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=== Post- und Telegraphenamt ===
 
=== Post- und Telegraphenamt ===
Am [[1. Juli]] trat im Kriegsgefangenenlager ein zeitweises k. k. Post- und Telegraphenamt mit der amtlichen Bezeichnung „Kriegsgefangenenlager Grödig" in Wirksamkeit. Das Amt befasste sich mit den Verrichtungen des Post- und Telegramm-Auf- und Abgabedienstes und des Postsparkassendienstes für den Bereich der Kriegsgefangenenlager in Grödig-Markt und in St. Leonhard und wurde zum Zwecke der Post-Zu- und Ableitung mit den nachstehenden Zügen der ''Roten Elektrischen'' Eisenbahn (von der Stadt Salzburg über [[Hellbrunn]] bis zur deutschen Grenze beim [[Hangendenstein-Pass]] und in weiterer Folge als [[Grüne Elektrische]] zum [[Königssee]]) in der Station Grödig verbunden täglich mit den Zügen 11, 53 und 54 und an Werktagen mit den Zügen 22, 57 und M. Die Dienststunden des Postamtes Kriegsgefangenenlager Grödig wurde wie folgt festgesetzt: an Werktagen vormittags von 08 bis 12 Uhr, nachmittags von 14 bis 18 Uhr; an Sonn- und Feiertagen vormittags von 08 bis 12 Uhr.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwb&datum=19150720&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=12 ANNO], [[Salzburger Chronik]], 2. Juli 1915, Seite 12</ref>
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Am [[1. Juli]] trat im Kriegsgefangenenlager ein zeitweises k. k. Post- und Telegraphenamt mit der amtlichen Bezeichnung "Kriegsgefangenenlager Grödig" in Wirksamkeit. Das Amt befasste sich mit den Verrichtungen des Post- und Telegramm-Auf- und Abgabedienstes und des Postsparkassendienstes für den Bereich der Kriegsgefangenenlager in Grödig-Markt und in St. Leonhard und wurde zum Zwecke der Post-Zu- und Ableitung mit den nachstehenden Zügen der ''Roten Elektrischen'' Eisenbahn (von der Stadt Salzburg über [[Hellbrunn]] bis zur deutschen Grenze beim [[Hangendenstein-Pass]] und in weiterer Folge als [[Grüne Elektrische]] zum [[Königssee]]) in der Station Grödig verbunden täglich mit den Zügen 11, 53 und 54 und an Werktagen mit den Zügen 22, 57 und M. Die Dienststunden des Postamtes Kriegsgefangenenlager Grödig wurde wie folgt festgesetzt: an Werktagen vormittags von 08 bis 12 Uhr, nachmittags von 14 bis 18 Uhr; an Sonn- und Feiertagen vormittags von 08 bis 12 Uhr.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwb&datum=19150720&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=12 ANNO], [[Salzburger Chronik]], 2. Juli 1915, Seite 12</ref>
    
=== Arbeit und Versorgung ===
 
=== Arbeit und Versorgung ===
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Der stark gestiegene Bedarf führte bald zu steigenden Preisen bei den Lebensmitteln. Vereinzelt kam es zu Übertretungen nach dem Preisgesetz und sogar zu einer Verurteilung wegen Preistreiberei.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160323&query=%22Kriegsgefangenen-Lagers%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Salzburger Volksblatt, 23. März 1916, Seite 6</ref>
 
