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Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]].  
 
Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]].  
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Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny“ und Enkelkind "Fanni“.<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter "Fanny“ [Kobler] und Enkelin "Fanni“ [Schlegel-Spängler].</ref>
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Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].</ref>
    
== 1885 ==
 
== 1885 ==
 
==== Brief vom 3. Jänner 1885 von Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
 
==== Brief vom 3. Jänner 1885 von Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
Fanny Kobler (* 1796; † 12.7.1886): Brief, 1 Blatt, Salzburg 3. Januar 1885 verschrieben "1886“ und gestrichen; sie ist 88 Jahre alt; mit zittriger Schrift, von "Großmuttter Fanni“ an "Fani“ (Spängler): Dank für Süßigkeiten, Befinden "zimlig gut“, Augen schlecht, die 80er Jahre sind schon überwunden, "doch kann ich mich darüber nicht beklagen. Das Wetter ist sehr schön“ XXX.
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Fanny Kobler (* 1796; † 12.7.1886): Brief, 1 Blatt, Salzburg 3. Januar 1885 verschrieben "1886" und gestrichen; sie ist 88 Jahre alt; mit zittriger Schrift, von "Großmuttter Fanni" an "Fani" (Spängler): Dank für Süßigkeiten, Befinden "zimlig gut", Augen schlecht, die 80er Jahre sind schon überwunden, "doch kann ich mich darüber nicht beklagen. Das Wetter ist sehr schön" XXX.
 
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==== Brief vom 29. Juli 1885 von Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Brief vom 29. Juli 1885 von Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
[Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 18] an Franz Spängler:<br />
 
[Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 18] an Franz Spängler:<br />
''Salzburg, 29/7 1885/ Liebester Mann! Wie sehr freute mich deine Karte. sei herzlichst dafür geküßt, aber nicht mehr, du Lieber, du gönnst dir gewiß 3 Wochen? Um mit einiger Ordnung zu erzählen theile ich dir mit, daß unsere Herreise absolut ohne jeglichen Zwischenfall verlief, die Umsiedlung in Amstetten ging ganz ruhig vor sich, wir hatten 19 M. Zeit, bis Reindorf war noch eine Familie im Waggon. Dann waren wir beinahe allein. Die Kinder waren im Ganzen brav der Bubi und Hanna schliefen Nachmittags lange, die lezte Zeit haben wir Alle geschlafen. Mutter u. Minna erwarteten uns am Bahnhof, auch ein Wagen war für uns bestellt. Maria u. Emma erwarteten uns in der Wohnung auch Mutter u Mina kamen noch, und so wurde es spät ehe wir ins Bett kamen. Ich bin heuer mit Comfort eingerichtet, besitze hinreichend Sessel und sogar ein Ruhebett, auf dem Toni schläft. Nachdem ich heute angezogen war, ging ich zu Großmutter, die mich zu meiner großen Freude sogleich erkannte; ich hatte gefürchtet, daß sie sich nicht mehr meiner erinnert. Sie war recht freundlich, doch ist ihr Geist sehr schwach. Nach Tisch behauptete sie, sie habe noch nichts gegessen doch war dieß nicht richtig. Als ich zum Haus heraus trat fand Director Lorinser und Gehil[f]e bei Tomaselli'' [Café am Alten Markt, neben Nr.10 der Kobler] '', was mich sehr freute. Ich blieb einige Zeit bei Ihnen sitzen dann ging ich unter Emmis Assistenz mit den drei Großen ins Bad nach Mülln [Salzburger Vorstadt]. Auch die beiden Kleinen waren mit, doch ohne zu baden. Unser erstes Mittagsmal bei der Hölle'' [Gasthaus "Höllbräu“] ''ging auch in leidlicher Ordnung ab. Hierauf machte ich mit den vier Dirndln Besuch bei Otto und Luise'' [Louise Spängler] '', welche dich bestens grüßen. Sie gehen morgen nach St.Gilgen für etlige Tage. Bei Otto schlief Hanna am Boden fast ein. Einige Minuten waren wir nun [?] schon, dann Grabe deiner guten Mutter. So oft ich an dem Gitter ihrer einstigen Wohnung vorbeigehe, thut es mir leid, daß ich nicht mehr zur gütigsten aller Schwiegermütter gehen kann.  
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''Salzburg, 29/7 1885/ Liebester Mann! Wie sehr freute mich deine Karte. sei herzlichst dafür geküßt, aber nicht mehr, du Lieber, du gönnst dir gewiß 3 Wochen? Um mit einiger Ordnung zu erzählen theile ich dir mit, daß unsere Herreise absolut ohne jeglichen Zwischenfall verlief, die Umsiedlung in Amstetten ging ganz ruhig vor sich, wir hatten 19 M. Zeit, bis Reindorf war noch eine Familie im Waggon. Dann waren wir beinahe allein. Die Kinder waren im Ganzen brav der Bubi und Hanna schliefen Nachmittags lange, die lezte Zeit haben wir Alle geschlafen. Mutter u. Minna erwarteten uns am Bahnhof, auch ein Wagen war für uns bestellt. Maria u. Emma erwarteten uns in der Wohnung auch Mutter u Mina kamen noch, und so wurde es spät ehe wir ins Bett kamen. Ich bin heuer mit Comfort eingerichtet, besitze hinreichend Sessel und sogar ein Ruhebett, auf dem Toni schläft. Nachdem ich heute angezogen war, ging ich zu Großmutter, die mich zu meiner großen Freude sogleich erkannte; ich hatte gefürchtet, daß sie sich nicht mehr meiner erinnert. Sie war recht freundlich, doch ist ihr Geist sehr schwach. Nach Tisch behauptete sie, sie habe noch nichts gegessen doch war dieß nicht richtig. Als ich zum Haus heraus trat fand Director Lorinser und Gehil[f]e bei Tomaselli'' [Café am Alten Markt, neben Nr.10 der Kobler] '', was mich sehr freute. Ich blieb einige Zeit bei Ihnen sitzen dann ging ich unter Emmis Assistenz mit den drei Großen ins Bad nach Mülln [Salzburger Vorstadt]. Auch die beiden Kleinen waren mit, doch ohne zu baden. Unser erstes Mittagsmal bei der Hölle'' [Gasthaus "Höllbräu"] ''ging auch in leidlicher Ordnung ab. Hierauf machte ich mit den vier Dirndln Besuch bei Otto und Luise'' [Louise Spängler] '', welche dich bestens grüßen. Sie gehen morgen nach St.Gilgen für etlige Tage. Bei Otto schlief Hanna am Boden fast ein. Einige Minuten waren wir nun [?] schon, dann Grabe deiner guten Mutter. So oft ich an dem Gitter ihrer einstigen Wohnung vorbeigehe, thut es mir leid, daß ich nicht mehr zur gütigsten aller Schwiegermütter gehen kann.  
    
