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'''Karl''' (III.) '''Kaspar Irresberger''', auch: ''Carl Irresberger'' (* [[27. April]] [[1860]] [[Salzburg]], † [[29. Jänner]] [[1932]]) war ein Salzburger Ingenieur und Politiker.
 
'''Karl''' (III.) '''Kaspar Irresberger''', auch: ''Carl Irresberger'' (* [[27. April]] [[1860]] [[Salzburg]], † [[29. Jänner]] [[1932]]) war ein Salzburger Ingenieur und Politiker.
 
==Leben==
 
==Leben==
Er war der älteste Sohn des damaligen Gastwirts „[[Gasthof zum Mohren|zum Mohren]]“ und späteren Hoteliers („[[Hotel Sacher Salzburg|Österreichischer Hof]]“) Karl (II.) Irresberger († 1873) und der [[Henndorf]]er Bierbrauerstochter ([[Caspar-Moser-Bräu]]) Barbara Irresberger geb. [[Moser]].
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Er war der älteste Sohn des damaligen Gastwirts „[[Gasthof zum Mohren|zum Mohren]]“ und späteren Hoteliers („[[Hotel Sacher Salzburg|Österreichischer Hof]]“) Karl (II.) [[Irresberger]] († 1873) und der [[Henndorf]]er Bierbrauerstochter ([[Caspar-Moser-Bräu]]) Barbara Irresberger geb. [[Moser]].
 
===Werdegang===
 
===Werdegang===
 
In seiner Schullaufbahn hatte Karl Irresberger – hauptsächlich infolge seiner unverhohlenen (deutschnationalen) politischen Einstellung – einige Schwierigkeiten. So wurde er vom Besuch der Mittelschule im Land Salzburg ausgeschlossen.<ref>Nach der Familienüberlieferung war dieser Ausschluss auf folgende Begebenheit zurückzuführen: Eines Tages im [[Mirabellgarten]], als der an ihrer Schule tätige Kaplan daherkam, knieten Karl und sein Freund zu beiden Seiten des Weges nieder und sprachen „Gelobt sei Jesus Christus!“ (Diese unpassende Frömmigkeitsbezeigung konnte wohl nur im Zusammenhalt mit anderen Vorkommnissen zu einem Schulverweis führen.)</ref>  
 
In seiner Schullaufbahn hatte Karl Irresberger – hauptsächlich infolge seiner unverhohlenen (deutschnationalen) politischen Einstellung – einige Schwierigkeiten. So wurde er vom Besuch der Mittelschule im Land Salzburg ausgeschlossen.<ref>Nach der Familienüberlieferung war dieser Ausschluss auf folgende Begebenheit zurückzuführen: Eines Tages im [[Mirabellgarten]], als der an ihrer Schule tätige Kaplan daherkam, knieten Karl und sein Freund zu beiden Seiten des Weges nieder und sprachen „Gelobt sei Jesus Christus!“ (Diese unpassende Frömmigkeitsbezeigung konnte wohl nur im Zusammenhalt mit anderen Vorkommnissen zu einem Schulverweis führen.)</ref>  
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Er absolvierte auch eine Lehre als Former, was damals für einen Akademiker außergewöhnlich war und viel zu seiner fachlichen Kompetenz beitrug.
 
Er absolvierte auch eine Lehre als Former, was damals für einen Akademiker außergewöhnlich war und viel zu seiner fachlichen Kompetenz beitrug.
 
===Gießereiingenieur===
 
===Gießereiingenieur===
Dem Studienabschluß folgten wechselvolle Wanderjahre, in denen er sich in den verschiedensten Zweigen des Gießereiwesens in Jenbach (Tirol), Stuttgart, Elbing, Mannheim und Michelbach in Hessen betätigte.
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Dem Studienabschluß folgten wechselvolle Wanderjahre, in denen er sich in den verschiedensten Zweigen des Gießereiwesens in Jenbach (Tirol), [[Württemberg#Stuttgart|Stuttgart]], Elbing, [[Mannheim]] und Michelbach in [[Deutschland#Hessen|Hessen]] betätigte.
    
