Änderungen

Zur Navigation springen Zur Suche springen
keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 23: Zeile 23:     
== Bergbau und Gewerken ==
 
== Bergbau und Gewerken ==
Eine wichtige Rolle spielte über Jahrhunderte hinweg auch der [[Bergbau]], in zahlreichen Stollen in den damals noch selbstständigen Kommunen [[Bruckberg (Gemeinde)|Bruckberg]] und [[Thumersbach (Gemeinde)|Thumersbach]] wurden Kupfer- und Schwefelkieserze sowie silberhaltiger  Bleiglanz und Zinkblende abgebaut. Das „Empfachs- und Freypuech“ des „Perckhgerichts“ Zell am See weist [[1542]] zahlreiche Stollen im Besitz mehrerer Gewerken am Lienberg und Limberg auf. Obwohl der [[Bergbau]] in der Folge, auch bedingt durch eine allgemeine schwere Wirtschaftskrise, rapide abnahm, konnten [[1611]] immer noch bis zu 400 Tonnen Erze pro Jahr gefördert und daraus in den Pochwerken in der Schütt und in [[Thumersbach]] etwa 20 000 Kilogramm Fein[[kupfer]] gewonnen werden. Als Gewerken (Bergwerksunternehmer) traten hierorts besonders die Rosenberger in Erscheinung, auf sie geht auch das (ab) [[1577]] erbaute und seit [[1973]] als Rathaus genutzte [[Schloss Rosenberg]] zurück.
+
Eine wichtige Rolle spielte über Jahrhunderte hinweg auch der [[Bergbau]], in zahlreichen Stollen in den damals noch selbstständigen Kommunen [[Bruckberg (Gemeinde)|Bruckberg]] und [[Thumersbach (Gemeinde)|Thumersbach]] wurden Kupfer- und Schwefelkieserze sowie silberhaltiger  Bleiglanz und Zinkblende abgebaut. Das „Empfachs- und Freypuech“ des „Perckhgerichts“ Zell am See weist [[1542]] zahlreiche Stollen im Besitz mehrerer Gewerken am Lienberg und Limberg auf. Obwohl der [[Bergbau]] in der Folge, auch bedingt durch eine allgemeine schwere Wirtschaftskrise, rapide abnahm, konnten [[1611]] immer noch bis zu 400 Tonnen Erze pro Jahr gefördert und daraus in den Pochwerken in der Schütt und in Thumersbach etwa 20 000 Kilogramm Fein[[kupfer]] gewonnen werden. Als Gewerken (Bergwerksunternehmer) traten hierorts besonders die Rosenberger in Erscheinung, auf sie geht auch das (ab) [[1577]] erbaute und seit [[1973]] als Rathaus genutzte [[Schloss Rosenberg]] zurück.
    
== Krisen, Kriege, Epidemien und Naturkatastrophen im  Markt Zell im Pinzgau ==
 
== Krisen, Kriege, Epidemien und Naturkatastrophen im  Markt Zell im Pinzgau ==
Zeile 39: Zeile 39:  
Und bald begann mit dem Aufkommen des ersten Massentransportmittels der Menschheitsgeschichte, der Eisenbahn, auch ein neues Kapitel für Stadt und Land Salzburg. Als am [[30. Juli]] [[1875]] erstmals eine Zugsgarnitur der [[Salzburg-Tiroler-Bahn]] am Bahnhof in Zell am See einfuhr, schlug für den Markt gleichsam auch die Geburtsstunde des [[Fremdenverkehr]]s, damals wurde eine Entwicklung zu einem zentralen Fremdenverkehrsort eingeleitet, die im Wesentlichen bis heute andauert.
 