''Unser kleines Volk geXX [?] ihr wol. Bei Koch ist vor ganz kurzer Zeit das dutzend Kinder vollständig geworden. Während Maria Koch im Wochenbette lag, brach der kleine Max den Fuß beim Schaukeln, und Olga bekam aus Schreck darüber einen FXXanfall - - - Nach der Taufe war ich und Kathi mit den Kindern im Mirabellgarten. Das ist alles ganz normal [?]. Abends aber war ich sehr unternehmend indem ich Dr. Lorinser im Hotel Griesberger aufsuchte wohrauf [?] Ziller Anna kam. Wir blieben bis 10 Uhr sitzen. Auch Millichhofer war dort, dann begleitete ich Anna ein Stück, hierauf sie mich, bei welcher Gelegenheit ich hörte, daß Frau Lida'' [Guttenberg] ''jeden Tag ihre Entbindung erwarte. Man muß nichts merken./: Eben ist Franzi aus dem Bette gefallen.:/  
 
''Unser kleines Volk geXX [?] ihr wol. Bei Koch ist vor ganz kurzer Zeit das dutzend Kinder vollständig geworden. Während Maria Koch im Wochenbette lag, brach der kleine Max den Fuß beim Schaukeln, und Olga bekam aus Schreck darüber einen FXXanfall - - - Nach der Taufe war ich und Kathi mit den Kindern im Mirabellgarten. Das ist alles ganz normal [?]. Abends aber war ich sehr unternehmend indem ich Dr. Lorinser im Hotel Griesberger aufsuchte wohrauf [?] Ziller Anna kam. Wir blieben bis 10 Uhr sitzen. Auch Millichhofer war dort, dann begleitete ich Anna ein Stück, hierauf sie mich, bei welcher Gelegenheit ich hörte, daß Frau Lida'' [Guttenberg] ''jeden Tag ihre Entbindung erwarte. Man muß nichts merken./: Eben ist Franzi aus dem Bette gefallen.:/  
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''Dr. Lorinser sieht sehr mager und kraftlos aus, morgen reist er nach Gastein. Anna Zillner sagte mir, daß nach ihres Vater Ansicht Dr. Lorinser ein Rückenmarkleiden habe. - Eduard Zillner ist gegenwärtig in Lofer, wo es ihm gut gehen soll. Die Reise nach Italien hat ihm nicht gut getan. Für heute schließe ich mit der herzlichen Bitte, strenge dich nicht gar so sehr an und kom auf drei Wochen! Mit 10 000 Grüßen deine Alte. - 3/4 12 Nachts.'' [ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben]  
 