1889 richtete er für Hilpert die Hütte in Pegnitz als Gießerei nach eigenen Plänen ein. Mit seinem Schwager August Fischer gründete er 1891 in Zuffenhausen bei Stuttgart eine eigene Eisengießerei, die er jedoch wegen der damaligen Wirtschaftskrise nach einigen Jahren wieder aufgeben mußte. In den Jahren 1894 bis 1897 war er Gießereileiter der Wilhelmshütte in Eulau in Schlesien, zwei Jahre später Direktor bei Bopp & Reuther in Mannheim. 1900 wirkte er bei der sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz, 1904 bei der Gießerei Rudolf Otto Meyer in Mannheim. 1905 bis 1907 war Carl Gießereidirektor der Friedrich-Wilhelmshütte in Mülheim an der Ruhr.
 
1889 richtete er für Hilpert die Hütte in Pegnitz als Gießerei nach eigenen Plänen ein. Mit seinem Schwager August Fischer gründete er 1891 in Zuffenhausen bei Stuttgart eine eigene Eisengießerei, die er jedoch wegen der damaligen Wirtschaftskrise nach einigen Jahren wieder aufgeben mußte. In den Jahren 1894 bis 1897 war er Gießereileiter der Wilhelmshütte in Eulau in Schlesien, zwei Jahre später Direktor bei Bopp & Reuther in Mannheim. 1900 wirkte er bei der sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz, 1904 bei der Gießerei Rudolf Otto Meyer in Mannheim. 1905 bis 1907 war Carl Gießereidirektor der Friedrich-Wilhelmshütte in Mülheim an der Ruhr.
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===Politische Tätigkeit===
 
===Politische Tätigkeit===
Nach seiner Rückkehr nach Salzburg wandte sich Ing. Carl Irresberger auch der politischen Tätigkeit zu. Er schloss sich dem 1909 gegründeten „Deutschfreiheitlichen Volksbund“ an und wurde einer der führenden Persönlichkeiten dieser politischen Vereinigung<ref>Der Deutschfreiheitlichen Volksbund war eine der zehn bis elf deutschnationalen Gruppierungen der Stadt Salzburg (Näheres siehe bei Voithofer).</ref>.  
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Nach seiner Rückkehr nach Salzburg wandte sich Ing. Carl Irresberger auch der politischen Tätigkeit zu. Er schloss sich dem 1909 gegründeten „Deutschfreiheitlichen Volksbund“ an und wurde einer der führenden Persönlichkeiten dieser politischen Vereinigung<ref>Der Deutschfreiheitliche Volksbund war eine der zehn bis elf deutschnationalen Gruppierungen der Stadt Salzburg (Näheres siehe bei Voithofer).</ref>.  
 
Als am 26. Mai 1918 von der [[Christlichsoziale Partei|Christlichsozialen Partei]], den Deutschfreiheitlichen und der [[Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei|Deutschen Arbeiterpartei]] aus Protest v.a. gegen die schlechte Ernährungslage der erste ''Salzburger Volkstag'' abgehalten wurde, trat Ing. Irresberger als Redner der Deutschfreiheitlichen auf.<ref>Der Volkstag, an dem 3.000 bis 4.000 Menschen, darunter [[Landeshauptmann]] Prälat [[Alois Winkler]], Bürgermeister [[Max Ott]], alle Mitglieder des [[Landesregierung|Landesausschusses]], drei Reichsratsabgeordnete sowie zahlreiche Landtagsabgeordnete und Gemeinderäte teilnahmen, forderte in einer Resolution u.a. die Verbesserung der Ernährungslage, gleichmäßige Verteilung der Kriegslasten auf beide Reichshälften und die strikte Zurückweisung einer südslawischen Staatsbildung.</ref>
 