Und bald begann mit dem Aufkommen des ersten Massentransportmittels der Menschheitsgeschichte, der Eisenbahn, auch ein neues Kapitel für Stadt und Land Salzburg. Als am [[30. Juli]] [[1875]] erstmals eine Zugsgarnitur der [[Salzburg-Tiroler-Bahn]] am Bahnhof in Zell am See einfuhr, schlug für den Markt gleichsam auch die Geburtsstunde des [[Fremdenverkehr]]s, damals wurde eine Entwicklung zu einem zentralen Fremdenverkehrsort eingeleitet, die im Wesentlichen bis heute andauert.
   −
Auswärtige Pioniere, allen voran der aus dem damals preußischen Posen stammende und später in Breslau beheimatete [[Rudolf Riemann]], rüttelten die einheimische Bevölkerung wach und fanden beim „[[Bürgermeister]] mit Weitblick“ [[Josef Salzmann]], der auch verhindert hatte, dass die Bahn über [[Thumersbach]] geführt und die [[Bezirkshauptmannschaft Zell am See|Bezirkshauptmannschaft]] nach [[Saalfelden]] verlegt wurde, offene Ohren. So waren schon [[1871]] in Zell am See eine [[Alpenverein]]s<u></u>sektion gegründet und Wanderwege angelegt worden, auf der [[Schmittenhöhe]] stand seit [[1874]] den Gästen ein Unterkunftshaus, das ständig Erweiterungen erfuhr und in den 1880-er Jahren v.a. von Carl und Emilie Haschke zu einem [[Berghotel Schmittenhöhe|Berghotel]] mit über 40 Zimmern und 90 Betten ausgebaut wurde, zur Verfügung. Dass man nun zunehmend auch mit Touristen „rechnete“, zeigt die Gründung eines Verschönerungsvereins in Zell am See im Jahr [[1877]], aus dieser Zeit stammen auch die ersten Faltprospekte mit Wandervorschlägen und -karten. Verdiente [[Bürgermeister der Stadt Zell am See|Bürgermeister]] nach [[Josef Salzmann]] in der Zeller „Gründerzeit“ waren [[Josef Fill]], [[Leopold Sterzinger]] und Dr. [[Josef Müller (Bürgermeister)|Josef Müller]].
+
Auswärtige Pioniere, allen voran der aus dem damals preußischen Posen stammende und später in Breslau beheimatete [[Rudolf Riemann]], rüttelten die einheimische Bevölkerung wach und fanden beim „[[Bürgermeister]] mit Weitblick“ [[Josef Salzmann]], der auch verhindert hatte, dass die Bahn über Thumersbach geführt und die [[Bezirkshauptmannschaft Zell am See|Bezirkshauptmannschaft]] nach [[Saalfelden]] verlegt wurde, offene Ohren. So waren schon [[1871]] in Zell am See eine [[Alpenverein]]s<u></u>sektion gegründet und Wanderwege angelegt worden, auf der [[Schmittenhöhe]] stand seit [[1874]] den Gästen ein Unterkunftshaus, das ständig Erweiterungen erfuhr und in den 1880-er Jahren v.a. von Carl und Emilie Haschke zu einem [[Berghotel Schmittenhöhe|Berghotel]] mit über 40 Zimmern und 90 Betten ausgebaut wurde, zur Verfügung. Dass man nun zunehmend auch mit Touristen „rechnete“, zeigt die Gründung eines Verschönerungsvereins in Zell am See im Jahr [[1877]], aus dieser Zeit stammen auch die ersten Faltprospekte mit Wandervorschlägen und -karten. Verdiente [[Bürgermeister der Stadt Zell am See|Bürgermeister]] nach [[Josef Salzmann]] in der Zeller „Gründerzeit“ waren [[Josef Fill]], [[Leopold Sterzinger]] und Dr. [[Josef Müller (Bürgermeister)|Josef Müller]].
    
== Die Zeller Gründerzeit von 1875 bis 1914 ==
 
== Die Zeller Gründerzeit von 1875 bis 1914 ==
 
Als besondere Attraktion galt bei den Gästen des aufstrebenden Fremdenortes insbesondere auch das – vergletscherte – Hochgebirge, Ausflüge nach [[Kaprun]] und [[Ferleiten]] waren überaus beliebt. Auf Initiative des Zeller Alpenvereins und ausgeführt von Bezirksbauingenieur [[Nikolaus Gassner]], wurden in kurzer Zeit eine Mautstraße ins [[Kapruner Tal]] und ein Karrenweg bis zum [[Mooserboden]] erbaut. Auf bequeme Art und Weise konnte man ab Jänner [[1897]] ausgehend vom Bahnhof in Zell am See mit der schmalspurigen Lokalbahn in den [[Oberpinzgau]] zu den weitum bekannten [[Krimmler Wasserfälle]]n reisen.
 
