| | ''Salzburg den 6/3 [18]73. Meine inigst geliebten Theuren. Vor allen bringe ich der Fani meine herzlichsten gewiß aufrichtigen Glückswünsche zum Nammensfeste Der liebe Gott wolle dir alles schenken was dich beglücken kann – was dein Glück erhöht – da ich gar nicht weiß was du dermalen brauchen könntest und es so schwer ist mit schücken, so habe ich den Franz in die Kasse 2 fl [Gulden] gelegt und Franz m[ö]ge sie der Fany geben vieleicht ist beim altags Kaffee geschier etwas nach zu kauffen, wo dir dieß geld grade recht kömmt. Dan weiß ich nicht ob ich Euch gratolieren oder Contolieren soll zu der Versetzung nach Wien – grade jetzt wo die Wohnungen so schwer zu bekomen sind, und aber auch diese so theuer / ist das sich das Hin und herfahren nebst der theuren Wohnung nicht lohnen wird. Presedet [?] Baby [?] hat es den Landesgerichtsrath Schmelzing<ref>Von "Schmelzing" ist in diesen Briefen mehrfach die Rede. Hier handelt es sich um Joseph Ritter von Schmelzing (* 17. Feburar 1807 in Wernstein am Inn; † 8. Juni 1873 in der Stadt Salzburg). 1861 ist "Josef Ritter von Schmelzing Landesgerichtsrat und Gemeinderat" in Salzburg; vgl. zu [[Anton Neumüller senior]].</ref> geschrieben das du nun endlich auch nach Wien kommen wirst. Mir wäre viel lieber geweßen, es'' [wäre] ''noch bis auf den Herbst hinauß gezogen worden, aber man kann nichts machen XX'' [und?] ''muß die Sache nehmen wie sie ist. Uberleget die Sache genau, wie Ihr am leichtesten zukommt, das die Außgaben nicht die Einnahmen überschreiten – im Oktober wird es mit allen beßer werden. Ich bin fast erschrocken wie es mir der Schmelzing gesagt weil jetzt würklich die ungelegenste Zeit ist. Die Famile Mates bleibt bis über die Weltaußstellung hier. Bey Schmelzing geht es mit der Beßerung sehr langsamm, er sieht oft sehr schlecht auß. Kanst dir denken was sie oft für eine Angst / hat.'' | | ''Salzburg den 6/3 [18]73. Meine inigst geliebten Theuren. Vor allen bringe ich der Fani meine herzlichsten gewiß aufrichtigen Glückswünsche zum Nammensfeste Der liebe Gott wolle dir alles schenken was dich beglücken kann – was dein Glück erhöht – da ich gar nicht weiß was du dermalen brauchen könntest und es so schwer ist mit schücken, so habe ich den Franz in die Kasse 2 fl [Gulden] gelegt und Franz m[ö]ge sie der Fany geben vieleicht ist beim altags Kaffee geschier etwas nach zu kauffen, wo dir dieß geld grade recht kömmt. Dan weiß ich nicht ob ich Euch gratolieren oder Contolieren soll zu der Versetzung nach Wien – grade jetzt wo die Wohnungen so schwer zu bekomen sind, und aber auch diese so theuer / ist das sich das Hin und herfahren nebst der theuren Wohnung nicht lohnen wird. Presedet [?] Baby [?] hat es den Landesgerichtsrath Schmelzing<ref>Von "Schmelzing" ist in diesen Briefen mehrfach die Rede. Hier handelt es sich um Joseph Ritter von Schmelzing (* 17. Feburar 1807 in Wernstein am Inn; † 8. Juni 1873 in der Stadt Salzburg). 1861 ist "Josef Ritter von Schmelzing Landesgerichtsrat und Gemeinderat" in Salzburg; vgl. zu [[Anton Neumüller senior]].</ref> geschrieben das du nun endlich auch nach Wien kommen wirst. Mir wäre viel lieber geweßen, es'' [wäre] ''noch bis auf den Herbst hinauß gezogen worden, aber man kann nichts machen XX'' [und?] ''muß die Sache nehmen wie sie ist. Uberleget die Sache genau, wie Ihr am leichtesten zukommt, das die Außgaben nicht die Einnahmen überschreiten – im Oktober wird es mit allen beßer werden. Ich bin fast erschrocken wie es mir der Schmelzing gesagt weil jetzt würklich die ungelegenste Zeit ist. Die Famile Mates bleibt bis über die Weltaußstellung hier. Bey Schmelzing geht es mit der Beßerung sehr langsamm, er sieht oft sehr schlecht auß. Kanst dir denken was sie oft für eine Angst / hat.'' |
