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| | [[Datei:Jakobuskirche in Gois (Wals).jpg|thumb|Jakobuskirche in Gois.]] | | [[Datei:Jakobuskirche in Gois (Wals).jpg|thumb|Jakobuskirche in Gois.]] |
| | [[Datei:Wallfahrtkirche St. Valentin in Marzoll.jpg|thumb|Wallfahrtkirche St. Valentin in Marzoll, beliebte Station am Jakobsweg.]] | | [[Datei:Wallfahrtkirche St. Valentin in Marzoll.jpg|thumb|Wallfahrtkirche St. Valentin in Marzoll, beliebte Station am Jakobsweg.]] |
| − | [[Datei:Marzoller Türl.jpg|thumb|Das "Marzoller Türl“ beim Gastgarten des Wirtshauses Wartberg am Salzburger Jakobsweg.]] | + | [[Datei:Marzoller Türl.jpg|thumb|Das "Marzoller Türl" beim Gastgarten des Wirtshauses Wartberg am Salzburger Jakobsweg.]] |
| | [[Datei:Obermühle in Weißbach bei Marzoll.jpg|thumb|Die 600 Jahre alte Obermühle in Weißbach bei Marzoll besitzt eine sehenswerte barocke Kapelle.]] | | [[Datei:Obermühle in Weißbach bei Marzoll.jpg|thumb|Die 600 Jahre alte Obermühle in Weißbach bei Marzoll besitzt eine sehenswerte barocke Kapelle.]] |
| | [[Datei:Augustiner-Chorherrenstift St. Zeno.jpg|thumb|Nach der Überquerung des Kirchholzes führt der Salzburger Jakobsweg zum ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift St. Zeno.]] | | [[Datei:Augustiner-Chorherrenstift St. Zeno.jpg|thumb|Nach der Überquerung des Kirchholzes führt der Salzburger Jakobsweg zum ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift St. Zeno.]] |
| | [[Datei:Luitpoldbrücke über die Saalach. Im Hintergrund der Predigtstuhl..jpg|thumb|Luitpoldbrücke über die Saalach. Im Hintergrund der Predigtstuhl.]] | | [[Datei:Luitpoldbrücke über die Saalach. Im Hintergrund der Predigtstuhl..jpg|thumb|Luitpoldbrücke über die Saalach. Im Hintergrund der Predigtstuhl.]] |
| − | [[Datei:Pilgerwegausblick.jpg|thumb|In der Bildmitte die "Drei Brüder“ ([[Reiter Alm (Gebirge)|Reiter Alm]]) vom Salzburger Jakobsweg bei Schneizlreuth.]] | + | [[Datei:Pilgerwegausblick.jpg|thumb|In der Bildmitte die "Drei Brüder" ([[Reiter Alm (Gebirge)|Reiter Alm]]) vom Salzburger Jakobsweg bei Schneizlreuth.]] |
| | [[Datei:Auf dem Salzburger Jakobsweg zwischen Unterjettenberg und Schneizlreuth.jpg|thumb|Auf dem Salzburger Jakobsweg zwischen Unterjettenberg und Schneizlreuth.]] | | [[Datei:Auf dem Salzburger Jakobsweg zwischen Unterjettenberg und Schneizlreuth.jpg|thumb|Auf dem Salzburger Jakobsweg zwischen Unterjettenberg und Schneizlreuth.]] |
| | [[Datei:Postwirt in Schneizlreuth mit Kapelle.jpg|thumb|Am Salzburger Jakobsweg ist der Postwirt in Schneizlreuth eine willkommene Einkehrmöglichkeit.]] | | [[Datei:Postwirt in Schneizlreuth mit Kapelle.jpg|thumb|Am Salzburger Jakobsweg ist der Postwirt in Schneizlreuth eine willkommene Einkehrmöglichkeit.]] |
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| | Jakobspilger ist, wer aus christlichen oder religiösen Gründen zu Fuß oder per Pferd mindestens die letzten 100 km ''in [[Spanien]]'' zurückgelegt hat. Mit dem Fahrrad müssen es wenigstens die letzten 200 km sein<ref>Quelle [http://www.jakobus-info.de/jakobuspilger/urkunde.htm www.jakobus-info.de]</ref>. | | Jakobspilger ist, wer aus christlichen oder religiösen Gründen zu Fuß oder per Pferd mindestens die letzten 100 km ''in [[Spanien]]'' zurückgelegt hat. Mit dem Fahrrad müssen es wenigstens die letzten 200 km sein<ref>Quelle [http://www.jakobus-info.de/jakobuspilger/urkunde.htm www.jakobus-info.de]</ref>. |
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| − | == "2 150 Kilometer bis Santiago de Compostela“== | + | == "2 150 Kilometer bis Santiago de Compostela"== |
| | '''Eine Wanderung auf dem Jakobsweg von Salzburg nach Unken''' von [[Andreas Hirsch]] beschreibt den Teil im benachbarten [[Bayern]]: | | '''Eine Wanderung auf dem Jakobsweg von Salzburg nach Unken''' von [[Andreas Hirsch]] beschreibt den Teil im benachbarten [[Bayern]]: |
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| − | Der eigentliche Jakobsweg beginnt in den Pyrenäen und führt durch Nordspanien nach Santiago de Compostela, wo sich einer Legende nach das Grab des Apostels Jakobus des Älteren befindet. Seit der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts ist dieser Pilgerweg bekannt. Neben Jerusalem und Rom galt Santiago bald als einer der bedeutendsten Gnadenorte. Einen starken Rückgang erlebte die Wallfahrt zur Zeit der Reformation und in der Folge der Aufklärung und der [[Salzburg unter Napoleon|Napoleonischen Kriege]] am Anfang des [[19. Jahrhundert]]s ist die Pilgerfahrt beinahe gänzlich erloschen. Nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] erinnerte man sich in Spanien und Frankreich an diese Tradition und versuchte, sie wiederzubeleben. Seit den [[1970er]]-Jahren und verstärkt seit einem Papstbesuch [[1982]] nahmen die Pilgerströme nach Santiago de Compostela enorm zu. Der Tiroler Peter Lindenthal befasste sich in den [[1990er]]-Jahren mit den Routen, auf denen die Jakobspilger früherer Jahrhunderte gegangen sein ''könnten'' und entwickelte ein System von Jakobs-Pilgerwegen in Österreich. Ein erster Wanderführer "Auf dem Jakobsweg durch Österreich“ erschien [[1999]], nachdem