Als besondere Attraktion galt bei den Gästen des aufstrebenden Fremdenortes insbesondere auch das – vergletscherte – Hochgebirge, Ausflüge nach [[Kaprun]] und [[Ferleiten]] waren überaus beliebt. Auf Initiative des Zeller Alpenvereins und ausgeführt von Bezirksbauingenieur [[Nikolaus Gassner]], wurden in kurzer Zeit eine Mautstraße ins [[Kapruner Tal]] und ein Karrenweg bis zum [[Mooserboden]] erbaut. Auf bequeme Art und Weise konnte man ab Jänner [[1897]] ausgehend vom Bahnhof in Zell am See mit der schmalspurigen Lokalbahn in den [[Oberpinzgau]] zu den weitum bekannten [[Krimmler Wasserfälle]]n reisen.
   −
Parallel zum Ausbau der Verkehrswege entstand auch in [[Zell am See]] eine Reihe von neuen Häusern, darunter das Hotel Krone, das [[Hotel Kaiserin Elisabeth]], das Hotel am See ([[Grand Hotel Zell am See|Grand Hotel]]), die Neue Post, der Pinzgauer Hof (heute Finanzamt), Geisters Seehotel, das Hotel Central, das Hotel Austria, das Hotel Elektra oder das Hotel Bellevue in [[Thumersbach]], mehrfach wurden Zell am See und die Schmittenhöhe auch von den höchsten Repräsentanten des Kaiserhauses besucht.
+
Parallel zum Ausbau der Verkehrswege entstand auch in [[Zell am See]] eine Reihe von neuen Häusern, darunter das Hotel Krone, das [[Hotel Kaiserin Elisabeth]], das Hotel am See ([[Grand Hotel Zell am See|Grand Hotel]]), die Neue Post, der Pinzgauer Hof (heute Finanzamt), Geisters Seehotel, das Hotel Central, das Hotel Austria, das Hotel Elektra oder das Hotel Bellevue in Thumersbach, mehrfach wurden Zell am See und die Schmittenhöhe auch von den höchsten Repräsentanten des Kaiserhauses besucht.
    
In der zweiten Hälfte des [[19. Jahrhundert]]s war auch in die Kunstszene verstärkt Bewegung gekommen, bekannte österreichische Künstler wie [[Thomas Ender]], [[Friedrich Gauermann]], [[Hubert Sattler (Maler)|Hubert Sattler]] und [[Edmund Höd]] genauso wie der Engländer [[Edward Theodore Compton]] und der in Zell beheimatete [[Karl Flieher]] faszinierten der Marktort und die „schaurig-schöne“ Hochgebirgslandschaft. Ihre Gemälde, Illustrationen, Stiche und Prospekte erreichten ein internationales Publikum.
 