Als am 26. Mai 1918 von der [[Christlichsoziale Partei|Christlichsozialen Partei]], den Deutschfreiheitlichen und der [[Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei|Deutschen Arbeiterpartei]] aus Protest v.a. gegen die schlechte Ernährungslage der erste ''Salzburger Volkstag'' abgehalten wurde, trat Ing. Irresberger als Redner der Deutschfreiheitlichen auf.<ref>Der Volkstag, an dem 3.000 bis 4.000 Menschen, darunter [[Landeshauptmann]] Prälat [[Alois Winkler]], Bürgermeister [[Max Ott]], alle Mitglieder des [[Landesregierung|Landesausschusses]], drei Reichsratsabgeordnete sowie zahlreiche Landtagsabgeordnete und Gemeinderäte teilnahmen, forderte in einer Resolution u.a. die Verbesserung der Ernährungslage, gleichmäßige Verteilung der Kriegslasten auf beide Reichshälften und die strikte Zurückweisung einer südslawischen Staatsbildung.</ref>
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Als der Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie im Gange war und die Gründung des neue Staates (Deutsch-)Österreich bevorstand, war – auch im deutschnationalen Lager – strittig, ob es eine Monarchie oder eine Republik sein solle. Irresberger trat mit Entschiedenheit für die Wahl der republikanischen Staatsform ein; denn „''nur in einem Freistaat, in dem nicht so und so viel Personen außerhalb des Gesetzes stehen und in dem nicht so eine große Protektionswirtschaft herrschen würde, gilt der Satz: Freie Bahn allen Tüchtigen.''“
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Als der Zerfall der [[Österreich#Österreich-Ungarn|österreichisch-ungarischen Monarchie]] im Gange war und die Gründung des neue Staates (Deutsch-)Österreich bevorstand, war – auch im deutschnationalen Lager – strittig, ob es eine Monarchie oder eine Republik sein solle. Irresberger trat mit Entschiedenheit für die Wahl der republikanischen Staatsform ein; denn „''nur in einem Freistaat, in dem nicht so und so viel Personen außerhalb des Gesetzes stehen und in dem nicht so eine große Protektionswirtschaft herrschen würde, gilt der Satz: Freie Bahn allen Tüchtigen.''“
    
Als sich am 3. November 1918 die aus 38 Mitgliedern bestehende provisorische Landesversammlung konstituierte, war Ing. Karl Irresberger eines der deutschfreiheitlichen Mitglieder. Nach der von der provisorische Landesversammlung beschlossenen provisorischen [[Salzburger Landesverfassung|Landesverfassung]] war aus der Mitte der Landesversammlung ein aus 14 Mitgliedern bestehender Landesrat zu wählen, der aus drei Präsidenten und drei Präsidenten-Stellvertretern – die zusammen die sechsköpfige [[Landesregierung]] bildeten – und acht weiteren Landesräten bestand. Ing. Irresberger wurde als einer der drei Präsidenten-Stellvertreter gewählt.
 
Als sich am 3. November 1918 die aus 38 Mitgliedern bestehende provisorische Landesversammlung konstituierte, war Ing. Karl Irresberger eines der deutschfreiheitlichen Mitglieder. Nach der von der provisorische Landesversammlung beschlossenen provisorischen [[Salzburger Landesverfassung|Landesverfassung]] war aus der Mitte der Landesversammlung ein aus 14 Mitgliedern bestehender Landesrat zu wählen, der aus drei Präsidenten und drei Präsidenten-Stellvertretern – die zusammen die sechsköpfige [[Landesregierung]] bildeten – und acht weiteren Landesräten bestand. Ing. Irresberger wurde als einer der drei Präsidenten-Stellvertreter gewählt.
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Er verwertete die Erfahrungen der englischen und amerikanischen Gießerei-Industrie in europäischen Gießereien und leistete wertvolle Pionierarbeit bei der Einführung von Rüttel-Form-Maschinen in Deutschland. Einige Gießereien im In- und Ausland wurden nach seinen Plänen gebaut oder umgestaltet, u.a. die Gießerei der Steyr-Daimler-Puch A.G. im Jahre 1919, die dann als modernste Gießerei Europas galt. Er war ein geschätzter Mitarbeiter der bedeutendsten Fachzeitschriften, besonders von „Stahl und Eisen“.
 
Er verwertete die Erfahrungen der englischen und amerikanischen Gießerei-Industrie in europäischen Gießereien und leistete wertvolle Pionierarbeit bei der Einführung von Rüttel-Form-Maschinen in Deutschland. Einige Gießereien im In- und Ausland wurden nach seinen Plänen gebaut oder umgestaltet, u.a. die Gießerei der Steyr-Daimler-Puch A.G. im Jahre 1919, die dann als modernste Gießerei Europas galt. Er war ein geschätzter Mitarbeiter der bedeutendsten Fachzeitschriften, besonders von „Stahl und Eisen“.
 
