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''Aus italienischer Kriegs­gefangenschaft heimgekehrt, gab der Flieger-Zugsführer Hermann Bayer, ein Welser, wie wir gestern bereits berichteten, in der Linzer Heimkehrer-Zerstreuungsstation über unsere Kriegsgefangenen, die sich derzeit noch in Ita­lien als Kriegsgefangene befinden, folgendes zu Protokoll:
 
''Aus italienischer Kriegs­gefangenschaft heimgekehrt, gab der Flieger-Zugsführer Hermann Bayer, ein Welser, wie wir gestern bereits berichteten, in der Linzer Heimkehrer-Zerstreuungsstation über unsere Kriegsgefangenen, die sich derzeit noch in Ita­lien als Kriegsgefangene befinden, folgendes zu Protokoll:
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''Nach einem Fluchtversuch am [[15. Dezember]] [[1915]] wurde ich durch das italienische Kriegsgericht in Mailand zuerst zu acht Monaten schweren Kerkers verurteilt. Nach Ab­büßung (in Mailand) kam ich in die Marmorbrüche St. Vitiorio bei Mailand, wo ich und andere Kameraden vom Lagerkommandanten Kapitano Bellini und Tenento Eaefare so schikaniert wurden, daß wir uns schließlich an letz­terem vergriffen. Sein Hauptvergnügen bestand darin, daß er unsere Kleidungsstücke beim Fenster hinaus in den mit Wasser gefüllten Kasemattgraben warf, von wo wir sie uns dann holen mußten, d. h. was halt noch obenauf
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''Nach einem Fluchtversuch am [[15. Dezember]] [[1915]] wurde ich durch das italienische Kriegsgericht in Mailand zuerst zu acht Monaten schweren Kerkers verurteilt. Nach Ab­büßung (in Mailand) kam ich in die Marmorbrüche St. Vitiorio bei Mailand, wo ich und andere Kameraden vom Lagerkommandanten Kapitano Bellini und Tenento Eaefare so schikaniert wurden, daß wir uns schließlich an letz­terem vergriffen. Sein Hauptvergnügen bestand darin, daß er unsere Kleidungsstücke beim Fenster hinaus in den mit Wasser gefüllten Kasemattgraben warf, von wo wir sie uns dann holen mußten, d. h. was halt noch obenauf schwamm Tenento Caesare pflegte uns auch mit seiner Reitpeische anzutreiben. Ein österreichischer Artilleriehaupt­mann, Hermann Georgovic, dessen Mutter in Wien, IX., Schwarzspanierstraße 6, wohnt, riet uns, diese Behandlung uns nicht mehr gefallen zu lasten. Nach der Züchtigung des Tenento wurde ich mit noch fünf Kameraden nach Verona eingeliefert und zu drei Jahren Kerkers verurteilt.  
schwamm Tenento Caesare pflegte uns auch mit seiner Reitpeische anzutreiben. Ein österreichischer Artilleriehaupt­mann, Hermann Georgovic, dessen Mutter in Wien, IX., Schwarzspanierstraße 6, wohnt, riet uns, diese Behandlung uns nicht mehr gefallen zu lasten. Nach der Züchtigung des Tenento wurde ich mit noch fünf Kameraden nach Verona eingeliefert und zu drei Jahren Kerkers verurteilt.  
      
''Im ganzen sind noch 34 Offiziere und 480 Mann (in Verona allein). Unter ihnen befinden sich: Hauptmann Georgovic, wegen dreimaligen Fluchtversuchs zu 16 Jahren Kerkers verurteilt: Oberleutnant Schönhofer, TKJR. 1. Innsbruck, wegen Fluchtversuchs zu 7 Jahren Kerkers verurteilt: Hauptmann Karl Walter, Ballonabteilung, derzeit krank, Inquisitenspital, zu 7 Jahren Kerkers verurteilt: Leutnant Karl Hofbauerr, IR. 59, [[Stadt Salzburg|Salzburg]], zu 4 Jahren Kerkers verurteilt (er züchtigte einen Karabinieri); Fähn­rich Karl Steiner, IR. 4. wegen Fluchtversuchs zu 3½ J Kerkers verurteilt (sein Vater ist bei der Südbahn Ober­offizial in Wien): Leutnant Karl Franz, IR. 27, wegen Fluchtversuchs zu 4 Jahren verurteilt (sein Vater hat in Graz ein Steinmetzgeschäft): Korporal Otto Brunner, Art., aus Wien, St. Marxstraße, wegen Fluchtversuchs zu 4 J. Kerkers verurteilt; Gefreiter Franz Oberfurcher, TKJR. 1, aus [[Kitzbühel]], zu 3 Jahren Kerkers wegen Fluchtversuchs; Gefreiter Karl Stainer, IR. 27, aus Graz, Marienstraße, wegen Fluchtversuchs 2 Jahre Kerker: Feuerwerker Fritz Holub, Graz, Polizeiagent, gab einem italienischen Oberst­leutnant eine Ohrfeige, wofür er 8 Jahre Kerkers erhielt.
 
