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| | Zu Beginn des Wintersemesters 1969/70 übersiedelte das Geographische Institut in die für ein zehnjähriges Provisorium gedachten Plattenbauten in die Akademiestraße. Es war damals geplant, die gesamte Universität auf den Freisaal-Wiesen als Campus-Universität neu zu errichten. Mit dieser Übersiedlung hatten die beiden Professoren und deren Assistenten genügend Räumlichkeiten. Der zweite Stock des südlichen Gebäudeteils entlang der Akademiestraße gehörte dem Geographischen Institut, im ersten Stock waren die Germanisten untergebracht und im Gebäudeteil entlang des Mühlbacherhofweges waren die Psychologen beheimatet. Die beiden Gebäudeteile waren durch einen großen Hörsaal verbunden, der von allen drei Instituten genutzt wurde. Im Erdgeschoß des Gebäudeteils entlang der Akademiestraße waren im Erdgeschoß östlich des großen Hörsaals die Räumlichkeiten der Pedelle, dann folgte in der Mitte des Gebäudes die Stiege in die beiden oberen Stockwerke. Östlich der Stiege waren in den beiden oberen Stockwerken die Dienstzimmer der Professoren und Assistenten, im Erdgeschoß die Institutsbibliothek der Germanistik. Im Westteil des Gebäudeteils waren in den beiden oberen Stockwerke Hörsääle, Seminarräume und beim Geographischen Institut auch die Institutsbibliothek. | | Zu Beginn des Wintersemesters 1969/70 übersiedelte das Geographische Institut in die für ein zehnjähriges Provisorium gedachten Plattenbauten in die Akademiestraße. Es war damals geplant, die gesamte Universität auf den Freisaal-Wiesen als Campus-Universität neu zu errichten. Mit dieser Übersiedlung hatten die beiden Professoren und deren Assistenten genügend Räumlichkeiten. Der zweite Stock des südlichen Gebäudeteils entlang der Akademiestraße gehörte dem Geographischen Institut, im ersten Stock waren die Germanisten untergebracht und im Gebäudeteil entlang des Mühlbacherhofweges waren die Psychologen beheimatet. Die beiden Gebäudeteile waren durch einen großen Hörsaal verbunden, der von allen drei Instituten genutzt wurde. Im Erdgeschoß des Gebäudeteils entlang der Akademiestraße waren im Erdgeschoß östlich des großen Hörsaals die Räumlichkeiten der Pedelle, dann folgte in der Mitte des Gebäudes die Stiege in die beiden oberen Stockwerke. Östlich der Stiege waren in den beiden oberen Stockwerken die Dienstzimmer der Professoren und Assistenten, im Erdgeschoß die Institutsbibliothek der Germanistik. Im Westteil des Gebäudeteils waren in den beiden oberen Stockwerke Hörsääle, Seminarräume und beim Geographischen Institut auch die Institutsbibliothek. |
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| − | 1970 wechselte Franz Zwittkovits nach Wien und Riedl stellte an dessen Stelle am 1.3.1970 [[Erich Stocker]] für die geomorphologischen Übungen ein. Stocker promovierte am 5.2.1970 in Graz mit einer Arbeit über Hanguntersuchungen in der Kreuzeckgruppe in Kärnten <ref>Riedl 2021, S. 63</ref> . Erich Stocker konnte auf Grund der räumlichen Möglichkeiten sogar ein geomorphologisches Labor einrichten, in dem mit Sandkästen und Beregnungseinrichtungen Erosions- und Denudationsexperimente durchgeführt werden konnten. | + | 1970 wechselte Franz Zwittkovits nach Wien und Riedl stellte an dessen Stelle am 1.3.1970 [[Erich Stocker]] für die geomorphologischen Übungen ein. Stocker promovierte am 5.2.1970 in Graz mit einer Arbeit über Hanguntersuchungen in der Kreuzeckgruppe in Kärnten.<ref>Riedl 2021, S. 63</ref> Erich Stocker konnte auf Grund der räumlichen Möglichkeiten sogar ein geomorphologisches Labor einrichten, in dem mit Sandkästen und Beregnungseinrichtungen Erosions- und Denudationsexperimente durchgeführt werden konnten. |
| − | Im Jahr 1970 löste [[Josef Goldberger]] den bisher für die Unterrichtslehre wirkenden Ferdinand Prillinger ab. Da es die Aufgabe des Lehrenden für die Didaktik auch war, den Studierenden die Wirtschaftskunde zu vermitteln, hatte er eine tragende Rolle in der Ausbildung der Gymnasiallehrer für Geographie und Wirtschaftskunde <ref>ebd., S. 72</ref> . | + | Im Jahr 1970 löste [[Josef Goldberger]] den bisher für die Unterrichtslehre wirkenden Ferdinand Prillinger ab. Da es die Aufgabe des Lehrenden für die Didaktik auch war, den Studierenden die Wirtschaftskunde zu vermitteln, hatte er eine tragende Rolle in der Ausbildung der Gymnasiallehrer für Geographie und Wirtschaftskunde.<ref>ebd., S. 72</ref> |
