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Dieser Artikel berichtet über das '''Wetter im Sommer 2023'''.
 
Dieser Artikel berichtet über das '''Wetter im Sommer 2023'''.
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== Übersicht ==
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== Rückblick ==
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==== 1923: Ein verrückter Sommer vor 100 Jahren ====
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Ein Beitrag in den "[[Salzburger Nachrichten]]"<ref>[https://www.sn.at/panorama/klimawandel/hitzewelle-und-unwetter-welche-parallelen-das-wetter-vor-100-jahren-zu-heute-zeigt-143441080 www.sn.at], 12. August 2023</ref> von [[Franz Schausberger]], Universitätsprofessor für Neuere Österreichische Geschichte und ehemaliger [[Landeshauptmann]] von Salzburg.
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Im Juli [[2023]] litten die Menschen in vielen europäischen Ländern unter enormer Hitze, vor allem [[Spanien]], [[Italien]] und [[Griechenland]]. In Südeuropa kämpfte man gegen Waldbrände, es gab zahlreiche Hitzetote. Für die immer häufigeren Extremwetterlagen  soll der Klimawandel verantwortlich sein. Für den Historiker ist die Frage interessant, ob es in der Geschichte wenn schon nicht gleiche, so doch ähnliche klimatische Einzelsituationen gegeben hat und wie die Menschen damals damit umgegangen sind. Etwa genau vor hundert Jahren, im Juni und Juli [[1923]], stießen die Historiker auf ähnliche Ereignisse, wie wir sie diesen Sommer erleben.
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Österreich verzeichnete 1923 den kältesten Juni seit Jahrhunderten mit Temperaturen von maximal zehn Grad. Es war durchgehend nasskalt, in den Alpentälern schneite es und man fürchtete, dass der Sommer gar nicht mehr kommen würde.
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Ganz im Gegenteil dazu meldeten Zeitungen, dass die [[USA]] im Juni und Anfang Juli 1923 unter furchtbarer Hitze litten. Im Osten und im mittleren Westen stieg das Thermometer auf weit über 35 Grad im Schatten und erreichte damit die höchste Junitemperatur seit 1893. Zugpassagiere in New York mussten in der Hitze des Grand-Central-Bahnhofs stundenlang warten, weil die Isolierungen der elektrischen Eisenbahn wegen der Hitze durchgeschmolzen waren. Innerhalb kürzester Zeit wurden zahlreiche Hitzetote gemeldet. In New York drehte die Feuerwehr die Straßenhydranten auf, um den glühend heißen Asphalt abzukühlen. Die Wasserstrahlen wurden von den Menschen als kalte Dusche genutzt. Der Hitzeperiode in den USA folgten Gewitter und schwere Wirbelstürme, die große Schäden anrichteten. Bei Orkanen wurden 50 Menschen getötet und bis zu 200 schwer verletzt. Telegrafenmasten knickten wie Streichhölzer um. Am [[26. Juni]] 1923 wurde der bekannte Komiker und Schauspieler Bert Savoy am Strand von Long Island tödlich vom Blitz getroffen. In manchen Staaten der USA stiegen die Temperaturen auf bis zu 50 Grad im Schatten.
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Über den Atlantik kam das Extremwetter nach Europa. In der zweiten Juliwoche 1923 stieg in [[London]] das Thermometer zu Mittag auf mehr als 30 Grad im Schatten. Der [[11. Juli]] brachte einen sechsstündigen wolkenbruchartigen Regen. Die Abgeordneten des Parlaments, die an einer Nachtsitzung des Unterhauses teilgenommen hatten, konnten das Gebäude nicht verlassen. Am nächsten Tag betrug die Temperatur zu Mitternacht 32 Grad - eine in London bis dahin noch nie registrierte Temperatur.