Lindenthal die Stecke mit hölzernen Wegweisern versehen hatte. Zu diesem Wegenetz gehört auch der etwa 100 Kilometer lange "Salzburger Jakobsweg“. Er ist ein Projekt der [[Fremdenverkehr]]swirtschaft und der [[Katholische Kirche|Katholischen Kirche]] und wurde [[2005]] offiziell ausgeschildert. | + | Der eigentliche Jakobsweg beginnt in den Pyrenäen und führt durch Nordspanien nach Santiago de Compostela, wo sich einer Legende nach das Grab des Apostels Jakobus des Älteren befindet. Seit der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts ist dieser Pilgerweg bekannt. Neben Jerusalem und Rom galt Santiago bald als einer der bedeutendsten Gnadenorte. Einen starken Rückgang erlebte die Wallfahrt zur Zeit der Reformation und in der Folge der Aufklärung und der [[Salzburg unter Napoleon|Napoleonischen Kriege]] am Anfang des [[19. Jahrhundert]]s ist die Pilgerfahrt beinahe gänzlich erloschen. Nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] erinnerte man sich in Spanien und Frankreich an diese Tradition und versuchte, sie wiederzubeleben. Seit den [[1970er]]-Jahren und verstärkt seit einem Papstbesuch [[1982]] nahmen die Pilgerströme nach Santiago de Compostela enorm zu. Der Tiroler Peter Lindenthal befasste sich in den [[1990er]]-Jahren mit den Routen, auf denen die Jakobspilger früherer Jahrhunderte gegangen sein ''könnten'' und entwickelte ein System von Jakobs-Pilgerwegen in Österreich. Ein erster Wanderführer "Auf dem Jakobsweg durch Österreich" erschien [[1999]], nachdem Lindenthal die Stecke mit hölzernen Wegweisern versehen hatte. Zu diesem Wegenetz gehört auch der etwa 100 Kilometer lange "Salzburger Jakobsweg". Er ist ein Projekt der [[Fremdenverkehr]]swirtschaft und der [[Katholische Kirche|Katholischen Kirche]] und wurde [[2005]] offiziell ausgeschildert. |
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| | Die 35 Kilometer lange Etappe von der Stadt Salzburg nach Unken beginnt am [[Salzburger Dom]] und führt zunächst in die [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter]], wo sich der Legende nach das Grab des heiligen [[Rupert von Worms|Rupert]] befindet. Durch das [[Sigmundstor]], bis vor einigen Jahren Neutor genannt, verlässt man die [[Salzburger Altstadt]] in Richtung Westen. In Neu-[[Maxglan]] führt der Weg vorbei an den Gebäuden der [[Stieglbrauerei]]. Viel zu früh für eine Rast! Weiter geht es an der lautlos fließenden [[Glanbach]] entlang. Südlich des Flüsschens erstreckt sich vor dem mächtigen [[Untersbergstock]] das ausgedehnte [[Leopoldskroner Moos]]. | | Die 35 Kilometer lange Etappe von der Stadt Salzburg nach Unken beginnt am [[Salzburger Dom]] und führt zunächst in die [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter]], wo sich der Legende nach das Grab des heiligen [[Rupert von Worms|Rupert]] befindet. Durch das [[Sigmundstor]], bis vor einigen Jahren Neutor genannt, verlässt man die [[Salzburger Altstadt]] in Richtung Westen. In Neu-[[Maxglan]] führt der Weg vorbei an den Gebäuden der [[Stieglbrauerei]]. Viel zu früh für eine Rast! Weiter geht es an der lautlos fließenden [[Glanbach]] entlang. Südlich des Flüsschens erstreckt sich vor dem mächtigen [[Untersbergstock]] das ausgedehnte [[Leopoldskroner Moos]]. |
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| | Irgendwo dort muss die Stadt Juvavia gelegen haben, wie uns eine Sage erzählt: Die Bewohner dieser Stadt hatten alles im Überfluss und schwelgten im Reichtum. Hoffart und Sünde herrschten vor. Doch eines Tages mussten die lasterhaften Einwohner dafür büßen, als der Glanbach und alle Bäche und Weiher über die Ufer traten und die Gegend überschwemmten. Alle Menschen ertranken und die Stadt versank im Morast. Übrig blieb das große Moor, das auch später noch manchen Wanderer versinken ließ. Darum strammen Schritts weiter über [[Viehhausen]] nach Gois. | | Irgendwo dort muss die Stadt Juvavia gelegen haben, wie uns eine Sage erzählt: Die Bewohner dieser Stadt hatten alles im Überfluss und schwelgten im Reichtum. Hoffart und Sünde herrschten vor. Doch eines Tages mussten die lasterhaften Einwohner dafür büßen, als der Glanbach und alle Bäche und Weiher über die Ufer traten und die Gegend überschwemmten. Alle Menschen ertranken und die Stadt versank im Morast. Übrig blieb das große Moor, das auch später noch manchen Wanderer versinken ließ. Darum strammen Schritts weiter über [[Viehhausen]] nach Gois. |