| − | Am 28. April 1970 hielt Helmut Riedl seine Antrittsvorlesung mit dem Titel „Wesen und Bedeutung der Bodengeographie.“ In dieser Vorlesung stellte er den Bezug zwischen der Bodengeographie und der Landschaftsanalyse und den anderen Teilgebieten der Physischen Geographie auf Grundlage der Integrationsstufenlehre von Hans Bobek her <ref>Riedl 1973</ref> . Aus siedlungsgeographischer Hinsicht sind Riedls Analyse bezüglich der Flurformen im Kapitel „Beziehungen der Bodengeographie zur Anthropogeographie“ wieder ganz aktuell und geben wertvolle Hinweise für die gerade Österreich weit stattfindenden Diskussionen zur Eindämmung der Versiegelung von Agrarflächen und zur fachlichen Begründung der Festlegung von landwirtschaftlichen Vorrangflächen im Rahmen der Landesplanung <ref>ebd., S. 16-21</ref> . | + | Am 28. April 1970 hielt Helmut Riedl seine Antrittsvorlesung mit dem Titel '''Wesen und Bedeutung der Bodengeographie.''' In dieser Vorlesung stellte er den Bezug zwischen der Bodengeographie und der Landschaftsanalyse und den anderen Teilgebieten der Physischen Geographie auf Grundlage der Integrationsstufenlehre von Hans Bobek her.<ref>Riedl 1973</ref> Aus siedlungsgeographischer Hinsicht sind Riedls Analyse bezüglich der Flurformen im Kapitel '''Beziehungen der Bodengeographie zur Anthropogeographie''' wieder ganz aktuell und geben wertvolle Hinweise für die gerade Österreich weit stattfindenden Diskussionen zur Eindämmung der Versiegelung von Agrarflächen und zur fachlichen Begründung der Festlegung von landwirtschaftlichen Vorrangflächen im Rahmen der Landesplanung.<ref>ebd., S. 16-21</ref> |
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| − | Dies führte auch zu neuen Schwerpunkten sowohl in der Lehre als auch in der Forschung, als welche Helmut Riedl neben dem bereits bestehenden glaziologischen Schwerpunkt die Speläologie und Karstmorphologie und die Bodengeographie als Schwerpunktsetzung seiner Habilitierungspolitik vor dem UOG 1975 bezeichnet <ref>Riedl 2008, S. 57-60</ref> . | + | Dies führte auch zu neuen Schwerpunkten sowohl in der Lehre als auch in der Forschung, als welche Helmut Riedl neben dem bereits bestehenden glaziologischen Schwerpunkt die Speläologie und Karstmorphologie und die Bodengeographie als Schwerpunktsetzung seiner Habilitierungspolitik vor dem UOG 1975 bezeichnet.<ref>Riedl 2008, S. 57-60</ref> |
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| − | Die frühen 1970er Jahre werden durch den relativ jungen Ordinarius Helmut Riedl entscheidend geprägt und bringen viele neue Innovationen in das Geographische Institut. In dieser Zeit wird [[Wolfgang Kern]] als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut angestellt <ref>Riedl 2021, S. 67</ref> . | + | Die frühen 1970er Jahre werden durch den relativ jungen Ordinarius Helmut Riedl entscheidend geprägt und bringen viele neue Innovationen in das Geographische Institut. In dieser Zeit wird [[Wolfgang Kern]] als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut angestellt.<ref>Riedl 2021, S. 67</ref> |
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| − | Mit [[Karl Albrecht Kubinsky]] bringt Helmut Riedl einen ihm aus Graz bekannten Sozialgeographen ans Institut, der fast zehn Jahre lang in Salzburg unterrichtete und neben Sozialgeographie auch Politische Geographie unterrichtete und eine ganze Studentengeneration mit soziologischen Erhebungstechniken vertraut machte <ref>Riedl 2021, S. 74</ref> . | + | Mit [[Karl Albrecht Kubinsky]] bringt Helmut Riedl einen ihm aus Graz bekannten Sozialgeographen ans Institut, der fast zehn Jahre lang in Salzburg unterrichtete und neben Sozialgeographie auch Politische Geographie unterrichtete und eine ganze Studentengeneration mit soziologischen Erhebungstechniken vertraut machte.<ref>Riedl 2021, S. 74</ref> |
| − | Als erste Dissertation bei Helmut Riedl verfasste Wolfgang Kern eine wirtschafts- und sozialgeographische Untersuchung über das obere Mühlviertel <ref>Kern 1972</ref> . Wolfgang Kern wurde in der Folge nach Heinz Slupetzky und Erich Stocker der dritte Assistent in der Lehrkanzel von Helmut Riedl <ref>Bobek et al 1974</ref> . | + | Als erste Dissertation bei Helmut Riedl verfasste Wolfgang Kern eine wirtschafts- und sozialgeographische Untersuchung über das obere Mühlviertel.<ref>Kern 1972</ref> Wolfgang Kern wurde in der Folge nach Heinz Slupetzky und Erich Stocker der dritte Assistent in der Lehrkanzel von Helmut Riedl.<ref>Bobek et al 1974</ref> |