''Dr. Lorinser sieht sehr mager und kraftlos aus, morgen reist er nach Gastein. Anna Zillner sagte mir, daß nach ihres Vater Ansicht Dr. Lorinser ein Rückenmarkleiden habe. - Eduard Zillner ist gegenwärtig in Lofer, wo es ihm gut gehen soll. Die Reise nach Italien hat ihm nicht gut getan. Für heute schließe ich mit der herzlichen Bitte, strenge dich nicht gar so sehr an und kom auf drei Wochen! Mit 10 000 Grüßen deine Alte. - 3/4 12 Nachts.'' [ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben]  
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"Bubi“: Franz Xaver, geb. 1883, "Hanna“: Johanna (Hansimutti), geb. 1882. "Toni“ geb. 1879, sechs Jahre alt. "Großmutter“: Höllbräuin Fanny Kobler, gest. 1886. "vier Dirndl“: Franzi(8), Toni(6), Rosl(5), "Hanna“: Johanna(3); Franz Xaver(2), Otto wird dann im Mai 1886 geboren (wird darauf angedeutet?); "Otto und Luise“: Otto Spängler (Bruder von Franz) und seine Frau Louise (siehe unten). - "Mutter“ (Schwiegermutter): Maria Antonia (Antonia) Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882. - "Bahnhof“: der Salzburger Bahnhof wird 1861 eingeweiht; "Tomaselli“: das [[Café Tomaselli]], Alter Markt Nr. 9, neben Koblers Haus Nr. 10, oder der "[[Kiosk Tomaselli|Tomaselli-Kiosk]]ist um 1900 ein beliebter Treffpunkt in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 483). - "#Lorinser“: In dem Fotoalbum, das Fanni Spängler kurz vor der Hochzeit 1872 von einer Freundin bekommt, ist u. a. ein "Dr. Friedrich Lorinser“ (1866) abgebildet, Vater einer Freundin, Minna Lorinser, aus der Salzburger Schulzeit.
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"Bubi": Franz Xaver, geb. 1883, "Hanna": Johanna (Hansimutti), geb. 1882. "Toni" geb. 1879, sechs Jahre alt. "Großmutter": Höllbräuin Fanny Kobler, gest. 1886. "vier Dirndl": Franzi(8), Toni(6), Rosl(5), "Hanna": Johanna(3); Franz Xaver(2), Otto wird dann im Mai 1886 geboren (wird darauf angedeutet?); "Otto und Luise": Otto Spängler (Bruder von Franz) und seine Frau Louise (siehe unten). - "Mutter" (Schwiegermutter): Maria Antonia (Antonia) Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882. - "Bahnhof": der Salzburger Bahnhof wird 1861 eingeweiht; "Tomaselli": das [[Café Tomaselli]], Alter Markt Nr. 9, neben Koblers Haus Nr. 10, oder der "[[Kiosk Tomaselli|Tomaselli-Kiosk]]" ist um 1900 ein beliebter Treffpunkt in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 483). - "#Lorinser": In dem Fotoalbum, das Fanni Spängler kurz vor der Hochzeit 1872 von einer Freundin bekommt, ist u. a. ein "Dr. Friedrich Lorinser" (1866) abgebildet, Vater einer Freundin, Minna Lorinser, aus der Salzburger Schulzeit.
 
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[ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben; am nächsten Tag nach dem vorigen Brief!] Brief von Fanni Spängler [Nr.19] an ihren Mann, Franz Spängler.  
 
[ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben; am nächsten Tag nach dem vorigen Brief!] Brief von Fanni Spängler [Nr.19] an ihren Mann, Franz Spängler.  
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"Hofrichter Spängler“: Joh. Peter Maria Spängler (* 1792; † 1837) ist Hofrichter des [[Benediktinerinnenabtei Nonnberg|Stiftes Nonnberg]] in Salzburg; vielleicht ist hier die Familie seines (einzigen) Sohns Anton Spängler (* 1831; † 1913) gemeint. - "Schumacher“: [?] Albert Schumacher wird 1888 zum Salzburger Bürgermeister gewählt (vgl. Dopsch, 1996, S. 496). "Leopoldskron“: Salzburger Schloß mit Teich usw., wird in den Briefen öfters als beliebtes Ausflugsziel erwähnt (auch die Badeanstalt ist dort). Das Schloss ist übrigens, nach hochverschuldeten Vorbesitzern, kurzfristig von 1890 bis 1895 zur Hälfte im Besitz des Bankiers Carl Spängler [Auskunft von Roland Widerin, Salzburg 1997]. - "Toni“ (6), "Franzi“ (8).
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"Hofrichter Spängler": Joh. Peter Maria Spängler (* 1792; † 1837) ist Hofrichter des [[Benediktinerinnenabtei Nonnberg|Stiftes Nonnberg]] in Salzburg; vielleicht ist hier die Familie seines (einzigen) Sohns Anton Spängler (* 1831; † 1913) gemeint. - "Schumacher": [?] Albert Schumacher wird 1888 zum Salzburger Bürgermeister gewählt (vgl. Dopsch, 1996, S. 496). "Leopoldskron": Salzburger Schloß mit Teich usw., wird in den Briefen öfters als beliebtes Ausflugsziel erwähnt (auch die Badeanstalt ist dort). Das Schloss ist übrigens, nach hochverschuldeten Vorbesitzern, kurzfristig von 1890 bis 1895 zur Hälfte im Besitz des Bankiers Carl Spängler [Auskunft von Roland Widerin, Salzburg 1997]. - "Toni" (6), "Franzi" (8).
 
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''Liebster Franzl! 5/8./ Ich muß dir doch wieder einmal sagen daß ich dich sehr lieb habe, und mich sehr auf dein Kommen freue! Im Übrigen geht es uns sehr gut. Heute hat Franzi wieder gutgemacht was sie gestern beim Springen schlecht machte. Zweimal sprang sie nach einigem Zureden und durch einen leichten Stoß veranlaßt, zum Schluß der Lektion sprang sie noch zweimal ohne Zögern. Ich hoffe dieser Anfall von Feigheit wäre vorbei. Im Übrigen schwimmt sie recht ordentlich. Wir gehen immer Vormittag nach [[Leopoldskron]]. Bei meinen Schwestern bin ich heuer weniger als andere Male, da Rosa [die jüngere Halbschwester von Fanni] leider immer recht leidend ist, und keinen Lärm der Kinder verträgt. Sie sieht recht übel aus. Gestern war ich bei Schumacher. Erna ist bedeutend schlanker geworden/ sieht aber sonst gut aus. Mit vielem dank für die heutige Karte schließe ich diesen Brief. Behalte lieb deine Fanni - Grüße von Franzi u[nd] Toni.  
 
