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| − | Die "[[Österreichische Touristenzeitung]]" berichtete in ihrer Ausgabe [[1902]]<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=otz&datum=19020004&query=(text:%22Schellenberger+Eish%c3%b6hle%22)&ref=anno-search&seite=173 ANNO], Österreichische Touristenzeitung, Ausgabe 1902, Seite 173</ref><blockquote>''Absturz vom Untersberg. Am [[14. Juli]] nachmittags unternahmen einige Mitglieder des [[Edelweiss-Club Salzburg|Salzburger Edelweiss-Clubs]] einen Aufstieg auf den Untersberg über die zum Theil schwierige Südwand des Berchtesgadner Hochthron, etwas nördlich der [[Schellenberger Eishöhle]]. Die Touristen waren angeseilt. Herr Ignaz Geiger, Comptoirist in der [[Zementwerk Leube GmbH|Cementfabrik]] [[Gartenau]] am Untersberg, liess sich, wie der Bericht sich ausdrückt, „wegen besserer Sicherung seiner ihm folgenden Begleiter“ vom Seile losmachen. Als er bereits die grösste Wand ohne Schwierigkeit überwunden hatte, glitt er plötzlich aus und stürzte, an den beiden Hintermännern vorbei, lautlos in die Tiefe. Seine Begleiter überzeugten sich alsbald, dass Geiger sofort todt war. Eine Expedition der Alpinen Rettungs-Gesellschaft begab sich am 15. morgens in Begleitung einiger Freunde des Verunglückten und des Arztes von [[Schellenberg]] zur Bergung der Leiche nach der Unglücksstätte. Der Verunglückte ist der Sohn des städtischen Leihhaus- und Theaterdieners Geiger und war 31 Jahre alt. | + | Die "[[Österreichische Touristenzeitung]]" berichtete in ihrer Ausgabe [[1902]]<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=otz&datum=19020004&query=(text:%22Schellenberger+Eish%c3%b6hle%22)&ref=anno-search&seite=173 ANNO], Österreichische Touristenzeitung, Ausgabe 1902, Seite 173</ref><blockquote>''Absturz vom Untersberg. Am [[14. Juli]] nachmittags unternahmen einige Mitglieder des [[Edelweiss-Club Salzburg|Salzburger Edelweiss-Clubs]] einen Aufstieg auf den Untersberg über die zum Theil schwierige Südwand des Berchtesgadner Hochthron, etwas nördlich der [[Schellenberger Eishöhle]]. Die Touristen waren angeseilt. Herr Ignaz Geiger, Comptoirist in der [[Zementwerk Leube GmbH|Cementfabrik]] [[Gartenau]] am Untersberg, liess sich, wie der Bericht sich ausdrückt, "wegen besserer Sicherung seiner ihm folgenden Begleiter“ vom Seile losmachen. Als er bereits die grösste Wand ohne Schwierigkeit überwunden hatte, glitt er plötzlich aus und stürzte, an den beiden Hintermännern vorbei, lautlos in die Tiefe. Seine Begleiter überzeugten sich alsbald, dass Geiger sofort todt war. Eine Expedition der Alpinen Rettungs-Gesellschaft begab sich am 15. morgens in Begleitung einiger Freunde des Verunglückten und des Arztes von [[Schellenberg]] zur Bergung der Leiche nach der Unglücksstätte. Der Verunglückte ist der Sohn des städtischen Leihhaus- und Theaterdieners Geiger und war 31 Jahre alt. |
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| − | ''Die Ursache des Unglückes war offenbar die Loslösung vom Seile, und es ist nicht zu ersehen, warum dies geschah: die Angabe „zur besseren Sicherung seiner Begleiter“ ist nur erklärlich, wenn man annimmt, dass die Touristen das Seil nicht als Sicherung zu handhaben wussten. Die Betheiligten übersendeten den „M. N. N.“ nach folgende Darstellung des Sachverhaltes: | + | ''Die Ursache des Unglückes war offenbar die Loslösung vom Seile, und es ist nicht zu ersehen, warum dies geschah: die Angabe "zur besseren Sicherung seiner Begleiter“ ist nur erklärlich, wenn man annimmt, dass die Touristen das Seil nicht als Sicherung zu handhaben wussten. Die Betheiligten übersendeten den "M. N. N.“ nach folgende Darstellung des Sachverhaltes: |
