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| | ==Leben== | | ==Leben== |
| − | Reisenbichler begann in Wien nach der Schulausbildung mit dem Musikstudium und sattelte bald auf das Kunststudium, Malerei und Grafik um. Nach vielen Studienreisen nach [[Island]], [[Schweden]], der [[Schweiz]], [[Italien]] und [[Deutschland]] wurde Karl Reisenbichler um [[1939]] Sachbearbeiter für bildende Kunst im Gaukulturamt (für den damaligen [[Reichsgau Salzburg]], später oberster Kunstfunktionär des Reichsgaus. In Salzburg wohnte der Künstler in der [[Vierthalerstraße]] Nr. 4. Nach [[Zweiter Weltkrieg|Kriegsende]] zog sich der politisch gebrochene Künstler verarmt nach [[Großgmain]] zurück. | + | Reisenbichler begann in [[Wien]] nach der Schulausbildung mit dem Musikstudium und sattelte bald auf das Kunststudium, Malerei und Grafik um. Nach vielen Studienreisen nach [[Island]], [[Schweden]], der [[Schweiz]], [[Italien]] und [[Deutschland]] wurde Karl Reisenbichler um [[1939]] Sachbearbeiter für bildende Kunst im Gaukulturamt (für den damaligen [[Reichsgau Salzburg]], später oberster Kunstfunktionär des Reichsgaus. In Salzburg wohnte der Künstler in der [[Vierthalerstraße]] Nr. 4. Nach [[Zweiter Weltkrieg|Kriegsende]] zog sich der politisch gebrochene Künstler verarmt nach [[Großgmain]] zurück. |
| − | [[Datei:Das Bauernjahr auf der Fassade der Volksschule.jpg|thumb|right|Das Bauernjahr auf der Fassade der Volksschule Großgmain]] | + | [[Datei:Das Bauernjahr auf der Fassade der Volksschule.jpg|thumb|right|Das Bauernjahr an der Fassade der Volksschule Großgmain.]] |
| − | Sein letzter künstlerischer Auftrag war [[1954]] ein Sgraffito an der Außenseite der [[Volksschule Großgmain]], mit der Darstellung des "Bauernkalenders". Diese Aufgabe konnte der schwerkranke Maler nur durch äußerste Anstrengung erfüllen. Das Weitergeben von kulturellen Werten blieb bis zuletzt sein Anliegen. Er verstarb völlig verarmt am 21. Dezember 1962 im [[Landeskrankenhaus Salzburg]]. | + | Sein letzter künstlerischer Auftrag war [[1954]] ein Sgraffito an der Außenseite der [[Volksschule Großgmain]], mit der Darstellung des Bauernkalenders. Diese Aufgabe konnte der schwerkranke Maler nur durch äußerste Anstrengung erfüllen. Das Weitergeben von kulturellen Werten blieb bis zuletzt sein Anliegen. |
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| − | Er liegt am [[Friedhof Großgmain|Friedhof]] von Großgmain begraben. | + | Reisenbichler verstarb völlig verarmt am 21. Dezember 1962 im [[Landeskrankenhaus Salzburg]]. Er liegt am [[Friedhof Großgmain|Friedhof]] von Großgmain begraben. |
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| | == Ehrung == | | == Ehrung == |
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| | ==Werke== | | ==Werke== |
| | ===Bürgerstuben, Bürgerhäuser, Bürgerstolz=== | | ===Bürgerstuben, Bürgerhäuser, Bürgerstolz=== |