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| − | Der Ortsname [[Gois (Wals-Siezenheim)|Gois]], eigentlich Gols, hat sich aus lateinisch "Collis“, was Hügel bedeutet, entwickelt. Es handelt sich demnach um ehemals [[Romanik|romanisch]] besiedeltes Land. Manchen Heimatfreunden ist die [[Römer]]zeit nicht altehrwürdig genug, weshalb sie den Ortsnamen auf [[Kelten|keltisch]] "gois“ ("heilig“) zurückführen. Die [[Filialkirche zum hl. Jakobus dem Älteren in Gois|Jakobskirche]] auf dem [[Gois (Hügel in Gois)|Goiser Hügel]] gilt als wichtige Station auf dem Pilgerweg. Das erstmals [[1242]] erwähnte Gotteshaus präsentiert sich heute als spät[[Gotik|got]]ischer Bau aus der Zeit um [[1500]]. Im Schrein des neugotischen Altars stehen die Figuren der Muttergottes, des Kirchenpatrons Jakobus des Älteren und seines Bruders, des Evangelisten Johannes. Außen sind auf einem Fresko über dem Südportal Jesus am Ölberg und die schlafenden Jünger dargestellt. Die Pilger können sich in ein Buch eintragen und einen Pilgerstempel abholen. An einem mit einer Jakobsmuschel verzierten Brunnen kann man seine Vorräte an Getränken auffüllen, bevor man weiterwandert. Eine Säule weist daraufhin, dass es noch 2 150 Kilometer bis nach Santiago de Compostela sind. | + | Der Ortsname [[Gois (Wals-Siezenheim)|Gois]], eigentlich Gols, hat sich aus lateinisch "Collis", was Hügel bedeutet, entwickelt. Es handelt sich demnach um ehemals [[Romanik|romanisch]] besiedeltes Land. Manchen Heimatfreunden ist die [[Römer]]zeit nicht altehrwürdig genug, weshalb sie den Ortsnamen auf [[Kelten|keltisch]] "gois" ("heilig") zurückführen. Die [[Filialkirche zum hl. Jakobus dem Älteren in Gois|Jakobskirche]] auf dem [[Gois (Hügel in Gois)|Goiser Hügel]] gilt als wichtige Station auf dem Pilgerweg. Das erstmals [[1242]] erwähnte Gotteshaus präsentiert sich heute als spät[[Gotik|got]]ischer Bau aus der Zeit um [[1500]]. Im Schrein des neugotischen Altars stehen die Figuren der Muttergottes, des Kirchenpatrons Jakobus des Älteren und seines Bruders, des Evangelisten Johannes. Außen sind auf einem Fresko über dem Südportal Jesus am Ölberg und die schlafenden Jünger dargestellt. Die Pilger können sich in ein Buch eintragen und einen Pilgerstempel abholen. An einem mit einer Jakobsmuschel verzierten Brunnen kann man seine Vorräte an Getränken auffüllen, bevor man weiterwandert. Eine Säule weist daraufhin, dass es noch 2 150 Kilometer bis nach Santiago de Compostela sind. |
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| − | Nach dem Unterqueren der [[Westautobahn]] wandert man durch die idyllische Landschaft der Walser Wiesen an [[Heustadel]]n und alten [[Eiche]]n vorbei. Den Verkehrslärm von der nahen Westautobahn muss man dabei in Kauf nehmen. Am Fuße des Wartbergs schwenkt der Jakobsweg ein in einen Radweg neben der [[Großgmainer Landesstraße]], die gleichmäßig bergan steigt. In dem auf der Anhöhe gelegenen Gasthaus Wartberg waren Gäste aus dem nahen Bayern immer besonders gern gesehen, weshalb die Wirtin für diese einen eigenen Zugang zum Gastgarten einrichtete, das so genannte "Marzoller Türl“. Da die einstige Pilgerraststätte aber seit Jahren geschlossen ist, wandert man weiter und überquert fast unbemerkt den Schwarzbach. Ausblicke ins [[Reichenhaller Becken|Reichenhaller Tal]] und auf die östlichen [[Chiemgauer Alpen]] versüßen das kilometerlange Gehen auf hartem Asphalt. In der Ferne sind bereits der [[Wallfahrtskirche St. Valentin|Kirchturm]] und das Schloss von [[Marzoll]] auszumachen. Kurz vor dem [[Salzburger Freilichtmuseum]] gemahnt ein [[Marterl]] an einen jungen Mann, der dort [[1950]] beim [[Schmuggel]]n von Zollbeamten erschossen wurde. | + | Nach dem Unterqueren der [[Westautobahn]] wandert man durch die idyllische Landschaft der Walser Wiesen an [[Heustadel]]n und alten [[Eiche]]n vorbei. Den Verkehrslärm von der nahen Westautobahn muss man dabei in Kauf nehmen. Am Fuße des Wartbergs schwenkt der Jakobsweg ein in einen Radweg neben der [[Großgmainer Landesstraße]], die gleichmäßig bergan steigt. In dem auf der Anhöhe gelegenen Gasthaus Wartberg waren Gäste aus dem nahen Bayern immer besonders gern gesehen, weshalb die Wirtin für diese einen eigenen Zugang zum Gastgarten einrichtete, das so genannte "Marzoller Türl". Da die einstige Pilgerraststätte aber seit Jahren geschlossen ist, wandert man weiter und überquert fast unbemerkt den Schwarzbach. Ausblicke ins [[Reichenhaller Becken|Reichenhaller Tal]] und auf die östlichen [[Chiemgauer Alpen]] versüßen das kilometerlange Gehen auf hartem Asphalt. In der Ferne sind bereits der [[Wallfahrtskirche St. Valentin|Kirchturm]] und das Schloss von [[Marzoll]] auszumachen. Kurz vor dem [[Salzburger Freilichtmuseum]] gemahnt ein [[Marterl]] an einen jungen Mann, der dort [[1950]] beim [[Schmuggel]]n von Zollbeamten erschossen wurde. |
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| | ==== Die Sage vom Jäger Michael Holzegger ==== | | ==== Die Sage vom Jäger Michael Holzegger ==== |
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| | Kurz nach Holzegg heißt es, sich zu entscheiden: Pilger, die noch viele Sünden abzubüßen haben, sollten geradeaus weiter gehen und sich weiterhin auf hartem Asphalt neben der viel befahrenen Straße über Hinterreit nach Großgmain schleppen. Diejenigen mit lässlichen Sünden werden sich nach rechts wenden und ins nahe Marzoll spazieren. Dort erwartet sie ein schattiger Wirtsgarten und die Kirche des heiligen Valentin. | | Kurz nach Holzegg heißt es, sich zu entscheiden: Pilger, die noch viele Sünden abzubüßen haben, sollten geradeaus weiter gehen und sich weiterhin auf hartem Asphalt neben der viel befahrenen Straße über Hinterreit nach Großgmain schleppen. Diejenigen mit lässlichen Sünden werden sich nach rechts wenden und ins nahe Marzoll spazieren. Dort erwartet sie ein schattiger Wirtsgarten und die Kirche des heiligen Valentin. |