Der stark gestiegene Bedarf führte bald zu steigenden Preisen bei den Lebensmitteln. Vereinzelt kam es zu Übertretungen nach dem Preisgesetz und sogar zu einer Verurteilung wegen Preistreiberei.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19160323&query=%22Kriegsgefangenen-Lagers%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=6 ANNO], Salzburger Volksblatt, 23. März 1916, Seite 6</ref>
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Gegen Kriegsende wurde die Versorgungslage in Österreich allgemein schlechter und zunehmend schwieriger. Kohle und Brennholz waren knapp. Butter, Schweineschmalz und Weizenmehl waren selten zu bekommen und entsprechend begehrt. Ein (nicht alltäglicher) Einkauf für das Kriegsgefangenenlager Grödig, Abteilung für serbische Offiziere, wurde in dieser allgemeinen Notlage medial zur Lebensmittelhamsterei. Von [[Schneegattern]] wurden nach Grödig 30 Kilogramm Butter, zehn Kilogramm Schweineschmalz und 70 Kilogramm weißem Weizenmehl per Post geschickt. Als Versender wurde der Unterjäger Michael Prüll, der Einkäufer für das Kriegsgefangenenlager Grödig, Abteilung für serbische Offiziere, ermittelt. Prüll hatte die Lebensmittel unter Mithilfe der Gastwirtin „Zum Schweizerhof", Maria Kraus im [[Innviertel]] um teures Geld und gegen Tabak usw.gehamstert, um sie nach seiner eigenen Aussage der Küche der kriegsgefangenen serbischen Offiziere zuzuführen.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nzg&datum=19180205&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Die Neue Zeitung, 5. Februar 1918, Seite 4</ref>  
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Gegen Kriegsende wurde die Versorgungslage in Österreich allgemein schlechter und zunehmend schwieriger. Kohle und Brennholz waren knapp. Butter, Schweineschmalz und Weizenmehl waren selten zu bekommen und entsprechend begehrt. Ein (nicht alltäglicher) Einkauf für das Kriegsgefangenenlager Grödig, Abteilung für serbische Offiziere, wurde in dieser allgemeinen Notlage medial zur Lebensmittelhamsterei. Von [[Schneegattern]] wurden nach Grödig 30 Kilogramm Butter, zehn Kilogramm Schweineschmalz und 70 Kilogramm weißem Weizenmehl per Post geschickt. Als Versender wurde der Unterjäger Michael Prüll, der Einkäufer für das Kriegsgefangenenlager Grödig, Abteilung für serbische Offiziere, ermittelt. Prüll hatte die Lebensmittel unter Mithilfe der Gastwirtin "Zum Schweizerhof", Maria Kraus im [[Innviertel]] um teures Geld und gegen Tabak usw.gehamstert, um sie nach seiner eigenen Aussage der Küche der kriegsgefangenen serbischen Offiziere zuzuführen.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nzg&datum=19180205&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=4 ANNO], Die Neue Zeitung, 5. Februar 1918, Seite 4</ref>  
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Mit Genehmigung des Lagerkommandos übersandte das Kommando der serbischen Offiziersabteilung eine Richtigstellung zu der im Leitartikel „Gefangenenverpflegung" geschilderten Verhältnisse bezüglich der Verpflegung der kriegsgefangenen 540 serbischen Offiziere im Lager Grödig. Die kriegsgefangenen Offiziere wurden von der Bezirkshauptmannschaft Salzburg mit Lebensmittelkarten, welche auf dasselbe Ausmaß lauten, wie die der Zivilbevölkerung, beteilt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19180427&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 27. April 1918, Seite 5</ref>
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Mit Genehmigung des Lagerkommandos übersandte das Kommando der serbischen Offiziersabteilung eine Richtigstellung zu der im Leitartikel "Gefangenenverpflegung" geschilderten Verhältnisse bezüglich der Verpflegung der kriegsgefangenen 540 serbischen Offiziere im Lager Grödig. Die kriegsgefangenen Offiziere wurden von der Bezirkshauptmannschaft Salzburg mit Lebensmittelkarten, welche auf dasselbe Ausmaß lauten, wie die der Zivilbevölkerung, beteilt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19180427&query=%22Kriegsgefangenenlager%22+%22Gr%c3%b6dig%22&seite=5 ANNO], Salzburger Volksblatt, 27. April 1918, Seite 5</ref>
    
=== Lagergeld ===
 
=== Lagergeld ===
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=== Straßenbauten mit Kriegsgefangenen ===
 