''Liebster Franzl! 5/8./ Ich muß dir doch wieder einmal sagen daß ich dich sehr lieb habe, und mich sehr auf dein Kommen freue! Im Übrigen geht es uns sehr gut. Heute hat Franzi wieder gutgemacht was sie gestern beim Springen schlecht machte. Zweimal sprang sie nach einigem Zureden und durch einen leichten Stoß veranlaßt, zum Schluß der Lektion sprang sie noch zweimal ohne Zögern. Ich hoffe dieser Anfall von Feigheit wäre vorbei. Im Übrigen schwimmt sie recht ordentlich. Wir gehen immer Vormittag nach [[Leopoldskron]]. Bei meinen Schwestern bin ich heuer weniger als andere Male, da Rosa [die jüngere Halbschwester von Fanni] leider immer recht leidend ist, und keinen Lärm der Kinder verträgt. Sie sieht recht übel aus. Gestern war ich bei Schumacher. Erna ist bedeutend schlanker geworden/ sieht aber sonst gut aus. Mit vielem dank für die heutige Karte schließe ich diesen Brief. Behalte lieb deine Fanni - Grüße von Franzi u[nd] Toni.  
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Tochter "Franzi“ ist acht Jahre alt; "Großmutter“: Fanny Kobler, geb. 1796, 89 Jahre alt.
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Tochter "Franzi" ist acht Jahre alt; "Großmutter": Fanny Kobler, geb. 1796, 89 Jahre alt.
 
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''Für heute gute Nacht in einer Woche auf Wiedersehn - Behalte lieb deine schlaftrunkene Alte, - Ich schließe auch ei[n] Stück Englisch Pflaster bei, ich kaufte gestern um 10 fl. ein großes Stück, und daheim ist nur noch wenig.  
 
''Für heute gute Nacht in einer Woche auf Wiedersehn - Behalte lieb deine schlaftrunkene Alte, - Ich schließe auch ei[n] Stück Englisch Pflaster bei, ich kaufte gestern um 10 fl. ein großes Stück, und daheim ist nur noch wenig.  
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"Notizen“ möglicherweise für eine Bewerbung in Korneuburg (siehe oben).
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"Notizen" möglicherweise für eine Bewerbung in Korneuburg (siehe oben).
 
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==== Brief vom 8. und 9. August 1885 von Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Brief vom 8. und 9. August 1885 von Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
[Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 18] Franz Spängler:<br />
 
[Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 18] Franz Spängler:<br />
''Salzburg 8/8 1885./ Liebster Mann! Anliegend folgen die "wahren Abbildungen“ zweier dir hoffentlich nicht ganz unbekannten Personen/ Ich hoffe du bist leidlich zufrieden und bitte dich, mir baldmöglichst zu sagen wieviele Exemplare ich bestellen soll, ich sagte bei Würthle daß ich erst nach Rücksprache mit dir die Bestellung machen wolle. Heute nach Tisch wollte ich eben ausgehen um Pittel’s [?] zu sehen, als mir dieser brave Geist von Tomaselli mir die Karte der Baronin brachte mit dem Ersuchen zum Kiosk zu kommen. Ich eilte in Roserl’s Begleitung hinunter und begleitete den Pittel’s bis zur Ernest Thunstraße, da sie zum 3 Uhr 40 Minutenzuge gingen, um nach Reichenhall zu fahren. Morgen reisen sie nach Gemunden.  
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''Salzburg 8/8 1885./ Liebster Mann! Anliegend folgen die "wahren Abbildungen" zweier dir hoffentlich nicht ganz unbekannten Personen/ Ich hoffe du bist leidlich zufrieden und bitte dich, mir baldmöglichst zu sagen wieviele Exemplare ich bestellen soll, ich sagte bei Würthle daß ich erst nach Rücksprache mit dir die Bestellung machen wolle. Heute nach Tisch wollte ich eben ausgehen um Pittel’s [?] zu sehen, als mir dieser brave Geist von Tomaselli mir die Karte der Baronin brachte mit dem Ersuchen zum Kiosk zu kommen. Ich eilte in Roserl’s Begleitung hinunter und begleitete den Pittel’s bis zur Ernest Thunstraße, da sie zum 3 Uhr 40 Minutenzuge gingen, um nach Reichenhall zu fahren. Morgen reisen sie nach Gemunden.  
    
''Heute waren Franzi und Toni bei Tante Luise kamen auch mit ihren Cousinen in das Leopoldskron. Ihr Eifer für’s Schwimmen wir[d] stets größer, jezt wage ich zu hoffen, daß sie in diesem Monat die Freiprobe mache[n] kommt. Großmutter ist stets gleich, manchmal nicht klar manchmal ziemlich wirr. Ich schließe mit 1000 küßen.  
 
''Heute waren Franzi und Toni bei Tante Luise kamen auch mit ihren Cousinen in das Leopoldskron. Ihr Eifer für’s Schwimmen wir[d] stets größer, jezt wage ich zu hoffen, daß sie in diesem Monat die Freiprobe mache[n] kommt. Großmutter ist stets gleich, manchmal nicht klar manchmal ziemlich wirr. Ich schließe mit 1000 küßen.  
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''Salzburg, 13./8. 1885. Lieber Mann! Heute hoffte ich zu hören an welchem Tag und welche Stunde du kommen wirst. Ich freue mich schon so sehr auf dich doch der Brief kommt mal erst Abends. Ich hoffe diese Zeilen sind die lezten für dich wohl nach Pottenstein. Wenn du nicht direkt fährst so schreibe mir wohin ich dir Post restant schreiben kann. Einerseits wünsch ich dir eine kleine Reise herzlich gerne, doch meine Selbstsucht wünscht du mögest Sonntag früh hier eintreffen. Heute erwartet man wieder einmal das Dampfschiff doch stinkt es leider wieder nach dem Schlachthause. Uns geht es gut, Franz schwimmt fleißig. Gestern habe ich Mutter angetragen, hierher mir Anna mitgeben, die auch an XXmut leidet, vielleicht wäre für diese Luftveränderung gut. mündlich weiters - deine Fanni. <small>[quer groß über die Karte:]</small> Aus deinem Brief erfahre ich noch nicht, wann du hieher kom[s]t/ Bitte um Antwort  
 