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| − | Wie es zu der einst bedeutenden Wallfahrt nach Marzoll gekommen ist, lässt sich aus einer historischen Aufzeichnug erfahren:<blockquote>"Im jahr Christi [[1496]] hat es sich zuegetragen, dass ein knab von 12 jahren, auß Thallgey gebürttig, der mit der laidigen hinfahlendten sucht elendiglich behafft gewesen. Sen vatter mit nahmen Christian Fischer verlobt ihm auß sonderbarer einsprechung Gottes anhero zu dem heiligen Valentinum mit einen lebendigen opffer, einer schwartzen henn. Was geschicht den jüngling? Wurde nit allein durch vorbitt deß Heiligen also bald von seiner schwaren noth befreyet und erlediget, also dass ihm die zeit seines lebens nit mehr angestossen, sondern was thuet Gott nit zu mehrerer bekräfftigung seiner wunder und miracul, die er durch seinen heiligen würckhe! Weil man vielleicht dißen leuthen nit geglaubt hette, ist die schwarze henn weiß worden. Und das ist in beysein viller zeigen als benantlich deß damahligen herr pfarrer, herrn Pellinger als eben zu selbiger zeit richter in gschloss Plain, der beeden kirchprobsten Martin Pockhel und Sigismund Zeller wie dann auch viller andern frommen Christen bekennet und außgesagt worden.“</blockquote> | + | Wie es zu der einst bedeutenden Wallfahrt nach Marzoll gekommen ist, lässt sich aus einer historischen Aufzeichnug erfahren:<blockquote>"Im jahr Christi [[1496]] hat es sich zuegetragen, dass ein knab von 12 jahren, auß Thallgey gebürttig, der mit der laidigen hinfahlendten sucht elendiglich behafft gewesen. Sen vatter mit nahmen Christian Fischer verlobt ihm auß sonderbarer einsprechung Gottes anhero zu dem heiligen Valentinum mit einen lebendigen opffer, einer schwartzen henn. Was geschicht den jüngling? Wurde nit allein durch vorbitt deß Heiligen also bald von seiner schwaren noth befreyet und erlediget, also dass ihm die zeit seines lebens nit mehr angestossen, sondern was thuet Gott nit zu mehrerer bekräfftigung seiner wunder und miracul, die er durch seinen heiligen würckhe! Weil man vielleicht dißen leuthen nit geglaubt hette, ist die schwarze henn weiß worden. Und das ist in beysein viller zeigen als benantlich deß damahligen herr pfarrer, herrn Pellinger als eben zu selbiger zeit richter in gschloss Plain, der beeden kirchprobsten Martin Pockhel und Sigismund Zeller wie dann auch viller andern frommen Christen bekennet und außgesagt worden."</blockquote> |
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| | Trotz der einträglichen Wallfahrt wird die Entlohnung des Marzoller Mesners für Mesnerdienst, Orgelspiel und Schulunterricht wohl nicht allzu üppig gewesen sein, denn dieser suchte sich weitere Betätigungsfelder, um seine Einkünfte zu erhöhen. Der [[Siezenheim]]er Mesner Michael Greppler bat [[1743]] in einem Brief an das Salzburger [[Domkapitel]], weiterhin seinen Nebentätigkeiten nachgehen zu dürfen. Dabei führte er an, dass sich die Mesner von Marzoll, [[Salzburghofen]] und Nonntal ebenfalls mit dem Schneiden von Haaren und Bärten ein Zusatzeinkommen verdienen würden. | | Trotz der einträglichen Wallfahrt wird die Entlohnung des Marzoller Mesners für Mesnerdienst, Orgelspiel und Schulunterricht wohl nicht allzu üppig gewesen sein, denn dieser suchte sich weitere Betätigungsfelder, um seine Einkünfte zu erhöhen. Der [[Siezenheim]]er Mesner Michael Greppler bat [[1743]] in einem Brief an das Salzburger [[Domkapitel]], weiterhin seinen Nebentätigkeiten nachgehen zu dürfen. Dabei führte er an, dass sich die Mesner von Marzoll, [[Salzburghofen]] und Nonntal ebenfalls mit dem Schneiden von Haaren und Bärten ein Zusatzeinkommen verdienen würden. |
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| | Am Marzoller Schlossweiher verlässt der Pilgerpfad die Straße, biegt nach links ab und führt von nun an über nicht asphaltierte Wanderwege nach [[Augustiner-Chorherrenstift St. Zeno|St. Zeno]]. Den Kohlerbach überquert man am ehemaligen Standort der Haggenmühle, wo einst Getreide und Öl verarbeitet wurden. Nach dieser Mühle war der Wasserlauf jahrhundertelang Haggenbach genannt worden, bevor er seinen heutigen Namen vom Kolleranwesen in Türk an seinem Unterlauf erhielt. Seit die Mühlengebäude 1920 abgerissen wurden, sollen an der Haggenmühle Geister umgehen. | | Am Marzoller Schlossweiher verlässt der Pilgerpfad die Straße, biegt nach links ab und führt von nun an über nicht asphaltierte Wanderwege nach [[Augustiner-Chorherrenstift St. Zeno|St. Zeno]]. Den Kohlerbach überquert man am ehemaligen Standort der Haggenmühle, wo einst Getreide und Öl verarbeitet wurden. Nach dieser Mühle war der Wasserlauf jahrhundertelang Haggenbach genannt worden, bevor er seinen heutigen Namen vom Kolleranwesen in Türk an seinem Unterlauf erhielt. Seit die Mühlengebäude 1920 abgerissen wurden, sollen an der Haggenmühle Geister umgehen. |