| − | In der Bürgerstube des Salzburger [[Sternbräu]]s spiegelt sich die Geschichte der Bürgerkultur dieser Stadt. Wer den großangelegten Bilderzyklus des Malers Karl Reisenbichler um [[1924]] betrachtet, kann die Geschichte des [[Erzbistum Salzburg|Erzbistums Salzburg]] wie in einem aufgeschlagenen Bilderbuch ablesen. In der wirtschaftlich sehr schlechten Zwischenkriegszeit erhielt der Maler Karl Reisenbichler um 1924 den Auftrag, "''einen wandbedeckenden Ölbilderzyklus''" für den neugebauten "Bürgersaal" im [[Sternbräu]] zu gestalten. "''Für Kost und Quartier''" schuf er "''acht Historienbilder über die [[Salzburger Bauernaufstände im 16. Jahrhundert|Bauernaufstände]], die [[Salzburger Dult]], den Zug der Kaufleute über den [[Radstädter Tauern]], und die Verbrennung einer Hexe auf dem [[Kapuzinerberg]]''". | + | In der Bürgerstube des Salzburger [[Sternbräu]]s spiegelt sich die Geschichte der Bürgerkultur dieser Stadt. Wer den großangelegten Bilderzyklus des Malers Karl Reisenbichler um [[1924]] betrachtet, kann die Geschichte des [[Erzbistum Salzburg|Erzbistums Salzburg]] wie in einem aufgeschlagenen Bilderbuch ablesen. In der wirtschaftlich sehr schlechten Zwischenkriegszeit erhielt der Maler Karl Reisenbichler um 1924 den Auftrag, "einen wandbedeckenden Ölbilderzyklus" für den neugebauten "Bürgersaal" im [[Sternbräu]] zu gestalten. "Für Kost und Quartier" schuf er acht Historienbilder über die [[Salzburger Bauernaufstände im 16. Jahrhundert|Bauernaufstände]], die [[Salzburger Dult]], den Zug der Kaufleute über den [[Radstädter Tauern]], und die Verbrennung einer [[Hexenprozess|Hexe]] auf dem [[Kapuzinerberg]]. |
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| − | Großes Staunen erwecken heute noch seine Bilder von der Belagerung der [[Festung Hohensalzburg|Festung]] durch die aufständischen Bauern um [[1525]] mit dem Freiherrn [[Georg von Frundsberg]] um [[1526]], wie auch die Darstellung der alten [[Salzburger Dult]] am [[Platzl]] und vor dem [[Salzburger Dom]]. Frauen, Mütter und Kinder beeinflussen auf ihre Weise die großzügige Szenerie inmitten der Hast des Alltages in der nahen [[Getreidegasse]]. Einige markante [[Erzbischöfe]], "''[[Leonhard von Keutschach]] mit dem Rübenwappen 1495 - 1519''", die "''Flucht des [[Wolf Dietrich von Raitenau]] 1587 – 1612''", und das stirnseitige Gemälde mit der Verbrennung einer [[Hexenprozess|Hexe]] auf dem Scheiterhaufen am Kapuzinerberg ergänzen die am Originalplatz erhaltene Sammlung. | + | Großes Staunen erwecken heute noch seine Bilder von der Belagerung der [[Festung Hohensalzburg|Festung]] durch die aufständischen Bauern um [[1525]] mit dem Freiherrn [[Georg von Frundsberg]] [[1526]], wie auch die Darstellung der alten [[Salzburger Dult]] am [[Platzl]] und vor dem [[Salzburger Dom]]. Frauen, Mütter und Kinder beeinflussen auf ihre Weise die großzügige Szenerie inmitten der Hast des Alltages in der nahen [[Getreidegasse]]. Einige markante [[Erzbischöfe]], "[[Leonhard von Keutschach]] mit dem Rübenwappen 1495–1519", die "'lucht des [[Wolf Dietrich von Raitenau]] 1587–1612", und das stirnseitige Gemälde mit der Verbrennung einer Hexe auf dem Scheiterhaufen auf dem Kapuzinerberg ergänzen die am Originalplatz erhaltene Sammlung. |