In der zweiten Hälfte des [[19. Jahrhundert]]s war auch in die Kunstszene verstärkt Bewegung gekommen, bekannte österreichische Künstler wie [[Thomas Ender]], [[Friedrich Gauermann]], [[Hubert Sattler (Maler)|Hubert Sattler]] und [[Edmund Höd]] genauso wie der Engländer [[Edward Theodore Compton]] und der in Zell beheimatete [[Karl Flieher]] faszinierten der Marktort und die „schaurig-schöne“ Hochgebirgslandschaft. Ihre Gemälde, Illustrationen, Stiche und Prospekte erreichten ein internationales Publikum.
Zeile 75: Zeile 75:  
Anlässlich von Bauarbeiten für eine [[Flugplatz Zell am See|Segelflugschule]] des Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK) wurden auf Gemeindegrund ab 1939 von Zwangsarbeitern aus den besetzten Kriegsgebieten Baracken errichtet, auch wurde seitens der Gauleitung die Erbauung von Behelfsheimen für Bombengeschädigte in Zell am See angeordnet. Aber der Luftkrieg erreichte zunehmend auch das Gebirge, am [[25. Februar]] [[1944]] attackierten alliierte Verbände im Rahmen eines Großangriffes auf Süddeutschland Eisenbahnziele bei Zell am See, am [[29. Dezember]] 1944 wurde ein zwischen Zell und [[Bruck an der Großglocknerstraße|Bruck]] stehender und mit Munition beladener Güterzug in Tiefflügen angegriffen und durch Bordwaffenbeschuss zur Explosion gebracht. Bis Kriegsende hatte es schließlich 459 Mal Luftalarm gegeben<ref>Feuerwehrchronik; [[Horst Scholz]]; [[Bezirksarchiv Pinzgau]] Zell am See</ref>, die Stadt selbst blieb von Bombentreffern verschont.
 
Anlässlich von Bauarbeiten für eine [[Flugplatz Zell am See|Segelflugschule]] des Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK) wurden auf Gemeindegrund ab 1939 von Zwangsarbeitern aus den besetzten Kriegsgebieten Baracken errichtet, auch wurde seitens der Gauleitung die Erbauung von Behelfsheimen für Bombengeschädigte in Zell am See angeordnet. Aber der Luftkrieg erreichte zunehmend auch das Gebirge, am [[25. Februar]] [[1944]] attackierten alliierte Verbände im Rahmen eines Großangriffes auf Süddeutschland Eisenbahnziele bei Zell am See, am [[29. Dezember]] 1944 wurde ein zwischen Zell und [[Bruck an der Großglocknerstraße|Bruck]] stehender und mit Munition beladener Güterzug in Tiefflügen angegriffen und durch Bordwaffenbeschuss zur Explosion gebracht. Bis Kriegsende hatte es schließlich 459 Mal Luftalarm gegeben<ref>Feuerwehrchronik; [[Horst Scholz]]; [[Bezirksarchiv Pinzgau]] Zell am See</ref>, die Stadt selbst blieb von Bombentreffern verschont.
   −
Die von führenden Nationalsozialisten propagierte Alpenfestung war zwar ein Trugbild, dennoch befanden sich gegen Ende des Krieges Führungsstäbe der Wehrmacht und das Oberkommando der Luftwaffe (OKL) in Zell am See und Thumersbach. Ganz allgemein erlebte die Stadt in der Kriegszeit und in den ersten Monaten danach die größte Invasion ihrer Geschichte. Waren schon seit [[1942]] [[Südtiroler]] (Optanten) und Reichsdeutsche in der „Neuen Heimat“ angesiedelt worden, so kamen in  den letzten Kriegsmonaten tausende Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten in  Deutschland und Ostösterreich hinzu. In den Hotels und Gasthöfen mussten vielfach Lazarette eingerichtet werden, die Zahl der zivilen Bewohner stieg auf über 11&nbsp;000 an.
+
Die von führenden Nationalsozialisten propagierte Alpenfestung war zwar ein Trugbild, dennoch befanden sich gegen Ende des Krieges Führungsstäbe der Wehrmacht und das Oberkommando der Luftwaffe (OKL) in Zell am See und Thumersbach. Ganz allgemein erlebte die Stadt in der Kriegszeit und in den ersten Monaten danach die größte Invasion ihrer Geschichte. Waren schon seit [[1942]] [[Südtiroler]] (Optanten) und Reichsdeutsche in der „Neuen Heimat“ angesiedelt worden, so kamen in  den letzten Kriegsmonaten tausende Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten in  [[Deutschland]] und Ostösterreich hinzu. In den Hotels und Gasthöfen mussten vielfach Lazarette eingerichtet werden, die Zahl der zivilen Bewohner stieg auf über 11&nbsp;000 an.
    
== Kriegsende und  Nachkriegszeit ==
 
== Kriegsende und  Nachkriegszeit ==
63.246

Bearbeitungen

Navigationsmenü