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| − | Meist parallel zur Landesgrenze verläuft der Weg nun auf der Anhöhe des Tumpen bis zur Tumpenkapelle, von der sich ein weiter Blick ins Reichenhaller Tal und zum Sonntagshorn bietet. Durch einen Hohlweg gelangt man zur schmucken Obermühle am Weißbach, die zur Einkehr einlädt. Das [[1415]] erstmals erwähnte Anwesen war die oberste der drei Weißbacher Mühlen. Lohnend ist ein Blick in die [[barock]]e Kapelle St. Leonhard, die in das später erbaute Nebengebäude integriert wurde. An dem von einer steinernen Madonna bewachten Hauseck wendet sich der Jakobsweg nach rechts und führt auf einem Steg über den Weißbach. Pilgerfreundliche Anwohner weisen hier den Wanderern mit echten Jakobsmuscheln den Weg. Auf einer Wiese gabelt sich der Pfad und man tut gut daran, den rechten Weg zu wählen, auch wenn es ein "Privatweg“ ist und seine "Benützung auf eigene Gefahr“ erfolgt. Hinter einer Abzweigung nach links beginnt ein leichter Anstieg auf das Kirchholz. Ein romantischer Weg, der auch unter dem Namen "Königsweg“ bekannt ist, führt dann durch schönsten Mischwald am Westabhang des Kirchholzes entlang. Besonders auffällig ist hier der große Bestand an Eiben, wie er sonst kaum irgendwo anzutreffen ist. Sanft bergab verläuft der Weg bis nach St. Zeno, das als die nächste offizielle Station der Jakobspilger gilt. In einem Reiselesebuch wird davon berichtet, dass die Gebeine des heiligen Zeno in der früheren Stiftskirche ruhen würden. In Wahrheit hütet man hier lediglich eine Reliquie des Bischofs in einer silbernen Büste. | + | Meist parallel zur Landesgrenze verläuft der Weg nun auf der Anhöhe des Tumpen bis zur Tumpenkapelle, von der sich ein weiter Blick ins Reichenhaller Tal und zum Sonntagshorn bietet. Durch einen Hohlweg gelangt man zur schmucken Obermühle am Weißbach, die zur Einkehr einlädt. Das [[1415]] erstmals erwähnte Anwesen war die oberste der drei Weißbacher Mühlen. Lohnend ist ein Blick in die [[barock]]e Kapelle St. Leonhard, die in das später erbaute Nebengebäude integriert wurde. An dem von einer steinernen Madonna bewachten Hauseck wendet sich der Jakobsweg nach rechts und führt auf einem Steg über den Weißbach. Pilgerfreundliche Anwohner weisen hier den Wanderern mit echten Jakobsmuscheln den Weg. Auf einer Wiese gabelt sich der Pfad und man tut gut daran, den rechten Weg zu wählen, auch wenn es ein "Privatweg" ist und seine "Benützung auf eigene Gefahr" erfolgt. Hinter einer Abzweigung nach links beginnt ein leichter Anstieg auf das Kirchholz. Ein romantischer Weg, der auch unter dem Namen "Königsweg" bekannt ist, führt dann durch schönsten Mischwald am Westabhang des Kirchholzes entlang. Besonders auffällig ist hier der große Bestand an Eiben, wie er sonst kaum irgendwo anzutreffen ist. Sanft bergab verläuft der Weg bis nach St. Zeno, das als die nächste offizielle Station der Jakobspilger gilt. In einem Reiselesebuch wird davon berichtet, dass die Gebeine des heiligen Zeno in der früheren Stiftskirche ruhen würden. In Wahrheit hütet man hier lediglich eine Reliquie des Bischofs in einer silbernen Büste. |
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| | ==== St. Zeno und die Sage von den Untersberger Mandln ==== | | ==== St. Zeno und die Sage von den Untersberger Mandln ==== |
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| | An der eisernen Sichlerbrücke bei der Mündung des Weißbachs in die Saalach gabelt sich der Weg. Geradeaus gelangt man auf der etwas kürzeren Route zur Einkehr Haiderhof und vorbei an der Kapelle St. Anna und durch ein Kieswerk nach Unken. Beim Haiderhof kann man einen weiten Ausblick auf die Loferer Alm und das Dietrichshorn genießen. Werktags ist man auf diesem Weg den modernen Gefahren des Pilgerns ausgesetzt, denn schwer mit Kies beladene Lastwagen drängen die Fußgänger und Radler von der engen Straße. Man kann sein Leben jedoch retten, indem man diesen Ungetümen durch Sprünge in die Wiese den Weg frei gibt. Weit weniger gefährlich ist die Route über Schneizlreuth, das man erreicht, wenn man auf der Sichlerbrücke die Saalach überquert und dann sofort nach links abbiegt. | | An der eisernen Sichlerbrücke bei der Mündung des Weißbachs in die Saalach gabelt sich der Weg. Geradeaus gelangt man auf der etwas kürzeren Route zur Einkehr Haiderhof und vorbei an der Kapelle St. Anna und durch ein Kieswerk nach Unken. Beim Haiderhof kann man einen weiten Ausblick auf die Loferer Alm und das Dietrichshorn genießen. Werktags ist man auf diesem Weg den modernen Gefahren des Pilgerns ausgesetzt, denn schwer mit Kies beladene Lastwagen drängen die Fußgänger und Radler von der engen Straße. Man kann sein Leben jedoch retten, indem man diesen Ungetümen durch Sprünge in die Wiese den Weg frei gibt. Weit weniger gefährlich ist die Route über Schneizlreuth, das man erreicht, wenn man auf der Sichlerbrücke die Saalach überquert und dann sofort nach links abbiegt. |