''Salzburg, 13./8. 1885. Lieber Mann! Heute hoffte ich zu hören an welchem Tag und welche Stunde du kommen wirst. Ich freue mich schon so sehr auf dich doch der Brief kommt mal erst Abends. Ich hoffe diese Zeilen sind die lezten für dich wohl nach Pottenstein. Wenn du nicht direkt fährst so schreibe mir wohin ich dir Post restant schreiben kann. Einerseits wünsch ich dir eine kleine Reise herzlich gerne, doch meine Selbstsucht wünscht du mögest Sonntag früh hier eintreffen. Heute erwartet man wieder einmal das Dampfschiff doch stinkt es leider wieder nach dem Schlachthause. Uns geht es gut, Franz schwimmt fleißig. Gestern habe ich Mutter angetragen, hierher mir Anna mitgeben, die auch an XXmut leidet, vielleicht wäre für diese Luftveränderung gut. mündlich weiters - deine Fanni. <small>[quer groß über die Karte:]</small> Aus deinem Brief erfahre ich noch nicht, wann du hieher kom[s]t/ Bitte um Antwort  
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Correspondenz-Karte An "Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in "Pottenstein a. d. Triesting“; gestempelt Salzburg 13. 8. und Pottenstein 14. 8.
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Correspondenz-Karte An "Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter" in "Pottenstein a. d. Triesting"; gestempelt Salzburg 13. 8. und Pottenstein 14. 8.
 
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''Ubrigens geht es uns gut, und das Wetter ist köstlich, das ist für die Schwimmschule sehr nützlich. - Hoffend, daß deine Reise sich nicht noch mehr hinausschiebt und mit dem Wunsche, daß du dich noch gut munterhalten solltest. bin ich deine Fanni. - Die Kinder schicken dir noch Grüße und Küße. - Allen Bekannten Grüße.  
 
''Ubrigens geht es uns gut, und das Wetter ist köstlich, das ist für die Schwimmschule sehr nützlich. - Hoffend, daß deine Reise sich nicht noch mehr hinausschiebt und mit dem Wunsche, daß du dich noch gut munterhalten solltest. bin ich deine Fanni. - Die Kinder schicken dir noch Grüße und Küße. - Allen Bekannten Grüße.  
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"Otto und Luise“: Schwager [[Otto Spängler]] und dessen Frau. Siehe auch folgenden Brief als Antwort.
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"Otto und Luise": Schwager [[Otto Spängler]] und dessen Frau. Siehe auch folgenden Brief als Antwort.
 
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''Salzburg, 16./8.1885. Lieber Mann! Zu einer angenehmen Uberraschung bekam ich heute deine Karte; ich hatte gedacht du werdest meine Unterlassungssünde bestrafen und mir auch nicht schreiben. Ich danke dir dafür. Aber nun wird es doch Anderentag [?] bleiben mit der Abreise. Heute sprach ich sie vor Sattler, sie freut sich schon dich zu sehen. Hofrat Chiari sah ich neulich, von Weitem. Eduard Zillner [?] soll auch diese Woche kommen, es geht ihm bedeutend besser in Lofer. Ludwig und Julius Spängler sah ich heute. Ludwig reist heute wieder fort. Alles trägt mir Grüße an dich auf und theilt mein Mißvergnügen über die sträfliche Verkürzung deines Urlaubes. Sonst geht es gut. Großmutter kräftigt sich etwas. Sie ist recht freundlich. die anderen grüßen. Deine alte Unzufriedene''  
 
''Salzburg, 16./8.1885. Lieber Mann! Zu einer angenehmen Uberraschung bekam ich heute deine Karte; ich hatte gedacht du werdest meine Unterlassungssünde bestrafen und mir auch nicht schreiben. Ich danke dir dafür. Aber nun wird es doch Anderentag [?] bleiben mit der Abreise. Heute sprach ich sie vor Sattler, sie freut sich schon dich zu sehen. Hofrat Chiari sah ich neulich, von Weitem. Eduard Zillner [?] soll auch diese Woche kommen, es geht ihm bedeutend besser in Lofer. Ludwig und Julius Spängler sah ich heute. Ludwig reist heute wieder fort. Alles trägt mir Grüße an dich auf und theilt mein Mißvergnügen über die sträfliche Verkürzung deines Urlaubes. Sonst geht es gut. Großmutter kräftigt sich etwas. Sie ist recht freundlich. die anderen grüßen. Deine alte Unzufriedene''  
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Correspondenz-Karte An "Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in "Pottenstein a. d. Triesting“; gestempelt Salzburg 16. 8. und Pottenstein [unleserlich]. - "Ludwig und Julius Spängler“: jüngere Cousins; Ludwig, geb. 1828, verh. Muffat (in Wien); Julius, geb. 1837, verh. Langer. Von "Julius“ ist im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 immer wieder die Rede; er studiert zusammen mit ihm in Graz, und dem Tagebuch nach sind sie ‘unzertrennlich’.
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Correspondenz-Karte An "Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter" in "Pottenstein a. d. Triesting"; gestempelt Salzburg 16. 8. und Pottenstein [unleserlich]. - "Ludwig und Julius Spängler": jüngere Cousins; Ludwig, geb. 1828, verh. Muffat (in Wien); Julius, geb. 1837, verh. Langer. Von "Julius" ist im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 immer wieder die Rede; er studiert zusammen mit ihm in Graz, und dem Tagebuch nach sind sie ‘unzertrennlich’.
 
