Änderungen

K
Zeile 66: Zeile 66:  
''Salzburg am 10t[en] October [1]843. Werthes Fraulein! Ihr Schreiben von 6t[e]n habe ich mit großen Vergnügen beempfangt, auch dazu noch hübsch viel schreiben Sie mir, Sie haben mir recht viel freiden verschaft, daß Sie sich bei solchen Wonnevollen Leben an mich erinnerten. – Vorerst muß ich viellmahls um Entschuldigung bitten, daß ich so unartig Gestern geblieben, und keine Zeile an Sie geschrieben, doch aber den Brief unter Ihrem Namen attressierte, aber bei dem Umstande, daß meine Zeilen bloß als Beischluß in der Theres<ref>Hausangestellte im Gasthaus [[Höllbräu]], die offenbar eine wichtige Rolle spielte und in vielen Briefen genannt wird.</ref> Schreiben hatte gelten sollen, was sich eben erst den letzten Augenblick geändert hatte, so fehlte es mir dann wirklich an Materieller Zeit, und ich entschloßen auf Ihre gütige Nachsicht sündigte. – Also vergeben sie? w[enn] ja [?], und jetzt zur Antwort. Es scheint mit den Briefwechsel doch nicht ganz in der Ordnung zu sein, wenn ich Ihr letztes Schreiben recht verstehe, ./. Sie sagen darin, daß gleich den andern Abend nach Ihrer Ankunft Sie die gütte hatten an mich zu schreiben d: h [das heißt] der erste Brief den Sie zu München<ref>Zäzilia Amalia Kobler ist offenbar auf einer Reise in München, der Brief wurde dorthin geschickt.</ref>schrieben war an mich doch erhielt die Theres einen von 2 t[e]n den Sie mir lesen ließ, und der mich sehr kränkte weil alles gegrüßt wurde, selbst Caro<ref>offenbar ein Hund, vgl. Brief vom 5. Mai 1844</ref> nur ich ward übergangen<ref>Vermutlich ist der Schreiber ein Gast oder Bewohner des Höllbräu. Die folgenden Ausführungen geben einen Einblick in die offenbar wichtige Rolle, die ausdrückliche Grüße in den Briefen spielen. In vielen Briefen sind es lange „Grußreihen“.</ref> – Also da würde einer richtig fehlen, den ich schrieb bis heute erst den 2ten und beantwortete den 1t[e]n gleich, und den 2 t[e] jetzt und in Theres Brief machte ich eine kleine Einlage. – und dieß waren die wenigen zufälligen kurzen Zeilen. – Ich glaube aber mein Fraulein dürften sich zwar nicht an datum doch an der Angabe geirt haben, den ich bekam um ganze 24 stunden spather als Theres das Schreiben – und so trug ich selbst in Munchen zum Argen die Schuld, und Ihnen einen verdrißlich Abend verursachte, und doch wünschte kein Mensch mehr und lieber Ihnen nur Vergnügen zu verschaffen im Stande zu sein als ich – gewiß keiner auf der Welt lieber als ich – Vielleicht ändert sich mein Mißlich auf Sie einwirkendes Geschick. Ja ich wolte selbst wünschen daß Sie fliegen könnten ./.