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| − | Bräustuben, Bürgerstuben in altehrwürdigen Gasthöfen mit Dienern, Knechten sowie Umspannmöglichkeiten für Pferd und Wagen waren einst die Raststätten der Reisenden, in denen die kulinarischen Genüsse nie zu kurz kamen. Das Sternbräu mit seiner jahrhundertealten Braugeschichtstradition, das vermutlich schon im [[13. Jahrhundert]] in der "''Trabgasse''" (Getreidegasse) an dieser Stelle bestand, ist auch heute noch eine Art Schlupfwinkel, eine Oase für Einheimische und Gäste aus aller Welt geblieben. | + | Bräustuben, Bürgerstuben in altehrwürdigen Gasthöfen mit Dienern, Knechten sowie Umspannmöglichkeiten für Pferd und Wagen waren einst die Raststätten der Reisenden, in denen die kulinarischen Genüsse nie zu kurz kamen. Das Sternbräu mit seiner jahrhundertealten Braugeschichtstradition, das vermutlich schon im [[13. Jahrhundert]] in der "Trabgasse" (Getreidegasse) an dieser Stelle bestand, ist auch heute noch eine Art Schlupfwinkel, eine Oase für Einheimische und Gäste aus aller Welt geblieben. |
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| − | Die [[1926]] für den [[Platzlkeller]] entstandenen Salzburger Wandbilder Reisenbichlers befinden sich nun zusammengeschnitten in den Stuben des Sternbräus, Eingang [[Griesgasse]]. Während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieges]] war Reisenbichler als Kriegsfreiwilliger in [[Russland]], ab [[1916]] Kriegsmaler beim [[Salzburger Hausregiment Erzherzog Rainer Nr. 59]]. Einige Kriegs- und Todesallegoriebilder, über die Verwüstungen des Krieges, das Elend der Krüppel und die Präsenz des Todes, die ihn in den Bann schlugen, befinden sich im [[Rainer-Regiments-Museum]] auf der Festung Hohensalzburg. | + | Die [[1926]] für den [[Platzlkeller]] entstandenen Salzburger Wandbilder Reisenbichlers befinden sich nun zusammengeschnitten in den Stuben des Sternbräus, Eingang [[Griesgasse]]. Während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieges]] war Reisenbichler als Kriegsfreiwilliger in [[Russland]], ab [[1916]] Kriegsmaler beim [[Salzburger Hausregiment Erzherzog Rainer Nr. 59]]. Einige Kriegs- und Todesallegoriebilder, über die Verwüstungen des Krieges, das Elend der Krüppel und die Präsenz des Todes, die ihn in den Bann schlugen, befinden sich im [[Rainer-Regiments-Museum]] auf der Festung Hohensalzburg. |
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| | ===Notgeldentwürfe=== | | ===Notgeldentwürfe=== |
| − | Nach den schwierigen (Erster Weltkrieg) Nachkriegsjahren, durch die Einbrüche für das Kunstinteresse, denen bittere Not, Elend und Arbeitslosigkeit vorausgingen, hielt sich der Maler mit Entwürfen für Künstlerpostkarten, Exlibris, Radierungen, und später Tusch-Zeichnungen der "[[Salzburger Mappen]]" über Wasser. Eine gute Einnahmequelle für Reisenbichler waren die Entwürfe für das [[Notgeld]]. Die Marktgemeinde [[St. Wolfgang]] leistete sich diesen Künstler der "Neukunstgruppe" und des "[[Wassermann]]" für die Raritäten der Österreichischen Währungsgeschichte um [[1920]], die kurz nach der Auflage ein begehrtes Sammelobjekt waren: 10, 20, 50 Heller, Vorder- und Rückseite nach Original-Radierungen des Malers Karl Reisenbichler, aus dem [[Anton Faistauer|Faistauerkreis]], hergestellt im [[Salzburger Verlagshaus Kiesel|Druckhaus Kiesel Salzburg]] am [[15. August]] [[1920]]. Weder vor noch nach der Notgeldperiode