| − | Am 18.7.1972 wurde Heinz Slupetzky nur zweieinhalbjahre nach seiner Promotion für das Teilgebiet "Hydrogeographie" <ref>Riedl 2021, S. 43</ref>. Zu den Umständen, die zur Einschränkung dieser Venia führten, bestehen unterschiedliche Wahrnehmungen. Für Heinz Slupetzky selbst, hatte diese (unberechtigt) zu enge Venia den Vorteil, dass er damit nur geringe Chancen auf einen Ruf an eine andete Universität hatte, was ihm aufgrund seiner Forschungsschwerpunkte und seines Lebensmittelpunkts durchaus recht war <ref>Slupetzky 2022, S. 71</ref> . | + | Am 18.7.1972 wurde Heinz Slupetzky nur zweieinhalbjahre nach seiner Promotion für das Teilgebiet '''Hydrogeographie'''.<ref>Riedl 2021, S. 43</ref> Zu den Umständen, die zur Einschränkung dieser Venia führten, bestehen unterschiedliche Wahrnehmungen. Für Heinz Slupetzky selbst, hatte diese (unberechtigt) zu enge Venia den Vorteil, dass er damit nur geringe Chancen auf einen Ruf an eine andere Universität hatte, was ihm aufgrund seiner Forschungsschwerpunkte und seines Lebensmittelpunkts durchaus recht war.<ref>Slupetzky 2022, S. 71</ref> |
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| − | Über die Jahre 1973 bis 1974 berichtet der 35. Geographische Jahresbericht aus Österreich <ref>Arnberger et al. 1977</ref> . Alleine die Besprechungen der Dissertation zeigen nun eine deutliche Verschiebung der Forschungsaktivitäten zur Lehrkanzel von Helmut Riedl. Als neue Lehrbeauftragte tauchen in diesem Bericht die Namen [[Helmut Hartl]] (Vegetationsgeographie), [[Wolfgang Schwackhöfer]] (Agrargeographie) und [[Peter Weichhart]]. Letzterer griff die fachinternen Diskussionen in der Folge der Kieler-Wende zur Wissenschaftlichkeit der Länderkunde und des Landschaftskonzepts auf und schlug in seiner Dissertation als Alternative zur drohenden Teilung des Faches in die Physische Geographie und in die Humangeogasphie einen neuen ökogeographischen Ansatz als Grundgerüst des Faches vor, den er als '''Komplexe Geographie''' bezeichnete <ref>Weichhart 1973</ref>. | + | Über die Jahre 1973 bis 1974 berichtet der 35. Geographische Jahresbericht aus Österreich.<ref>Arnberger et al. 1977</ref> Alleine die Besprechungen der Dissertation zeigen nun eine deutliche Verschiebung der Forschungsaktivitäten zur Lehrkanzel von Helmut Riedl. Als neue Lehrbeauftragte tauchen in diesem Bericht die Namen [[Helmut Hartl]] (Vegetationsgeographie), [[Wolfgang Schwackhöfer]] (Agrargeographie) und [[Peter Weichhart]]. Letzterer griff die fachinternen Diskussionen in der Folge der Kieler-Wende zur Wissenschaftlichkeit der Länderkunde und des Landschaftskonzepts auf und schlug in seiner Dissertation als Alternative zur drohenden Teilung des Faches in die Physische Geographie und in die Humangeogasphie einen neuen ökogeographischen Ansatz als Grundgerüst des Faches vor, den er als '''Komplexe Geographie''' bezeichnete <ref>Weichhart 1973</ref>. |
| | Anfang 1973 erscheint die Festschrift für Hanns Tollner als dritter Band der Schriftenreihe <ref>Lendl & Riedl 1973</ref> . Dieser von Guido Müller als Schriftleiter koordinierte Sammelband enthält eine Reihe herausragender Beiträge international renommierter Wissenschaftler aus Deutschland, Slowenien und Österreich von der Antarktis- ubd Arktisforschung bis zur regionalen Klimatologie, die auch heute noch von Relevanz sind. | | Anfang 1973 erscheint die Festschrift für Hanns Tollner als dritter Band der Schriftenreihe <ref>Lendl & Riedl 1973</ref> . Dieser von Guido Müller als Schriftleiter koordinierte Sammelband enthält eine Reihe herausragender Beiträge international renommierter Wissenschaftler aus Deutschland, Slowenien und Österreich von der Antarktis- ubd Arktisforschung bis zur regionalen Klimatologie, die auch heute noch von Relevanz sind. |
| | [[Hermann Suida]] wurde als Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut angestellt und arbeitete an einer Dissertation über die damals sehr prosperierende bayrische Stadt Freilassing im Rupertiwinkel. | | [[Hermann Suida]] wurde als Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut angestellt und arbeitete an einer Dissertation über die damals sehr prosperierende bayrische Stadt Freilassing im Rupertiwinkel. |