Änderungen

Zur Navigation springen Zur Suche springen
K
Textersetzung - „““ durch „"“
Zeile 11: Zeile 11:  
Bekanntestes Beispiel für eine Massenflucht war jene einer großen Gruppe sowjetrussischer Internierter aus dem [[Konzentrationslager Mauthausen]], bekannt unter der Bezeichnung ''Mühlviertkler Hasenjagd''. SS-Schergen und Einheimische machten gemeinsam Jagd auf diese Menschen und brachten alle bis auf wenige, die von anderen Menschen vor Ort gerettet wurden, um.  
 
Bekanntestes Beispiel für eine Massenflucht war jene einer großen Gruppe sowjetrussischer Internierter aus dem [[Konzentrationslager Mauthausen]], bekannt unter der Bezeichnung ''Mühlviertkler Hasenjagd''. SS-Schergen und Einheimische machten gemeinsam Jagd auf diese Menschen und brachten alle bis auf wenige, die von anderen Menschen vor Ort gerettet wurden, um.  
   −
''Auf der Flucht erschossen'' lautete das Schicksal einer bisher unbekannten Anzahl an Deserteuren,  Regimegegnern, Kriegsgefangenen und zivilen ausländischen Zwangsarbeitern, die in der NS-Zeit interniert waren. "Auf der Flucht erschossen“ konnte sich auf real Vorgefallenes beziehen oder aber auch der Tarnung willkürlicher Tötungen, die damit legitimiert werden sollten, dienen.
+
''Auf der Flucht erschossen'' lautete das Schicksal einer bisher unbekannten Anzahl an Deserteuren,  Regimegegnern, Kriegsgefangenen und zivilen ausländischen Zwangsarbeitern, die in der NS-Zeit interniert waren. "Auf der Flucht erschossen" konnte sich auf real Vorgefallenes beziehen oder aber auch der Tarnung willkürlicher Tötungen, die damit legitimiert werden sollten, dienen.
    
==Fluchtgründe==
 
==Fluchtgründe==
 
Fluchtgrund war bei Wehrmachtsangehörigen der Unwille, weiterhin für dieses Unrechtsregime zu töten. Bei ausländischen Arbeitern und Kriegsgefangenen waren es meist die Arbeits- und Lebensverhältnisse, die nicht selten von Ausbeutung, menschenunwürdiger Behandlung und schlechter Versorgung geprägt waren. Auslöser für die Umsetzung bereits bestehender Fluchtpläne war wohl eine Gelegenheit, die genutzt wurde. Anlass für eine spontane Flucht konnte ebenfalls eine plötzlich auftretende Gelegenheit oder ein Konflikt mit dem Dienstgeber oder einem Lager-Aufsichtsorgan sein.
 
Fluchtgrund war bei Wehrmachtsangehörigen der Unwille, weiterhin für dieses Unrechtsregime zu töten. Bei ausländischen Arbeitern und Kriegsgefangenen waren es meist die Arbeits- und Lebensverhältnisse, die nicht selten von Ausbeutung, menschenunwürdiger Behandlung und schlechter Versorgung geprägt waren. Auslöser für die Umsetzung bereits bestehender Fluchtpläne war wohl eine Gelegenheit, die genutzt wurde. Anlass für eine spontane Flucht konnte ebenfalls eine plötzlich auftretende Gelegenheit oder ein Konflikt mit dem Dienstgeber oder einem Lager-Aufsichtsorgan sein.
 
   
 
   
Bei aufrechten Dienstverhältnissen erfolgte durch eine Flucht ein sogenannter Arbeitsvertragsbruch, ein in der NS-Zeit geschaffenes Delikt, das dazu diente, Disziplinierungsmaßnahmen gegenüber Dienstnehmern und Dienstnehmerinnen zu rechtfertigen. Grundsätzlich auch für freiwillig zustande gekommene Dienstverhältnisse von Inländern geltend, wurde dieser "Rechtsbruch“ vor allem bei zwangsverpflichteten ausländischen Arbeitskräften geahndet, was in den Zuständigkeitsbereich der Geheimen Staatspolizei ([[Gestapo]]) fiel und meist schwerwiegende Folgen nach sich zog.  
+
Bei aufrechten Dienstverhältnissen erfolgte durch eine Flucht ein sogenannter Arbeitsvertragsbruch, ein in der NS-Zeit geschaffenes Delikt, das dazu diente, Disziplinierungsmaßnahmen gegenüber Dienstnehmern und Dienstnehmerinnen zu rechtfertigen. Grundsätzlich auch für freiwillig zustande gekommene Dienstverhältnisse von Inländern geltend, wurde dieser "Rechtsbruch" vor allem bei zwangsverpflichteten ausländischen Arbeitskräften geahndet, was in den Zuständigkeitsbereich der Geheimen Staatspolizei ([[Gestapo]]) fiel und meist schwerwiegende Folgen nach sich zog.  
    
