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== Gliederung ==
 
== Gliederung ==
Frankreich ist ein zentralistischer Einheitsstaat, der seit der Französischen Revolution von 1789 in Départements gegliedert ist; derzeit (2018) sind es 101, davon 96 im Mutterland (zwei davon in Korsika). Die Départements wurden 1964 zur Regionen zusammengefasst. Davon gibt es im Mutterland derzeit (2021) 18<ref>Einschließlich Korsikas, das allerdings rechtlich nicht eine Region, sondern eine Gebietskörperschaft mit Sonderstatus ist.</ref>, während jede Überseeregion nur ein Département umfasst. Die heutigen Regionen decken sich nur mehr teilweise mit wohlbekannten historischen Landschaften, wie z. B. Bretagne, (Haute- und Basse-)Normandie, Bourgogne-Franche-Comté (Burgund-Freigrafschaft Burgund), öfter erscheinen sie als künstliche Gebilde (Grand Est [2016 zusammengefasst aus Champagne(-Ardenne), Lothringen (Lorraine) und Elsass (Alsace); Hauptstadt Straßburg], Centre-Val de Loire (Hauptstadt Orléans), Pays de la Loire (Hauptstadt Nantes), Provence-Alpes-Côte d’Azur ("PACA“, Hauptstadt Marseille), Auvergne-Rhône-Alpes (Hauptstadt Lyon); letztere Region umfasst auch die historische Region Savoyen (Départements Haute-Savoie und Savoie), die erst 1860 zu Frankreich kam (Vgl. [[Italien#Das_Ende Österreichs_in_Italien|Italien, Geschichte]]).
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Frankreich ist ein zentralistischer Einheitsstaat, der seit der Französischen Revolution von 1789 in Départements gegliedert ist; derzeit (2018) sind es 101, davon 96 im Mutterland (zwei davon in Korsika). Die Départements wurden 1964 zur Regionen zusammengefasst. Davon gibt es im Mutterland derzeit (2021) 18<ref>Einschließlich Korsikas, das allerdings rechtlich nicht eine Region, sondern eine Gebietskörperschaft mit Sonderstatus ist.</ref>, während jede Überseeregion nur ein Département umfasst. Die heutigen Regionen decken sich nur mehr teilweise mit wohlbekannten historischen Landschaften, wie z. B. Bretagne, (Haute- und Basse-)Normandie, Bourgogne-Franche-Comté (Burgund-Freigrafschaft Burgund), öfter erscheinen sie als künstliche Gebilde (Grand Est [2016 zusammengefasst aus Champagne(-Ardenne), Lothringen (Lorraine) und Elsass (Alsace); Hauptstadt Straßburg], Centre-Val de Loire (Hauptstadt Orléans), Pays de la Loire (Hauptstadt Nantes), Provence-Alpes-Côte d’Azur ("PACA", Hauptstadt Marseille), Auvergne-Rhône-Alpes (Hauptstadt Lyon); letztere Region umfasst auch die historische Region Savoyen (Départements Haute-Savoie und Savoie), die erst 1860 zu Frankreich kam (Vgl. [[Italien#Das_Ende Österreichs_in_Italien|Italien, Geschichte]]).
    
== Größere Städte ==
 
== Größere Städte ==
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==Salzburgbezüge==
 