 
''Salzburg am 10t[en] October [1]843. Werthes Fraulein! Ihr Schreiben von 6t[e]n habe ich mit großen Vergnügen beempfangt, auch dazu noch hübsch viel schreiben Sie mir, Sie haben mir recht viel freiden verschaft, daß Sie sich bei solchen Wonnevollen Leben an mich erinnerten. – Vorerst muß ich viellmahls um Entschuldigung bitten, daß ich so unartig Gestern geblieben, und keine Zeile an Sie geschrieben, doch aber den Brief unter Ihrem Namen attressierte, aber bei dem Umstande, daß meine Zeilen bloß als Beischluß in der Theres<ref>Hausangestellte im Gasthaus [[Höllbräu]], die offenbar eine wichtige Rolle spielte und in vielen Briefen genannt wird.</ref> Schreiben hatte gelten sollen, was sich eben erst den letzten Augenblick geändert hatte, so fehlte es mir dann wirklich an Materieller Zeit, und ich entschloßen auf Ihre gütige Nachsicht sündigte. – Also vergeben sie? w[enn] ja [?], und jetzt zur Antwort. Es scheint mit den Briefwechsel doch nicht ganz in der Ordnung zu sein, wenn ich Ihr letztes Schreiben recht verstehe, ./. Sie sagen darin, daß gleich den andern Abend nach Ihrer Ankunft Sie die gütte hatten an mich zu schreiben d: h [das heißt] der erste Brief den Sie zu München<ref>Zäzilia Amalia Kobler ist offenbar auf einer Reise in München, der Brief wurde dorthin geschickt.</ref>schrieben war an mich doch erhielt die Theres einen von 2 t[e]n den Sie mir lesen ließ, und der mich sehr kränkte weil alles gegrüßt wurde, selbst Caro<ref>offenbar ein Hund, vgl. Brief vom 5. Mai 1844</ref> nur ich ward übergangen<ref>Vermutlich ist der Schreiber ein Gast oder Bewohner des Höllbräu. Die folgenden Ausführungen geben einen Einblick in die offenbar wichtige Rolle, die ausdrückliche Grüße in den Briefen spielen. In vielen Briefen sind es lange „Grußreihen“.</ref> – Also da würde einer richtig fehlen, den ich schrieb bis heute erst den 2ten und beantwortete den 1t[e]n gleich, und den 2 t[e] jetzt und in Theres Brief machte ich eine kleine Einlage. – und dieß waren die wenigen zufälligen kurzen Zeilen. – Ich glaube aber mein Fraulein dürften sich zwar nicht an datum doch an der Angabe geirt haben, den ich bekam um ganze 24 stunden spather als Theres das Schreiben – und so trug ich selbst in Munchen zum Argen die Schuld, und Ihnen einen verdrißlich Abend verursachte, und doch wünschte kein Mensch mehr und lieber Ihnen nur Vergnügen zu verschaffen im Stande zu sein als ich – gewiß keiner auf der Welt lieber als ich – Vielleicht ändert sich mein Mißlich auf Sie einwirkendes Geschick. Ja ich wolte selbst wünschen daß Sie fliegen könnten ./.
   −
''./. da weren Sie gleich zur unordentlichen Übergabe hergeflogen, und ich als Jäger hätte mich dann erkühnt der Mama und Ihnen die Schwungfedern zu stutzen, und Sie waren doch da aber so muß ich halt noch lange O weh Leutln rufen, und niemand Hort auf mich – der erste Termin von 10 Tag ist verfloßen der von 12 wird es befor Sie diese Zeilen lesen, und der 3t ist gar ins unbestimmte hinausgeschoben Doch o weh – hatte ich zu befehlen, um ein Zimmer dürften Sie mir um die Welt weisen [?] oder aber ich auch mit, und ich mochte gewiß nichts verderben, nur überall möchte ich dabei sein. – Ich glaube also das Agiren der Post wäre nicht so ganz angezeugt – der beigelegte Zettel ihre in ersten wie in 2t[e]n Schreiben sind gleich übergeben worden – und alles geschah nur die 2 Attresen haben die nun eingetrettene Simpathie nicht