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Die nächsten besorgniserregenden Meldungen kamen aus [[Frankreich]]. Durch die außergewöhnliche Hitze wurden dort Eisenbahnschienen derart deformiert, dass Störungen im Zugverkehr entstanden. Aus der Gemeinde Vesoul an der Bahnstrecke Paris-Mülhausen wurde berichtet, dass ein Zug entgleiste. Es gab einen Toten und einen Schwerverletzten. In der Nähe von Nancy konnte eine ähnliche Zugkatastrophe im letzten Moment verhindert werden. Die Mengen an Eis, die in den Boulevardcafés gegessen wurden, waren laut Berichten enorm. Das Eisessen war die Hauptbeschäftigung der Pariser, die die Stadt nicht verlassen konnten. Es waren nur jene zu beneiden, die "unbeweglich auf den Terrassen der Boulevardcafés" saßen und deren einzige körperliche und geistige Leistung während des ganzen Tages in dem halbstündig wiederholten Ruf bestand: "Kellner, bitte, ein Gefrornes, aber schnell!" Wer hoffte, der lähmenden Hitze in der Stadt entrinnen zu können, wurde enttäuscht. An den Seine-Ufern war es noch heißer als in der Innenstadt und in den Wäldern um Paris war die Luft so dick und schwer, dass man kaum atmen konnte. Die Temperatur stieg auf bis zu 38 Grad Celsius.
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In [[Deutschland]] litten die Menschen im Sommer 1923 nicht nur an der Hitze, sondern auch an der Hyperinflation, die zu einem teilweisen Zusammenbruch der Wirtschaft und des Bankensystems führte. In Berlin waren die öffentlichen Rettungsstellen rund um die Uhr im Einsatz und mussten viele Fälle von Hitzschlag behandeln.
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In [[Wien]] herrschte am Sonntag, [[15. Juli]] 1923, eine tropische Hitze. Die Menschen flohen aus der Stadt, die Badeanstalten waren hoffnungslos überfüllt. Vier Menschen ertranken beim Baden. "Am Sonntag keuchten die Wagen der Straßenbahn, die Bierkellner und das Publikum", meldete das "Illustrierte Wiener Extrablatt". An der Donau und im Gänsehäufel badeten Zehntausende. "Die sonst ängstlich gehütete Prüderie und Zurückhaltung machte dem einzigen Bestreben Platz, so wenig als möglich am Leibe zu haben, dagegen dem Schatten, dem Wasser und dem leider so seltenen Lufthauch so viel Angriffsflächen als möglich zu bieten", schrieb die Zeitung. "Bewunderer der Damen konnten auf stundenlangen Wanderungen auf den alten Treidelwegen der Donauschiffer mehr als reichlich auf ihre Kosten kommen." Aufregung über die Voyeure gab es nicht. Es war einfach zu heiß dafür. Wegen des gestiegenen Wasserverbrauchs und der wirkungslosen Aufrufe der Wiener Stadtverwaltung, mit dem Wasser sparsam umzugehen, drohte die Behörde, die Straßenbesprengung und die Bekämpfung der Staubplage einzuschränken. Das Ergebnis war bescheiden.
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Ende Juli ließ die Hitze nach. Und hier geht die Parallele weiter: Denn bis Mitte August wurden große Teile Österreichs auch vor 100 Jahren von schweren Unwettern heimgesucht, die schweren Schaden und Vermurungen auslösten. Vor allem in [[Kärnten]] (und im angrenzenden [[Slowenien]]), im Marchfeld und im Stubai- und Kaunertal verschütteten [[Mure]]n Höfe und Straßen. Blitzschläge lösten zahlreiche Brände aus. In [[Kaprun]] richtete ein furchtbares Unwetter Verwüstungen an, ebenso im Mittelburgenland - wo Häuser wie Felder und Ernten vernichtet wurden. In Steyr wurde während eines schweren Unwetters eine junge Frau mit ihrer Tochter von einem Blitz getroffen und getötet.
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== Überblick Sommer 2023 ==
 
