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Absatz Johann Kral über die ärztl Vers. d. Landbev n. Kriegsende
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„Die Ordinationshilfe füllte nach Rezept aus einem großen Salbentiegel eine kleine Menge in eine Dose um und sagte dem Bauern, der im Wartezimmer wartete, er könne sich seine Salbe nehmen, sie stünde in der Hausapotheke. Als sie wieder kam, war der große Tiegel weg, der kleine stand noch da. Sie rannte ihm nach, um die Sache aufzuklären. Er hatte sich aber nichts Böses dabei gedacht. Der kleine Tiegel, meinte er, diene dazu, die entsprechende Salbe nachkaufen zu können.“
 
„Die Ordinationshilfe füllte nach Rezept aus einem großen Salbentiegel eine kleine Menge in eine Dose um und sagte dem Bauern, der im Wartezimmer wartete, er könne sich seine Salbe nehmen, sie stünde in der Hausapotheke. Als sie wieder kam, war der große Tiegel weg, der kleine stand noch da. Sie rannte ihm nach, um die Sache aufzuklären. Er hatte sich aber nichts Böses dabei gedacht. Der kleine Tiegel, meinte er, diene dazu, die entsprechende Salbe nachkaufen zu können.“
 
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==Johanna Kral über die ärztliche Versorgung der Landbevölkerung nach Kriegsende==
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''Ich kam Anfang [[1945]] nach Lend und übernahm die Praxis von meinem Vorgänger. Er überließ mir für den Anfang seine eingerichtete Ordination und Hausapotheke, was für mich sehr vorteilhaft war, da ich außer Büchern und einigen Instrumenten nichts besaß und man auch nichts kaufen konnte. Ich hatte eine sechsjährige Ausbildung am Landeskrankenhaus hinter mir, aber der Betrieb einer Landpraxis stellte mich doch vor einige Probleme: Ich hatte kein Auto zur Verfügung, sondern fuhr acht Jahre lang mit einem Sax-Motorrad aus den Beständen der NSKK, bis ich [[1953]] den ersten Volkswagen kaufen konnte. Man musste damals viel improvisieren, Medikamente waren nur beschränkt lieferbar. Ich musste z. B. selbst Hustensäfte kochen oder aus vier Ingredienzien die guten, schmerzstillenden Marburgpulver in Brieferln erzeugen. Schwierig war für mich auch die eindeutige Feststellung, wer vor allem die begehrten Sonderzuteilungen an Milch und Butter notwendig hatte. Bei den ausgemergelten Heimkehrern war es ja klar.
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Ärztlich musste ich fast alles selber machen und diagnostizieren (Fachärzte in der freien Praxis gab es fast keine), die häusliche Geburtshilfe, kleine Chirurgie und Unfälle, Labor, Zähne ziehen. Der Sanitätssprengel Lend-Dienten, für den ich im Dezember [[1947]] zur Sprengelärztin bestellt wurde, war ein Sprengel III, also ein terrainmäßig schwieriger. Die Straßen waren schlecht, wurden nur händisch geräumt, die Dientnerstraße war oft von Lawinen verlegt, die Bauernhöfe kaum auf ordentlichen Straßen  erreichbar. (Anm.: Damals gab es noch wenige [[Güterwege]].) Allerdings gab es auch fast keinen Autoverkehr. Ich habe mich auf alle mögliche Weise fortbewegt, sehr oft zu Fuß, per Schi oder mit Materialseilbahn.
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Im Laufe der ersten Jahre konnte ich verschiedene Einrichtungsgegenstände aus Heeresbeständen bekommen, sogar einmal 100 Phiolen Morphium von dem aufgelassenen Lazarett in der Hauptschule Lend. Die Bezahlung durch die Krankenkasse war auf viele Jahre sehr bescheiden. Allmählich besserten sich die allgemeinen Verhältnisse, ich konnte die Ordination einrichten und schaffte medizinische Geräte an.
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Das Spektrum der Krankheiten, mit denen man sich zu befassen hatte, hat sich mit dem Lauf der Jahre geändert. Durch den Siegeszug der Antibiotika sind die früher gefürchteten Infektionskrankheiten behandelbar geworden. Die Geburtshilfe, die sich im Lauf der Zeit fast ausschließlich in die Spitäler verlagerte, war früher für den Arzt sehr verantwortungsvoll, oft mussten bei schlechter Beleuchtung – nicht überall gab es elektrisches Licht – Eingriffe wie Dammnähte, Plazentalösungen, Lageanomalien und Narkosen gemacht werden unter möglichster Sterilität. Durch tatkräftige Hilfe der guten [[Hebammen]] haben wir alles zu einem guten Ende gebracht, und es gab auch viel Freude.''
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==Auszeichnungen==
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Frau Dr. Kral wurde der Titel Medizinalrat verliehen und aufgrund ihrer Verdienste zur Ehrenbürgerin der Gemeinden Lend und Dienten am Hochkönig ernannt.
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Während der Zeit ihres Ruhestandes holte sie jene Reisen in alle Erdteile nach, die während ihres Berufslebens aus zeitlichen Gründen nicht möglich waren. Sie starb am 11. Mai 2011 im 98. Lebensjahr.
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==Quellen==
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Zitat aus der Ortschronik Lend/Embach, eine Gemeinde im Wandel der Zeit, S. 192 bis 193, mit freundlicher tel. Genehmigung vom 17. Mai 2011 durch den Amtsleiter der Gemeinde Lend.
 
==Auszeichnungen==
 
==Auszeichnungen==
 
Frau Dr. Kral wurde der Titel Medizinalrat verliehen und aufgrund ihrer Verdienste zur Ehrenbürgerin der Gemeinden Lend und Dienten am Hochkönig ernannt.
 
Frau Dr. Kral wurde der Titel Medizinalrat verliehen und aufgrund ihrer Verdienste zur Ehrenbürgerin der Gemeinden Lend und Dienten am Hochkönig ernannt.
    
Johanna Kral starb am 11. Mai 2011 im 98. Lebensjahr.
 
Johanna Kral starb am 11. Mai 2011 im 98. Lebensjahr.
   
==Quellen==
 
==Quellen==
 
* SN, 14. Mai 2011
 
* SN, 14. Mai 2011
 
* Gisela und Josef Kral
 
* Gisela und Josef Kral
 
* Berufliche Zusammenarbeit der Autorin mit Frau Dr. Kral
 
* Berufliche Zusammenarbeit der Autorin mit Frau Dr. Kral
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* Zitat aus der Ortschronik Lend/Embach, eine Gemeinde im Wandel der Zeit, S. 192 bis 193, mit freundlicher tel. Genehmigung vom 17. Mai 2011 durch den Amtsleiter der Gemeinde Lend.
    
[[Kategorie:Person|Kral, Johanna]]
 
[[Kategorie:Person|Kral, Johanna]]
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