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''Liebe Freunde! Wenn ich mich auf m. Mann verlasse, daß er Euere liebenswürdigen Aufmerksamkeit durch die Sendung zu einigen Dankzeilen kommt, so täusche ich mich gewöhnlich und so thue ich es ganz für ihn; es hat uns sehr interessirt von Eurem geselligen Leben und erfolgreichem Unterbungen'' [-nehmungen] ''hiezu zu lesen; überhaupt steht unsere Ansicht fest, daß es für jeden Ort von Nutzen und ein Glück ist wo Franz hinkomt! Wie lebt Ihr denn sonst immer? Werdet Ihr heuer nicht nach Salzburg reisen und wann? Sehen wir Euch hier? Wir waren vom 22/6 bis 10/7 wieder oben; meine Zeit war aber recht gekütt [?] da m. Schwester sehr leidend war u. noch ist an Lungen u. Herzleiden. Wir sind gesund, Franz seit der Rückkehr tüchtig in Suplirung eingespannt. Mit den allerherzlichsten Grüßen von uns allen an Euch alle lieben Eure Verwanten in Linz''  
 
''Liebe Freunde! Wenn ich mich auf m. Mann verlasse, daß er Euere liebenswürdigen Aufmerksamkeit durch die Sendung zu einigen Dankzeilen kommt, so täusche ich mich gewöhnlich und so thue ich es ganz für ihn; es hat uns sehr interessirt von Eurem geselligen Leben und erfolgreichem Unterbungen'' [-nehmungen] ''hiezu zu lesen; überhaupt steht unsere Ansicht fest, daß es für jeden Ort von Nutzen und ein Glück ist wo Franz hinkomt! Wie lebt Ihr denn sonst immer? Werdet Ihr heuer nicht nach Salzburg reisen und wann? Sehen wir Euch hier? Wir waren vom 22/6 bis 10/7 wieder oben; meine Zeit war aber recht gekütt [?] da m. Schwester sehr leidend war u. noch ist an Lungen u. Herzleiden. Wir sind gesund, Franz seit der Rückkehr tüchtig in Suplirung eingespannt. Mit den allerherzlichsten Grüßen von uns allen an Euch alle lieben Eure Verwanten in Linz''  
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Briefkarte: Stempel Linz [Briefmarke entfernt] 12 XX, Wien Südbahnhof 13. 8. 85 [?], Leobendorf Bahnhof 13. 8. [?], Pottenstein 13. 8. - "für jeden Ort...: Dr. Franz Spängler ist seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein, ab 1887 dann in Krems.
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Briefkarte: Stempel Linz [Briefmarke entfernt] 12 XX, Wien Südbahnhof 13. 8. 85 [?], Leobendorf Bahnhof 13. 8. [?], Pottenstein 13. 8. - "für jeden Ort...": Dr. Franz Spängler ist seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein, ab 1887 dann in Krems.
 
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==== Brief vom 1. Dezember 1885 von Therese von Lürzer an Franz Spängler ====
 
==== Brief vom 1. Dezember 1885 von Therese von Lürzer an Franz Spängler ====
 
Vgl. den Brief vom 1. Dezember 1881 mit weiteren Hinweisen; / = Seitenwechsel:<br />
 