Die Temperaturen entwickelten sich im Mai und Juni eher verhalten. Mitte Juni waren einige hochsommerliche Tage mit Werten um oder über 30 °C. Die Juli-Temperaturen sanken mehrheitlich unter 30 °C  (Dienstag, [[10. Juli]], knapp über 35 °C, Mittwoch, [[27. Juli]], knapp über 14 °C<ref>Wetterdaten Wetterstation Mattsee, abgerufen über [https://www.wetteronline.de/wetterdaten/neumarkt-am-wallersee?pcid=pc_rueckblick_data&gid=11152&pid=p_rueckblick_diagram&sid=StationHistory&iid=11152&metparaid=TXLD&period=4&month=07&year=2023 /www.wetteronline.de/wetterdaten]</ref>).
 
Die Temperaturen entwickelten sich im Mai und Juni eher verhalten. Mitte Juni waren einige hochsommerliche Tage mit Werten um oder über 30 °C. Die Juli-Temperaturen sanken mehrheitlich unter 30 °C  (Dienstag, [[10. Juli]], knapp über 35 °C, Mittwoch, [[27. Juli]], knapp über 14 °C<ref>Wetterdaten Wetterstation Mattsee, abgerufen über [https://www.wetteronline.de/wetterdaten/neumarkt-am-wallersee?pcid=pc_rueckblick_data&gid=11152&pid=p_rueckblick_diagram&sid=StationHistory&iid=11152&metparaid=TXLD&period=4&month=07&year=2023 /www.wetteronline.de/wetterdaten]</ref>).
    
Anfang August setzten starke Regenfälle ein, die vom [[3. August|3.]] bis [[7. August]] [[2023]] dauerten, wobei die meisten Niederschläge am [[5. August]] fielen. Am [[8. August]] blieb es trocken bei Temperaturen um 20 °C, bevor es am [[9. August]] neuerlich regnete, wenngleich nur wenig. Am [[10. August]] kam dann wieder die Sonne zum Vorschein und ab Freitag, [[11. August]], erreichten die Temperaturen wieder Werte über 25 °C, am Wochenende [[12. August|12.]] und [[13. August]], sowie Montag, [[14. August]], sogar 30 °C und etwas darüber (Datenstand am 11. August 2023 lt. Wetterdienste).
 
Anfang August setzten starke Regenfälle ein, die vom [[3. August|3.]] bis [[7. August]] [[2023]] dauerten, wobei die meisten Niederschläge am [[5. August]] fielen. Am [[8. August]] blieb es trocken bei Temperaturen um 20 °C, bevor es am [[9. August]] neuerlich regnete, wenngleich nur wenig. Am [[10. August]] kam dann wieder die Sonne zum Vorschein und ab Freitag, [[11. August]], erreichten die Temperaturen wieder Werte über 25 °C, am Wochenende [[12. August|12.]] und [[13. August]], sowie Montag, [[14. August]], sogar 30 °C und etwas darüber (Datenstand am 11. August 2023 lt. Wetterdienste).
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Nach der Regenperiode Anfang war am Samstag, [[12. August]] [[2023]] wieder ein Badetag mit Temperaturen knapp über 30 °C in der [[Stadt Salzburg]].<ref>[https://www.wetteronline.de/wetterdaten/salzburg?metparaid=TXLD&period=4 www.wetteronline.de/wetterdaten]</ref> Am Samstagabend zog urplötzlich eine Gewitterzelle über Teile Salzburgs hinweg. Für Warnungen war es bereits zu spät, sagte ein Meteorologe. Die Gewitterzelle zog von Bayern auf und erreichte gegen 20 Uhr die Stadt Salzburg. Dass sie Teile der Stadt Salzburg treffen würde, war vorab nicht klar. Im [[Freibad Leopoldskron]] verursachte der Sturm große Schäden und es musste am Sonntag, der noch höhere Temperaturen brachte, geschlossen bleiben. Bäume waren umgestürzt, begruben Wege und Sandkisten unter sich, Äste und Blätter fielen in die Schwimmbecken. Wasser trat auch in das [[Großes Festspielhaus|Große Festspielhaus]] ein.<ref>[[SALZBURG24]] vom [https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/lepi-wegen-sturmschaeden-vorerst-gesperrt-143583640 13. August 2023] sowie [https://www.sn.at/salzburg/chronik/gewitterzelle-zog-ueber-teile-der-stadt-salzburg-hinweg-143563129 www.sn.at], 13. August 2023</ref>  
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Nach der Regenperiode Anfang war am Samstag, [[12. August]] [[2023]] wieder ein Badetag mit Temperaturen knapp über 30 °C in der [[Stadt Salzburg]].<ref>[https://www.wetteronline.de/wetterdaten/salzburg?metparaid=TXLD&period=4 www.wetteronline.de/wetterdaten]</ref> Am Samstagabend zog urplötzlich eine Gewitterzelle über Teile Salzburgs hinweg. Für Warnungen war es bereits zu spät, sagte ein Meteorologe. Die Gewitterzelle zog von Bayern auf und erreichte gegen 20 Uhr die Stadt Salzburg. Dass sie Teile der Stadt Salzburg treffen würde, war vorab nicht klar. Im [[Freibad Leopoldskron]] verursachte der Sturm große Schäden und es musste am Sonntag, der noch höhere Temperaturen brachte, geschlossen bleiben. Bäume waren umgestürzt, begruben Wege und Sandkisten unter sich, Äste und Blätter fielen in die Schwimmbecken. Wasser trat auch in das [[Großes Festspielhaus|Große Festspielhaus]] ein.<ref>[[SALZBURG24]] vom [https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/lepi-wegen-sturmschaeden-vorerst-gesperrt-143583640 13. August 2023] sowie [https://www.sn.at/salzburg/chronik/gewitterzelle-zog-ueber-teile-der-stadt-salzburg-hinweg-143563129 www.sn.at], 13. August 2023</ref> Der Orkan wütete lediglich 15 Minuten in der [[Salzburger Altstadt]]. Dabei entwurzelte auch Bäume am Rand des [[Mirabellplatz]]es.<ref>Salzburg24 vom [https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/heftige-sturmfront-fegt-ueber-die-stadt-salzburg-hinweg-143580997 13. August 2023]</ref>
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==== Regenfälle Anfang August ====
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==== 2023: Regenfälle Anfang August ====
 