==Salzburgbezüge==
 
=== Salzburg unter Napoleon ===
 
=== Salzburg unter Napoleon ===
In nähere Berührung mit Frankreich kam das [[Erzstift Salzburg|geistliche Reichsfürstentum Salzburg]] durch die expansive Politik Frankreichs. Von dieser Politik wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, zu dem das [[Erzbistum Salzburg|Fürsterzbistum Salzburg]] ja gehörte, besonders unter dem französischen König Ludwig XIV. (* 1638; † 1715) in Mitleidenschaft gezogen. Der von Ludwig XIV. angezettelte Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) zeitigte für Salzburg die Episode, dass der [[Domherr]] [[Franz Gobert Graf von Aspermont-Reckheim]] im Jahr 1689 wegen "Konspiration mit dem König von Frankreich“ seines Amtes entsetzt wurde. Im nächstfolgenden "Franzosenkrieg“, dem [[Franz_Anton_Freiherr_von_Rehlingen#Der_spanische_Erbfolgekrieg|Spanischen Erbfolgekrieg]] (1700–1714), stellte das Fürsterzbistum Salzburg ein Kontingent des Reichsheeres, das sich bei der [[Franz_Anton_Freiherr_von_Rehlingen#Die_Schlacht_um_Freiburg_im_Breisgau|Verteidigung der Festung Freiburg im Breisgau]] ([[1714]]) zu bewähren hatte.
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In nähere Berührung mit Frankreich kam das [[Erzstift Salzburg|geistliche Reichsfürstentum Salzburg]] durch die expansive Politik Frankreichs. Von dieser Politik wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, zu dem das [[Erzbistum Salzburg|Fürsterzbistum Salzburg]] ja gehörte, besonders unter dem französischen König Ludwig XIV. (* 1638; † 1715) in Mitleidenschaft gezogen. Der von Ludwig XIV. angezettelte Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) zeitigte für Salzburg die Episode, dass der [[Domherr]] [[Franz Gobert Graf von Aspermont-Reckheim]] im Jahr 1689 wegen "Konspiration mit dem König von Frankreich" seines Amtes entsetzt wurde. Im nächstfolgenden "Franzosenkrieg", dem [[Franz_Anton_Freiherr_von_Rehlingen#Der_spanische_Erbfolgekrieg|Spanischen Erbfolgekrieg]] (1700–1714), stellte das Fürsterzbistum Salzburg ein Kontingent des Reichsheeres, das sich bei der [[Franz_Anton_Freiherr_von_Rehlingen#Die_Schlacht_um_Freiburg_im_Breisgau|Verteidigung der Festung Freiburg im Breisgau]] ([[1714]]) zu bewähren hatte.
    
Noch weit stärker geriet die Berührung in der [[Salzburg unter Napoleon|Napoleonischen Zeit]]. Nach Jahrhunderten einer konstanten geistlichen Herrschaft wurde Salzburg zu einem Spielball der europäischen Politik:
 
Noch weit stärker geriet die Berührung in der [[Salzburg unter Napoleon|Napoleonischen Zeit]]. Nach Jahrhunderten einer konstanten geistlichen Herrschaft wurde Salzburg zu einem Spielball der europäischen Politik:
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* Ähnlich war das Schicksal Salzburgs, das jetzt ein weltliches [[Kurfürstentum Salzburg|Kurfürstentum]] war, im Dritten Koalitionskrieg ([[1805]]). Auf ihrem Vormarsch Richtung [[Wien]] besetzten die Franzosen auch Salzburg. Nach der kriegsentscheidenden Schlacht von Austerlitz ([[Tschechien#Mähren|Mähren]]) musste das [[Österreich#Kaisertum Österreich|Kaisertum Österreich]] große Gebietsverluste hinnehmen, erhielt aber das [[Herzogtum Salzburg]]. Die französischen Besatzungstruppen verließen am 25. Februar das Land, nachdem sie es ausgiebig geplündert hatten.
 