===Privates===
 
===Privates===
Karl Irresberger heiratete am 23. Oktober 1888 in Stuttgart die dort gebürtige 23jährige Charlotte Franziska Fischer (* 16.1.1865 Stuttgart, † 13.4.1905 Mannheim). Diese gebar ihm die Kinder  
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Karl Irresberger heiratete am 23. Oktober 1888 in Stuttgart die dort gebürtige 23jährige Charlotte Franziska Fischer (* 16.1.1865 Stuttgart, † 13. April 1905 Mannheim). Diese gebar ihm die Kinder  
* Anna (*9.12.1890 Ort unbekannt, verh. [[Robert Jaeckel|Jäckel]]),  
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* Anna (*9. Dezember 1890 Ort unbekannt, verh. [[Robert Jaeckel|Jäckel]]),  
* Helmut (* 26.4.1892 Zuffenhausen),  
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* Helmut (* 26. April 1892 Zuffenhausen),  
* Karl (IV., * 31.1.1897 Groß-Eulau, Preußisch-Schlesien) und  
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* Karl (IV., * 31. Jänner 1897 Groß-Eulau, [[Deutschland#Schlesien|Preußisch-Schlesien]]) und  
* Otto (* 18.2.1899 [[Mannheim]]-Waldhof).
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* Otto (* 18. Februar 1899 [[Mannheim]]-Waldhof).
 
In der Nacht auf den 29. Jänner 1932 starb er in seinem Haus in der [[Reichenhaller Straße]] 7a in Salzburg am bereits zweiten Schlaganfall. Seine sterblichen Überreste fanden in der Familiengruft auf dem [[Petersfriedhof]] die letzte Ruhe.  
 
In der Nacht auf den 29. Jänner 1932 starb er in seinem Haus in der [[Reichenhaller Straße]] 7a in Salzburg am bereits zweiten Schlaganfall. Seine sterblichen Überreste fanden in der Familiengruft auf dem [[Petersfriedhof]] die letzte Ruhe.  
 
==Werke==
 
==Werke==
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* ''Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1950'' (Graz-Köln 1965). [http://hw.oeaw.ac.at/oebl/oebl_I/Irresberger_Carl-Caspar_1860_1932.xml Bd. 3 (Lfg. 11), S. 42.]
 
* ''Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1950'' (Graz-Köln 1965). [http://hw.oeaw.ac.at/oebl/oebl_I/Irresberger_Carl-Caspar_1860_1932.xml Bd. 3 (Lfg. 11), S. 42.]
 
* Berka, Günther: ''100 Jahre Deutsche Burschenschaft in Österreich 1859-1959. Die geistige Leistung ihrer bedeutenden Männer'', S. 154 f (Graz 1959).
 
* Berka, Günther: ''100 Jahre Deutsche Burschenschaft in Österreich 1859-1959. Die geistige Leistung ihrer bedeutenden Männer'', S. 154 f (Graz 1959).
* [[Richard Voithofer|Voithofer, Richard]]: ''Drum schließt Euch frisch an Deutschland an... Die Großdeutsche Volkspartei in Salzburg 1920-1936.'' Schriftenreihe der Dr. [[Wilfried Haslauer senior|Wilfried-Haslauer]]-Bibliothek, Band 9. Verlag Böhlau Wien 2000. ISBN 978-3-205-99222-6.  
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* [[Richard Voithofer|Voithofer, Richard]]: ''Drum schließt Euch frisch an Deutschland an... Die [[Großdeutsche Volkspartei]] in Salzburg 1920-1936.'' Schriftenreihe der Dr. [[Wilfried Haslauer senior|Wilfried-Haslauer]]-Bibliothek, Band 9. Verlag Böhlau Wien 2000. ISBN 978-3-205-99222-6.  
 
* Bundesgeschichte der Germania Leoben (1982).  
 
* Bundesgeschichte der Germania Leoben (1982).  
 
* Nachruf im "[[Salzburger Volksblatt]]", Nr. 24/1932 vom 30.?. Jänner 1932.  
 
* Nachruf im "[[Salzburger Volksblatt]]", Nr. 24/1932 vom 30.?. Jänner 1932.  

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