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==== Brief vom 21. Juli 1880 von Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
==== Brief vom 21. Juli 1880 von Fanni Spängler an Franz Spängler ====
 
[Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 18] Franz Spängler:
 
[Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 18] Franz Spängler:
<br />''Salzburg 21. Juli 1880. [darüber, verkehrt:] Dank für deine Karte/ Lieber Mann! Ich hatte dir gestern eine Karte schreiben wollen, damit du schon heute Näheres über unsere Reise erfahren hättest, doch war es mir nicht möglich, da ich doch meine Sachen so viel als möglich in Ordnung bringen wollte, was mir auch ziemlich gelungen ist. Unsere Fahrt ist ganz außerordentlich gut von Statten gegangen, das Coupé wurde nicht weiter besezt und von Linz an hatte ich das Glück, mit den beiden Kindern allein zu bleiben bis hierher, so war ich also sehr bequem dran, habe mich auch hingelegt zum Schlafen. Die Kinder waren sehr brav, Toni erwachte in Breiten/schützing, Franzi erst in Attnang, dann hielten wir fröhlich Frühstück, und kamen wohlbehalten mit 1/2 stündiger Verspätung in Salzburg an, wo uns Rose u Minna in Empfang namen. Hier wurden wir sehr freundlich empfangen, Großmutter welche sehr gut aussieht, hat heuer große Freude an den Kindern; deine Mutter, die dich herzlich grüßt, findet Franzi sehr groß, Toni gefällt ihr aber besonders gut. Heute war ich bei deiner Mutter und wollte auch Schwägerin Luise [Louise Spängler] besuchen, traf sie aber nicht daheim. Franzi befindet sich sehr wol, besonders bei den Tanten, die auch ganz glücklich über die Kinder sind. - Dem Vater geht es Gott sei dank, wieder recht gut, er sieht wunderbar gut aus, und machte mir gestern die Freude, mich zu besuchen. Die Kinder sind recht freundlich, Franzi ist auch gar nicht scheu, nur nimmt sie weder von deiner Mutter noch vom Großpapa etwas zu essen an. - Als wir gestern ankamen, wollte Großmutter einen Kafe machen laßen, doch bat ich statt dessen um Würstel und Bier, was den Kindern ganz köstlich schmeckte. War in Wien auch in der Nacht auf gestern so ein starkes Gewitter? Wir hatten in Enns, und bis wir nach Linz kamen ein sehr heftiges Gewitter, und furchtbar Regen, doch darauf einen herrlichen Morgen. Es thut mir schon sehr wol, hier eine reine, kühlere Luft zu genießen. - Wegen deiner Stiefel habe ich es der Mutter gesagt, doch sie behauptet, du habest sie mitgenommen. Wenn die Stiefel in unserer Wohnung sind, so sind sie kaum anderswo, als in dem Kleiderkasten in Anna’s Zimmer, frage Anna, ich weiß nicht was mit den Stiefeln geschehen ist. - Hier bin ich untergebracht wie gewöhnlich/ daß ich einiges durchzusezen haben werde, wußte ich, doch bekomm ich, was ich will und brauche, nur mit einigen höchst überflüßigen Umständlichkeiten, übrigens befinde ich mich sehr wol, der Reiß hat mir ganz gut angeschlagen, nur war ich gestern sehr schläfrig und müd. Heute bin ich vollständig ausgeruht. Meine Schwestern helfen mir sehr fleißig bei den Kindern, was mir recht wol thut. - Und nun, du Lieber, wie geht es denn dir? ich freue mich schon sehr auf dich, Franzi schickt die viele Bußerl. Grüße Anna von mir und Franzi. Heute scheint es regnen zu wollen, dann werde ich fleißig nähen. - Nun lebe recht wol, und behalte lieb deine alte Fanni. Grüße alle Bekannten. - Von der Wahl’schen Geschichte scheint hier viel gesprochen zu werden, gestern soll er von hier fort sein. Herr von Zeller, gibt ihm monatlich 40 fl. [Florin: Gulden] Unterstützung. Ein recht angenehmer Schwiegersohn. Die neuen goldenen Knöpfe fand ich nicht, sollten sie dir unterkommen so nimm sie mit. Großmutter und Betti grüßen dich.''
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<br />''Salzburg 21. Juli 1880.'' [darüber, verkehrt:] ''Dank für deine Karte / Lieber Mann! Ich hatte dir gestern eine Karte schreiben wollen, damit du schon heute Näheres über unsere Reise erfahren hättest, doch war es mir nicht möglich, da ich doch meine Sachen so viel als möglich in Ordnung bringen wollte, was mir auch ziemlich gelungen ist. Unsere Fahrt ist ganz außerordentlich gut von Statten gegangen, das Coupé wurde nicht weiter besezt und von Linz an hatte ich das Glück, mit den beiden Kindern allein zu bleiben bis hierher, so war ich also sehr bequem dran, habe mich auch hingelegt zum Schlafen. Die Kinder waren sehr brav, Toni erwachte in Breiten/schützing, Franzi erst in Attnang, dann hielten wir fröhlich Frühstück, und kamen wohlbehalten mit 1/2 stündiger Verspätung in Salzburg an, wo uns Rose u Minna in Empfang namen. Hier wurden wir sehr freundlich empfangen, Großmutter welche sehr gut aussieht, hat heuer große Freude an den Kindern; deine Mutter, die dich herzlich grüßt, findet Franzi sehr groß, Toni gefällt ihr aber besonders gut. Heute war ich bei deiner Mutter und wollte auch Schwägerin Luise'' [Louise Spängler] ''besuchen, traf sie aber nicht daheim. Franzi befindet sich sehr wol, besonders bei den Tanten, die auch ganz glücklich über die Kinder sind. - Dem Vater geht es Gott sei dank, wieder recht gut, er sieht wunderbar gut aus, und machte mir gestern die Freude, mich zu besuchen. Die Kinder sind recht freundlich, Franzi ist auch gar nicht scheu, nur nimmt sie weder von deiner Mutter noch vom Großpapa etwas zu essen an. - Als wir gestern ankamen, wollte Großmutter einen Kafe machen laßen, doch bat ich statt dessen um Würstel und Bier, was den Kindern ganz köstlich schmeckte. War in Wien auch in der Nacht auf gestern so ein starkes Gewitter? Wir hatten in Enns, und bis wir nach Linz kamen ein sehr heftiges Gewitter, und furchtbar Regen, doch darauf einen herrlichen Morgen. Es thut mir schon sehr wol, hier eine reine, kühlere Luft zu genießen.''
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'' - Wegen deiner Stiefel habe ich es der Mutter gesagt, doch sie behauptet, du habest sie mitgenommen. Wenn die Stiefel in unserer Wohnung sind, so sind sie kaum anderswo, als in dem Kleiderkasten in Anna’s Zimmer, frage Anna, ich weiß nicht was mit den Stiefeln geschehen ist. - Hier bin ich untergebracht wie gewöhnlich/ daß ich einiges durchzusezen haben werde, wußte ich, doch bekomm ich, was ich will und brauche, nur mit einigen höchst überflüßigen Umständlichkeiten, übrigens befinde ich mich sehr wol, der Reiß hat mir ganz gut angeschlagen, nur war ich gestern sehr schläfrig und müd. Heute bin ich vollständig ausgeruht. Meine Schwestern helfen mir sehr fleißig bei den Kindern, was mir recht wol thut. - Und nun, du Lieber, wie geht es denn dir? ich freue mich schon sehr auf dich, Franzi schickt die viele Bußerl. Grüße Anna von mir und Franzi. Heute scheint es regnen zu wollen, dann werde ich fleißig nähen. - Nun lebe recht wol, und behalte lieb deine alte Fanni. Grüße alle Bekannten. - Von der Wahl’schen Geschichte scheint hier viel gesprochen zu werden, gestern soll er von hier fort sein. Herr von Zeller, gibt ihm monatlich 40 fl.'' [Florin: Gulden] ''Unterstützung. Ein recht angenehmer Schwiegersohn. Die neuen goldenen Knöpfe fand ich nicht, sollten sie dir unterkommen so nimm sie mit. Großmutter und Betti grüßen dich.''
    