Ab Anfang 1942 finden sich im [[Pinzgau]] die ersten Hinweise auf Fluchten von ausländischen Arbeitern.  Ende Dezember 1942 flüchteten aus einem Lager in [[Kaprun]] fünf Ostarbeiter. Im Juni 1944 wurden in [[Krimml]] sechs Italiener, die von ihrem Arbeitsplatz geflohen waren, verhaftet. In [[Taxenbach]] wurden in einem einzigen Jahr gar 77 Personen – wohl meist wegen Arbeitsvertragsbrüchen - gefangen genommen und in das Polizeigefängnis nach Salzburg eingeliefert.  Das sind nur einige von vielen vergleichbaren Vorfällen, die allein aus drei Gemeinden im Pinzgau bekannt sind. Ähnlich wird es sich in den anderen Bezirken des Landes zugetragen haben. Aus dem damaligen Landkreis [[Hallein]] ist beispielsweise bekannt, dass im Jänner 1942 polnische Landarbeiter geflüchtet waren.
 
Ab Anfang 1942 finden sich im [[Pinzgau]] die ersten Hinweise auf Fluchten von ausländischen Arbeitern.  Ende Dezember 1942 flüchteten aus einem Lager in [[Kaprun]] fünf Ostarbeiter. Im Juni 1944 wurden in [[Krimml]] sechs Italiener, die von ihrem Arbeitsplatz geflohen waren, verhaftet. In [[Taxenbach]] wurden in einem einzigen Jahr gar 77 Personen – wohl meist wegen Arbeitsvertragsbrüchen - gefangen genommen und in das Polizeigefängnis nach Salzburg eingeliefert.  Das sind nur einige von vielen vergleichbaren Vorfällen, die allein aus drei Gemeinden im Pinzgau bekannt sind. Ähnlich wird es sich in den anderen Bezirken des Landes zugetragen haben. Aus dem damaligen Landkreis [[Hallein]] ist beispielsweise bekannt, dass im Jänner 1942 polnische Landarbeiter geflüchtet waren.
Zeile 29: Zeile 29:  
*[[Rudolf Leo]], Bruck unterm Hakenkreuz, Otto Müller Verlag, Salzburg 2015, S. 80-S. 83;
 
*[[Rudolf Leo]], Bruck unterm Hakenkreuz, Otto Müller Verlag, Salzburg 2015, S. 80-S. 83;
 
*[[Christina Nöbauer]], Alltagsgeschichte erlebt und erzählt, Arbeits- und Lebensverhältnisse in der Provinz, ein Projekt der Volkshochschule Salzburg, gefördert vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst, Projektleiter Norbert Ortmayr, Salzburg, April 1991;   
 
*[[Christina Nöbauer]], Alltagsgeschichte erlebt und erzählt, Arbeits- und Lebensverhältnisse in der Provinz, ein Projekt der Volkshochschule Salzburg, gefördert vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst, Projektleiter Norbert Ortmayr, Salzburg, April 1991;   
*Alois Nußbaumer, "Fremdarbeiter“ im Pinzgau – Zwangsarbeit – Lebensgeschichten, S. 89 – 99;
+
*Alois Nußbaumer, "Fremdarbeiter" im Pinzgau – Zwangsarbeit – Lebensgeschichten, S. 89 – 99;
 
*Schriftliche Information Archiv KZ-Dachau, Gutkow und Makuschin betreffend, vom 19. Jänner 2012;
 
*Schriftliche Information Archiv KZ-Dachau, Gutkow und Makuschin betreffend, vom 19. Jänner 2012;
 
[[Kategorie:Geschichte]]
 
[[Kategorie:Geschichte]]

Navigationsmenü