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| − | ''„Der Anstieg bis zur eigentlichen Südwand ist in etwa zweieinhalb Stunden zu erreichen und wenig anstrengend. Der Aufstieg über die Wand selbst bietet nur zwei schwierigere Stellen, welche schon oft ohne Seilbenützung gemacht wurden; der Vorsicht halber benützten wir das Seil trotzdem. Der verunglückte Geiger hatte bereits als Zweiter das schwierigere Stück leicht überwunden und liess sich nun auf eigenes Verlangen vom Seile losbinden, da es zur Sicherung des zuletzt Gehenden fast ganz gebraucht wurde und er die Verantwortlichkeit der Sicherung ausdrücklich dem Geübteren von uns, der diese Tour heuer schon zum drittenmale machte, überlassen wollte. Während wir noch mit uns beschäftigt waren, stieg Geiger, von uns unbeobachtet, einer für sich vorausgehenden Partie, bestehend aus zwei Herren, nach und über die nun folgende, mit guten Griffen und Tritten versehene Wandstufe leicht empor. Von uns noch zur Vorsicht gemahnt und auch | + | ''"Der Anstieg bis zur eigentlichen Südwand ist in etwa zweieinhalb Stunden zu erreichen und wenig anstrengend. Der Aufstieg über die Wand selbst bietet nur zwei schwierigere Stellen, welche schon oft ohne Seilbenützung gemacht wurden; der Vorsicht halber benützten wir das Seil trotzdem. Der verunglückte Geiger hatte bereits als Zweiter das schwierigere Stück leicht überwunden und liess sich nun auf eigenes Verlangen vom Seile losbinden, da es zur Sicherung des zuletzt Gehenden fast ganz gebraucht wurde und er die Verantwortlichkeit der Sicherung ausdrücklich dem Geübteren von uns, der diese Tour heuer schon zum drittenmale machte, überlassen wollte. Während wir noch mit uns beschäftigt waren, stieg Geiger, von uns unbeobachtet, einer für sich vorausgehenden Partie, bestehend aus zwei Herren, nach und über die nun folgende, mit guten Griffen und Tritten versehene Wandstufe leicht empor. Von uns noch zur Vorsicht gemahnt und auch |
| | die angebotene Seilhilfe der bereits auf sicherem Standplatz befindlichen Vorgänger nicht beanspruchend, hatte er schon das grösste Stück zurückgelegt, wir waren ihm knapp seitlich nahe, als er plötzlich jeglichen Halt verlor und lautlos rücklings abstürzte. Dies ereignete sich so unvorhergesehen, dass jede Hilfe unsererseits leider unmöglich war. Aus diesem Hergang ist wohl für jeden Unbefangenen zu entnehmen, dass der Unfall lediglich auf eine Verkettung unglückseliger Umstände zurückgeführt, und eine Ausserachtlassung der Vorsicht uns nicht zum Vorwurf gemacht werden kann.“</blockquote> | | die angebotene Seilhilfe der bereits auf sicherem Standplatz befindlichen Vorgänger nicht beanspruchend, hatte er schon das grösste Stück zurückgelegt, wir waren ihm knapp seitlich nahe, als er plötzlich jeglichen Halt verlor und lautlos rücklings abstürzte. Dies ereignete sich so unvorhergesehen, dass jede Hilfe unsererseits leider unmöglich war. Aus diesem Hergang ist wohl für jeden Unbefangenen zu entnehmen, dass der Unfall lediglich auf eine Verkettung unglückseliger Umstände zurückgeführt, und eine Ausserachtlassung der Vorsicht uns nicht zum Vorwurf gemacht werden kann.“</blockquote> |
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