Vgl. den Brief vom 1. Dezember 1881 mit weiteren Hinweisen; / = Seitenwechsel:<br />
''Hall am 1 Dezember'' [ohne Jahr, 1885 oder später<ref>"Kinder“ im Plural; der Brief ist demnach datierbar nach 1879, dem Geburtsjahr von Rosa Spängler, jedoch im Vergleich mit dem Brief vom 26. November 1884 offenbar "nach 1884“, hier angenommen 1885. Die Person, die für Therese den Brief schreibt, ist unbekannt; wahrscheinlich ist es eine Mitbewohnerin im Stift. Der Brief ist möglicherweise auch jünger; Therese von Lürzer ist 1894 gestorben. Bei dem Brief lag ein Umschlag, Briefmarke herausgeschnitten, erkennbar noch Rundstempel "Hall [in Tirol]und auf der Rückseite "Pottenstein 5/3“ mit der Adresse "Seiner Wohlgeboren Herrn Herrn Franz von Spängler, k. k. Bezirksrichter in Bottenstein [!] bey Wien.Die Familie von [[Franz Xaver Gregor Spängler]] war in Pottenstein an der Triesting in Niederösterreich von 1881 bis 1886, bevor sie im April 1887 nach Krems zogen. Aber der Umschlag will nicht recht zum gefalteten Briefbogen passen.</ref>] ''Lieber teuerer Franz Gott grüß dich, dein kommendes Nahmensfest<ref>Die Übertragung ist dokumentengetreu; Eingriffe sind markiert. Die Rechtschreibung scheint im Gegensatz zur geübten und schönen Handschrift zu stehen.</ref> giebt mir die schöne Gelegenheit dir meine herzlichsten Glückswünsche auszusprechen, zu deinen ho[h]en Nahmensfest, Gott erhalte dich Gesund und Zufrieden, und schenke dir seinen reichen Segen, ich bitte beware mir immer deine freundliche Gesinnung. Wie geht es dir, deiner Frau und alle deinen lieben Kindern? Mir geht es wie es bey so ho[h]en Alter seyn kan, ich bin / frier'' [früher] ''schon 2 mal gefallen das erste mal im Zimmer, wie ich von Bett heraus stig bekam ich schwindl viel mit der Achsel an das Ofen[ ]rk, wer ich mit dem Kopf so angefallen, so wer ich Augenblicklich Tod geblieben, doch Gott sey Dank, es gieng mit großen Schmerzen und einige Tag Bett hinten ab, das andere mal ging ich in die Kirche, bey der Kirch Thir kam ein heftiger Windstoß, ich stitzte mich mit aller Kraft mit dem Stock aber umsonst, der Wind warf mich nach der länge auf dem Boden, ein / Bolizeiman hob mich auf und firte mich nach Haus, Gott sey Dank es ging mit leichten Verletzungen ab, ich werde von Jahr zu Jahr bedeitend schwecher, und kan selbst nicht mer schreiben, es sind meine Worte, aber nicht meine Schrift, wegen stark Zittern muß ich oft mit der linken Hand Essen, auf das Alter darf sich Niemand freien, und doch muß ich Gott Danken das ich so bin da die meisten gar nicht mer aus dem Bett oder Zimer komen, und ich kan doch bey guten / Wetter täglich in die Kirche gehen, was mir das liebste ist. Ich wiederhole meine herzlichsten Glückswünsche zum Nahmensfest und vereine meine herzlichsten Glückswünsche zum Jahreswechsel, Gott erhalte auch alle Gesund und Zufrieden, sey so gut grüße mir deine liebe F[r]au und Kinder. Ich verbleibe deine dich trei liebente Alte Dante [!] Therese von Lürzer.''
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''Hall am 1 Dezember'' [ohne Jahr, 1885 oder später<ref>"Kinder" im Plural; der Brief ist demnach datierbar nach 1879, dem Geburtsjahr von Rosa Spängler, jedoch im Vergleich mit dem Brief vom 26. November 1884 offenbar "nach 1884", hier angenommen 1885. Die Person, die für Therese den Brief schreibt, ist unbekannt; wahrscheinlich ist es eine Mitbewohnerin im Stift. Der Brief ist möglicherweise auch jünger; Therese von Lürzer ist 1894 gestorben. Bei dem Brief lag ein Umschlag, Briefmarke herausgeschnitten, erkennbar noch Rundstempel "Hall [in Tirol]" und auf der Rückseite "Pottenstein 5/3" mit der Adresse "Seiner Wohlgeboren Herrn Herrn Franz von Spängler, k. k. Bezirksrichter in Bottenstein [!] bey Wien." Die Familie von [[Franz Xaver Gregor Spängler]] war in Pottenstein an der Triesting in Niederösterreich von 1881 bis 1886, bevor sie im April 1887 nach Krems zogen. Aber der Umschlag will nicht recht zum gefalteten Briefbogen passen.</ref>] ''Lieber teuerer Franz Gott grüß dich, dein kommendes Nahmensfest<ref>Die Übertragung ist dokumentengetreu; Eingriffe sind markiert. Die Rechtschreibung scheint im Gegensatz zur geübten und schönen Handschrift zu stehen.</ref> giebt mir die schöne Gelegenheit dir meine herzlichsten Glückswünsche auszusprechen, zu deinen ho[h]en Nahmensfest, Gott erhalte dich Gesund und Zufrieden, und schenke dir seinen reichen Segen, ich bitte beware mir immer deine freundliche Gesinnung. Wie geht es dir, deiner Frau und alle deinen lieben Kindern? Mir geht es wie es bey so ho[h]en Alter seyn kan, ich bin / frier'' [früher] ''schon 2 mal gefallen das erste mal im Zimmer, wie ich von Bett heraus stig bekam ich schwindl viel mit der Achsel an das Ofen[ ]rk, wer ich mit dem Kopf so angefallen, so wer ich Augenblicklich Tod geblieben, doch Gott sey Dank, es gieng mit großen Schmerzen und einige Tag Bett hinten ab, das andere mal ging ich in die Kirche, bey der Kirch Thir kam ein heftiger Windstoß, ich stitzte mich mit aller Kraft mit dem Stock aber umsonst, der Wind warf mich nach der länge auf dem Boden, ein / Bolizeiman hob mich auf und firte mich nach Haus, Gott sey Dank es ging mit leichten Verletzungen ab, ich werde von Jahr zu Jahr bedeitend schwecher, und kan selbst nicht mer schreiben, es sind meine Worte, aber nicht meine Schrift, wegen stark Zittern muß ich oft mit der linken Hand Essen, auf das Alter darf sich Niemand freien, und doch muß ich Gott Danken das ich so bin da die meisten gar nicht mer aus dem Bett oder Zimer komen, und ich kan doch bey guten / Wetter täglich in die Kirche gehen, was mir das liebste ist. Ich wiederhole meine herzlichsten Glückswünsche zum Nahmensfest und vereine meine herzlichsten Glückswünsche zum Jahreswechsel, Gott erhalte auch alle Gesund und Zufrieden, sey so gut grüße mir deine liebe F[r]au und Kinder. Ich verbleibe deine dich trei liebente Alte Dante [!] Therese von Lürzer.''
 
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''Salzburg den 19. Dezember 1885/ Liebe Fanni! Ich wünsche dir ein recht glückles Neues Jahr. Grüße mir deine Mutter und deine Beiden. Mir geht es Gott lob gut. Ich wünsche das ihre auch alle gesund bleibt bis auf wieder sehn. - Lase auch von dir auch bald etwas hören. Fanni Kobler.''
 