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| − | In [[Schneizlreuth]] kann man einen Blick in die Dorfkirche Maria Hilf von [[1949]] werfen. Im Vorraum hängt das ehemalige Altarbild aus der Mitte des [[19. Jahrhundert]]s. Darauf ist unter der Muttergottes die Vorgängerkirche von [[1851]] zu sehen. Der schöne, aus Naturstein erbaute heutige Kirchturm mit seiner originellen Zwiebelhaube scheint sich hinter dem Kirchenschiff verstecken zu wollen. Ganz und gar nicht versteckt präsentiert sich ein Denkmal im Disney-Stil, das unter anderem an das [[Salzburg unter Napoleon|Gefecht mit den Franzosen]] von [[1809]] am nahen Bodenbichl erinnern soll. "''Hier kämpfte das tapfere Bergvolk siegreich gegen die Truppen Napoleons''“ ist dort in Stein gemeißelt. Da weiter nichts über die damaligen Ereignisse zu erfahren ist, begibt man sich zur Einkehr beim Postwirt. Das Gasthaus aus dem [[16. Jahrhundert]] war eine Poststation an der [[Reichsstraße]] von Salzburg nach Innsbruck. Der Wirtsgarten mit Kapelle stellt eine selten ideale Kombination dar, sozusagen ein Dorado für Pilger. Noch eine Besonderheit hat der Ort zu bieten: Die bekannteste Schneizlreutherin stammt gar nicht aus dem Dorf, sondern aus München. Die Volkssängerin Bally Prell (* [[1922]]; † [[1982]]) hat dem Ort mit dem satirischen Lied von der "Schönheitskönigin von Schneizlreuth“ in den [[1950er]]-Jahren bayernweite Bekanntheit beschert. Nur ein einziges Mal trat sie in Schneizlreuth auf. | + | In [[Schneizlreuth]] kann man einen Blick in die Dorfkirche Maria Hilf von [[1949]] werfen. Im Vorraum hängt das ehemalige Altarbild aus der Mitte des [[19. Jahrhundert]]s. Darauf ist unter der Muttergottes die Vorgängerkirche von [[1851]] zu sehen. Der schöne, aus Naturstein erbaute heutige Kirchturm mit seiner originellen Zwiebelhaube scheint sich hinter dem Kirchenschiff verstecken zu wollen. Ganz und gar nicht versteckt präsentiert sich ein Denkmal im Disney-Stil, das unter anderem an das [[Salzburg unter Napoleon|Gefecht mit den Franzosen]] von [[1809]] am nahen Bodenbichl erinnern soll. "''Hier kämpfte das tapfere Bergvolk siegreich gegen die Truppen Napoleons''" ist dort in Stein gemeißelt. Da weiter nichts über die damaligen Ereignisse zu erfahren ist, begibt man sich zur Einkehr beim Postwirt. Das Gasthaus aus dem [[16. Jahrhundert]] war eine Poststation an der [[Reichsstraße]] von Salzburg nach Innsbruck. Der Wirtsgarten mit Kapelle stellt eine selten ideale Kombination dar, sozusagen ein Dorado für Pilger. Noch eine Besonderheit hat der Ort zu bieten: Die bekannteste Schneizlreutherin stammt gar nicht aus dem Dorf, sondern aus München. Die Volkssängerin Bally Prell (* [[1922]]; † [[1982]]) hat dem Ort mit dem satirischen Lied von der "Schönheitskönigin von Schneizlreuth" in den [[1950er]]-Jahren bayernweite Bekanntheit beschert. Nur ein einziges Mal trat sie in Schneizlreuth auf. |
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| | ==== Die Sage der "Drei Brüder" ==== | | ==== Die Sage der "Drei Brüder" ==== |
| − | Auf dem Weg nach Unken fallen einem die mächtigen Felszacken der "Drei Brüder“ ins Auge, die zum Gebirgsstock der Reiteralpe gehören. Eine Sage erzählt, wie diese zu ihrem Namen gekommen sind: | + | Auf dem Weg nach Unken fallen einem die mächtigen Felszacken der "Drei Brüder" ins Auge, die zum Gebirgsstock der Reiteralpe gehören. Eine Sage erzählt, wie diese zu ihrem Namen gekommen sind: |
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| − | Drei Brüder aus dem Dorf Reit in Unken nahe zur Gemeindegrenze von Lofer hatte einst die Jagdleidenschaft gepackt. Sie nutzten jede freie Stunde um das Gebirge zu durchstreifen und Ausschau nach Wild zu halten. Auch an einem hohen kirchlichen Feiertag gingen sie nicht in die Kirche, sondern machten sich auf den Weg auf die Reiteralm. Dem jüngsten Bruder war es nicht wohl bei dem Gedanken, den Feiertag zu missachten. Die Älteren aber konnten ihn umstimmen und so gingen sie weiter. Als die Glocken im Tal zur Messe riefen, äußerten sie sich abfällig über die langweilige Predigt beim Gottesdienst. Da brach plötzlich ein Gewitter über ihren Köpfen los und Blitze fuhren auf sie herab. Die Brüder waren verschwunden und wurden nie wieder gesehen. An der Stelle, an der sie gestanden hatten, ragen seither drei Felsen in den Himmel, die man die "Drei Brüder“ nennt. | + | Drei Brüder aus dem Dorf Reit in Unken nahe zur Gemeindegrenze von Lofer hatte einst die Jagdleidenschaft gepackt. Sie nutzten jede freie Stunde um das Gebirge zu durchstreifen und Ausschau nach Wild zu halten. Auch an einem hohen kirchlichen Feiertag gingen sie nicht in die Kirche, sondern machten sich auf den Weg auf die Reiteralm. Dem jüngsten Bruder war es nicht wohl bei dem Gedanken, den Feiertag zu missachten. Die Älteren aber konnten ihn umstimmen und so gingen sie weiter. Als die Glocken im Tal zur Messe riefen, äußerten sie sich abfällig über die langweilige Predigt beim Gottesdienst. Da brach plötzlich ein Gewitter über ihren Köpfen los und Blitze fuhren auf sie herab. Die Brüder waren verschwunden und wurden nie wieder gesehen. An der Stelle, an der sie gestanden hatten, ragen seither drei Felsen in den Himmel, die man die "Drei Brüder" nennt. |
