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Ihre Mutter, Theresia Raudaschl, war am Hof ihrer Eltern am Holzberg am [[Attersee]] (oberhalb von Unterach am Attersee) bei ihren Brüdern Franz und Matthias als Magd tätig, als sie Johanna als lediges Kind gebar. Die Geburt erlebte Theresia aber nicht auf dem Hof ihrer Eltern, da ihre Geschwister wenig bis gar kein Verständnis für sie hatten, sondern bei ihrer Schwester Johanna. Diese führte eine kleine Landwirtschaft am gegenüberliegenden Ufer in Steinbach am Attersee. Damit Theresia übersetzen konnte, musste sie den Fährmann am anderen Ufer verständigen. Dies geschah, indem sie ein Leintuch am Balkon des Hofes am Buchberg spannte.
 
Ihre Mutter, Theresia Raudaschl, war am Hof ihrer Eltern am Holzberg am [[Attersee]] (oberhalb von Unterach am Attersee) bei ihren Brüdern Franz und Matthias als Magd tätig, als sie Johanna als lediges Kind gebar. Die Geburt erlebte Theresia aber nicht auf dem Hof ihrer Eltern, da ihre Geschwister wenig bis gar kein Verständnis für sie hatten, sondern bei ihrer Schwester Johanna. Diese führte eine kleine Landwirtschaft am gegenüberliegenden Ufer in Steinbach am Attersee. Damit Theresia übersetzen konnte, musste sie den Fährmann am anderen Ufer verständigen. Dies geschah, indem sie ein Leintuch am Balkon des Hofes am Buchberg spannte.
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Verständnisvoller als die Brüder der Mutter war da Johanna, die als Tante Johanna Raudaschl am 27. August zur Taufe trug und die ihr als Taufpatin auch den Namen "Johanna“ gab. Gerufen wurde sie aber "Hannerl“. Schon wenige Tage nach der Geburt, es war weniger als eine Woche, musste aber Theresia wieder heim auf die andere Seite des Sees. Es war Erntezeit und um 1900 wurde jede Hand dabei gebraucht. Nicht Maschinen erledigten die Arbeit, sondern mit Sichel und Sense wurde gemäht. Zwar war das "Holzberggut“ nicht reich an Wäldern, wie man aufgrund des Namens hätte vermuten können, aber immerhin gehörten 10 bis 15 Hektar Wald zum Besitz. Auch dort gab es immer etwas zu tun.
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Verständnisvoller als die Brüder der Mutter war da Johanna, die als Tante Johanna Raudaschl am 27. August zur Taufe trug und die ihr als Taufpatin auch den Namen "Johanna" gab. Gerufen wurde sie aber "Hannerl". Schon wenige Tage nach der Geburt, es war weniger als eine Woche, musste aber Theresia wieder heim auf die andere Seite des Sees. Es war Erntezeit und um 1900 wurde jede Hand dabei gebraucht. Nicht Maschinen erledigten die Arbeit, sondern mit Sichel und Sense wurde gemäht. Zwar war das "Holzberggut" nicht reich an Wäldern, wie man aufgrund des Namens hätte vermuten können, aber immerhin gehörten 10 bis 15 Hektar Wald zum Besitz. Auch dort gab es immer etwas zu tun.
    
War die kleine Johanna anfangs noch mit ihrer Mutter am Feld, so blieb sie später dann bei ihrer Großmutter am Hof. Im trockenen, aber durchaus fruchtbaren Sommer 1911 hatte am 24. August ein verheerender Sturm am Attersee großen Schaden angerichtet. Davon blieb das Holzberggut glücklicherweise weitgehend verschont. Dies (als gutes Omen gedeutet) nahmen Hannerls Großeltern zum Anlass, den Hof an ihren Erstgeborenen Franz zu übergeben. Sie zogen mit Hannerl ins Austragsstüberl. Seit Mai dieses Jahres besuchte Hannerl die katholische Volksschule in Unterach am Attersee. Fünf Kilometer lang war ihr täglicher Schulweg. Im Winter, es gab ja noch keine Hosen für Mädchen, war es oft bitterkalt. Oft kam Hannerl durchfroren in der Schule an, durfte sich aber, weil sie eine fleißige Schülerin war, neben den wärmenden Kachelofen setzen. Waren die rauen Schafwollstrümpfe einmal aufgetaut, begannen sie nicht nur zu trocknen, sondern juckten auch unbeschreiblich.
 