hat es bildlich so schöne Geldscheine gegeben wie gerade zu dieser Zeit. Durch seine Geburt am [[Attersee]] fühlte sich Karl Reisenbichler dem [[Salzkammergut]] in einer besonderen Weise verbunden. Seine Heimatkunst, Darstellungen der bäuerlichen Bevölkerung, Landschaftsmalerei, der Tracht und volkskundlichen Themen blieb er durch kräftige Farbgebung ein Leben lang treu. | + | Nach den schwierigen Nachkriegsjahren (Erster Weltkrieg), durch die Einbrüche für das Kunstinteresse, denen bittere Not, Elend und Arbeitslosigkeit vorausgingen, hielt sich der Maler mit Entwürfen für Künstlerpostkarten, Exlibris, Radierungen, und später Tusch-Zeichnungen der "[[Salzburger Mappen]]" über Wasser. Eine gute Einnahmequelle für Reisenbichler waren die Entwürfe für das [[Notgeld]]. Die Marktgemeinde [[St. Wolfgang]] leistete sich diesen Künstler der "Neukunstgruppe" und des "[[Wassermann]]" für die Raritäten der Österreichischen Währungsgeschichte um 1920, die kurz nach der Auflage ein begehrtes Sammelobjekt waren: 10, 20, 50 Heller, Vorder- und Rückseite nach Original-Radierungen des Malers Karl Reisenbichler, aus dem [[Anton Faistauer|Faistauerkreis]], hergestellt im [[Salzburger Verlagshaus Kiesel|Druckhaus Kiesel Salzburg]] am [[15. August]] [[1920]]. Weder vor noch nach der Notgeldperiode hat es bildlich so schöne Geldscheine gegeben wie gerade zu dieser Zeit. Durch seine Geburt am [[Attersee]] fühlte sich Karl Reisenbichler dem [[Salzkammergut]] in einer besonderen Weise verbunden. Seine Heimatkunst, Darstellungen der bäuerlichen Bevölkerung, Landschaftsmalerei, der Tracht und volkskundlichen Themen blieb er durch kräftige Farbgebung ein Leben lang treu. |
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| − | ===Sgraffito-Technik − Neue Sachlichkeit=== | + | ===Sgraffito-Technik − "Neue Sachlichkeit"=== |
| | [[Datei:Reisenbichler Sgrafitto Rathausplatz.jpg|thumb|Das [[Sgraffito am Thalhammer-Haus von Karl Reisenbichler|Sgraffito am Thalhammer-Haus]].]] | | [[Datei:Reisenbichler Sgrafitto Rathausplatz.jpg|thumb|Das [[Sgraffito am Thalhammer-Haus von Karl Reisenbichler|Sgraffito am Thalhammer-Haus]].]] |
| − | Ab [[1927]] wendet sich der Akademische Maler Karl Reisenbichler der Sgraffito-Technik, der "Neuen Sachlichkeit", vor allem der haltbaren Mehrfarbentechnik und der Entwicklung neuer Ausdrucksformen des Neosgraffito für Ornamentik und Architektur-Design am Bau zu. Der Maler wagte den Schritt zur plastischen Wirkung durch die Mehrfarbigkeit und der Beständigkeit der Außenmalereien. Durch Übereinanderlegen von mehreren feuchten Farbputzschichten erzielte er große Unterschiede zur herkömmlichen Bearbeitungsweise. Durch Kratzen und Bürsten, durch teilweises Stehenlassen der höheren Farbschicht kam die Bildgestaltung freskoartiger Technik nahe. | + | Ab [[1927]] wendet sich der Akademische Maler Karl Reisenbichler der Sgraffito-Technik, der "Neuen Sachlichkeit", vor allem der haltbaren Mehrfarbentechnik und der Entwicklung neuer Ausdrucksformen des Neosgraffito für Ornamentik und Architektur-Design am Bau, zu. Der Maler wagte den Schritt zur plastischen Wirkung durch die Mehrfarbigkeit und der Beständigkeit der Außenmalereien. Durch Übereinanderlegen von mehreren feuchten Farbputzschichten erzielte er große Unterschiede zur herkömmlichen Bearbeitungsweise. Durch Kratzen und Bürsten, durch teilweises Stehenlassen der höheren Farbschicht kam die Bildgestaltung freskoartiger Technik nahe. |