* Ähnlich war das Schicksal Salzburgs, das jetzt ein weltliches [[Kurfürstentum Salzburg|Kurfürstentum]] war, im Dritten Koalitionskrieg ([[1805]]). Auf ihrem Vormarsch Richtung [[Wien]] besetzten die Franzosen auch Salzburg. Nach der kriegsentscheidenden Schlacht von Austerlitz ([[Tschechien#Mähren|Mähren]]) musste das [[Österreich#Kaisertum Österreich|Kaisertum Österreich]] große Gebietsverluste hinnehmen, erhielt aber das [[Herzogtum Salzburg]]. Die französischen Besatzungstruppen verließen am 25. Februar das Land, nachdem sie es ausgiebig geplündert hatten.
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* Noch schlimmer kam es im [[General-Landesadministration#Historischer Hintergrund|Fünften Koalitionskrieg]] ([[1809]]): Am [[29. April]] wurde die Stadt von [[Bayern|Bayerisch]]-französischen Truppen unter Marschall [[François-Josephe Lefebvre]] besetzt. [[Napoleon]] ließ proklamieren, dass das Land Salzburg in seinem Namen zu verwalten sei. Unter französischer Leitung – ein Militärgouverneur (Brigadegeneral Baron Kisler), ein Kontributionseinheber und Intendant ([[Camille Périer]]) – wurde eine [[General-Landesadministration]] (administration générale du pays de Salzbourg) eingerichtet, die aus fünf hohen Salzburger Funktionären bestand. Die Franzosen richteten ihre Aufmerksam darauf, das Land finanziell auszupressen – die geforderte Kriegskontribution hatte die unerschwingliche Höhe von 5,300.000 [[Gulden]] – sowie die in den Gebirgsgauen aktiven [[Befreiungskrieg 1809|Befreiungskämpfer]] niederzuringen. Auf Initiative des kampferprobten [[Kapuziner]]<u></u>paters [[Joachim Haspinger]], eines Gefährten des Tiroler Bauernführers [[Andreas Hofer (Freiheitskämpfer)|Andreas Hofer]], hatten auch die Salzburger zu den Waffen gegriffen. In den Kämpfen um den [[Pass Lueg]] zeichneten sich [[Joseph Struber]], der Wirt vom [[Stegenwald]], [[Anton Wallner (Freiheitskämpfer)|Anton Wallner]] aus [[Krimml]] und [[Johann Panzl]] aus [[Mühlbach im Pinzgau]] mit ihren Schützen besonders aus. Auch der [[Pass Strub]] in [[Lofer]] war heiß umkämpft. Aber der Kampf blieb vergeblich. In dem am 14. Oktober 1809 geschlossenen Frieden von Schönbrunn musste [[Kaiser Franz I.]] das Land an Napoleon abtreten, der es als Tauschobjekt gegenüber dem verbündeten Bayern einsetzte – Napoleon war auch König von [[Italien]] und erwarb im Frieden von Schönbrunn weiters ua. Ober[[kärnten]] als Teil der neuen "Illyrischen Provinzen“ Frankreichs; Bayern hatte 1805 als Verbündeter Frankreichs Tirol gewonnen: Im Zuge des angestrebten französisch/italienisch-bayrischen Gebietsaustausches gelangte das Land Salzburg – ohne [[Matrei]] – an Bayern, das endlich am [[30. September]] [[1810]] die Verwaltung des geschundenen Landes übernahm. Nach dem Zusammenbruch des napoleonischen Herrschaftssystems kam Salzburg im Jahr 1816 wieder zu Österreich.
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* Noch schlimmer kam es im [[General-Landesadministration#Historischer Hintergrund|Fünften Koalitionskrieg]] ([[1809]]): Am [[29. April]] wurde die Stadt von [[Bayern|Bayerisch]]-französischen Truppen unter Marschall [[François-Josephe Lefebvre]] besetzt. [[Napoleon]] ließ proklamieren, dass das Land Salzburg in seinem Namen zu verwalten sei. Unter französischer Leitung – ein Militärgouverneur (Brigadegeneral Baron Kisler), ein Kontributionseinheber und Intendant ([[Camille Périer]]) – wurde eine [[General-Landesadministration]] (administration générale du pays de Salzbourg) eingerichtet, die aus fünf hohen Salzburger Funktionären bestand. Die Franzosen richteten ihre Aufmerksam darauf, das Land finanziell auszupressen – die geforderte Kriegskontribution hatte die unerschwingliche Höhe von 5,300.000 [[Gulden]] – sowie die in den Gebirgsgauen aktiven [[Befreiungskrieg 1809|Befreiungskämpfer]] niederzuringen. Auf Initiative des kampferprobten [[Kapuziner]]<u></u>paters [[Joachim Haspinger]], eines Gefährten des Tiroler Bauernführers [[Andreas Hofer (Freiheitskämpfer)|Andreas Hofer]], hatten auch die Salzburger zu den Waffen gegriffen. In den Kämpfen um den [[Pass Lueg]] zeichneten sich [[Joseph Struber]], der Wirt vom [[Stegenwald]], [[Anton Wallner (Freiheitskämpfer)|Anton Wallner]] aus [[Krimml]] und [[Johann Panzl]] aus [[Mühlbach im Pinzgau]] mit ihren Schützen besonders aus. Auch der [[Pass Strub]] in [[Lofer]] war heiß umkämpft. Aber der Kampf blieb vergeblich. In dem am 14. Oktober 1809 geschlossenen Frieden von Schönbrunn musste [[Kaiser Franz I.]] das Land an Napoleon abtreten, der es als Tauschobjekt gegenüber dem verbündeten Bayern einsetzte – Napoleon war auch König von [[Italien]] und erwarb im Frieden von Schönbrunn weiters ua. Ober[[kärnten]] als Teil der neuen "Illyrischen Provinzen" Frankreichs; Bayern hatte 1805 als Verbündeter Frankreichs Tirol gewonnen: Im Zuge des angestrebten französisch/italienisch-bayrischen Gebietsaustausches gelangte das Land Salzburg – ohne [[Matrei]] – an Bayern, das endlich am [[30. September]] [[1810]] die Verwaltung des geschundenen Landes übernahm. Nach dem Zusammenbruch des napoleonischen Herrschaftssystems kam Salzburg im Jahr 1816 wieder zu Österreich.
    