War die kleine Johanna anfangs noch mit ihrer Mutter am Feld, so blieb sie später dann bei ihrer Großmutter am Hof. Im trockenen, aber durchaus fruchtbaren Sommer 1911 hatte am 24. August ein verheerender Sturm am Attersee großen Schaden angerichtet. Davon blieb das Holzberggut glücklicherweise weitgehend verschont. Dies (als gutes Omen gedeutet) nahmen Hannerls Großeltern zum Anlass, den Hof an ihren Erstgeborenen Franz zu übergeben. Sie zogen mit Hannerl ins Austragsstüberl. Seit Mai dieses Jahres besuchte Hannerl die katholische Volksschule in Unterach am Attersee. Fünf Kilometer lang war ihr täglicher Schulweg. Im Winter, es gab ja noch keine Hosen für Mädchen, war es oft bitterkalt. Oft kam Hannerl durchfroren in der Schule an, durfte sich aber, weil sie eine fleißige Schülerin war, neben den wärmenden Kachelofen setzen. Waren die rauen Schafwollstrümpfe einmal aufgetaut, begannen sie nicht nur zu trocknen, sondern juckten auch unbeschreiblich.
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Schon bald wurden Hannerl Aufträge mit auf den Schulweg gegeben, denn man wusste von ihrer Zuverlässigkeit. Der Kriegsbeginn 1914 brachte Veränderungen, aber am Holzberggut merkte man nicht viel davon. 1918 schloss Hannerl bei Frau Oberlehrer Hölzl die Volksschule ab. Johannas Mutter gebar noch im Alter von 41 Jahren 1919 ein weiteres lediges Kind. Hannerls geliebte Großmutter verstarb am 2. März 1920. Dazu vermerkte Hannerl in ihrem Tagebuch: "Da ging für mich die Sonne unter“.
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Schon bald wurden Hannerl Aufträge mit auf den Schulweg gegeben, denn man wusste von ihrer Zuverlässigkeit. Der Kriegsbeginn 1914 brachte Veränderungen, aber am Holzberggut merkte man nicht viel davon. 1918 schloss Hannerl bei Frau Oberlehrer Hölzl die Volksschule ab. Johannas Mutter gebar noch im Alter von 41 Jahren 1919 ein weiteres lediges Kind. Hannerls geliebte Großmutter verstarb am 2. März 1920. Dazu vermerkte Hannerl in ihrem Tagebuch: "Da ging für mich die Sonne unter".
    
Über Verwandte erhielt Johanna 1918 eine Lehrstelle als Köchin im Gasthof Wiesinger in Nußdorf am Attersee, zu dem auch eine Fleischhauerei gehörte. Dort kehrte sehr gerne der Gastwirt und Fleischhauer Matthias Engljähringer aus [[Strobl]] am [[Abersee (See)|Abersee]] ein. Da Johanna bereits recht passabel kochen konnte, fragte er sie einmal, ob sie nicht bei ihm kochen möchte. Johanna, durch nichts mehr an den Attersee gebunden, nahm an und fuhr nach Strobl. Die Fahrt von Nußdorf nach Strobl mit einem Fuhrwerk dauerte einen halben Tag.
 
Über Verwandte erhielt Johanna 1918 eine Lehrstelle als Köchin im Gasthof Wiesinger in Nußdorf am Attersee, zu dem auch eine Fleischhauerei gehörte. Dort kehrte sehr gerne der Gastwirt und Fleischhauer Matthias Engljähringer aus [[Strobl]] am [[Abersee (See)|Abersee]] ein. Da Johanna bereits recht passabel kochen konnte, fragte er sie einmal, ob sie nicht bei ihm kochen möchte. Johanna, durch nichts mehr an den Attersee gebunden, nahm an und fuhr nach Strobl. Die Fahrt von Nußdorf nach Strobl mit einem Fuhrwerk dauerte einen halben Tag.

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