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| | ==== Sgraffito von Karl Reisenbichler am Textilhaus Thalhammer ==== | | ==== Sgraffito von Karl Reisenbichler am Textilhaus Thalhammer ==== |
| − | :'' Hauptartikel [[Sgraffito am Thalhammer-Haus von Karl Reisenbichler]]'' | + | :'' Hauptartikel [[Sgraffito am Thalhammer-Haus von Karl Reisenbichler]] |
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| | ====Kaffeehaus Lohr==== | | ====Kaffeehaus Lohr==== |
| | [[Datei:Reisenbichler-Sgraffito, Auszug.jpg|thumb|"Gar mancher glaubt, was er gewonnen,<br/>Das sei von ewigem Bestand."]] | | [[Datei:Reisenbichler-Sgraffito, Auszug.jpg|thumb|"Gar mancher glaubt, was er gewonnen,<br/>Das sei von ewigem Bestand."]] |
| | [[Datei:Denksteinhaus Salzburg Sgraffito.JPG|thumb|Sgraffito an der Fassade [[Linzer Gasse 1 (Denkstein-Haus)]].]] | | [[Datei:Denksteinhaus Salzburg Sgraffito.JPG|thumb|Sgraffito an der Fassade [[Linzer Gasse 1 (Denkstein-Haus)]].]] |
| − | Im Oktober desselben Jahres wurde Reisenbichler vom Besitzer des [[Café Lohr]] - Ecke [[Linzer Gasse]] - [[Dreifaltigkeitsgasse]], an der Stelle der alten [[Andräkirche]] - beauftragt, eine dem Stadtbild angepasste Fassade zu entwerfen. Heute befindet sich das ca 150 cm hohe, an die zwölf Meter lange, mit sechs Spielkartenbildern ausgeführte Zwölffarben-Sgraffito an der Außenfassade des [[Linzer Gasse 1 (Denkstein-Haus)|Schuhhauses Denkstein]]. Diese für diese Zeit neue Technik der Tiefenwirkung und der feinen Musterung durch zwölf übereinander gelegten Farbschichten wäre bei der üblichen Kratztechnik nie möglich gewesen. Die einzelnen Spielkarten sind im Obergeschoss des Denksteingebäudes zu sehen, die Fensterreihe lässt dem Spruchband genügend Platz. | + | Im Oktober 1927 wurde Reisenbichler vom Besitzer des [[Café Lohr|Cafés Lohr]] - Ecke [[Linzer Gasse]] - [[Dreifaltigkeitsgasse]], an der Stelle der alten [[Andräkirche]] - beauftragt, eine dem Stadtbild angepasste Fassade zu entwerfen. Heute befindet sich das ca 150 cm hohe, an die zwölf Meter lange, mit sechs Spielkartenbildern ausgeführte Zwölffarben-Sgraffito an der Außenfassade des [[Linzer Gasse 1 (Denkstein-Haus)|Schuhhauses Denkstein]]. Diese für diese Zeit neue Technik der Tiefenwirkung und der feinen Musterung durch zwölf übereinander gelegten Farbschichten wäre bei der üblichen Kratztechnik nie möglich gewesen. Die einzelnen Spielkarten sind im Obergeschoss des Denksteingebäudes zu sehen, die Fensterreihe lässt dem Spruchband genügend Platz. |
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| | Wieder liegt dieser Idee ein selbstverfasstes Gedicht des Künstlers über die Sinnhaftigkeit des Kartenspieles zugrunde: | | Wieder liegt dieser Idee ein selbstverfasstes Gedicht des Künstlers über die Sinnhaftigkeit des Kartenspieles zugrunde: |
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| | === Weitere Sgraffiti === | | === Weitere Sgraffiti === |