gewußt, daher der 24 stündige Unterschied der Ankunft. Nun sind aber die Sachen anders gestalten, Sie werden staunen falls Sie doch noch einmahl nach Hause komen solten, und der Glaßerhandl [?] macht famaise [famose] fortschritte. – Ich freite mich durch Theres Ihr wohlsein erfahren zu haben, doch dazumahl war unsere freundschaft[liches] Band noch nicht so nah, jetzt zwar sehr nah, doch wie fest weis ich nicht, den ich muß sehr behutsam sein das ich nicht wieder einen Pluzer<ref>M. Hornung – S. Grüner: Wörterbuch der Wiener Mundart, Wien, 2. Auflage 2002, S. 177: „Bludsa“: Plutzer 7) Fehler, dummer Streich, Irrtum.</ref> mache der 8 Noth [?] folgen hat. In Oweh guten Leutln kommt XX bald zurück ja. - / Wolte Gott Sie säßen auf meinen Divan<ref>Von so einem Möbelstück im Höllbräu ist in einigen Briefen die Rede.</ref>, gerne ließ ich ein stunden lang fragen stellen, den ich wüßte Sie zu Hause, aber so sind Sie unter andern Leuten und ich kann nicht dabei sein. – Oweh – freilich soll ich wissen, was Sie alles intressirt, aber wo Anfangen, also es ist beßer ich warte bis Sie fragend konnen, und dann werde ich meine Rolle spielen. – Zeit zum studiren habe ich genug, überdieß fliht mich der Schlaf, und der Divan hat nicht mehr die Magische Kraft. – Die Details über das Hauswesen Gesellschaft<ref>Gäste im Höllbräu, ebenfalls oft in den Briefen erwähnt</ref> x. Neuigkeiten wird Ihnen die Mama'' ([[Fanny Kobler]]) ''mitgetheilt haben – das Ihnen München gefallt ist schon und gut, doch bedenken das Salzburg noch schöner ist, und Sie da zu Hause sind. Sie und die Mama sagen jetzt Sie wolten daß ich alles daß herrliche auch genießen möchte. Ja ich wollte aber Sie beide wolten nicht. Amen. Bis heut nach einem langen Colloquium, einiges XXtündlich. – Also zürnen Sie Niemand. – Montag früh erhielt ich Ihr Schreiben und Mittwoch bekomen Sie diese Zeilen, die Post nach München geht täglich – die zerst[r]eubte [?] Gesellschaft ist jetzt sehr zu grüßen, man müßte die ganze Stadl besuchen um alle Glieder derselben zu finden. – doch werde ich es nicht unterlassen nach Gelegenheit es zu thun. – Von Ihrer herzlichen Meinung bin ich überzeigt da ich Sie kenne. Hätten Sie mich nur als Militair [?] verwandt, ich hätte gerne mich einflußreich gemacht, samt meiner XXbenheit. – Nun mein Freile[i]n leben Sie recht wohl, genießen alles Angenehme und vergeßen Sie ja nicht auf ein Versprechen die Mama zu Freien Bild und Bilder bilde ich mir, ich sehe schön die ähnlichkeit, kein Ruh, kein Rast, Leutln guten Leutln denkt doch nach Haus, auch hier erwartet man Euch und gewiß nirgend mit großerer Sehnsucht. Ich küße die Hand und habe die Ehre mit Achtung zu verbleiben Ihr ganz ergebener XX''<ref>Die Unterschrift ist winzig und klecksig; sie ist für mich nicht identifizierbar, auch nicht im Vergleich mit z.B. den Briefen vom 29./30. April 1844 und vom 5. Mai 1844; falls es „Hauptmann Glaeser“ ist, ist er hier umständlich beleidigt, dort voll sprudelndem Humor.</ref>
+