„eine reine, kühlere Luft“: das Salzburger Klima gilt traditionell als gesund; dieser Ruf ist mitbegründend für den Tourismus in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 469). „Toni“ * 1879; „Franzi“ * 1877; „Schwägerin Luise“: Aloisia/Louise, geb. Duregger, verh. Otto Spängler; „Großmutter“: wohl Fanny Kobler; der Mann, Franz Xaver Gregor Spängler, ist bereits 1852 gestorben (oder Schwiegermutter Antonia Spängler, geb. Lürzer, † 1882; vgl. ihren Brief oben und Erwähnung unten). Fanni ist im dritten Monat, Rosl wird im Dezember 1880 geboren.
 
„eine reine, kühlere Luft“: das Salzburger Klima gilt traditionell als gesund; dieser Ruf ist mitbegründend für den Tourismus in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 469). „Toni“ * 1879; „Franzi“ * 1877; „Schwägerin Luise“: Aloisia/Louise, geb. Duregger, verh. Otto Spängler; „Großmutter“: wohl Fanny Kobler; der Mann, Franz Xaver Gregor Spängler, ist bereits 1852 gestorben (oder Schwiegermutter Antonia Spängler, geb. Lürzer, † 1882; vgl. ihren Brief oben und Erwähnung unten). Fanni ist im dritten Monat, Rosl wird im Dezember 1880 geboren.