| | + | [[Datei:Sgraffito-Fries Kupferwerk Mitterberghütten Karl Reisebichler.jpg|thumb|Vierfarbiges Sgraffito-Fries im Kupferwerk [[Mitterberghütten]] von Karl Reisenbichler.]] |
| | * [[Sgraffito am Franz-Hinterholzer-Kai 14]] | | * [[Sgraffito am Franz-Hinterholzer-Kai 14]] |
| − | *[[Sgraffito Reichenhaller Straße 19]] | + | * [[Sgraffito Reichenhaller Straße 19]] |
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| | ===Weitere Großaufträge=== | | ===Weitere Großaufträge=== |
| | [[1928]] folgte der Auftrag für das [[Ankerhaus]] am [[Waagplatz]] mit genauen Vorgaben. | | [[1928]] folgte der Auftrag für das [[Ankerhaus]] am [[Waagplatz]] mit genauen Vorgaben. |
| − | "Aussah<!--!?-->t und Ernte" (ca 7x9m) Ein Spruchband: "Der Anker- Allgemeine Versicherungs – Aktiengesellschaft" in blauer Farbe. Signatur: Karl Reisenbichler unter Mitarbeit der Gehilfen R. Brandstätter, [[Albin Müller-Rundegg]], F. Pichler; auch heute noch im Originalzustand zu besichtigen. | + | "Aussah<!--!?-->t und Ernte" (ca 7 x 9 m) Ein Spruchband: "Der Anker- Allgemeine Versicherungs – Aktiengesellschaft" in blauer Farbe. Signatur: Karl Reisenbichler unter Mitarbeit der Gehilfen R. Brandstätter, [[Albin Müller-Rundegg]], F. Pichler; auch heute noch im Originalzustand zu besichtigen. |
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| | Diese Großaufträge, die der Stolz der Salzburger Bürgerschaft waren, brachten nicht nur künstlerischen Erfolg, nein, auch viel Kritik aus der Salzburger Künstlerszene. | | Diese Großaufträge, die der Stolz der Salzburger Bürgerschaft waren, brachten nicht nur künstlerischen Erfolg, nein, auch viel Kritik aus der Salzburger Künstlerszene. |
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| | [[1929]] erfolgte eine Wappendarstellung auf dem Erker der [[Kaiser-Karl-Straße]] 4. | | [[1929]] erfolgte eine Wappendarstellung auf dem Erker der [[Kaiser-Karl-Straße]] 4. |
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| | Am Erker der Bäckerei Bacher, [[Willibald-Hauthaler-Straße]] 12, befindet sich seit [[1931]] ein Sgraffito des Karl Reisenbichler, das den Werdegang des Brotes zeigt. | | Am Erker der Bäckerei Bacher, [[Willibald-Hauthaler-Straße]] 12, befindet sich seit [[1931]] ein Sgraffito des Karl Reisenbichler, das den Werdegang des Brotes zeigt. |
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| | Von März bis April [[1932]] entstand am [[Platzl]] Nr. 5 ein Riesen-Sgraffito Reisenbichlers mit der "Geschichte der Deutschen", das dem Künstler den Vorwurf "wimmelndes Bilderbuch" von [[Georg Jung]] eintrug. Auch dieser finanziell völlig unabhängige Salzburger Maler befasste sich mit der Fresko- und Sgraffitotechnik und farbtheoretischen Spekulationen. | | Von März bis April [[1932]] entstand am [[Platzl]] Nr. 5 ein Riesen-Sgraffito Reisenbichlers mit der "Geschichte der Deutschen", das dem Künstler den Vorwurf "wimmelndes Bilderbuch" von [[Georg Jung]] eintrug. Auch dieser finanziell völlig unabhängige Salzburger Maler befasste sich mit der Fresko- und Sgraffitotechnik und farbtheoretischen Spekulationen. |