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| − | Der Weg nach Unken führt unterhalb des Bodenbichl weiter, vorbei am Mußbach-Wasserfall, einem wildromantischen Platz, an dem man sich gut erfrischen kann. Nach anderthalb Kilometern erreicht man den Dachsbauernhof, der idyllisch auf einer Wiese zwischen dem Wendelberg und der Saalach gelegen ist. Bei der Köstlerbrücke über die Saalach vereinigen sich die Route über den Haiderhof und das Kieswerk mit dem oben genannten Weg. Pilger, die zu Fuß unterwegs sind, spazieren linkerhand auf der "Josefsallee“ am Flussufer entlang bis nach Unken. Da die Strecke für Radfahrer gesperrt ist, gelangen diese über einen oberhalb verlaufenden Radweg ans Ziel. Dabei bieten sich schöne Ausblicke auf die [[Loferer Steinberge]]. In Unken erinnert ein [[Bildstock]] mit der Figur des heiligen Jakob vor dem prächtigen Gebäude des ehemaligen Kramerwirts an den Zweck des Besuches. | + | Der Weg nach Unken führt unterhalb des Bodenbichl weiter, vorbei am Mußbach-Wasserfall, einem wildromantischen Platz, an dem man sich gut erfrischen kann. Nach anderthalb Kilometern erreicht man den Dachsbauernhof, der idyllisch auf einer Wiese zwischen dem Wendelberg und der Saalach gelegen ist. Bei der Köstlerbrücke über die Saalach vereinigen sich die Route über den Haiderhof und das Kieswerk mit dem oben genannten Weg. Pilger, die zu Fuß unterwegs sind, spazieren linkerhand auf der "Josefsallee" am Flussufer entlang bis nach Unken. Da die Strecke für Radfahrer gesperrt ist, gelangen diese über einen oberhalb verlaufenden Radweg ans Ziel. Dabei bieten sich schöne Ausblicke auf die [[Loferer Steinberge]]. In Unken erinnert ein [[Bildstock]] mit der Figur des heiligen Jakob vor dem prächtigen Gebäude des ehemaligen Kramerwirts an den Zweck des Besuches. |
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| | Die [[Pfarrkirche zum hl. Jakobus dem Älteren (Unken)|Jakobskirche]] steht auf einer Anhöhe über dem Dorf und ihr barockes Inneres überrascht mit einer reichen Stuckierung in Weiß und Gold. Eine derart vornehme Ausstattung würde man in einem ehemaligen Holzfällerdorf nicht erwarten. Ein großer Teil der Bevölkerung lebte nämlich von der Beschaffung von Brennholz für die [[Reichenhaller Saline]] in den [[Bayerische Saalforste|Saalforste]]n. Zur Pfarrgemeinde gehörten auch die Einwohner von Ristfeucht und Schneizlreuth in Bayern. Diese wohnten 2 ½ bis 3 Stunden von St. Nikolaus in Reichenhall entfernt. Zur Unkener Kirche hatten sie nur ¾ bis 1 ½ Stunden Fußweg zu bewältigen. Das Vikariat Unken war Teil der [[Pfarre St. Martin bei Lofer|Pfarrei St. Martin bei Lofer]], die vom Augustiner-Chorherrenstift St. Zeno seelsorglich betreut wurde. | | Die [[Pfarrkirche zum hl. Jakobus dem Älteren (Unken)|Jakobskirche]] steht auf einer Anhöhe über dem Dorf und ihr barockes Inneres überrascht mit einer reichen Stuckierung in Weiß und Gold. Eine derart vornehme Ausstattung würde man in einem ehemaligen Holzfällerdorf nicht erwarten. Ein großer Teil der Bevölkerung lebte nämlich von der Beschaffung von Brennholz für die [[Reichenhaller Saline]] in den [[Bayerische Saalforste|Saalforste]]n. Zur Pfarrgemeinde gehörten auch die Einwohner von Ristfeucht und Schneizlreuth in Bayern. Diese wohnten 2 ½ bis 3 Stunden von St. Nikolaus in Reichenhall entfernt. Zur Unkener Kirche hatten sie nur ¾ bis 1 ½ Stunden Fußweg zu bewältigen. Das Vikariat Unken war Teil der [[Pfarre St. Martin bei Lofer|Pfarrei St. Martin bei Lofer]], die vom Augustiner-Chorherrenstift St. Zeno seelsorglich betreut wurde. |
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| − | Dass die Sage von den "Drei Brüdern“ aus "gegebenem Anlass“ entstanden sein könnte, lässt ein Brief des Unkener Vikars Rupert Fux aus dem Jahr [[1737]] vermuten. Darin berichtet er, dass die Bevölkerung das Sonntagsgebot nicht befolgen würde. Während die einen erst nach der Predigt in die Kirche kämen, verließen die anderen während dieser das Gotteshaus. Der Nachmittag würde nicht mit dem Beten des Rosenkranzes zugebracht, sondern sei einem Besuch des Wirtshauses gewidmet, wo bis tief in die Nacht hinein gefeiert würde. Ein Nachfolger von Fux versuchte diesem Problem aus dem Wege zu gehen, indem er nur noch an hohen Feiertagen predigte. Der Bau der heutigen Unkener Kirche ist einem verheerendem Brand geschuldet: Als man am [[5. September]] [[1756]] das Unkener Kirchweihfest feierlich begangen hatte und bis spät in die Nacht beim Kirchenwirt feierte, brach in den Stallungen des Wirtshauses um Mitternacht ein Brand aus. Dabei kam ein sechsjähriger Bub ums Leben, das Wirtshaus und die Kirche brannten nieder. Vier Tage darauf kam [[Fürsterzbischof]] [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach|Sigmund von Schrattenbach]]. Die Kirchenruine wurde provisorisch hergerichtet, durch Holzpfeiler abgestützt und mit einem Notdach aus Brettern versehen. Beim Neubau der Kirche hat man die sonst übliche Ausrichtung nach Osten außer Acht gelassen und den Altarraum an der Westseite, sowie den Turm an der Ostseite des Langhauses errichtet. | + | Dass die Sage von den "Drei Brüdern" aus "gegebenem Anlass" entstanden sein könnte, lässt ein Brief des Unkener Vikars Rupert Fux aus dem Jahr [[1737]] vermuten. Darin berichtet er, dass die Bevölkerung das Sonntagsgebot nicht befolgen würde. Während die einen erst nach der Predigt in die Kirche kämen, verließen die anderen während dieser das Gotteshaus. Der Nachmittag würde nicht