| Zeile 11: |
Zeile 11: |
| | In Salzburg schien niemand so rechte Freude mit der Windenergie zu haben. Dass breite Mehrheiten der Bevölkerung aber durchaus umzustimmen sind, zeigt das Land [[Niederösterreich]]. Knapp 500 Anlagen drehen sich rund um Mistelbach und Gänserndorf, Hollabrunn und Bruck an der Leitha. In fünfzehn Jahren sollen es doppelt so viele sein – dann will die Landesregierung zwei Drittel ihres Energiebedarfs aus der bewegten Luft beziehen. | | In Salzburg schien niemand so rechte Freude mit der Windenergie zu haben. Dass breite Mehrheiten der Bevölkerung aber durchaus umzustimmen sind, zeigt das Land [[Niederösterreich]]. Knapp 500 Anlagen drehen sich rund um Mistelbach und Gänserndorf, Hollabrunn und Bruck an der Leitha. In fünfzehn Jahren sollen es doppelt so viele sein – dann will die Landesregierung zwei Drittel ihres Energiebedarfs aus der bewegten Luft beziehen. |
| | | | |
| − | Das Interessante: Auch in Niederösterreich wurden die Bürger befragt – gleich in 40 Gemeinden. "Hier gibt es aber eine sehr breite Zustimmung. In zwei von drei Fällen gab es ein Ja für die Windkraft. So werden wir es schaffen, bis 2015 den gesamten verbrauchten Strom aus erneuerbaren Energien zu generieren“, sagt Umweltlandesrat Stephan Pernkopf (ÖVP) im [[SN]]-Interview. | + | Das Interessante: Auch in Niederösterreich wurden die Bürger befragt – gleich in 40 Gemeinden. "Hier gibt es aber eine sehr breite Zustimmung. In zwei von drei Fällen gab es ein Ja für die Windkraft. So werden wir es schaffen, bis 2015 den gesamten verbrauchten Strom aus erneuerbaren Energien zu generieren", sagt Umweltlandesrat Stephan Pernkopf (ÖVP) im [[SN]]-Interview. |
| | | | |
| − | Was ist der große Unterschied zu Salzburg? "Das zarte Pflänzchen Windkraft ist in Salzburg viel zu früh zertreten worden“, lautet die Antwort von Thomas Knoll von der bundesweit tätigen Planungs- und Beratungsfirma Knollconsult. Sie hat in Niederösterreich in Sachen Kommunikation und Organisation mit dem Land zusammengearbeitet. | + | Was ist der große Unterschied zu Salzburg? "Das zarte Pflänzchen Windkraft ist in Salzburg viel zu früh zertreten worden", lautet die Antwort von Thomas Knoll von der bundesweit tätigen Planungs- und Beratungsfirma Knollconsult. Sie hat in Niederösterreich in Sachen Kommunikation und Organisation mit dem Land zusammengearbeitet. |
| | | | |
| − | Bereits vor 15 Jahren hatte die Salzburger [[Kolowind GmbH]] im [[Flachgau]] Projekte gestartet. "Damals gab es aber eine österreichweit bekannte, besondere Strenge und Windkraftskepsis in der Naturschutzabteilung des Landes, die natürlich von der Politik geduldet und unterstützt wurde.“ Dies betreffe [[ÖVP]]- wie [[SPÖ]]-geführte Koalitionen. Hinzu seien dann kritische Bürgerinitiativen gekommen – "dies zu einer Zeit, als Windkraft neu und noch sehr verwundbar war“, sagt Knoll. In Niederösterreich und auch im Burgenland dagegen hätten sich Landesregierungen und auch regionale Energieversorger viel stärker über "die Windenergie drübergetraut“. Nebenbemerkung Knolls: Auch im Osten Österreichs sei der Widerstand gegen Windräder dort am größten, wo es in der Nähe noch keine gebe. | + | Bereits vor 15 Jahren hatte die Salzburger [[Kolowind GmbH]] im [[Flachgau]] Projekte gestartet. "Damals gab es aber eine österreichweit bekannte, besondere Strenge und Windkraftskepsis in der Naturschutzabteilung des Landes, die natürlich von der Politik geduldet und unterstützt wurde." Dies betreffe [[ÖVP]]- wie [[SPÖ]]-geführte Koalitionen. Hinzu seien dann kritische Bürgerinitiativen gekommen – "dies zu einer Zeit, als Windkraft neu und noch sehr verwundbar war", sagt Knoll. In Niederösterreich und auch im Burgenland dagegen hätten sich Landesregierungen und auch regionale Energieversorger viel stärker über "die Windenergie drübergetraut". Nebenbemerkung Knolls: Auch im Osten Österreichs sei der Widerstand gegen Windräder dort am größten, wo es in der Nähe noch keine gebe. |
| | | | |