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| − | Mit sehr großem Aufwand, Können und Genauigkeit wurde [[1933]] der naturgetreuen Darstellung des [[Salzburger Verlagshaus Kiesel|Verlagshauses Kiesel]], <br/>welches die einzelnen Berufsabläufe schildert, gelebt. Des Verlagsleiters [[Hans Glaser senior]], porträthafter Darstellungen der Chefredakteure, des Wegs des Satzes und des Druckes wird in besonderer Weise gedacht. Beim Umbau zum Magistratsgebäude wurde das Neo-Sgraffito in fünf Platten zerlegt abgetragen. Im Neubau der [[Höhere Technische Bundeslehranstalt Salzburg|HTL]] in der [[Itzlinger Hauptstraße]] ist es gelagert. | + | Mit sehr großem Aufwand, Können und Genauigkeit wurde [[1933]] der naturgetreuen Darstellung des [[Salzburger Verlagshaus Kiesel|Verlagshauses Kiesel]], welches die einzelnen Berufsabläufe schildert, gelebt. Des Verlagsleiters [[Hans Glaser senior]], porträthafter Darstellungen der Chefredakteure, des Wegs des Satzes und des Druckes wird in besonderer Weise gedacht. Beim Umbau zum Magistratsgebäude wurde das Neo-Sgraffito in fünf Platten zerlegt abgetragen. Im Neubau der [[Höhere Technische Bundeslehranstalt Salzburg|HTL]] an der [[Itzlinger Hauptstraße]] ist es gelagert. |
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| − | Im [[Salzburg Museum]] liegen seit [[1939]] zwei große Sgraffito-Entwürfe in Rotbraun, Grau und Weiß, für die Offiziersbauten in der [[Reichenhaller Straße]] 17–19, signiert mit ''K. Reisenbichler'', auf. Als Spruchband: ''Was durch die Reichenhallerstraße kommt und geht.''" Ausgeführt wurde nur das Neosgraffito auf dem Hause Reichenhallerstraße 19, signiert ''Karl Reisenbichler 1940, Mitarbeiter: [[Leonhard Stemeseder|L.Stemeseder]]''. Das großzügig ausgeführte Sgraffito ist eine Fundgrube heimatlichen Brauchtums. Bäuerinnen in Salzburger [[Dirndl]]tracht mit dem großen schwarzseidenen Kopftuch, Marktfieranten, Handwerker und Fuhrleute bringen volle Wagenladungen Lebensmittel zur Stadt. Kraut, "Milchpitschen" auf zweirädrigen Handkarren, Leiterwagerl von großen Bernhardinern gezogen, Schweinehirten, Kühe und Pferde ziehen hier durch die Reichenhaller Straße Richtung Stadt. | + | Im [[Salzburg Museum]] liegen seit [[1939]] zwei große Sgraffito-Entwürfe in Rotbraun, Grau und Weiß, für die Offiziersbauten in der [[Reichenhaller Straße]] 17–19, signiert mit ''K. Reisenbichler'', auf. Als Spruchband: ''Was durch die Reichenhallerstraße kommt und geht.'' Ausgeführt wurde nur das Neosgraffito auf dem Hause Reichenhallerstraße 19, signiert ''Karl Reisenbichler 1940, Mitarbeiter: [[Leonhard Stemeseder|L. Stemeseder]]''. Das großzügig ausgeführte Sgraffito ist eine Fundgrube heimatlichen Brauchtums. Bäuerinnen in Salzburger [[Dirndl]]tracht mit dem großen schwarzseidenen Kopftuch, Marktfieranten, Handwerker und Fuhrleute bringen volle Wagenladungen Lebensmittel zur Stadt. Kraut, "Milchpitschen" auf zweirädrigen Handkarren, Leiterwagerl von großen Bernhardinern gezogen, Schweinehirten, Kühe und Pferde ziehen hier durch die Reichenhaller Straße Richtung Stadt. |