''Salzburg den 19. Dezember 1885/ Liebe Fanni! Ich wünsche dir ein recht glückles Neues Jahr. Grüße mir deine Mutter und deine Beiden. Mir geht es Gott lob gut. Ich wünsche das ihre auch alle gesund bleibt bis auf wieder sehn. - Lase auch von dir auch bald etwas hören. Fanni Kobler.''
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Geschrieben mit 89 Jahren von [Nr. 79] [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]], * 1796 in Salzburg, † 12. Juni 1886, "Höllbräuin“ (siehe oben), an die Enkeltochter Fanni, seit 1872 verh. mit Franz Spängler.  
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Geschrieben mit 89 Jahren von [Nr. 79] [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]], * 1796 in Salzburg, † 12. Juni 1886, "Höllbräuin" (siehe oben), an die Enkeltochter Fanni, seit 1872 verh. mit Franz Spängler.  
    
[innen ohne Datum im gleichen Brief]:  
 
[innen ohne Datum im gleichen Brief]:  
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''Wohlgeboren gnädige Frau Ich wünsche Ihnen auch recht fröhlich u. Gesunde Weihnachten, u. zugleich ein Glückliches Neues Jahr. Möge der gütige Gott Ihnen u. Ihrem Herrn Gemahl u. die lieben Kinder wieder recht Gesund erhalten, was ich Euch von Herzen wünschen möchte. Die Großmutter war sehr erfreut über das gebäk das gestern nachmitag gekomen ist/ hat gleich verschiedenes gegessen, aber Ihr Verstand ist seidt gestern nachmitag wieder so zerrittet, wie seidt 6 Wochen nie, gestern vormitag wars so gut das Sie selbst die ersten Zeilen an Ihnen geschrieben hat. Heut ist Sie auf mich so böß, die Polizei muß mich holen, weil ichs bestel u. betrüg, in der Nacht hat Sie müßen in einem schlechten stünkerten Handwerks burschen Bett liegen, was Ihr alles einbild das ist zum lachen/ Meiste Zeit ist die Großmutter beim Höllbräu mit die Mägd in Zorn, wenn Sie mir alle möglichen Titteln gibt, u. der andern Zofe ruft, vor ein par Wochen sagt, Sie werde bald nach St.Sebastian hinüber gehen, ins Bretl rutschen den vorigesjahr bin ich auch samt heut hinüber gangen, bin trüben Gestorben u. habe mich Bretlrutschen lassen. Seit einem Monat ist Sie doch wieder ziemlich [gesund] was sehr gut ist. Die Großmutter sieht jezt besser aus als im Sommer, aber die Kraft ist schlechter, werd nicht zabelt'' ["zeppeln“ = mit kleinen Schrittchen gehen] ''so kan Sie fast nicht einmal Tags über das Zimer gehen, der Abadit'' [Appetit] ''ist schon seit 2 Wochen nicht gut. Ich bitt um entschuldigung der Schreibfehler. Ich XXX XXX XXX XXX Ich Küß Ihnen achtungsvoll die Hand. Gertraud Hausner. Ich bitte einen Handkuß dem gnäden Herrn, u. viele Grüße Ihren lieben Kindern u. Kathi.''
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''Wohlgeboren gnädige Frau Ich wünsche Ihnen auch recht fröhlich u. Gesunde Weihnachten, u. zugleich ein Glückliches Neues Jahr. Möge der gütige Gott Ihnen u. Ihrem Herrn Gemahl u. die lieben Kinder wieder recht Gesund erhalten, was ich Euch von Herzen wünschen möchte. Die Großmutter war sehr erfreut über das gebäk das gestern nachmitag gekomen ist/ hat gleich verschiedenes gegessen, aber Ihr Verstand ist seidt gestern nachmitag wieder so zerrittet, wie seidt 6 Wochen nie, gestern vormitag wars so gut das Sie selbst die ersten Zeilen an Ihnen geschrieben hat. Heut ist Sie auf mich so böß, die Polizei muß mich holen, weil ichs bestel u. betrüg, in der Nacht hat Sie müßen in einem schlechten stünkerten Handwerks burschen Bett liegen, was Ihr alles einbild das ist zum lachen/ Meiste Zeit ist die Großmutter beim Höllbräu mit die Mägd in Zorn, wenn Sie mir alle möglichen Titteln gibt, u. der andern Zofe ruft, vor ein par Wochen sagt, Sie werde bald nach St.Sebastian hinüber gehen, ins Bretl rutschen den vorigesjahr bin ich auch samt heut hinüber gangen, bin trüben Gestorben u. habe mich Bretlrutschen lassen. Seit einem Monat ist Sie doch wieder ziemlich [gesund] was sehr gut ist. Die Großmutter sieht jezt besser aus als im Sommer, aber die Kraft ist schlechter, werd nicht zabelt'' ["zeppeln" = mit kleinen Schrittchen gehen] ''so kan Sie fast nicht einmal Tags über das Zimer gehen, der Abadit'' [Appetit] ''ist schon seit 2 Wochen nicht gut. Ich bitt um entschuldigung der Schreibfehler. Ich XXX XXX XXX XXX Ich Küß Ihnen achtungsvoll die Hand. Gertraud Hausner. Ich bitte einen Handkuß dem gnäden Herrn, u. viele Grüße Ihren lieben Kindern u. Kathi.''
 
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