''./. da weren Sie gleich zur unordentlichen Übergabe hergeflogen, und ich als Jäger hätte mich dann erkühnt der Mama und Ihnen die Schwungfedern zu stutzen, und Sie waren doch da aber so muß ich halt noch lange O weh Leutln rufen, und niemand Hort auf mich – der erste Termin von 10 Tag ist verfloßen der von 12 wird es befor Sie diese Zeilen lesen, und der 3t ist gar ins unbestimmte hinausgeschoben Doch o weh – hatte ich zu befehlen, um ein Zimmer dürften Sie mir um die Welt weisen [?] oder aber ich auch mit, und ich mochte gewiß nichts verderben, nur überall möchte ich dabei sein. – Ich glaube also das Agiren der Post wäre nicht so ganz angezeugt – der beigelegte Zettel ihre in ersten wie in 2t[e]n Schreiben sind gleich übergeben worden – und alles geschah nur die 2 Attresen haben die nun eingetrettene Simpathie nicht gewußt, daher der 24 stündige Unterschied der Ankunft. Nun sind aber die Sachen anders gestalten, Sie werden staunen falls Sie doch noch einmahl nach Hause komen solten, und der Glaßerhandl [?] macht famaise [famose] fortschritte. – Ich freite mich durch Theres Ihr wohlsein erfahren zu haben, doch dazumahl war unsere freundschaft[liches] Band noch nicht so nah, jetzt zwar sehr nah, doch wie fest weis ich nicht, den ich muß sehr behutsam sein das ich nicht wieder einen Pluzer<ref>M. Hornung – S. Grüner: Wörterbuch der Wiener Mundart, Wien, 2. Auflage 2002, S. 177: „Bludsa“: Plutzer 7) Fehler, dummer Streich, Irrtum.</ref> mache der 8 Noth [?] folgen hat. In Oweh guten Leutln kommt XX bald zurück ja. - /
 +
 
 +
''Wolte Gott Sie säßen auf meinen Divan<ref>Von so einem Möbelstück im Höllbräu ist in einigen Briefen die Rede.</ref>, gerne ließ ich ein stunden lang fragen stellen, den ich wüßte Sie zu Hause, aber so sind Sie unter andern Leuten und ich kann nicht dabei sein. – Oweh – freilich soll ich wissen, was Sie alles intressirt, aber wo Anfangen, also es ist beßer ich warte bis Sie fragend konnen, und dann werde ich meine Rolle spielen. – Zeit zum studiren habe ich genug, überdieß fliht mich der Schlaf, und der Divan hat nicht mehr die Magische Kraft. – Die Details über das Hauswesen Gesellschaft<ref>Gäste im Höllbräu, ebenfalls oft in den Briefen erwähnt</ref> x. Neuigkeiten wird Ihnen die Mama'' ([[Fanny Kobler]]) ''mitgetheilt haben – das Ihnen München gefallt ist schon und gut, doch bedenken das Salzburg noch schöner ist, und Sie da zu Hause sind. Sie und die Mama sagen jetzt Sie wolten daß ich alles daß herrliche auch genießen möchte. Ja ich wollte aber Sie beide wolten nicht. Amen. Bis heut nach einem langen Colloquium, einiges XXtündlich. – Also zürnen Sie Niemand. – Montag früh erhielt ich Ihr Schreiben und Mittwoch bekomen Sie diese Zeilen, die Post nach München geht täglich – die zerst[r]eubte [?] Gesellschaft ist jetzt sehr zu grüßen, man müßte die ganze Stadl besuchen um alle Glieder derselben zu finden. – doch werde ich es nicht unterlassen nach Gelegenheit es zu thun. – Von Ihrer herzlichen Meinung bin ich überzeigt da ich Sie kenne. Hätten Sie mich nur als Militair [?] verwandt, ich hätte gerne mich einflußreich gemacht, samt meiner XXbenheit. – Nun mein Freile[i]n leben Sie recht wohl, genießen alles Angenehme und vergeßen Sie ja nicht auf ein Versprechen die Mama zu Freien Bild und Bilder bilde ich mir, ich sehe schön die ähnlichkeit, kein Ruh, kein Rast, Leutln guten Leutln denkt doch nach Haus, auch hier erwartet man Euch und gewiß nirgend mit großerer Sehnsucht. Ich küße die Hand und habe die Ehre mit Achtung zu verbleiben Ihr ganz ergebener XX''<ref>Die Unterschrift ist winzig und klecksig; sie ist für mich nicht identifizierbar, auch nicht im Vergleich mit z.B. den Briefen vom 29./30. April 1844 und vom 5. Mai 1844; falls es „Hauptmann Glaeser“ ist, ist er hier umständlich beleidigt, dort voll sprudelndem Humor.</ref>
 
<hr>
 
<hr>