Am [[4. August]] [[2023]] setzten starke Regenfälle, bedingt durch ein [[Italien]]-Tiefdruckgebiet, von [[Kroatien]] über [[Slowenien]] bis nach [[Österreich]] und weiter bis in die Baltischen Staaten ein. Besonders betroffen waren Slowenien, das bereits am [[5. August]] einige Todesopfer zu beklagen hatte, und die Süd[[steiermark]]. Der Hochwassernachrichtendienst des [[Hydrographischer Dienst des Landes Salzburg|Hydrographischen Dienstes des Landes Salzburg]] veröffentlichte am am Samstagvormittag, den 5. August, einen aktuellen Lagebericht, der nachstehend auszugsweise wiedergegeben wird.
 
Am [[4. August]] [[2023]] setzten starke Regenfälle, bedingt durch ein [[Italien]]-Tiefdruckgebiet, von [[Kroatien]] über [[Slowenien]] bis nach [[Österreich]] und weiter bis in die Baltischen Staaten ein. Besonders betroffen waren Slowenien, das bereits am [[5. August]] einige Todesopfer zu beklagen hatte, und die Süd[[steiermark]]. Der Hochwassernachrichtendienst des [[Hydrographischer Dienst des Landes Salzburg|Hydrographischen Dienstes des Landes Salzburg]] veröffentlichte am am Samstagvormittag, den 5. August, einen aktuellen Lagebericht, der nachstehend auszugsweise wiedergegeben wird.
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Auch entlang der [[Großglockner Hochalpenstraße]] war [[Schnee]] gefallen. Am Montag, den [[7. August]], betrug die Temperatur beim [[Fuscher Törl]] -2,3 °C um 08:55 Uhr. Die Straße war am 7. August aus Sicherheitsgründen für den Verkehr gesperrt.
 
Auch entlang der [[Großglockner Hochalpenstraße]] war [[Schnee]] gefallen. Am Montag, den [[7. August]], betrug die Temperatur beim [[Fuscher Törl]] -2,3 °C um 08:55 Uhr. Die Straße war am 7. August aus Sicherheitsgründen für den Verkehr gesperrt.
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==== Daten dieser Tage ====
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==== Daten der Tage Anfang August 2023====
 
* Pegelstand der Salzach um 15:30 Uhr: Bei der [[Nonntaler Brücke]] lag dieser bei 4,44 Metern. Ab einem Pegelstand von 5 Metern werden die ersten Unterführungen in der Stadt gesperrt.
 
* Pegelstand der Salzach um 15:30 Uhr: Bei der [[Nonntaler Brücke]] lag dieser bei 4,44 Metern. Ab einem Pegelstand von 5 Metern werden die ersten Unterführungen in der Stadt gesperrt.
  

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