mit dem Beten des Rosenkranzes zugebracht, sondern sei einem Besuch des Wirtshauses gewidmet, wo bis tief in die Nacht hinein gefeiert würde. Ein Nachfolger von Fux versuchte diesem Problem aus dem Wege zu gehen, indem er nur noch an hohen Feiertagen predigte. Der Bau der heutigen Unkener Kirche ist einem verheerendem Brand geschuldet: Als man am [[5. September]] [[1756]] das Unkener Kirchweihfest feierlich begangen hatte und bis spät in die Nacht beim Kirchenwirt feierte, brach in den Stallungen des Wirtshauses um Mitternacht ein Brand aus. Dabei kam ein sechsjähriger Bub ums Leben, das Wirtshaus und die Kirche brannten nieder. Vier Tage darauf kam [[Fürsterzbischof]] [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach|Sigmund von Schrattenbach]]. Die Kirchenruine wurde provisorisch hergerichtet, durch Holzpfeiler abgestützt und mit einem Notdach aus Brettern versehen. Beim Neubau der Kirche hat man die sonst übliche Ausrichtung nach Osten außer Acht gelassen und den Altarraum an der Westseite, sowie den Turm an der Ostseite des Langhauses errichtet. |
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| | Auf dem Hochaltar der Unkener Kirche ist Jakobus der Ältere wie üblich als Pilger mit Stab, Trinkflasche und Muschel abgebildet. Dabei war der Apostel gar kein Pilger. Er wurde aber seit dem Mittelalter derart mit dem Gnadenort Santiago de Compostela und den Pilgerströmen dorthin in Verbindung gebracht, dass man ihn hierzulande fast ausschließlich als Pilger dargestellt findet. | | Auf dem Hochaltar der Unkener Kirche ist Jakobus der Ältere wie üblich als Pilger mit Stab, Trinkflasche und Muschel abgebildet. Dabei war der Apostel gar kein Pilger. Er wurde aber seit dem Mittelalter derart mit dem Gnadenort Santiago de Compostela und den Pilgerströmen dorthin in Verbindung gebracht, dass man ihn hierzulande fast ausschließlich als Pilger dargestellt findet. |
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| | ==== Noch niemand ist des Pilgerns wegen heiliggesprochen worden ==== | | ==== Noch niemand ist des Pilgerns wegen heiliggesprochen worden ==== |
| − | Merkwürdiger Weise gibt es nur wenige pilgernde Heilige oder heilige Pilger. Noch niemand ist des Pilgerns wegen heiliggesprochen worden. Pilgernde Heilige waren [[Nikolaus von Myra]], der sich ins Heilige Land begab und Birgitta von Schweden, welche nach Santiago reiste. Rochus von Montpellier wallfahrtete nach Rom, wo er sich mit der Pest infizierte und der Legende nach durch die Hilfe eines Engels überlebte. Der heilige Alexius verließ am Tag der Hochzeit seine Braut, um nach Jerusalem zu pilgern, weshalb er später zum Patron der Vagabunden auserkoren wurde. Die tragischste Legende ist vom heiligen [[Koloman]] überliefert. Dieser war als Pilger auf dem Weg nach Jerusalem, als man ihn in Stockerau bei Wien wegen seiner fremden Kleidung als Spion verdächtigte und an einem Baum erhängte. Dafür erklärte man ihn später zum ersten Landespatron Österreichs. Überhaupt genossen die Pilger einst oft keinen guten Ruf, vor allem wenn sie mittellos reisten und man nichts an ihnen verdienen konnte. Dies kommt auch in der 1568 gedruckten "Eygentlichen Beschreibung Aller Stände auff Erden“ von Jost Amman zum Ausdruck: "Wir jacobsbrüder mit grossem haufen Im Land sind hin und her gelauffen/ Von Sanct Jacob/ Ach und gen Rom Singen und bettlen one schom/ Gleich anderen presthafften armen/ Offt thut uns der BettelStab erwarmen In Händen/ alsdenn wir es treibn Unser lebtag faul Bettler bleibn.“ | + | Merkwürdiger Weise gibt es nur wenige pilgernde Heilige oder heilige Pilger. Noch niemand ist des Pilgerns wegen heiliggesprochen worden. Pilgernde Heilige waren [[Nikolaus von Myra]], der sich ins Heilige Land begab und Birgitta von Schweden, welche nach Santiago reiste. Rochus von Montpellier wallfahrtete nach Rom, wo er sich mit der Pest infizierte und der Legende nach durch die Hilfe eines Engels überlebte. Der heilige Alexius verließ am Tag der Hochzeit seine Braut, um nach Jerusalem zu pilgern, weshalb er später zum Patron der Vagabunden auserkoren wurde. Die tragischste Legende ist vom heiligen [[Koloman]] überliefert. Dieser war als Pilger auf dem Weg nach Jerusalem, als man ihn in Stockerau bei Wien wegen seiner fremden Kleidung als Spion verdächtigte und an einem Baum erhängte. Dafür erklärte man ihn später zum ersten Landespatron Österreichs. Überhaupt genossen die Pilger einst oft keinen guten Ruf, vor allem wenn sie mittellos reisten und man nichts an ihnen verdienen konnte. Dies kommt auch in der 1568 gedruckten "Eygentlichen Beschreibung Aller Stände auff Erden" von Jost Amman zum Ausdruck: "Wir jacobsbrüder mit grossem haufen Im Land sind hin und her gelauffen/ Von Sanct Jacob/ Ach und gen Rom Singen und bettlen one schom/ Gleich anderen presthafften armen/ Offt thut uns der BettelStab erwarmen In Händen/ alsdenn wir es treibn Unser lebtag faul Bettler bleibn." |
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| | ==Bildergalerie weitere Orte oder Kapellen am des Salzburger Jakobsweges== | | ==Bildergalerie weitere Orte oder Kapellen am des Salzburger Jakobsweges== |