Als eine rare positive Auswirkung der französischen Herrschaft in Salzburg kann die Einführung von Hausnummern und [[Straßen der Stadt Salzburg|Straßennamen]] genannt werden.
 
Als eine rare positive Auswirkung der französischen Herrschaft in Salzburg kann die Einführung von Hausnummern und [[Straßen der Stadt Salzburg|Straßennamen]] genannt werden.
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Der berühmte Arzt [[Paracelsus]] war zunächst nach Erlangung seiner Doktorwürde von 1524 bis 1525 als Arzt in Salzburg tätig, dann aber von [[1526]] bis [[1527]] in Straßburg, der heutigen Hauptstadt des Elsass. [[Fürsterzbischof]] [[Wolf Dietrich von Raitenau]], der Salzburg wohl am meisten geprägt hatte, konnte sich über verwandtschaftliche Beziehungen schon als Zwölfjähriger eine Domherrenstelle in Konstanz verschaffen, der die Koadjutorswürde der Stifte Murbach (von dem heute nur mehr Ruinenreste vorhanden sind) und Lüders im Elsass folgten.<ref>Quelle [http://www.salzburgcoins.at/Landesfuersten/html/L07_wolfdietrich.htm www.salzburgcoins.at]</ref>   
 
Der berühmte Arzt [[Paracelsus]] war zunächst nach Erlangung seiner Doktorwürde von 1524 bis 1525 als Arzt in Salzburg tätig, dann aber von [[1526]] bis [[1527]] in Straßburg, der heutigen Hauptstadt des Elsass. [[Fürsterzbischof]] [[Wolf Dietrich von Raitenau]], der Salzburg wohl am meisten geprägt hatte, konnte sich über verwandtschaftliche Beziehungen schon als Zwölfjähriger eine Domherrenstelle in Konstanz verschaffen, der die Koadjutorswürde der Stifte Murbach (von dem heute nur mehr Ruinenreste vorhanden sind) und Lüders im Elsass folgten.<ref>Quelle [http://www.salzburgcoins.at/Landesfuersten/html/L07_wolfdietrich.htm www.salzburgcoins.at]</ref>   
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Seit seiner Gründung [[1583]] gehört das [[Franziskanerkloster]] in der [[Stadt Salzburg]] zur alten Oberdeutschen Franziskaner-Rekollekten-Provinz ("Provincia Argentina“). Diese wurde einem Reformzweig des [[Franziskanerorden]]s zugerechnet und erstreckte sich früher vom Elsass über ganz Süddeutschland bis nach [[Böhmen]]. Es umfasste im Gebiet des [[Fürsterzbistum Salzburg|Fürsterzbistums Salzburg]], das Kloster in der Stadt Salzburg sowie die im Zuge der Rekatholisierung der Salzburger [[Innergebirg|Gebirgsgaue]] [[1736]] gestiftete Missionsstation [[Hundsdorf (Bruck an der Großglocknerstraße)|Hundsdorf]] (heute zum [[Caritas-Kinderdorf St. Anton]] in der Gemeinde [[Bruck an der Großglocknerstraße]] gehörend).
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Seit seiner Gründung [[1583]] gehört das [[Franziskanerkloster]] in der [[Stadt Salzburg]] zur alten Oberdeutschen Franziskaner-Rekollekten-Provinz ("Provincia Argentina"). Diese wurde einem Reformzweig des [[Franziskanerorden]]s zugerechnet und erstreckte sich früher vom Elsass über ganz Süddeutschland bis nach [[Böhmen]]. Es umfasste im Gebiet des [[Fürsterzbistum Salzburg|Fürsterzbistums Salzburg]], das Kloster in der Stadt Salzburg sowie die im Zuge der Rekatholisierung der Salzburger [[Innergebirg|Gebirgsgaue]] [[1736]] gestiftete Missionsstation [[Hundsdorf (Bruck an der Großglocknerstraße)|Hundsdorf]] (heute zum [[Caritas-Kinderdorf St. Anton]] in der Gemeinde [[Bruck an der Großglocknerstraße]] gehörend).
    
Der Komponist und Organist [[Georg Muffat]] kam um 1645 in Schlettstadt im Elsass zur Welt.
 
Der Komponist und Organist [[Georg Muffat]] kam um 1645 in Schlettstadt im Elsass zur Welt.

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