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| − | Viele Sgraffiti, Fresken, Malereien, Radierungen, Tuschzeichnungen, Grafiken und Studien zu [[Hugo von Hofmannsthal]]s [[Jedermann (Salzburg)|Jedermann]] auf dem [[Domplatz]] haben sich im Land Salzburg, Wien, [[Mitterberghütten]], Innsbruck, [[Bischofshofen]], [[Mondsee (Ort)|Mondsee]] bis in das Ruhrgebiet erhalten. Zahlreiche Auszeichnungen wie auch Publikumsproteste waren damit verbunden. | + | Viele Sgraffiti, Fresken, Malereien, Radierungen, Tuschzeichnungen, Grafiken und Studien zu [[Hugo von Hofmannsthal]]s "[[Jedermann (Salzburg)|Jedermann]]" auf dem [[Domplatz]] haben sich im Land Salzburg, Wien, [[Mitterberghütten]], Innsbruck, [[Bischofshofen]], [[Mondsee (Ort)|Mondsee]] bis in das Ruhrgebiet erhalten. Zahlreiche Auszeichnungen wie auch Publikumsproteste waren damit verbunden. |
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| | === Wandmalereien aus den 1930er-Jahren === | | === Wandmalereien aus den 1930er-Jahren === |
| | [[Landeskonservator]] [[Ronald Gobiet]] war im Jänner 2011 über einen Fund entsetzt. Auf dem Gelände der [[Höhere Technische Bundeslehranstalt Salzburg|Höheren Technischen Bundeslehranstalt Salzburg]] fand er Wandmalereien von Reisenbichler im Freien gelagert, bereits mit Rissen, hohlen Stellen und sich ablösende Teilen. Diese Wandmalerei war ursprünglich für das [[Kieselgebäude|Druckhaus Kiesel]] vorgesehen gewesen. Vor dessen Umbau 1984/85 wurde sie von der Wand abgenommen und auf Platten übertragen. Seither lagerten diese Platten in der HTL. Nun werden rund 100.000 Euro für die Restaurierung notwendig. | | [[Landeskonservator]] [[Ronald Gobiet]] war im Jänner 2011 über einen Fund entsetzt. Auf dem Gelände der [[Höhere Technische Bundeslehranstalt Salzburg|Höheren Technischen Bundeslehranstalt Salzburg]] fand er Wandmalereien von Reisenbichler im Freien gelagert, bereits mit Rissen, hohlen Stellen und sich ablösende Teilen. Diese Wandmalerei war ursprünglich für das [[Kieselgebäude|Druckhaus Kiesel]] vorgesehen gewesen. Vor dessen Umbau 1984/85 wurde sie von der Wand abgenommen und auf Platten übertragen. Seither lagerten diese Platten in der HTL. Nun werden rund 100.000 Euro für die Restaurierung notwendig. |
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| − | Dargestellt wird auf der Wandmalerei auf einigen Metern Länge die Produktion des [[Salzburger Volksblatt]]s. Datiert wurde sie mit 1933<ref>{{Quelle SN|12. Jänner 2011}}</ref>. | + | Dargestellt wird auf der Wandmalerei auf einigen Metern Länge die Produktion des "[[Salzburger Volksblatt]]s". Datiert wurde sie mit 1933<ref>{{Quelle SN|12. Jänner 2011}}</ref>. |
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| | == Bilder von Werken des Künstlers == | | == Bilder von Werken des Künstlers == |
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| | * ''Die Österreichische Malerei der Zwischenkriegszeit'' OE. NB | | * ''Die Österreichische Malerei der Zwischenkriegszeit'' OE. NB |
| | * [[Christian Fuchs|Fuchs, Christian M.]]: ''Das Mozart Wörterbuch: Von Amadé bis Zungenspiel'' | | * [[Christian Fuchs|Fuchs, Christian M.]]: ''Das Mozart Wörterbuch: Von Amadé bis Zungenspiel'' |
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| | == Einzelnachweise == | | == Einzelnachweise == |
| | <references/> | | <references/> |