorischen Figuren zusteht. Zudem spielt hier die Dialektsoziologie erneut eine große Rolle: Würden die allegorischen Figuren, wie etwa in Fitzgerald Kusz „fränkischem Jeder-mann“ oder Franz von Kobells „G'schicht' von' Brandner-Kasper“, im Dialekt reden, müsste man sie im unteren Bereich der soziologischen Schichtung einordnen. Entweder in einem familiären oder freundschlaftlichen Verhältnis zum restlichen Dramenpersonal und auch zum Leser oder in einer sozialen Riege mit Bauern, Arbeitern und Dorfbevölkerung. Sie würden ihre Un(be)greifbarkeit einbüßen und zwangsläufig zu lächerlichen Figuren werden. Löser betrachtet die Übernahme der hochdeutschen Texte hier als selbstverständlich: |
| − | ''„Welche Motive mich bewegten, die Stimme des Herrn, Glaube, Tod und Teufel in der alten Sprache zu lassen werden jedem denkenden Menschen | + | ''„Welche Motive mich bewegten, die Stimme des Herrn, Glaube, Tod und Teufel in der alten Sprache zu lassen werden jedem denkenden Menschen leicht begreiflich erscheinen.“[2]'' |
| − | leicht begreiflich erscheinen.“[2]'' | |
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| | Die Dialektfassung Lösers steht also in einem anderen soziologischen Umfeld als die hochdeutsche Fassung Hofmannsthals und lässt überdies noch die unterschiedlichen Einstellungen beider Autoren zu Österreich und deren Selbstverständnis als Österreicher erkennbar werden. Löser betrachtet Österreich nicht als geistigen Begriff, sondern als Nation und Heimat. Er ist dieser gegenüber positiv eingestellt, muss aber nicht davor zurück-schrecken Dialekt zu verwenden. Er kann ihn bewusst einsetzen, um sich selbst ebenso wie seine Figuren in die Reihen der Dialekt nutzenden Schicht der Bevölkerung einzugliedern und dem Stück „in seiner neuen Form [zu] weiteste[r] Verbreitung“[3] zu verhelfen. | | Die Dialektfassung Lösers steht also in einem anderen soziologischen Umfeld als die hochdeutsche Fassung Hofmannsthals und lässt überdies noch die unterschiedlichen Einstellungen beider Autoren zu Österreich und deren Selbstverständnis als Österreicher erkennbar werden. Löser betrachtet Österreich nicht als geistigen Begriff, sondern als Nation und Heimat. Er ist dieser gegenüber positiv eingestellt, muss aber nicht davor zurück-schrecken Dialekt zu verwenden. Er kann ihn bewusst einsetzen, um sich selbst ebenso wie seine Figuren in die Reihen der Dialekt nutzenden Schicht der Bevölkerung einzugliedern und dem Stück „in seiner neuen Form [zu] weiteste[r] Verbreitung“[3] zu verhelfen. |