''Im ganzen sind noch 34 Offiziere und 480 Mann (in Verona allein). Unter ihnen befinden sich: Hauptmann Georgovic, wegen dreimaligen Fluchtversuchs zu 16 Jahren Kerkers verurteilt: Oberleutnant Schönhofer, TKJR. 1. Innsbruck, wegen Fluchtversuchs zu 7 Jahren Kerkers verurteilt: Hauptmann Karl Walter, Ballonabteilung, derzeit krank, Inquisitenspital, zu 7 Jahren Kerkers verurteilt: Leutnant Karl Hofbauerr, IR. 59, [[Stadt Salzburg|Salzburg]], zu 4 Jahren Kerkers verurteilt (er züchtigte einen Karabinieri); Fähn­rich Karl Steiner, IR. 4. wegen Fluchtversuchs zu 3½ J Kerkers verurteilt (sein Vater ist bei der Südbahn Ober­offizial in Wien): Leutnant Karl Franz, IR. 27, wegen Fluchtversuchs zu 4 Jahren verurteilt (sein Vater hat in Graz ein Steinmetzgeschäft): Korporal Otto Brunner, Art., aus Wien, St. Marxstraße, wegen Fluchtversuchs zu 4 J. Kerkers verurteilt; Gefreiter Franz Oberfurcher, TKJR. 1, aus [[Kitzbühel]], zu 3 Jahren Kerkers wegen Fluchtversuchs; Gefreiter Karl Stainer, IR. 27, aus Graz, Marienstraße, wegen Fluchtversuchs 2 Jahre Kerker: Feuerwerker Fritz Holub, Graz, Polizeiagent, gab einem italienischen Oberst­leutnant eine Ohrfeige, wofür er 8 Jahre Kerkers erhielt.
    
''Schließlich berichtet Bayer noch, daß Offiziere wie Mann­schaften mit Ketten beladen in den Zellen sitzen. Der öster­reichische Konsul in Mailand soll auf ihren Ruf um Hilfe geantwortet haben, er sei vollkommen macgtlos.— Fürwahr, eine erschütternde Anklage, an deren Wahrheit nicht gezweifelt werden kann. Wegen Fluchtversuches jahrelangen Kerker. Acht Jahre für einen Verzweifelten, der seine Taten im Affekte verübte, sechzehn Jahre für einen Un­glücklichen, der den Fluchtversuch wiederholt und die Quä­lereien nicht mehr ertragen konnte! Militärgerichte wäh­rend des Krieges strafen immer hart, aber jetzt ist schon lange Friede und könnte doch im Gnadenwege unseren armen Strafgefangenen ihre Freiheit wiedergeben. Das italienische Volk wird gewiß arme Kriegsgefangene, die sich in Verzweiflung vergingen, ihre Tat nicht weiter büßen lassen.</blockquote>
 
''Schließlich berichtet Bayer noch, daß Offiziere wie Mann­schaften mit Ketten beladen in den Zellen sitzen. Der öster­reichische Konsul in Mailand soll auf ihren Ruf um Hilfe geantwortet haben, er sei vollkommen macgtlos.— Fürwahr, eine erschütternde Anklage, an deren Wahrheit nicht gezweifelt werden kann. Wegen Fluchtversuches jahrelangen Kerker. Acht Jahre für einen Verzweifelten, der seine Taten im Affekte verübte, sechzehn Jahre für einen Un­glücklichen, der den Fluchtversuch wiederholt und die Quä­lereien nicht mehr ertragen konnte! Militärgerichte wäh­rend des Krieges strafen immer hart, aber jetzt ist schon lange Friede und könnte doch im Gnadenwege unseren armen Strafgefangenen ihre Freiheit wiedergeben. Das italienische Volk wird gewiß arme Kriegsgefangene, die sich in Verzweiflung vergingen, ihre Tat nicht weiter büßen lassen.</blockquote>
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== Siehe auch ==
 
== Siehe auch ==
 
* [[Der Erste Weltkrieg und Sankt Wolfgang]], ein Erfahrungsbericht von [[Adele Sungler]]
 
* [[Der Erste Weltkrieg und Sankt Wolfgang]], ein Erfahrungsbericht von [[Adele Sungler]]

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