| − | ''Vor 2 Tagen war die Großmutter'' ([[Franziska Kobler]], Anm.) ''Nachmittag bey mir, was mich recht gefreut hat, sie sieht ganz gut auß. Mit denen 39 Loos'' [Aktienanteile, Anm.] ''ist es wohl schade das wir sie nicht verkauft hätten wir doch bey 600 fl bekommen so sinds 184 ungefähr, wir hätten schon lieber das größere gehabt – Die Louise war nun auf 3 tag im Bett, ist aber wider wohl. Die Koch geht zwar auß aber mit ihren Fußschlag ist es doch noch nicht gut. Die Arme weint oft vor Schmerz, und beißen. Heute war die Bamberger hier, sie ist Nachmmittag mit ihren Gemahl nach [[Augustiner-Chorherrenstift St. Zeno|St Zeno]] gefahren um die Pepi zu besuchen. Die Bamberger sind immer sehr lieb.<ref>"Bamberger" sind auch erwähnt im folgenden Brief vom 6. Oktober 1873. In einem Brief vom 15. Juli 1876 werden ein "Vetter Bamberger" und "Rudolf und Maria" erwähnt. Unter den gesammelten Todesanzeigen zu "[[Sauter]]" ([[Kobler-Spängler-Briefe]] Hauptartikel / Mehrfach-Anmerkungen) befindet sich eine Todesanzeige von Philomena Bamberger, geborene Sauter (* 1836; † 1897).</ref> Wie wird es sein mit Euern hieher kommen, vieleicht kann Franz jetzt dann leichter für 1 Monnath einen Urlaub bekommen, wie würde uns dieses freuen. Wen dan die Wittrung gut wäre soließe sich / mancher Außflug unternehmen die Louise, sagt öfter wen doch Franz und Fany länger hier bleiben könten, daß man was rechtes machen könnte.'' | + | ''Vor 2 Tagen war die Großmutter'' [[[Franziska Kobler]], Anm.] ''Nachmittag bey mir, was mich recht gefreut hat, sie sieht ganz gut auß. Mit denen 39 Loos'' [Aktienanteile, Anm.] ''ist es wohl schade das wir sie nicht verkauft hätten wir doch bey 600 fl bekommen so sinds 184 ungefähr, wir hätten schon lieber das größere gehabt – Die Louise war nun auf 3 tag im Bett, ist aber wider wohl. Die Koch geht zwar auß aber mit ihren Fußschlag ist es doch noch nicht gut. Die Arme weint oft vor Schmerz, und beißen. Heute war die Bamberger hier, sie ist Nachmmittag mit ihren Gemahl nach [[Augustiner-Chorherrenstift St. Zeno|St Zeno]] gefahren um die Pepi zu besuchen. Die Bamberger sind immer sehr lieb.<ref>"Bamberger" sind auch erwähnt im folgenden Brief vom 6. Oktober 1873. In einem Brief vom 15. Juli 1876 werden ein "Vetter Bamberger" und "Rudolf und Maria" erwähnt. Unter den gesammelten Todesanzeigen zu "[[Sauter]]" ([[Kobler-Spängler-Briefe]] Hauptartikel / Mehrfach-Anmerkungen) befindet sich eine Todesanzeige von Philomena Bamberger, geborene Sauter (* 1836; † 1897).</ref> Wie wird es sein mit Euern hieher kommen, vieleicht kann Franz jetzt dann leichter für 1 Monnath einen Urlaub bekommen, wie würde uns dieses freuen. Wen dan die Wittrung gut wäre soließe sich / mancher Außflug unternehmen die Louise, sagt öfter wen doch Franz und Fany länger hier bleiben könten, daß man was rechtes machen könnte.'' |
| | ''Ich bin mit meinen Gedanken recht viel bey Euch. Wie geht es den bey Langer ist das Kindlein schon recht brav. Die Louise ist bey Otto schon sehr sehr lieb, und versteht alles sprechen thut sie recht viel einige Worte, aber sie kann sich recht gut verstandlich machen Otto ist schon ein kleiner Rachen'' [? Racker? Anm.] ''er kann schon allerlei. Auch die Paula ist gescheid, der kleine Moritz ist ein zartes – liebes Kindlein, der liebe Gott erhalte alle gesund. <ref>Die Kinder von [[Otto Spängler]] zu diesem Zeitpunkt: Otto (* 1868); Paula (* 1869); Aloisia "Louise" (* 1871); Moritz "Moriz" (* 12. Dezember 1872; † 22. April 1873). Vgl. Brief vom 6. Mai 1873.</ref> Hier sterben recht viele Kinder die Keuch-Husten geht so herum. Lebt alle recht wohl, der Fany noch 1000 Glükwünsche<ref>Sonst schreibt sie "Glückswünsche".</ref> zum Nammenstag auch von vielen Bekanten Es küßt Euch inig Eure treue Mutter Spángler.'' | | ''Ich bin mit meinen Gedanken recht viel bey Euch. Wie geht es den bey Langer ist das Kindlein schon recht brav. Die Louise ist bey Otto schon sehr sehr lieb, und versteht alles sprechen thut sie recht viel einige Worte, aber sie kann sich recht gut verstandlich machen Otto ist schon ein kleiner Rachen'' [? Racker? Anm.] ''er kann schon allerlei. Auch die Paula ist gescheid, der kleine Moritz ist ein zartes – liebes Kindlein, der liebe Gott erhalte alle gesund. <ref>Die Kinder von [[Otto Spängler]] zu diesem Zeitpunkt: Otto (* 1868); Paula (* 1869); Aloisia "Louise" (* 1871); Moritz "Moriz" (* 12. Dezember 1872; † 22. April 1873). Vgl. Brief vom 6. Mai 1873.</ref> Hier sterben recht viele Kinder die Keuch-Husten geht so herum. Lebt alle recht wohl, der Fany noch 1000 Glükwünsche<ref>Sonst schreibt sie "Glückswünsche".</ref> zum Nammenstag auch von vielen Bekanten Es küßt Euch inig Eure treue Mutter Spángler.'' |