=== Straßenbauten mit Kriegsgefangenen ===
Durch das Kriegsgefangenenlager Grödig waren zahlreiche, billige Arbeitskräfte vorhanden, von welchem auch im [[Kronland Salzburg]] zu den verschiedensten Zwecken ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Auch zum Straßenbau wurden russischen Kriegsgefangene eingesetzt. Seitens der Landesverwaltung des Landesausschusses Salzburg wurde die Verlegung der Hallein-Thalgauer Landesstraße beauftragt. Insbesondere die Strecke zwischen [[Ebenau]]-[[Nesselgraben]] und [[Thalgau]] war wegen der übermäßig großen Steigungen für den Fuhrwerksverkehr ganz ungeeignet. Ein großer Teil dieser alten Straße war bereits durch Anlage der neuen [[Wiestal Landesstraße]] verbessert worden. Nun wurde mit Hilfe der Kriegsgefangenen noch die Umlegung der Strecke über den [[Wasenegg]]erberg in der Strecke zwischen Thalgau und [[Hof bei Salzburg]], welcher Steigungen bis zu 25 Prozent aufweist und die Umlegung von vier Baustrecken zwischen Ebenau und [[Grazer Bundesstraße|Grazer Reichsstraße]] bewerkstelligt. Hierzu wurden rund 600 Kriegsgefangene beschäftigt, wobei mit 300 Mann die Arbeiten in Thalgau bereits aufgenommen worden waren. Die sogenannte [[Russenstraße]]“ in Thalgau erinnert heute noch daran.
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Durch das Kriegsgefangenenlager Grödig waren zahlreiche, billige Arbeitskräfte vorhanden, von welchem auch im [[Kronland Salzburg]] zu den verschiedensten Zwecken ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Auch zum Straßenbau wurden russischen Kriegsgefangene eingesetzt. Seitens der Landesverwaltung des Landesausschusses Salzburg wurde die Verlegung der Hallein-Thalgauer Landesstraße beauftragt. Insbesondere die Strecke zwischen [[Ebenau]]-[[Nesselgraben]] und [[Thalgau]] war wegen der übermäßig großen Steigungen für den Fuhrwerksverkehr ganz ungeeignet. Ein großer Teil dieser alten Straße war bereits durch Anlage der neuen [[Wiestal Landesstraße]] verbessert worden. Nun wurde mit Hilfe der Kriegsgefangenen noch die Umlegung der Strecke über den [[Wasenegg]]erberg in der Strecke zwischen Thalgau und [[Hof bei Salzburg]], welcher Steigungen bis zu 25 Prozent aufweist und die Umlegung von vier Baustrecken zwischen Ebenau und [[Grazer Bundesstraße|Grazer Reichsstraße]] bewerkstelligt. Hierzu wurden rund 600 Kriegsgefangene beschäftigt, wobei mit 300 Mann die Arbeiten in Thalgau bereits aufgenommen worden waren. Die sogenannte "[[Russenstraße]]“ in Thalgau erinnert heute noch daran.
    
Die nächste Partie sollte nach Ebenau folgen. Für die Unterbringung der Kriegsgefangenen und deren Bewachungsmannschaft wurden Bauernhäuser, Stadel etc. entsprechend adaptiert und die erforderlichen Koch- und sanitären Anlagen zugebaut. An den Kosten partizipieren Land, staatliche Verwaltungszweige und Lokalinteressenten. Diese Straßenbauten entsprachen lange gehegten und vertretenen Wünschen der umliegenden Gemeinden und Verbesserung der Verbindungen mit der [[Ischlerbahn]] und mit der Stadt Salzburg.
 
Die nächste Partie sollte nach Ebenau folgen. Für die Unterbringung der Kriegsgefangenen und deren Bewachungsmannschaft wurden Bauernhäuser, Stadel etc. entsprechend adaptiert und die erforderlichen Koch- und sanitären Anlagen zugebaut. An den Kosten partizipieren Land, staatliche Verwaltungszweige und Lokalinteressenten. Diese Straßenbauten entsprachen lange gehegten und vertretenen Wünschen der umliegenden Gemeinden und Verbesserung der Verbindungen mit der [[Ischlerbahn]] und mit der Stadt Salzburg.
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* [[Salzburger Woche]], Ausgabe 23. Mai 2013: Harald Saller:  ''Gedenken einer schlimmen Zeit''
 
* [[Salzburger Woche]], Ausgabe 23. Mai 2013: Harald Saller:  ''Gedenken einer schlimmen Zeit''
 
* [[Salzburger Landeskorrespondenz]] vom [https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/detail?nachrid=60707 11. November 2018]
 
* [[Salzburger Landeskorrespondenz]] vom [https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/detail?nachrid=60707 11. November 2018]
* [https://salzburg.orf.at/v2/news/stories/2636949/ salzburg.orf.at] "Das „vergessene“ Russen-Lager Grödig", 2015
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* [https://salzburg.orf.at/v2/news/stories/2636949/ salzburg.orf.at] "Das "vergessene“ Russen-Lager Grödig", 2015
 
== Einzelnachweise ==
 
== Einzelnachweise ==
 
<references/>
 
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