| − | Wieder anders stellt sich die Wind-Lage in [[Oberösterreich]] dar: Mit 23 Windkraftanlagen gehört das Land nicht zu den österreichischen Spitzenreitern in Sachen Windenergie. Johann Winkelmeier, Geschäftsführer des Vereins "Energiewerkstatt“ im oberösterreichischen [[Lengau]]: "Es läuft eher schleppend.“ Immerhin gebe es in Oberösterreich einen mit dem Land ausgearbeiteten Windmasterplan, jedoch ohne Rechtsverbindlichkeit. 27 geeignete Flächen für Windräder seien in diesem Plan ausgewiesen. Doch wie viele davon realisiert würden, stehe in den Sternen, sagt Winkelmeier. Kritik an der Salzburger Energiepolitik übt jedenfalls auch Winkelmeier: Er vermisst die Unterstützung vonseiten des Landes. "In der jetzigen Situation bräuchte es eine klare Linie, eine Entscheidung von der Landespolitik, wie es in Salzburg weitergehen soll.“ Es sei wenig zielführend, wenn nur Betreiber und Bürger mitredeten, vom Land aber kein Signal komme. | + | Wieder anders stellt sich die Wind-Lage in [[Oberösterreich]] dar: Mit 23 Windkraftanlagen gehört das Land nicht zu den österreichischen Spitzenreitern in Sachen Windenergie. Johann Winkelmeier, Geschäftsführer des Vereins "Energiewerkstatt" im oberösterreichischen [[Lengau]]: "Es läuft eher schleppend." Immerhin gebe es in Oberösterreich einen mit dem Land ausgearbeiteten Windmasterplan, jedoch ohne Rechtsverbindlichkeit. 27 geeignete Flächen für Windräder seien in diesem Plan ausgewiesen. Doch wie viele davon realisiert würden, stehe in den Sternen, sagt Winkelmeier. Kritik an der Salzburger Energiepolitik übt jedenfalls auch Winkelmeier: Er vermisst die Unterstützung vonseiten des Landes. "In der jetzigen Situation bräuchte es eine klare Linie, eine Entscheidung von der Landespolitik, wie es in Salzburg weitergehen soll." Es sei wenig zielführend, wenn nur Betreiber und Bürger mitredeten, vom Land aber kein Signal komme. |
| | | | |
| − | Die Abstimmung in [[Thomatal]] sei ein Rückschlag gewesen. Denn in Salzburg gebe es ohnehin nur zwei Handvoll geeigneter Standorte für Windräder. "Wird ein Projekt dann noch mit Unwahrheiten von der gegnerischen Seite kaputt gemacht, dann wird es schwierig“, fürchtete Winkelmeier. | + | Die Abstimmung in [[Thomatal]] sei ein Rückschlag gewesen. Denn in Salzburg gebe es ohnehin nur zwei Handvoll geeigneter Standorte für Windräder. "Wird ein Projekt dann noch mit Unwahrheiten von der gegnerischen Seite kaputt gemacht, dann wird es schwierig", fürchtete Winkelmeier. |
| | | | |
| − | Das Argument, Windräder würden Touristen vertreiben, ließ der Experte übrigens nicht gelten. "Die Leute pilgern zu den Windrädern, egal ob in Oberzeiring in der Steiermark oder zum neuen [[Windpark Munderfing|Windpark]] in [[Munderfing]].“ Und auch der Wertverfall von Immobilien in der Nähe eines Windrads sei eine Mär. Es existiere keine Studie, die das bestätige. | + | Das Argument, Windräder würden Touristen vertreiben, ließ der Experte übrigens nicht gelten. "Die Leute pilgern zu den Windrädern, egal ob in Oberzeiring in der Steiermark oder zum neuen [[Windpark Munderfing|Windpark]] in [[Munderfing]]." Und auch der Wertverfall von Immobilien in der Nähe eines Windrads sei eine Mär. Es existiere keine Studie, die das bestätige. |
| | | | |
| − | Was also tun – ist der Karren Windkraft in Salzburg rettungslos verfahren? Berater Thomas Knoll meint, nein. "Man kann sich auch nicht darauf ausreden, dass es keine Standorte gäbe. Der [[Flachgau]] eignet sich sicher genauso gut wie die Ebenen in Ostösterreich.“ Wichtig sei aber, den Bürgern ihre Ängste zu nehmen. "Ein erster Schritt wäre, Flächen auszuweisen, wo große Windräder sicher tabu sind. Im alpinen Raum und natürlich in Schutzgebieten. Im Rest des Landes sei es dann Aufgabe der Politik, einen Konsens mit den Bürgern zu finden." In Niederösterreich sei das gelungen, sagt Landesrat Pernkopf. "Auch indem wir gesagt haben, was die Alternativen sind: Atomstrom, Kohle oder Importgas aus dem Osten.“ | + | Was also tun – ist der Karren Windkraft in Salzburg rettungslos verfahren? Berater Thomas Knoll meint, nein. "Man kann sich auch nicht darauf ausreden, dass es keine Standorte gäbe. Der [[Flachgau]] eignet sich sicher genauso gut wie die Ebenen in Ostösterreich." Wichtig sei aber, den Bürgern ihre Ängste zu nehmen. "Ein erster Schritt wäre, Flächen auszuweisen, wo große Windräder sicher tabu sind. Im alpinen Raum und natürlich in Schutzgebieten. Im Rest des Landes sei es dann Aufgabe der Politik, einen Konsens mit den Bürgern zu finden." In Niederösterreich sei das gelungen, sagt Landesrat Pernkopf. "Auch indem wir gesagt haben, was die Alternativen sind: Atomstrom, Kohle oder Importgas aus dem Osten." |
| | | | |
| | === Projekte bis 2019 === | | === Projekte bis 2019 === |